hersfelSerTageblatt
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Hersfrlörr Kreksblatt sSB^^
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Mit tat Wellagm: NllnSrlertss Anierhattuügsdlatt / Nach ^eietabend / SerS MS Scholle / UnfetbAltana Wß Wisse« Belehrung nnS Kurzweil / WiEchaftllche TsgMragkn.
Rk 243
Mittwoch, den 16. Oktober 1929
79. Jahrgang
Sachlichkeit.
Man redet heute so viel von der „neuen Sachlichkeit", wendet sich im kulturellen wie im künstlerischen Leben, in Haltung, Gebärde, Tracht und sonstiger Lebensform schroff, bisweilen überschroff ab vom Unsachlichen, Überflüssigen, vom Schnörkel der Phrase oder des Umweges. Zweifellos mit viel Berechtigung, aber dort, wo es am berechtigtsten wäre, phrasenlos nur die Dinge sprechen zu lassen, auf dein Gebiete der Politik, dröhnt und hallt es wie einst vor 3000 Jahren, als sich unter Trojas Mauern vor jedem Zweikampf die homerischen Helden gegenseitig fürchterlich beschimpften. Von einer solch m i ß t ö n e n - d e n Blechmusik, vom Trompetengeschmetter der gegenf^ltgen Beschimpfungen sind auch heute noch, und nicht zwetzt im lieben Deutschland, die politischen Auseinandersetzungen begleitet, die gerade jetzt wieder anläßlich des Volksbegehrens lebhaft geführt werden.
Man sagt auch noch etwas anderes: „Politik verdirbt den Charakter." Das ist, wie jedes Sprichwort, nur zur Hälfte Wahrheit. Oft ist an dem betreffenden Charakter nicht mehr übermäßig viel zu verderben. Was die Politik aber bestimmt verdirbt, das ist der „gute T o n", zwar nicht „in allen Lebenslagen", wohl aber dort, wo der Politiker auf den Gegner stößt oder zu stoßen glaubt. Dabei gibt es von ganz rechts bis ganz links keine Ausnahmen. Oder nur sehr wenige. Wohin ist die Zeit entschwunden, da sich ein „Pfui!"-Rufer im Deutsche»! Reichstag einen Ordnungsruf zuzog, weil ein derartiger Ausdruck „un- parlamentarisch" sei. überhaupt — „sich parlamentarisch benehmen sollen" ist schon zu einer fast als Beleidigung empfundenen Mahnung geworden. Und früher prallten doch auch weltanschauliche, das tiefste Innere des politisch denkenden Deutschen berührende Gegensätze, aufeinander. Davon ist jetzr nicht mehr allzuviel die Rede, versackt das Interesse des deutschen Volkes an derartigen Problemen, drängt sich das Finanziell-Wirtschaftliche breit in den Vordergrund — sind darum schärfere, „paprizierte", übertreibende, aufpeitschende Mittel br<iJ2fd)£r9(aitato
tzevetgesuyrl worden? Da merkt man nirgends etwas von „neuer Sachüchkert oder um- büKt sie stacheldicht mit Beschimpfungen des Gegners, mit Unterstellungen aller möglichen finsteren Absichten des Egoismus, des Strebens nach Macht — als ob das was Unmoralisches wäre! — usw-, beschuldigt ihn der bewußten Lüge und Verleumdung und aller möglichen Verbrechen. Und müßte doch zunächst einmal den Balken aus dem eigenen Auge ziehen! Mit der „politischen Drecklinie", von der einst Bismarck sprach, er, der nie, trotz aller- schärfster Kämpfe, einen Gegner beschimpft hat, ist es tatsächlich immer schlimmer und schlimmer geworden. Und wenn es wirklich wahr wäre, daß, „Wer schimpft, unrecht hat", dann gibt es schon längst keine Politiker nnd keine Parteien mehr, die — recht hätten.
