Einzelbild herunterladen
 

hersfelöerTageblatt

flnzelgenpretsr die einspaltige Petitzelle 15 Pfennig, die Reklamezeile 50 Pfennig. (Gronüschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. ♦ §ür die Schristleitung verant­wortlich : Zranz Zunk in Hersfeld. ♦ Zernsprecher Nr. S

ßwöfeßct Kkeisölüü [ä«?»«

/ / k 1.20 Reichs-Mark bei freier M«eüui»iz, Dr Rbbmer

Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfelö j Zunks Buchöruckerei in Hersfelö, MtMö°öes vr-ZV^ mit des BrÄageK: IllaßrierLes AnteehaltungsblaK / Nach FeLerabeKö / OeB rmS Gchollr / AnLerLsttllaa vsS W^

Belehmns naß Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragea.

Rr. 255

Mittwoch, den 30. Oktober 1929

79. Jahrgang

Deutschlands größte Bankfusion i

I Meuen tut ganzen Reiche verteilt und ntait etwa an einem

DEe Zank und Disconio-

Gesellschast vereinigt. feMK n weist sich nach D

Die Sorgen der Angestellten.

In Berlin fanden die letzten Generalversammlungen der D e u t s ch e n Bank und der D i s c 0 n t o-G e s e l l- fchaft in ihrer bisherigen Gestalt statt. Bekanntlich haben beide Banken die Fusion ihrer Institute auf voll­kommen paritätischer Grundlage vorgeschlagen, wobei gleichzeitig die ihnen im Reiche nahestehenden Banken fusionsweise mitübernommen werden. Es handelt sich in der Provinz um die Norddeutsche Bank in Hamburg, den A. S ch a a ffh a u s e n f ch e n Bank­verein A.-G. in Köln, die Süddeutsche Dis- c 0 n t 0 - G e s e l l s ch a f t in Mannheim und die R h e i- Nische Kreditbank. Diese Firmen werden in die neue Gesellschaft, die den Namen „Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft" führen wird, auf- genommen werden. Das vereinigte Unternehmen wird als Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 285 Mil­lionen Mark und offenen Reserven von 160 Millionen Mark fortgeführt werden. Die Generalversammlungen hatten ein Massenaufgebot an Aktionären auf die Beine gebracht. Man sah aber nicht nur Aktionärvertreter, sondern auch Vertreter öffentlicher Behörden und ins­besondere der Bankangest eilten Verbände.

In beiden Generalversammlungen wurden zunächst noch einmal

cher Behörden und ins

Mitteilungen über die Gründe gemacht, die die Direktionen der beiden größten deutschen Banken veranlaßt haben, diese Rieseuverschmelzung vor- zunehmen.

In der Außerordentlichen GenrwrN-vcrchmmiuug vor Direktion der Disconto-Gesellschaft er­griff als erster Dr. S a l 0 m 0 n s 0 h n das Wort zu längeren Ausführungen, in denen er auf die Bedeutung des Tages in der Geschichte des Instituts hinwies. Der Zusammenschluß mit der Deutschen Bank werde in keiner Weise durch eine ungünstige Lage des einen oder des anderen^ Instituts veranlaßt, sondern allein durch die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse.

Die Leitungen der beiden Bänken seien zu der Über« zeugung gekommen, daß eine Rentabilität des Bank­gewerbes aus die Dauer nur gesichert werden könne, wenn die Mißstände beseitigt würden, sie sich durch die ftaatlüi.'c Beeinflussung der Wirtschaftsbetriebe, durch die schweren Belastungen und durch die Zwangsregelung der Lohnverhältnisse herausgebildet hätten.

rr.

behandelte sodann in einem

längeren Vortrag eine Reihe von Gesichtspunkten, die bei der Fusion und den sich aus ihr. ergebenden Folgen zu berücksichtigen seien. Der Zweck der Vereinigung sei Be­seitigung erspar barer Unkosten und Herab- drückung der Verwaltungsausgaben auf ein der Ent­wicklung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse ent­sprechendes Maß. Die Vereinigung der beiden Banken trage ferner durch die Fülle der hier sich bietenden neuen Geschäftsmöglichkeiten den Keim der aufsteigenden Ent­

Wicklung in sich.

