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HersfelöerTageblatt

Mzetgmprels: We eln/palllgt Pstitzelle 15 Pfennig, 61t Reklamezelle 50 Pfennig. (GrunSschrist Korpus). Bei WieSrrholungen wird ein entsprechender Preis- Nachlaß gewährt. M die Schristlettung verant- wörtlich :ZranZ§unk in Hersfeld.p Kernsprecher Nr. S

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfelö

r Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen k^S j Keichs-Mark, ausschließlich Vestcilgrkd, für ^ersselö t 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung,, für slbbmer ; 1.00 Reichs-Mark. Druck und Verlag von Ludwig $ Zunks Buchdruckerei in siersfelS, Mitglied des VDZV.

mit des Stellagen: AllustrierLes Anterhaltungsblatt / Nach JeLeeabeaS / Herd unS GrtoUr / Mnterbatinng «av Wissen Belehrans nnö Korrweil / Wirkschattliche Gegenfragen.

Nr. 260 Dienstag, den 5. November 1929 79. Jahrgang

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Das Kabinett Tardieu.

Die französische Regierungskrise und ihre Lösung war ein erstaunliches Schauspiel. Und zwar von Anfang an. Schon der Sturz des Kabinetts Briand war eine Überraschung, zumal dieser Rücktritt in einem Augenblick stärkster außenpolitischer Spannungen erfolgte, außerdem das Vertrauensvotum aus einem wirklich nicht sehr wich­tigen und überzeugend wirkenden Grunde keine Mehr­heit fand. Erstaunlich war auch die Weiterentwicklung. Der Ruck nach links, den der Führer dersiegreichen" Oppositionspartei, Daladier, dadurch herbeiführen wollte, daß er den Sozialdemokraten ebenso viele Sitze im Kabinett anbot, als er für seine eigene Partei vorgesehen hatte, ist an der Weigerung des sozialistischen Parteivor­standes gegen eine überaus starke Minderheit übrigens gescheitert, auch die offizielle Verantwortung für die Politik eines Kabinetts unter radikalsozialistischer, also scharf links stehender Führung zu übernehmen. Obwohl man sich sowohl über das außen- wie das innenpolitische Programm eines solchen Kabinetts völlig einig geworden war! Und obwohl für die Entscheidung in dieser Frage doch nicht so ganz ohne Belang sein konnte, daß sowohl in England wie in Deutschland die Sozialdemokratie in den Regierungen die führende Rolle spielt! Erstaun­licherweise hat aber in Frankreich diese Partei nicht zu- gegriffen, als ihr die Beteiligung am Kabinett angeboten und sehr bequem gemacht wurde, blieb sie im Lager der Opposition, vielleicht deswegen, weil man dadurch bei den allerdings erst für 1932 fällig werdenden Neuwahlen zum Parlament reichere Früchte zu ernten hofft.

Allerhand Erstaunliches ereignete sich nun auch im weiteren Verlauf der Krise, spielten angebliche oder wirk­liche Mißverständnisse, Mißdeutungen oder Jntrigen eine so erhebliche Rolle, daß auch der zweite Versuch scheiterte, ein zwar nicht ganz nach links orientiertes, sich mehr auf die Mitte stützendes Ministerium zu bilden. Und nun hat Tardieu ein Kabinett zusammengebracht, das sich von dem früheren Ministerium Briand höchstens dadurch unterscheidet, daß es noch wettern achrechts hinübergreist, man es schon alsp o i .: e a r i st i s ch" b?» zeichnen kann. Und in diesem Kabinett sitzt als Minister des Auswärtigen auch wieder derselbe Briand, den vor kurzem die parlamentarische Mehrheit der jetzigen Re­gierung gestürzt hat! Sitzen auch andere Minister, die bis vor kurzem dem Kabinett Briand angehörten, u. a. auch der Kriegsminister Maginot, dessen Auslegungs- künste über die Durchführung der Rheinlandräumung vor kurzem in Deutschland Erstaunen und Befremdung hervorriefen.