Nicht zuletzt ist ja dies alles auch der Grund, »Deswegen sich vielfach gerade bessere, wertvollere, aber feinfühligere Naturen von einer praktischen Betätigung im politischen Leben längst zurückgezogen haben. Sie lehnen es ab, sich, oft um Kleinigkeiten »Villen, gleich in jene Drecklinie stellen zu sollen. Schließlich »vird ja auch das Volk mehr und mehr abgestumpft gegen derartig „knallende" Effekic. Mit Recht, denn wenn man sieht, daß dies alles keine Wirkung mehr hat, kann es vielleicht anders, besser werden.
Dsr ftünzösffchs Ministerrai
zu ö§K UsutZg-Serhanölungen.
Die Einladung zur Seeabrüstungskonferenz angenommen.
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Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik st in Paris ein Ministerrat statt. Außenminister Briand hat über die S e e a b r ü st u n g s k o n f e r e n z gesprochen, die im Januar in London zusammentreten soll. Der Ministerrat beschloß, die Einladung zur Teilnahme anznnehmen. Der Ministerratz hat sich alsdann mit dem Wiederbeginn der parlamentarischen Session beschäftigt. Was die Interpellationen über die allgemeine Politik über den Young-Plan und über die Abkommen vom Haag anbetrifft, wird die Regierung den Antrag stellen, die Beratung bis zu der Debatte zu vertagen, die Anfang November über die Ratifiziernng dieser Abkommen beginnen wird.
AMisn bei Krau Subkow.
Silbergegenstände mit Krone bevorzugt.
In einer stillen Villenstraße in Bonn liegt das Palais Schaumburg, in dem die ehemalige Prinzessin Viktoria von Preußen zuerst mit ihrem ersten Manne, dem Prinzen von Schaumburg-Lippe, und dann mit dem russischen Abenteurer Alexander Subkow, ihrem zweiten Gatten, gelebt hat. Die Geschichte dieser zweiten, romanhaften Ehe der Prinzessin ist so oft erzählt worden, daß man kaum noch näher auf sie einzugohen braucht. Doch über ein neues Kapitel dieser Geschichte ist zn berichten, über ein Kapitel, das von der Versteigerung des in der Villa Schaumburg befindlichen Besitzes der früheren Prinzessin handelt. Frau Subkow lst bekanntlich infolge der Vergeudungssucht ihres jetzigen Mannes derart in Schulden geraten, daß sie weder ein noch aus wußte und daß schließlich über ihr Vermögen
NeueBetrügereienderGKareks
1,5 Mienen verschoben.
Schädigung einer Württembergischen Schuhfabrik.
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Die Gebrüder Sklarek standen, wie jetzt feftgefti worden ist, auch in Verbindung mit der Tuttlinger Schuhfabrik E. Reichte, die nun einen Buchverlust von über 100 000 Mark erleidet, der sich aber durch Versicherung bei der Hcrmes-A.-G. auf etwa 50 000 Mark ermäßigt. Die Sklareks haben diese Geschäftsverbindung zu großen Betrügereien benutzt. Nach dem Sklarekschen Kassenbuch sollen in der Zeit vom 2. bis zum 19. September d. J. anderthalb Millionen Mark an die Tutt- linger Schuhfabrik gezahlt worden sein. Von diesem Betrage ist jedoch in Tuttlingen nicht ein Pfennig ein- gegangen. Dieser verbuchte Betrag übersteigt den Umsatz der Fabrik mit den Gebr. Sklarek um ein Vielfaches, da dieser Umsatz nur etwa 250 000 Mark erreichte.
