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mit öe« Beilage»: Illaßriertes Anterhattuagsblatt / Nach VeierabeKö / Herd anS Scholle / U«tekba!A«g «ob Wisse« Belehmag «»b Kuerwei! / Wirtschaftliche Tagesfragen.

Ar 248

Dienstag, den 22. Oktober 1929

79. Iahraaug

Politik auf weite Gicht.

Young - Plan, Volksbegehren, Anleihepläne und Monopolgerüchte, Finanzreform es ist wirklichaller­hand los" in der deutschen Innenpolitik. Aber leider ist dies der Fall in einer so persönlich zugespitzten Form, prasseln von hüben wie von drüben schärfste Angriffe auf den Gegner nur so nieder, hier wie dort geht man mit der Wahrheit auch nicht immer ganz sorgfältig um: das ist das Bild der deutschen Innenpolitik von heute. Fast un- beachtet bleiben die Stimmen, die zur Besonnenheit mahnen, die von dem Heute auf das Morgen Hinweisen und darauf aufmerksam machen, daß die innen- wie außen­politischen Aufgaben Deutschlands an Bedeiltung immer höher wachsen, je länger man ihre Inangriffnahme hin- auszögert. Denn, gleichgültig, wie das Volksbegehren auslaufen wird was auf alle Fälle lange bestehen bleibt und sicherlich so bald nicht vergessen wird, ist die gegen­seitige Verbitterung infolge dieser scharfen Form des parteipolitischen Kampfes.

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Fast unbeachtet blieb ein Artikel aus der Feder eines politisch gemäßigten Mannes, wie es der Deutschvolks- Parteiler Siegfried von Kardörff unstreitig ist. Viel mehr Beachtung erfährt auch ein anderer Aufruf nicht» der ebenso wie Herr von Kardorsf darauf verweist, daß trotz der Gegnerschaft, trotz der Angriffe manches den Gegnern und den Befürwortern des Volksbegehrens gemeinsam ist. Daß aber dieses Gemeinsame vergessen wird über dem Trennenden, dem Gegensätzlichen. Und daß dies geschieht in einem Zeitpunkt, da die wirtschaftliche Lage Deutschlands sich immer bedrohlicher ge­staltet. So unrecht werden die Pessimisten nicht haben, wenn sie für den Winter eine noch stärkere Arbeitslosigkeit voraussagen, als sie Deutschland im vergangenen Winter erleben nutzte.

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Ebenso bedrohlich ist die finanzielle Lage des Reiches. Die Anleihepläne sollen zunächst dadurch ver­wirklicht werden, daß man mit dem S ch w c den t r u st nun ooey zum AvfM«D rammt. Dm Gerüchte, die von einem Abbruch der Verhandlungen wissen wollten, sind also ein Irrtum oder eine Irreführung gewesen. Allerdings hat das Reich nur die Bedingungen erzielen können, die der Schwedentrust von vornherein gestellt hatte. Einen Vorteil hat ja diese Anleihe unbedingt: sie befreit den Reichsfsnanzminister wenigstens von einem Teil der Sorgen, die ihm die kurzfristigen Schulden des Reiches bereiten. Freilich wird die Deckung des Geld­bedarfs im Ausland für die späteren deutschen Anlerhe- ansprüche und -wünsche dann erschwert werden, wenn der Schwedentrust, wie beabsichtigt ist, nach einer gewissen Sperrfrist seine dem Deutschen Reich gewährte Anleihe auf dem internationalen Geldmarkt unterbringen wird. Dazu kommt noch die weitere Erschwerung durch eine im Boung-Plan vorgeschlagene Mobilisierung der deutschen Zahlungsverpflichtungeü, worauf namentlich Frankreich bekanntlich größtes Gewicht legt. Es handelt sich habet um Militär d ensu m m e n , die die Deckung des sonstigen deutschen Anleihebedarfs sehr scharf einenden werden. Gegner der Schwedenanleihe haben hoffentlich mit Unrecht darauf verwiesen, daß die Besserung der finanziellen Situation des Reiches allzu leicht dazu ver­führen könne, die schon mehr als dringend notwendige Reichsfinanzreform an Haupt und ©Liebern weiter Hin- auszuschieben Erst muß freilich der Kampf um den Äoung-Plan entschieden sein, ehe die Regierung an bie entsprechenden Resormvorschläge herangehen kann. Auch hier fehlt es nicht an Stimmen, die im Wilden Toben des politischen Kampfes von heute zu Besonnenheit mahnen, daran erinnern, daß hier Aufgaben von größter Wichtig- ' keit vor der Regierung und dem Reichstag stehen. Von der V c r w a l t u n g s r e f o r m aber, die die Grundlage für ein Programm der Sparsamkeit abgeben soll, für ein spartanisches Sparprogramm", wie der Führer der Zentrumspartei neulich äußerte, hört man zurzeit gar nichts mehr. Höchstens das Negative, daß in Preußen eine Vermehrung der Beamtenschaft vermieden werden soll.