Dem Kabinett Briand hatten die Radikalsozialisten bei seinem ersten Erscheinen vor der Kammer zwar kein Mißtrauensvotum ausgesprochen, sich vielmehr der Stimme enthalten: angesichts des jetzt erfolgten Ruckes nach rechts könnten sie sich aber doch zu einer andern Haltung, nämlich zur ausdrücklichen Ablehnung des Vertrauens für das Kabinett Tardieu, entschließen. Vorläufig will man zwar die neue Regierungnach ihren Taten" beurteilen, aber es würde nicht übermäßiges Erstaunen erwecken, wenn zum mindesten ein großer Teil dieser Partei eine radikalere Oppositionspolitik betreiben würde. FürunsDeutsche i st es von Wichtigkeit, daß in einer Entschließung dieser Partei von der neuen Regierung ein unbedingtes Festhalten an dervon Herriot im Fahre 1924 begonnenen und von Briand fortgesetzten Friedenspolitik" verlangt wird. Den Beweis dafür, daß das Ministerium Tardieu eine Wendung in den deutsch-französischen Beziehungen nicht bedeutet, darf es allein schon durch die baldige Auf­nahme der stillschweigend vertagten Verhandlungen über die R ä u m u n g d e s S a a r g e b i e t e s erbringen. Man darf als Deutscher die Befürchtung nicht verhehlen, daß Briands Politik wohl größeren Widerständen, als bisher begegnen wird. Wobei man noch als das vielleicht Er­staunlichste bei dieser an Seltsamkeiten reichen Geschichte der französischen Regierungskrise die Mitteilung betrachten darf, daß Briand offenbar im Hinblick auf die Ent­schließung der Radikalsozialisten sich in der Kammer ausführlich über die aktuellen Fragen der Außenpolitik äußern, also gerade das tun wird, was er als Minister­präsident ablehnte und deswegen den äußeren Grund für seinen Sturz abgab. Man wird in Deutschland daher das, was Briand sagen oder nicht sagen wird, wohl sehr genau prüfen müssen.

Sie Teilnahme an Schulversaffungsseiern.

Entscheidung des preußischen Staatsmmlstermms.

Vor der diesjährigen Verfassungsfeier erging eine Verfügung des Provinzialschulkollegiums BerliN-Lichter- felde in der Eltern, die ihre Kinder von den Schul- verfassungsfeiern am 11. August, fernhielten,, die Ent­fernung der Kiw

Kinder von der Schule in Aussicht gestellt wurde" Die deutschnationale Landtagsfraktion bat das Staatsministerium in einer Kleinen Anfrage um Aus­kunft. ob es diese Verfügung billige. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, wird diese Frage vom preußischen Kultusminister bejaht. Die weitere Frage auf welche rechtliche Grundlage sich die angekündigte Maß­regel des Provinzialschulkollegiums stütze wurde vom Minister mit dem Hinweis auf die Anstaltsordnung be-

antwortet.

9er MM-6WM geht weiter

Heue Geheimkonten der Sklareks.

Zuwendungen anSchuster",Schimmel" undHammel".

In den letzten Tagen ist es der Berliner Polizei und der Staatsanwaltschaft gelungen, Aufzeichnungen über Geheimkonten der Gebrüder Sklarek zu finden, durch die nicht nur die drei Brüder, sondern auch Mitglieder der Berliner Stadtverwaltung und städtischer Behörden auf das allerstärkste kompromittiert werden. Die Sklareks haben, um die Namen prominenter Kunden oder guter Freunde zu verschleiern, sich bei der Bezeichnung der Konten verschiedener Decknamen bedient. Hinter der BezeichnungG u st a v" hat man einen leitenden hohen Beamten der Berliner Stadtverwaltung zu suchen, wäh­rend hinter der BezeichnungH a m m e l" sich ein Be­amter der Stadtbank verbirgt, dessen Konto allerdings nicht allzu hohe Beträge aufweist. Für den kommu­nistischen Stadtrat Gäbet hatte man den Namen G a b r i e l" gewählt, während der kommunistische Stadt­rat Segnet den DecknamenD o l ch" erhielt. Für den Bürgermeister Schneider wählten die Sklareks das PseudonymSchuster". Das Konto des Stadtbank­direktors S ch m i t t wurde mitS ch i m m e l" bezeichnet.