Das gleiche Beirugsmanöver ist auch mit anderen Firmen gemacht worden. In diesen Tagen weilten zwei Berliner Kriminalbeamte in Tuttlingen, die das Skla- reksche Kassenbuch mit dem Reichleschen verglichen und feststellten, daß die angeführte Summe in Tuttlingen tat- fächlich nicht eingegangen ist. In Berlin hatte man geglaubt, daß es sich vielleicht um Darlehensbeträge handeln könne; aber auch das trifft nicht zu. Es handelt sich vielmehr um große Kapitalverschleierungen und -Verschiebungen. Die Berliner Kriminalpolizei ist nun dabei, aufzuklären, wohin die Gebrüder Sklarek die
anderthalb Millionen verschoben haben nnd wie hoch der Betrag ist, von dem sie später in Ruhe zehren wollten. Der Betrieb der Tuttlinger Schuhfabrik »vird wahrscheinlich aufrechterhalten, zumal noch reichlich wer Konkurs verhängt werden mußte. Und nun wird „verauktioniert".
Unter denen, welche sich zu der im Reitstall des Palais Schaumburg veranstalteten Auktion eingefunden haben, befanden sich auffallend viel Ausländer — Franzosen, Engländer, Amerikaner. Versteigert wurde
das gesamte Mobiliar des Palastes, den die frühere Prinzessin schon längst mit einer bescheideneren Wohnung vertauschen mußte. Es befanden sich unter den zur Auktion gestellten Gegenständen viele, die die Prinzessin aus ihrem Elternhaus, dem Hause Kaiser Friedrichs III., mitgebracht hatte, vor allein kostbares Silber. Einen besonderen Wert stellte das 54 Pfund schwere, reichziselierte japanische Silberservice, das Kaiser Wilhelm I. seinem Sohne und seiner Schwiegertochter zur silbernen Hochzeit geschenkt hatte, dar. Die Preise, die am ersten Versteigerungstage erzielt wurden, waren achtbar, aber nicht übermäßig hoch. Den höchsten Preis — 6000 Mark — erzielte eine ovale Barock- vitrine. Besonders benterkenswert war es, daß die Kauflustigen sich um Gegenstände, die m i t einer Krone verziert sind, rissen. Ob bei der Versteigerung für die mittellos gewordene Frau Subkow selbst etwas abfallen wird, ist mehr als fraglich.
Subkow vorübergehend verhaftet.
Bei der Paßkontrolle in einem Schnellzuge wurde in Diedenhofen unter den Reisenden Alexander Subkow fest- gestellt, verhaftet und mit dem nächsten Zuge nach Luxemburg abgeschoben. Er erklärte, er sei aus Luxem- bitrg ausgewiesen worden und habe beabsichtigt, sich über Frankreich nach Spanien zu begeben. Da er seinen Plan nicht habe ausführen können, habe er sich nach Lüttich begeben wollen.
Völkerbundreise durch Merschlesien.
Das Minderheitenproblem.
Zum Besuch Oberschlesiens trafen aus Berlin in Oppeln die Kommissare des Völkerbundsekretariats ein, und zwar der Direktor der Minderheitenabteilung des Völker- bnndsekrctariats, Minister Aguirre de Carcer, und der Generalsekretär Professor de Azcerate. Nach kurzer Rast hielt der Oberpräsident in Anwesenheit der zuständigen Beamte»! des Oberpräsidiums und der Regierung einen Hort rag über die politische Lage Oberschlesiens und ging namentlich auf das Minderheitenproblem ein, das er mit statistischen Zahlen erläuterte. Dann begann die Kornmission die Vereisung Oberschlesiens; sie begab sich nächst in den Kreis Oppeln zum Besuch von Mir Heitenschulen und Siedlungen. An einem späteren Empfang nahinen auch der Präsident der Gemischten Kommission C a l o n d e r, sowie andere hervorragende Per- sönlichkriten, Vertreter der Gewerkschaften, der Minderheiten, der Presse usw. teil.
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Große Gasexplosion bei Paris.
Paris. Heute vormittag ist infolge der Explosion eines Gasbehälters eine große Automobilwerkstatt in der Nahe von Baris zerstört worden. Da der Unfall wahrend der Arbetts- Ltt erfolgte ist die Zahl der Opfer beträchtlich. Es sind be- reits die Leichen von vier Arbeitern aus den Trümmern hervorgeholt worden. Zahlreiche Arbeiter sind verletzt worden.