Es ist allzuviel in der Schwebe; man vermeidet Ent­scheidungen, läßt den vernünftig Denkenden fast überall in Ungewißheit, was denn nun eigentlich geschehen wrrd. Viel zu großes Gewicht wird auf die Tagespolitik gelegt, allzuweniq wendet man die Blicke hinaus über den gegen­wärtigen Kampf. Ob und wieweit die jetzige Regre- rungskoalition die brennenden Fragen der Wrrtschafw- und Finanzpolitik wird bewältigen können, läßt sich schwer sagen nach den Erfahrungen, die bei der Beratung der Re­form der Arbeitslosenversicherung gemacht worden sind. Auch hier ist noch alles in der Schwebe, obwohl man weiß, welch gewaltige finanzielle Anforderungen im kommendem Winter gerade wieder an diese Einrichtung gestellt werden Man soll nicht immer nur mahnen, esmuss e" Polrtik auf lange Sicht getrieben werden, sondern man soll damrt endlich beginne n.

RMühe ses WOWMndes in Kreuznach.

Bad Kreuznach. Die Besatzungsbehörde hat nun­mehr das seit dem Einzug der Besatzung beschlagnahmte Ge­lände im Ausmaße von 154 ®Hr' das als Flugplatz benutzt wurde, der deutschen Berwaltun urückgegeben.

169 Personen fliegen

Rekordfahrt desDo. X".

In 1 % Stunden um den Bodensee.

Ende voriger Woche schon hatte das Riesenluftschiff Do. X" zu einem Rekordflug aufsteigen wollen, aber das Wetter war fo unsicher, daß der Start von Tag zu Tag verschoben werden mußte. Man wollte eine stabile Wetterlage abwarten und es sah im Bodenseegebiet auch zu Beginn der neuen Woche nicht so aus, als wenn man mit günstigerer Witterung hätte rechnen dürfen.

Montag vormittag um 11 Uhr 15 aber ist das Groß­flugzeug, die augenblickliche Aufheiterung des Wetters ausnutzend, zu allgemeiner Überraschung gestartet. An Bord befanden sich nicht weniger als 150 Fluggäste; dazu kamen noch die zehn Mann starke Besatzung und, wie es sich erst nach der Landung herausstellte, etliche blinde Passagiere. Das Flugschiff brauchte für den Start nur 50 Sekunden. Es umkreiste den Bodensee in wech­selnder Höhe, wurde auf der deutschen und aus der schwei­zerischen Seite von zahlreichen Menschen mit großer Be­geisterung begrüßt und ging um 12.40 Uhr an der Abflug- stelle glatt zu Wasser. Der Rekord für Verkehrsflugzeuge, der bisher von dem S u p c r w a l der Dornier Metall­bauten G. m. b. H. mit 60 Fahrgästen gehalten wurde, und der Rekord für Luftschiffe, den das neue englische Luftschiff R. 1 0 1" mit 75 Personen an Bord hielt, sind durch den Rekordflug desDo. X" weit überholen.

WasDo. X" tragen kann.

Bei seinen letzten Starts hatte das Flugschiff eine Gesamtlast von 50 000 Kilogramm gehoben; jetzt hat sich diese Leistung auf 52 000 Kilogramm erhöht und man er­wartet, daßDo. X" in Meereshöhe eine Hubkraft bis zu 54 Tonnen erreichen wird. Das Flugschiff kann außer den mehr als 160 Mann, mit denen es diesmal aufgestiegen war, noch Betriebsstoff für eine Reise von 1200 Kilometern tragen; die Gesamtlast würde ungefähr dem Gewicht te« 300 Passagieren entsprechen^ .

ZmdholzmWiil

Smiguas Wer das Mnopoi.

Die 500 -Millionen -Anleihe des Reiches.

Ivar Stetiger, der König des schwedischen Zündholztrustes, und R .hsfinanzminister Dr. Hilser- ding trafen in ;<m letzten Tagen wieder in Berlin ein. Damit begannen im Reichsfinanzministerium die Be­ratungen über die Reichsanleihe und das Zündholz­monopol erneut. Die Arbeiten wurden so weit gefördert, daß der Abschluß und die definitive Unterzeichnung der Verträge in jedem Augenblick erwartet wurden. Die dem Reich zu gewährende Anleihe im Gesamtbetrage von 500 Millionen Mark soll aus 50 Jahre unkündbar sein und zu sechs Prozent fcftgelegi werden.

Der Auszahlungskurs beträgt 93 Prozent. Spesen und Provisionen werden nicht berechnet, so daß das Reich einen Nettobetrag von 465 Millionen Mark erhält. Die Deutsche Zündholzverkaussaktiengesellschaft wird in eine halbstaatliche Organisation zur Durchführung des Mono­pols verwandelt.

Erhöhte preise.