In der gleichzeitig mit der Außerordentlichen General- Versammlung der Disconto-Gesellschaft stattfindenden Generalversammlung der Deutschen Bank führte Direktor Wassermann u. a. aus: Wir sind un­ablässig bemüht gewesen, unseren eigenen Betrieb wirt­schaftlicher zu gestalten, und haben auch darin gewisse Er­folge erzielt. Wir haben aber nicht mehr erreichen können, als daß der R e i n g e w i n n, der in den .letzten drei Jahren ungefähr gleichgeblieben, ist, von 38 Prozent der Summe der B e a m t e n g e h ä l t e r, und zwar ohne Be­rücksichtigung der Vorstandsgehälter, für das Jahr 1926 auf 40 Prozent im Jahre 1928 gestiege- '" " " man die Wohlfahrtsausgaben, Per sich

,en ist. Berücksichtigt

man uiv ÄDuvifw-vnwuuvyww»*, ^,^.,.cherung§beträge nnd Pensionen, wofür im letzten Jahre über 8 Millionen Mark aufgewendet worden sind, so wäre das Prozentverhältnis erheblich niedriger. Dieses

Verhältnis der Personalunkosten zum Gewinn

ist durchaus unbefriedigend. Im Jahre 1913 betrug das Durchsckmittsgehalt des Angestellten 3408 Mark und er­brachte der Bank einen Gewinn von 4984 Mark, das sind 146 Prozent des Beamteneinkommens gegenüber den 1928 erreichten 40 Prozent. Die Fusion und die Verein­fachung der Organisation wird es uns ermög­lichen, unsere Arbeiten mit geringerem Personalaufwand zu erledigen. In der P e r s 0 n a l ers p ar nis liegt einer der größten, greifbarsten Vorterle unserer Fusion.

Wir sollen und wollen den einzelnen Abgebauten den Übergang in eine andere Beschäftigung nach allen Kräften erleichtern und ermöglichen. Wir haben seit dem Jahre 1923 bis jetzt unseren Personalbestand von etwa 40 000 auf 13 000 vermindert, und diese 27 000 Menschen haben fast alle in anderen Betrieben Unterkunft finden können. Jetzt handelt es sich bei den fünf fusionierten Banken zu­sammen um

einige Tausend entbehrliche Angestellte, die nicht an einem Platze, sondern über Hunderte von

। Stellen tut ganzen Reiche verteilt nno nicht etwa an einem Tage, nicht etwa während eines Monats, vielleicht nicht i einmal während eines Jahres zur Entlassung kommen. Die Schwierigkeit, für diese gut durchgebildeten, leistungsfähigen Menschen anderweitige

Betätigung zu finden, kann nicht unüberwindlich fein. Er­weist sich nach Durchführung der Fusionsarbeiten, daß die Zahl der Vorstandsmitglieder unnötig groß ist, fo wird auch hier von einer weiteren Verminderung, dar­über sind wir Kollegen, die alten und die neuen, uns durchaus einig, nicht abgesehen werden.

In der großen Angestelltendebatte,

die dann folgte, sprach zunächst Max Fürstenberg, Vertreter des Deutschen B a n k b e a m t e n v e r e t n s. Fürsten­berg setzte starken Zweifel in den volkswirtschaftlichen Nutzen der vorgeschlagenen Bankfusion. Rund 24 000 An­gestellte seien seit Bekanntwerden der Fusion in schwerer Sorge um ihre Zukunft Fürstenberg ist te’- Auffassung, daß ein wesentlicher Personalabbau der Geschästsentwicklung eher abträglich sein würde, da bei einer allzu schematischen Behandlung der Kundschaft, befonbi ' durch Maschinenarbeit, die Gefahr einer Abwanderung des Publikums in öffentliche Betriebe mit mehr individualistischer Einstellung vorhanden sei. Ein Vertreter des D euksch n at i 0 na len Hand­ln ngsgehilfenverbandes wies auf die Gefahren einer Radikalisierung im Zusammenhang mit der 1 Fusion hin. Oskar Wassermann erwiderte, datz die Ver­waltung jeden Personalabbau bedauert. Man wird die An­gestellten möglichst schonend bei dem unvermeidlichen Abbau behandeln und sie vor allem nicht lange im Ungewissen über ihre Zukunft lassen, über die schwebenden

Angestelltenverhandlungen beim Reichsarbeitsministerium bemerkte Wassermann, daß die Bankleitung diesem Ministerium allen schuldigen Respekt zolle, es aber nicht als Partner bei den Verhandlungen anerkenne Diese Verhandlungen seien viel­mehr ausschließlich Privatsache von Vankleitung und Angestelltenschaft.