Stadtrat D e g n e r hat monatlich 2000 bis 2500 Mark von den Gebrüdern Skla.ek erhalten. Das Konto Gabriel" weist noch höhere Summen auf, und der Be­amte mit dem DecknamenSchimmel" hat Zuwendungen erhalten, die die Bezüge der beiden ebengenannten Per­sonen ganz erheblich überschreiten. Das KontoGustav" weist im wesentlichen die Summen auf, die f ü r .gelie­

InternaiLonaie ReparaiLonsbank.

Die Verhandlungen in Baden-Baden.

Die, erste, Lesung derE-'mbän^er'oeTein^ tji vom Organisationskomitee der B. I. Z. heute nachmittag in mehrstündiger Sitzung in Angriff genommen worden. Sachliche Entscheidungen wurden jedoch nicht getroffen. Der ganze vom Unterausschuß für die Treuhänderauf­gaben der B. I. Z. ausgearbeitete Entwurf wurde nach allen Richtungen hin durchgesprochen mit dem Ergebnis, daß bereits eine große Anzahl seiner Bestimmungen dem Redaktionskomitee zur endgültigen Formulierung über- wiesen werden konnte. Eine Reihe der Bestimmungen wird allerdings in Baden-Baden Wohl kaum abschließend behandelt werden können, weil hierzu auch die Regierun­gen der Gläubigermächte gehört werden müssen, denn die Treuhändervereinbarungen sind Verträge, die die Re­gierungen der Gläubigerländer mit der B. I. Z. abzu- schließen haben. Diese Fragen werden voraussichtlich auf der zweiten Haager Konferenz Gegenstand von Beratun­gen sein. Die allgemeine Aussprache wird fortgesetzt werden, und zwar sollen zunächst die Sachlieferungs- fragen behandelt werden.

Die landwirischasilichen Genossenschaften Badens.

Vor dem endgültigen Zusammenschluß.

Unter dem Vorsitz des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft, Die t r i ch, und in Anwesenheit des Präsidenten der Preußenkasse fand in Berlin eine gemein­schaftliche Sitzung des Verbandes badischer landwirtschaft­licher Genossenschaften und des Genossenschaftsverbandes der badischen Bauernvereine statt. In dieser Sitzung wurden die letzten Schwierigkeiten, die einen Zusam­menschluß der beiden Verbände noch im Wege stan­den, fast restlos bereinigt. Es darf nunmehr erwartet wer­den, daß die großen Opfer, welche vom Reich und von der Preußenkasse gebracht worden sind, um diesen Zusammen­schluß zu ermöglichen, den endgültigen Beschluß der zu­ständigen Generalversammlung der beiden Organisationen beschleilnigen werden, damit die badische Landwirtschaft endlich von dem ungeheuren Druck der Unsicherheit frei wird, welcher über dem ganzen Kreditwesen der Landwirte in Baden lag.

Englands Arbeitslosigkeit.

Macdonald wieder im Unterhause.

In der Montagssitzung des Unterhauses wurde Pre­mierminister M a c d o n a l d , als er zum ersten Male seit seiner Rückkehr aus Amerika wieder den Saal betrat, herz­lich begrüßt. Im weiteren Verlauf der Sitzung kündigte Schatzkanzler S n o w d e n die Einsetzung eines Aus­schusses aus Finanz- und Wirtschaftssachverständigen und Geschäftsleuten an. der Vorschläge zur Entwicklung des Handels und der Industrie und zur Verwendung der über­schüssigen Arbeitskräfte ausarbeiten soll. Thomas gab eine allgemeine Darlegung der Lage des Arbeitsmarktes und betonte, daß er niemals behauptet habe, im Besitze eines Zaubermittels gegen die A r b e i t s l o s i g k e i t zu sein. Dieses sei keine zeitweilige Erscheinung, die mit zeit­weiligen Mitteln bekämpft werden könne. Sein Ziel fei, I festzustellen, wie durch Aufwendung öffentlicher Gelder Be­schäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden können, wie 1