Es wurde am Montag nur noch über kleine Einzel­heiten verhandelt. Im großen und ganzen war man sich einig. Die Erhöhung der Zündholzpreise ist sicher. Der Kleinverkaufspreis wird von 25 Pfennig für die Packung von zehn Schachteln auf 30 Pfennig erhöht, fo daß eine wesentliche Belastung des letzten Verbrauchers eintrOt

Hsesch Bet Brianb.

Die Haager Abmachungen.

Der deutsche Botschafter von Hoesch, der von seinem Urlaub zurückgekehrt ist, hatte Montag nachmittag eine einstündige Unterhaltung mit dem französischen Minister­präsidenten Briand. Der Botschafter brächte zunächst den Dank der deutschen Regierung für die Beileidsbezeugun­gen anläßlich des Todes des Reichsaußenministers Dr. Stresemann zum Ausdruck. Im übrigen bezog sich die Unterhaltung auf den Stand und die Weiterführung der Arbeiten der durch die Haager Konferenz eingesetzten Ausschüsse.

u Könige in Keiien.

Habib Ullah droht die Todesstrafe.

Der ehemalige König von A f g h a n i st a n, Habib Ullah, wurde mit feiner Familie in Ketten nach Kabul gebracht. Nadir Khan hat einen Befehl unterschrieben, daß gegen Habib Ullah und seine Mitarbeiter ein Sonder- gericht gebildet werden soll, das Habib Ullah wegen seines Aufstandes gegen Aman Ullah aburteilen soll. Man er­wartet, daß das Sondergericht gegen Habib Ullah und seine Mitarbeiter die T o d e s st r a s e beantragen wird.

Von der Ballanfnhri desGraf Zeppelin".

Das Luftschiff über der Kathedrale von Sofia.

- rag -i^t n^ dapM^^-7^7^^ ordentlich ruhig war und daß der fliegende Riese jeder, auch der geringsten Steuerbewegung gehorchte.

und Msunleihe II

Die bestehende deutsche Zündholzverkaussakttengesellschafi erhält das alleinige Recht zur Aus- und Einfuhr von Zündhölzern sowie für den Vertrieb der Gesamtprodukts« sämtlicher deutschen Zündholzfabriken. Die jetzige Zün»- Holzfabrik der Konsumvereine sowie sonstige nicht angs» schlossene Fabrikanten treten dem Syndikat bei. Aus ve« Reinüberschüssen des Zündholzvertriebs erhalten i-U deutschen und die schwedischen Aktionäre eine feste Dlo^ dende von acht Prozent. Darüber hinausgehende Ge­winne werden zwischen Reich und Schwedentrust verbüß Nach zehn Jahren soll das Reich die BerechtigunghaB-r. die 500-Millionen-Mark-Anleihe zu kündigen. Bis dahin findet eine Amortisierung nicht statt. |

Zündholzanleihe abgeschloffen.

Vorvertrag unterschrieben.

Montag ist im Reichsfinanzministerium nach offizieller Meldung zwischen dem Reich einerseits und Herrn Jvar Kreuzer andererseits ein Vorvertrag über ein im Zu- sammhang mit der Neuregelung der deutschen Zündholz­wirtschaft stehenden Anleihevertrag paraphiert worden, über die Grundlagen dieses endgültigen Vertragsab­schlusses besteht volles Einverständnis. Einzelheiten sind noch Gegenstand der Verhandlung. Der endgültige Ab­schluß des Vertrages selbst wird in einigen Tagen er­folgen. Die Öffentlichkeit wird dann über den Inhalt des Abkommens eingehend unterrichtet werden.

Diplomatischen Korps in Kabul mitgeteilt, daß die neue afghanische Regierung alle Maßnahmen getroffen hat für den Schutz des Eigentums und Lebens der Ausländer, die sich in Afghanistan aufhalten.

Aman Ullahs Bruder ermordet.

In einer verschlossenen Kammer der Zitadelle in Kabul wurden die Leiche von HayatUllah, eines Halb­bruders Aman Ullahs, und die Leichen Adul Khans, eines Bruders Aman Ullahs, und des früheren Gouver­neurs von Kandahar gefunden. Außerdem wurden drei weitere Leichen gefunden.

'Z-ngsfeiem im Memtand.

Politische Neutralität.

In vielen Orten des freiwerd enden besetzten Gebietes hatte man sich mit Plänen von Befreiungsfeiern beschäf­tigt. Der Oberpräsident der Rheinprovinz hat inzwischen die Stadt- und Amtsverwaltungen anweisen lassen, vor­läufig keine Vorbereitungen zu treffen, um nicht die be- abstchtigte große Rheinlandfeier zu zersplittern. In einer gemein ? . n Besprechung der Regierungspräsidenten soll berat : ' in welchem Rahmen und nach welchen Rick, ' in finden soll. Die Feier soll unter g/ß:z-

Iv Neutralität stehen.