Als letzter Angeslelltenrewikr stellte Marx Dom Stil» w titw 'Ai«üt^-W darin gipfelten, daß das Durchschnittsgehalt aller Vorstands- niitglieder 120 000 Mark im Jahr nicht übersteigen darf und daß der Aufsichtsrat aus höchstens 30 Mitgliedern bestehen soll.

Die Generalversammlung der Deutschen Bank, in der 788 728 Stimmen vertreten waren, genehmigte schließlich gegen 2183 Stimmen den Fusionsvertrag und die bamit ver­bundene Kapitalserhöhung.

Reichstag-zusammentritt Ende November

Nach Fertigstellung des Uonng-Planes.

Der Termin für die Einberufung des Reichstages hängt von den Vorarbeiten für die innenpolitische Gesetzgebung und von der Fertigstellung des Poung - Planes durch die internationalen Verhandlungen ab. Der Reichstagspräsident glaubt, daß der Reichstag etwa am 2 6. November zusammentreten könne. Der von anderen Seiten genannte 3. Dezember dürfte als zu spät erscheinen, weil von da an zu kurze Zeit für die Be­ratungen bis Weihnachten bliebe.

Um den neuen Etat.

Der Reichsfinanzminister vor dem Haushaltsausschütz.

Der Haushaltsausschuß des Reichs­tages nahm feine Arbeiten wieder auf. Es ist beab­sichtigt, ihn etwa drei Wochen hindurch ununterbrochen versammelt zu halten. Vor Eintritt in die Tagesordnung ersuchte Graf Westarp (Dtn.) darum, daß der Reichs­finanzminister über die st rost lose Lage der Reichs­finanzen Auskunft geben und sich darüber äußern möge, wann er den Nachtragsetat für 1929 und den ordentlichen Haushalt für 1930 dem Ausschuß vorlegen wolle. Darauf kündigte Ministerialdirektor Graf Krosigk an, daß der Reichsfinanzminister sogleich im Ausschuß den Stand der Arbeiten zum Nachtragsetat ausführlich darlegen würde.

DaladLers Mission gescheitert.

Wahrfcheinlich wieder Kabinett Briand.

Wie aus Paris gemeldet wird, hat Daladier dem Präsidenten Doumergue mitgeteilt, daß er die über­tragene Kabinettsbildung nicht d u r ch f ü h r e n könne. In Parlamentarierkreisen führt man die Absage Dala- diers auf deu Einfluß feines Parteigenossen Herriot zurück.

Es heißt, daß nunmehr mit aller Wahrscheinlichkeit mit einem neuen Kabinett Briand zu rechnen sei.

Sturm auf dem MGganske.

Kenosha (Wisconsin). Während eines heftigen Sturmes ist der Dampfer „Wisconsin" auf dem Michigansee, etwa sechs Kilometer vor Kenosha, gesunken Passagiere lind Besatzung, insgesamt 60 Personen, konnten gerettet werden. Der Dampfer „Waukegan" befindet sich aus der Höhe von Racine in Seenot und hat S.-O.-S.Mufc ausgesandt.

Einige der Geretteten wurden mit Verletzungen und in bewußtlosem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Wie sich nachträglich herausgestelU hat, werden der Kapitän und 12—17 Mann ber Besatzung vermißt. Man befürchtet, daß sie er­trunken sind. Ebenfalls ein Reisend wird vermißt.

Der Schlußstein.

Man hat den Schlußstein in das Riesengebäude ein­gefügt, das durch den Zusammenschluß der Deutschen Bank und der Disconto-Gesellschaft geschaffen worden ist; in den Generalversammlungen, deren Resultat von vorn­herein nicht zweifelhaft fein konnte, ist das Für und Wider dieser Riesentransaktion noch einmal breit erörtert

ucn Kytuuvty^i.41 gu „vuu sind, wenn sie überhaup riesigen Bankpalästen die wachst

