HersfelöerTageblatt
Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeiö mit des Bs läge : AlLustriertes AoterhalLsagSblaLt / Nach KeierabeuS / HerZ and Schotte / Anfeebsttovs and WUeo Belehmus »ob Kmrwei! / WiZtschaftliche TagesfrasM.
Monatlicher Bezugspreis: durch Sie Post bezogen 1,50 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersftiv 1.20 Reichs-Mark bei freier Ae^cIi»-^, für Rbljoiet 1.00 Reichs-Mark.» druck und derlag von Luowig ; Kunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VLZV.
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flnzeigenprels: die einfpaltlgr petttzeile 15 Pfennig, die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grundfchrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preisnachlaß gewährt. * Kür die Schriftleitung verant- wörtlich: Kranz Kunk in Hrrsfeld. ♦ Kernsprecher Nr. 8
Nr 246 (M« AM) SonnabenS, den 19. Oktober 1929 79. Jahrgang
Dr. Kaas über As Lags.
Eine Rede in Dortmund.
Der Vorsitzende der Deutschen ZentrunApartei, Profesim Dr. K aas, sprach in einer großen Versammlung tu Dort- inund über die gegenwärtige außen- und innenpolitische Lage. Er beklagte den Mangel einer innerlich ausgeglichenen, durch einheitlichen Willen zusammenhaltenden koalitiousmäßig fest gebundenen Regierung. Jede in der Regierung vertretene Partei müsse den Mut und die Selbstverleugnung lernen, gouvernemeutal zu denken und zu handeln, müsse sich zur Sachlichkeit ciitwiifeln und selbst einmal die Unpopularitat aus sich nehmen können. Weder die S o z i a l d e m o k r a-t e u noch die Deutsche V o l k s p a r t e i hätten in dieser Beziehung stets folgerichtig gehandelt. Auch die sogenannte nationale Opposition entbehre der ernsthaften Zielsetzung, wie es sich jetzt wieder beim Volksbegehren zeige, das einer
wahrhaft nationalen Ansbanpolitik
verheerend entgegenwirke. Dr. K a a s kündigte die Bereit» Willigkeit des Zentrums zu planvollen Reformen im Innern an. Die Liquidation des Krieges sei im Gange, aber noch nicht zu Ende; man müsse nur an die deutsche Saar denken. Der sachliche Inhalt und das Tempo der Erledigung der Saarabmachungen werben von wesentlichem Einslutz auf die Weitereuiwicklung der politischen Verhältnisse sein. Ein» wirkliche vaterländische Opposition müsse sich mit beiden Fützev auf den Boden des heutigen republikanischen StaatswesenS stellen. Es sei eine Vergiftung der öffentlichen Meinung, wenn der Versuch gemacht werde, die Stellungnahme zu den Ergebnissen der deutschen Außenpolitik unter dem Gesichtspunkt vaterländischer oder ntchtvaterländisZer Gesinnung zu sehen. Der Aufstieg Deutschlands könne na; nicht vollziehen im aggressiven Stampfe gegen die Willkürbestimmungen der Friedensverträge, sondern nur in geduldiger, moralischer Offensive für die Erringung eines ausgeglicheneren und gerechteren Friedenszustandes, als Versailles ihn beschert habe.
Llmzügs in Bsrlm verboien.
Wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit.
Der Berliner Polizeipräsident macht bekannt: „Hiermit verbiete ich auf Grund des Art. 133 Abs. 2 der Reichs- verfassung für Sonntag, den 20. Oktober 1929, für den Ortspolizeibezirk Berlin alle Nmzüge^ -ns öffentlichen Straßen und WWh EWMM M MMMene« An- Märsche zu Versammlungen unter freiem Himmel oder in geschlossenen Räumen."
Für Sonntag hatten die Nationalsozialisten einen Werbemarsch u. a. durch die Arbeiterviertel geplanr. Auch der Stahlhelm wollte ähnliche Veranstaltungen treffen. Die K o m m u n i st e n kündigten Gegenkund- gebungen an.
Schwierige Lage her oberschlesischen Landwirischast.
A u s s ch u ß e n t s ch l i e ß u n g der L a n d Wirtschaftskammer Oberschlesien.