ferte Kleidungsstücke an sämtliche Familienmit- glieder eingesetzt worden sind. Daneben finden sich aller­dings noch Aufzeichnungen über größere Summen. Die Geheimkonten werden vom Untersuchungsrichter jetzt unter Zuziehung gewiegter Sachverständiger und erfahrener Kriminalisten weiter nachgeprüst.

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Schwere Angriffe gegen den BerSiner Verkehrsdirektor.

Von der kommunistischen Presse werden in gewissem Zusammenhang mit der Skla rek- A ffär e schwer­wiegende Vorwürfe gegen den Stadtverordneten Brokat, den jetzigen Direktor der Berliner Verkehrsgesellschaft, er­hoben. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Tätigkeit Bro­kats als Direktor der Berliner Brennstoffge- s e l l s ch a f t in den Jahren 1924/25. Bei der Belieferung städtischer Anstalten und Siedlungen sollen nach diesen Vorwürfen minderwertiges Holz und Kohlen abgegeben worden sein, während die Rechnungen über wertvolles Material ausgestellt worden seien.

Direktor Brokat hat sich auf Grund dieser Vorwürfe an den Aufsichtsratsvorsitzenden der Brennstofsgesellschaft, Stadtrat Dr. T r e i t e l, gewandt, und dieser hat sofort eine Untersuchung in die Wege geleitet. Direktor Brolat selbst bestreitet auf das allerentschiedenste, von irgend­welchen Betrügereien Kenntnis gehabt zu haben.

Wie weiter bekannt wird, schwebt gegen Brokat be­reits bei der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachtes der passiven Bestechung im Zu- famnumtmtui mit dem Sklarek-Skandal.

man den Ausfuhrhandel aufhelfen und damit die In­dustrie beleben könne und wie die großen Hilfsquellen des Reiches zur Erreichung dieser Ziele herangezogen und entwickelt werden können.

Max von Baden schwer erkrankt.

Besorgniserregender Zustand.

Prinz Max von Baden, der letzte Kanzler unter dem Kaiserreich, liegt seit einiger Zeit im Städtischen Kranken-

Prinz Max von Baden.

haus in Konstanz schwer krank danieder. Der Zustand des Kranken ist besorgniserregend. Der Prinz steht im dreiundsechzigsten Lebensjahr. Er leidet an stark vor­geschrittener Arterienverkalkung und verfiel Sonntag in längere Bewußtlosigkeit. Dann trat eine geringe Besse­rung ein, doch bleibt der Zustand ernst.

Eine deutsche Expedition verschollen.

Von Indianern gefangen?

Die deutsche Indianer-Expedition des Südamerika­forschers Dr. A. W. Ade Bäßler, die Mitte Mai d. Is. ausreiste und Ende November wieder in Europa ein­treffen follte, ist gemäß den letzten in Buenos Aires vor­liegenden Nachrichten verschollen. Reisende, die vom Gran- Chaco kommen, berichten, sie hätten von Eingeborenen gehört, daß Europäer, unter denen sich auch Leute mit sonderbaren Apparaten befänden, von Indianern über­fallen und gefangen wurden. Da Dr. Bäßler mit seinen Filmapparaten diese gefährliche Gegend passiert haben muß, nimmt man an, daß es sich um die deutsche Expe­dition handelt. Dr. Bäßler steht im 40. Lebensjahr und entstammt einer Leipziger Familie. Er war lange Jahre, im diplomatischen Dienst tätig und wandle sich nach dem Kriege völkerkundlichen Studien zu.

10,05 Prozent für Volksbegehren.

Berlin. Im Laufe des Montags hat sich die Prozentziffer der Eintragungen für das Volksbegehren von 10,04 auf 10,05 Prozent laut den weiter eingegangenen Meldungen erhöht.