Aufträge vorliegen und and) die Stadt Berlin mit der Schuhfabrik in Verbinduna getreten ist, Belieferung der Berliner Bezirksämte
mmn Mt, um die weitere ezirksämter durchzuführen.
SklarelscheDurchstechmien im Gefängnis
Kassiber in Zigarren und Zigaretten.
Die Brüder Sklarek haben, wie aus Berlin berichtet wird, im Untersuchungsgefängnis neue Zellen zugewiesen bekommen, da sie, wie es sich herausgestellt hat, in ihren bisherigen Haftzellen, die dicht nebeneinanderlagen, Durchstechereien versucht haben; außerdem sollen sie den Versuch gemacht haben, sich untereinander zu verständigen, um ihre Aussagen übereinstimmend gestalten zu können. Durch reichliche Zigarrenspenden wollten sie
die Gefängnisbeamten
für sich gewinnen, und bei mehreren Beamten scheint ihnen das auch gelungen zu fein. Ferner haben sie mit Hilfe von Gefangenen, die innerhalb des Gebäudes Dienst verrichtete»! und eine gewisse Bewegungsfreiheit besitzen, durch Kassiber, die in Zigarren und Zigaretten eingefügt waren, einen Verständigungsverkehr hergestellt. Darüber hinaus haben die Sklareks versucht, sich
mit Lehmann in Verbindung
zu setzen. Sie haben in Briefen Lehmann gewarnt, allzuviel „auszupacken", und ihm mitgeteilt, daß auch in ihrer jetzigen Lage ihre Machtmittel nicht erschöpft feien. Lehmann hat aber von dem Kassiberverkehr die Justizbehörden unterrichtet.
Die Untersuchung wegen dieser Angelegenheit erstreckt sich aus mehrere Beamte und Strafgefangene, die in den ^ellen^ei^S^^—---
Die IniernaiLonale Bank.
Unerwarteter Todesfall.
Die Verhandlungen des in Baden-Baden tagenden Organisativuskomitces der Bank für den internationalen Zahlungsausgleich wurden unerwartet in tragischer Weise unterbrochen durch den in der Nacht auf Dienstag erfolgten plötzlichen Tod des belgischen Delegierten Delacroix. Er verschied in seinem Hotel an einem Herzschlage.
In der Trauerzusammenkunft des Komitees würdigte besonders namens der deutschen Delegation Reichs- bankprüstdent Dr. Schacht die Verdienste des Per-
Der belgische Delegierte Delacroix.
storbenen, der nach dem Kriege viel beigetragen habe zur Entspannung unter den europäischen Völkern. .
London soll nach Meldungen von dort noch in dieser Woche der Mittelpunkt wichtiger Zusammenkünfte der internationalen Finanz sein. Drei der größten Finanzmänner der Welt würden erwartet, nämlich der Leiter des sch»vedischen Streichholztrusts, Jvar Kreu- g e r (der schon eingetroffen ist), der deutsche Reuhsbank- präsident Dr. Schacht und der Präsident der National Cith Bank of New York, Charles Mitchell. Die Besuche sollen mit der Begründung der Internationalen Bank zusammenhängen.
Aufsehenerregender Doppelselbstmord
Zivei Brüder erschießen sich.
land-
In ihren Räumen in der neuen Fleifch-Großver- kaufshatte in der Frankenberger Straße in Ehe m n i tr haben sich die Inhaber der Häute- " lung Adolf Beck, Dr. Kurt und Simon Bell, erschossen. Gerüchte von einem Mord und einem Selbstmord bewahrheiteten sich nicht. Der etwa 42 Jahre alte Dr. Kurt Bell war sofort tot, fein Bruder Simon Beck
wurdc in schwerverletztem Zustande ins Krankenhaus gebracht, starb aber gleich nach seiner Einlieferung.