Der wirtschaftspolitische Ausschuß der Landwirtschaftskammer Oberschlesien hat an die Reichs- und Staatsbehörden eine dringende Entschließung wegen der Preisgestaltung der landwirtschaftlichen Produkte, besonders von Roggen und Kartoffeln, in Oberschlesien gerichtet. Es heißt in dieser Entschließung u. a.: Die oberschlesische Landwirtschaft hat nicht nur in dem abgetretenen Teil Oberschlesiens ein sehr gutes Absatzgebiet verloren, sondern wird noch darüber hinaus in dem verbliebenen Gebiet in schärfster Weife durch die polnische Konkurrenz bedrängt. Die oberschlesische Landwirtschaft ist dadurch gezwungen, große Getreide- und Kartoffelmengen auf weiten Frachtwegen nach dem Innern Deutschlands zu exportieren.
Zur Behebung der Notlage wird eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen, und zwar verschärfte Handhabung der Ursprungskontrolle bei der Einfuhr aus Polnisch-Oberschlesien, Gewährung von Frachtermätzi- gnngen, beschleunigte Verabschiedung des Gesetzes über den Verkehr mit Speisekartoffeln, Gewährung eines Zusatzkontingents in Höhe von 25 Prozent aus dem bestehenden Brennkontingent, Stützung des Roggenmarktes durch die Getreidehandelsgesellschaft und die Durchführung von kredit- und steuerpolitischen Maßnahmen zugunsten der Landwirtschaft.
Darüber hinaus hat der wirtschaftliche Ausschuß an die oberschlesische Landwirtschaft die Aufforderung gerichtet, die Ernte unter keinen Umstünden zu verschleudern und von einer stärkeren Verfütterung von Kartoffeln durch Vermehrung der Schweinehaltung abzufehen, dagegen überschüssige Kartoffelmengen für das Rindvieh zur Mast und zur Milchgewinnung zu verwenden.
Neuer König in Afghanistan.
Nadir Khan.
Die Voraussagen behielten recht, nach denen der frühere Kriegsminister Aman Ullahs den umstrittenen Thron Afghanistans durch die Vertreibung Habib Ullahs aus Kabul für sich selbst erobert habe. Wie aus Kabul gemeldet wird, hat die Nationalversammlung mit Stimmenmehrheit Nadir Khan zum König von Afghanistan gewählt.
Die Truppen Nadir Khans haben die lange von Habib Ullahs Anhängern gehaltene Zitadelle nach heftiger Beschießung eingenommen und halten jetzt Kabul vollständig besetzt. Nadir Khan zog an der Spitze von 12 000 Mann ein. Der Gefchäftsträger der afghanischen Gesandtschaft
Deutschlands neuer Kreurer
Der Stapettauf
des Kreuzers „Leipzig".
Leipzigs Oberbürgermeister hält die Taufrede.
Der fünfte Kreuzerneubau der deutschen NeichK. . marine lief am Freitag vormittag aus der Marinewerft W i l h e l m s h - v e n bom Stapel: den Kreuzern „Emden", „Königsberg", „Köln" und „Karlsruhe" folgte die „L e i p z i g". Der neue Kreuzer stellt gegenüber den vier voraufgegangenen Kreuzern einen neuen Typ dar. Maschinen- und Ruderanlagen haben eine weitere Modernisierung erfahren.
Unter den Ehrengästen, die dem Stapellauf der „Leipzig" beiwohnten, befanden sich Reichswehrmmister G r ö n e r, der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. e. h. Räder, der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Dr. B ü n g e r, der Oberbürgermeister von Leipzig, Dr. Rothe, Reichsratsbevollmächtigte, Reichs- tagsabgeordnete u. a. Auf Einladung des Reichswehr- ministeriums waren ferner die beiden Söhne des gefallenen Kommandanten des Kleinen Kreuzers „Leipzig", Kurt und Eberhard Hauu, anwesend. Von der überlebenden Kriegsbesatzung der „Leipzig" nahmen an dem Stapellauf acht Herren teil. Alle in Wilhelmshaven weilenden Schiffe sowie die Laudmarineabteilung stellten Abordnungen. Die Schiffe hatten über die Toppen geflaggt und auch die Städte Wilhelmshaven-Rüstringen zeigten reichen Flag- geuschmuck.