worden. Hier Kostenersparnis, Rationalisierung — drü­ben der Widerstand aller jener, die unter die Maschine dieser Rationalisierung kommen sollen. Ein dumpfes Gefühl, unabwendbarem Schicksal gegenüberzustehen, gegen das der einzelne nichts auszurichten vermag, liegt bleiern in der Luft. Und daneben wird auch die durch­aus nicht unberechtigte Besorgnis laut, daß es schwer und immer schwerer sein wird^ diese Riesenzusammen- ballungen von einem Punkt aus so zu lenken, wie es das Wohl der Wirtschaft erheischt. Die Mechanisierung — die eine notwendige Folge solcher Zusammenballung ist und sein muß — kann und wird dazu führen, daß die Be­rücksichtigung der persönlichen Geld - und Kreditbedürfnisse des einzelnen viel schwerer Befriedigung finden kann. Und an den Börsen wird es zur fast alltäglichen Tatsache, daß ein kleines Bankhaus ganz zusammenbricht, zum mindesten sich entschließen muß, vorläufig die Zahlungen einzustellen, um sich mit den Gläubigern zu „einigen", die dann häufig zufrieden sind, wenn sie überhaupt was kriegen. Drüben in den riesigen Bankpalästen die Zusammenballungen, das An­wachsen zu Gesamtunternehmungen auf der Basis von Hunderten von Millionen — und auf der andern Seite der Verzweiflungskampf der kleinen Be­triebe ums Dasein, ein Kampf, bei dem die Leiter dieser allmählich der Flut erliegenden Betriebe zu Waffen greifen, die sich schließlich nicht bloß als unnütz her­ausstellen, sondern so manchem schon — die Pistole in die Hand gedrückt haben. Oder vor den Staatsanwalt brachten. An Opfern, an Gläubigern, die getäuscht oder betrogen ihr Letztes verloren haben, hat es ja denn nie gefehlt.

-ts( ch^^M,ME^^ jyy, „.HediMank _ auf Grund der Kostenersparnisse etwa auch eine Herab­setzung des Zinssatzes der Banken, also eine Kreditver- billigung eintreten würde. Auch diese Ablehnung wird viele enttäuschen, denen der teure Kredit von heute fast oder ganz die Gurgel zuschnürt. .

Aber so unrecht tun die neuen Bankgewaltigen doch nicht damit, vorläufig „kurzen treten". Denn nicht etwa bloß an den deutschen Banken kracht es laut und schon wochenlang im Gebälk, sind die Aktien selbst bester Papiere auf einen Stand — wenn man überhaupt von „Stand" noch reden kann — hinuntergesunken wie noch nie zuvor. In der N e w y 0 r k e r Wallstreet, dort, wo sozusagen das Goldherz der Welt schlägt, — auf der dortigen Börse kam es in den letzten Tagen zu riesenhaften Zusammen-

brüchen, zu einer fortgesetzten, sich sprunghaft bewegenden Aktienbaisse, die selbst von den amerikanischen Banken, nicht einmal mehr von dem „Weltbankier" Morgan auf- gehalten werden konnte. Man spricht von Verlusten, die in die Dutzende von Dollarmilliarden gehen — und der­artiges kommt nicht von heute auf morgen zum Stillstand.

Und wenn die Zentrale des Weltgeldmarktes von so wilden Zuckungen durchtobt wird, dann werden nur allzubald auch die anderen Märkte in London, Paris, Brüssel und Berlin angesteckt. Wenn derartig hohe Summen, die doch 311m großen Teil effektive Ersparnisse, Kapitalsanlagen sind, wenn sie auch durch eine frühere, allzu fröhliche Bewegung nach oben einen vielleicht über­triebenen Kurswert erhielten, so hat der jetzige Kurssturz eben ganze Vermögen in den Abgrund ge­rissen. Das Gebäude wieder aufzurichten wird lange dauern, schwerfallen — und unter all diesem haben natür­lich auch die Anleihen und sonstigen Kredite, die von Deutschland in Amerika ausgenommen wurden, auch schwer zu leiden gehabt, werden weiter darunter leiden, und unsere Kreditaussichten in Newyork haben sich durch diese Ereignisse selbstverständlich überaus verschlechtert, sind fast hoffnungslos geworden.

Man braucht nicht erst pessimistische Bilder an die Wand zu malen; die Wirklichkeit tut es schon selbst.

Die AufHsckung Hsr Bombenwerkstati.

Durch abgehörte Telephongefpräche.

Zur Aufdeckung der Bombenwerkstatt in einem Atelier in Altona-Othmarschen wird aus Hamburg mit­geteilt, daß der Zugriff nach der Feststellung gelang, wo­nach von verschiedenen Hotels in Hamburg-Altona aus Telephongespräche über die Attentate und deren Vorbereitung nach Schleswig-Holstein und Hannover ge­führt wurden. In dem Atelier in Othmarschen wurde zu­nächst kein belastendes Material gefunden, doch konnte bald einwandfrei festgestellt werden, daß Schmidt und der flüchtige Kaphengst dort Bestandteile von Höllen­maschinen zusammensetzten. Die den Höllenmaschinen mitgegebenen Gebrauchsanweisungen zeigen die Hand­schrift Kaphengsts, über dessen Mittäterschaft übrigens Schmidt bisher nichts aussagte.