Nachdem der Reichswehrminister und seine milttä- rischen Begleiter unter den Klängen des Präsentier- marsches die Front der Ehrenkompagnie abgeschritten und die Überlebenden des bei den Falklandsinseln gesunkenen Kreuzers „Leipzig" sowie einen auf der Werft feit fünfzig Jahren beschäftigten Arbeiter be® Prüht hatten,'hielt Q b e r ü i t gx r in eLfter. Dr,.» ath a von der^.Tau.sWrL^ Er erinnerte an
die erste Kreuzerfregatte „Leipzig", die von 1875 bis 1893 im Dienste der Marine stand, und an den Kleinen Kreuzer „Leipzig", der 1905 vom Stapel lies und am 8. Dezember 1914 einer starken englischen Übermacht erlag und mit seinem Kapitän Haun in die Tiefe sank. Dann fuhr Dr. Rothe also fort:
„Nach den furchtbaren Lehren des Weltkrieges denken wir bei der Taufe eines Kriegsschiffes an die Verbindung der Heimat mit den Deutschen im Auslande, an den Schutz der im Auslande lebenden Deutschen und an den Schutz unseres Außenhandels. Wenn das Schiff in den Häfen des Auslandes anlegt, dann soll es den fremden Völkern, die es sehen, zeigen, was deutsche Technik, deutsches Können und deutsches Wissen leisten, wie deutsche Offiziere und Matrosen in Disziplin, aber auch in begründetem Selbstbewußtsein die deutsche Nation fest und würdig vertreten. Zugleich soll durch den Namen, den es trägt, das Schiff Kunde geben von der deutschen Stadt, die durch ihre Messen und durch ihren Welthandel Beziehungen pflegt zu allen Ländern, und soll diesen Namen weiter tragen."
„Ich taufe dich „Leipzig"!"
Im Anschluß an diese Taufrede taufte die Witwe des bei den Falklandsinseln gefallenen Kommandanten des früheren Kreuzers „Leipzig" das Schiff mit den Worten:
in London gibt bekannt, daß er eine amtliche Mitteilung vom afghanischen Außenministerium erhalten habe, in dem die einstimmige Wahl Nadir Khans zum König von Afghanistan bestätigt werde. In den meisten Provinzen soll er bereits anerkannt sein. Wie lange sich vieler neueste König oder Emir, der offenbar von England begünstigt wird, halten wird, läßt sich bei dem um die Oberherrschaft andauernd ringenden diplomatischen Intrigenspiel zwischen England und Rußland nicht erkennen. Von dem vertriebenen Aman Ullah ist einstweilen nicht mehr die Rede. _____
Die gwße AlkoholrazZia m Amerika.
Hat die Polizei mitgeschmuggelt?
Die Newyorker Polizeirazzia, die zur Entdeckung eines großen Spirituosenschmuggelrings führte, bildet in Amerika die Sensation des Tages. Sie gilt als die größte Razzia seit' der Einführung der Prohibition. Es wird behauptet, daß die Schmugglergesellschaft die gesetzwidrige Einfuhr von Alkohol an der gesamten Ostküste von Maine bis Virginia in den Händen gehabt habe. Sie hatte Agenturen in Kanada, in England und noch in anderen Ländern. Ihre Geschäfte wurden von gewissen Bankiers finanziert; auch wurden die Schmuggler von angesehenen Anwälten beraten. Die Behörden untersuchen jetzt diese Beziehungen sowie die Möglichkeit, daß
Mitglieder des Küstenwachdienstes und der ProhlbitioKspolizei
mit dem Schmuggelring zusammenarbeiteten. Ein Blatt berichtet, der Schmuggelring habe jährlich für fünf Millionen Dollar Alkohol gekauft und für fünfzehn Millionen Dollar wieder abgesetzt; nach einem anderen Blatte tourben wöchentlich etwa 20 000 Kisten Spiritussen
„Ein Wahrzeichen uns gilt: das Vaterland zu erretten! Auf Befehl des Herrn Reichspräsidenten taufe ich dich „Leipzig"!" Die Flasche deutschen Schaumweins zerbrach klirrend am Bug. Das Schiff setzte sich langsam in Bewegung und glitt unter dem Jubel der Zuschauer ins Wasser. Die Menge fang das Deutschlandlied. Nach der Feier begaben sich die Gäste zum Werftspeisehaus, wo bei einem Imbiß der Reichswehrmimster das Wort ergriff. _ L
Der Stapellaus des Kreuzers „E", der auf den Namen „Leipzig" getauft wurde, auf der Marinewerft Wilhelmshaven am 18. Oktober. (Nach einer Zeichnung.)
Dr. Grüner gedachte der Toten des Wettfrieges, besonders der heldenmütigen Besatzung des alten KreuMLT „Leipzig" und feines vorbildlichen Kommandanten. Dann begrüßte er die erschienenen Ehrengäste, in erster Lnie die überlebenden der „Leipzig" und die Witwe des Kommandanten Haun. Er schloß mit den Worten: „Das Gedächtnis an Ihren Gatten wird fortleben durch Generationen in der deutschen Wehrmacht. Darin mögen Sie für das schwere Schicksal, das Sie persönlich betroffen hat, einen gewissen Trost finden."
9er Reichspräsident zum Stapellauf des Kreuzers „Leipzig".
Berlin. Reichswehrmmister Grüner richtete aus Wilhelmshaven folgende telegraphische Meldung an den Reichspräsidenten: „Kreuzer „Leipzig" in Anwesenheit der Ehrengäste, unter ihnen acht Überlebende der im heldenmütigen Kampfe bei den Falklandinseln gefallenen alten „Leipzig"-Besatzung, auf Marinewerft soeben glücklich vom Stapel gelaufen." Der Reichspräsident erwiderte darauf: „Für die Meldung vom glücklich erfolgten Stapellauf dankend, wünsche ich dem neuen Kreuzer E, der den Namen des im heldenmütigen Kampfe bei den Falklandinseln am 8. Dezember 1924 gesunkenen Kreuzers »Leipzig" trägt und dadurch das Gedenken an dieses tapfere Schiff und die mit ihm untergegangenen braven Kameraden lebendig erhalten wird, allezeit glückliche Fahrt. Möge die neue „Leipzig" in treuer Pflichterfüllung der alten nacheifern." gez. von Hindenburg, Reichspräsident.
umgesetzt. Bet der jetzigen Preislage wurde dies einen Wochenumsatz von etwa einer Million Dollar betragen. Einer der größten Alkoholschmuggler erklärte, daß er trotz aller Razzien imftanbe sei, tausend Kisten Spiritusse« innerhalb 25 Minuten zu liefern. Der Schmuggelrmg werde seine Tätigkeit von neuem ausnehmen, sobald die Verhafteten gegen Bürgschaft freigelassen seien.
Die Schweizer-Fahrt des „Graf Zeppelin" abgesagt.
Friedrichshafen. Wegen der zurzeit herrschenden trüben und nebeligen Witterung ist der neue Flug des „Graf Zeppelin" nach der Schweiz am Sonnabend bereits heute vom Programm abgesetzt worden. Die nächste Fahrt, die das Luftschiff Unternehmen wird, ist diejenige am Sonntag nach Stuttgart bzw. Schlingen. Die wenig Sicht bietende Witterung im Bodeuseegebtet hat auch dazu geführt, daß der in Aussicht genommene Flug des „Do X" mit etwa 150 Passagieren au Bord unterbleiben mußte.
Die Generalversammlung des Internationalen Hotelbesitzer- vereins.
Köln. Die Generalversammlung des Internationalen Hotelbesitzervereins genehmigte den Geschäftsbericht, die Bilanz und die Satzungsänderungen. Zum Präsidenten wurde Sir Francis Towle-London gewählt, zu Vizepräsidenten Burkard- Spillmann (Luzern), Kommerzialrat Jung (Salzburg), Kom- merzienrat Kossenhaschen (Erfurt-Magdeburg), Krämer (Mal- mö), Zamaretti (Mailand). Als Tagungsort der nächsten Versammlung wurde London bestimmt.
Die Verfassungsreform in Österreich.
Wien. Die Bundesregierung hat in der Sitzung des Nationalrates d-e angekündigte Verfassungsreformvorlage eingebracht. Die mit der Verfassungsreform verfolgten Hauptziele betreffen die Reform der gesetzgebenden Körperschaften des Bundes, die Stärkung der staatlichen Autorität, die Ent- Politisterung der Verwaltung und der Rechtsprechung sowie die Neuregelung der Stellung der Bundeshauptstadt Wien.