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hersfel-erTageblatt

Nnzrlgmprrls: die tfnfoalfigt Petttzette 15 Pfennig, die Reklamezelle 50 Pfennig. (Grun-schrist Korpus). Bei WleSerholungen wird ein entsprechender preis» Nachlaß gewährt. Zür die Schristleitung verant. wörtlich: Kranz Kunk in HersselS. Kernsprecher Nr. 8

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Monatlicher Bezugspreis: Durch öle Post bezogen l^S ;

Neichs-Mark, ausschließlich DeftcCgdo, für tfersfelü , 1.20 Neichs Mark bei freier Zustrstuntz, für Mblwier : i 1.00 Keichs-Mark. * Druck und Verlag von Luöwig r ; Kunks Buchöruckerei in ^ersfeld, Mitglied des VVZV. |

mit 6en Bellsges: Sllostrlertes AnterhalLvngsblatt / Nach FeieeabLod / SerS ans GLslls / Aüierbsltavg usd Wissen BelLbwrrs unb Kurzweil / WMLaftlicks Sacetffrasen.

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Sonnabend, den 12. Oktober 1929

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7g. Jahrgang

Nahende Giürme.

Lärm um Sklarek. Schlimme Vorboten. Gegeuwarts-

, aufgaben.

Selbst der Lärm um den Sklarek-Skandal kann auf die Dauer die Wucht der Tatsachen nicht über­tönen, die den gegenwärtigen Stand unserer öffentlichen Finanzen kennzeichnen. Für die ersten fünf Monate des laufenden Etatsjahres weist der Reichshaushalt bereits einen Fehlbetrag von 7 3 2 M i l l io n e n auf; in Preußen hat man für die gleiche Zeit ein Minus von einhundert Millionen festgestellt, und wie es gar in der Reichshauptstadt im Augenblick mit Einnahmen und Ausgaben bestellt ist, darüber laufen in der Bevölkerung sehr üble Gerüchte um, ohne daß der Stadtkämmerer, von anderen Sorgen, wie es scheint, zur­zeit n o ch mehr in Anspruch genommen, sich zu einer offenen Darlegung der Verhältnisse herbeilassen will.

*

Das sind schlimme Vorboten für die Reform unseres Finanz- und Steuerwesens, von der nun schon seit Jahren gesprochen und immer wieder gesprochen wird, die aber nun im kommenden Winter unweigerlich in Angriff ge­nommen werden m u ß, lveil wir sonst rettungslos einem offenen Zusammenbruch der Staats- und Volkswirtschaft zusteuern mürben. Aber der Reichsfinanzminister hüllt sich, von einigen inoffiziellen Veröffentlichungen abgesehen, in Schweigen, weil Herr Hilferding erst die endgültige Verabschiedung des Noung-Planes abwarten will und weil er allerdings nicht wissen kann, in welcher Zusammen­setzung die Reichsregierung sich im Winter, wenn nach monatelangem Mundspitzen endlich wieder einmal ge­pfiffen werden muß bem Reichstag vorstellen wird. Einst- weilen kann man es sich gar nicht denken, wie Sozialdemo- kratie und Polkspartei, die schon in der Teilfrage der Arbeitslosenversicherung durchaus nicht unter einen Hut zu bringen waren, sich bei der Lösung wichtigster Kapital- und Steuerfragen znsammcnfinden sollen; beginnt sich doch sogar zwischen Sozialdemokraten und Demokraten in WirtschaftsPro grammatischen Fragen das sonst bestehende gute Einvernehmen mehr und ineiy zu Jokern, weil auch die bürgerliche Demokratie der Meinung in, daß jetzt unter allen Umständen unserer Wirtschaft die Möglichkeit neuer Kapitalbildung gesichert werde» muß, da wir sonst von der drückenden und sich von Tag zu Tag steigernden Ab­hängigkeit vom Ausland in Geld- sowie in Warenfragen durchaus nicht loskommen können. Handel und In­dustrie finb nachgerade an der Grenze aller Möglichkeiten für eine Rationalisierung ihrer Betriebe und für eine Zu- sammenballung ihrer Vermögenssubstanzen angelangt; trotzdem will sich in der deutschen Gesamtwirtschaft keine Milderung des Druckes zeigen, der auf ihr lastet und immer mehr schwache Existenzen brotlos macht, auf die Straße wirst und damit radikalen Strömungen in die Arme treibt.

*

Man muß doch wohl damit rechnen, daß die Ver­zweiflung. die viele Kreise nnspres Volkes ergriffen hat und die Tag für Tag zu schrecklichen Taten der Selbst­hilfe und der Zerstörung von Gut und Blut ihre Zu- flncht nimmt, zu schwereil Konflikten führen wird. Ihnen kann sich allenfalls eine Staatsleitung gewachsen fühlen, der ein gutes Gewissen in der Erfassung der Gegenwartsaufgaben wie in der Erfüllung ihrer staatsbürgerlichen Pflichten zur Seite steht. Werden die Parteien, eines ihrer einfluß- und gedankenreichsten Führer beraubt, sich Zeit nehmen, um nach wohlüberleg­ten Plänen und nach wirklich sachgemäßer Lösung der schwebenden Persoualfragen in diese schwere Winter- kampagne hineinzugehen? Dr. Sy.

Gedächtnisfeier für Stresemann.

Im Deutschen Bühnenklub.

Der Deutsche Bühnenklub veranstaltete in Berlin für sein verstorbenes Ehrenmitglied, den Minister des Aus­wärtigen Amtes Dr. Gustav Stresemann, eine Gedenk­feier, an der die beiden Söhne des Verstorbenen, ferner der amerikanische Botschafter Schurman, die Gesandten Dr. Frank-Österreich, Dr. Rüfenacht-Schweiz, Zahle- Dänemark sowie Mitglieder des Auswärtigen Amtes und viele prominente Bühnenangehörige teilnahmen.

Nach musikalischen Vorträgen und einer kurzen An­sprache des Präsidenten des Deutschen Bühnenklubs er­griff der Freund und Biograph des verstorbenen Außen­ministers, Freiherr Rochus von Rheinbaben, das Wort zur Gedächtnisrede, in der er auf das Verhältnis Stresemanns zur Kunst einging. Wenn Stresemann zwischen Konferenzen, Versammlungen und Parteitagen einige Tage sich selbst leben durfte, selbst wenn er im Wagen durch das Ruhrgebiet fuhr und dort die Sinfonie der Arbeit in sich aufnahm, so maren solche Stunden Kraft­quellen für ihn, aus denen ihm innere Freude für neue Arbeit und neuer Mut für die Zukunft zuströmten.

Zeppelinbesatzung und Nordpolfahrt.

Meldung aus Friedrichs Hafen.

Zu der Meldung, wonach die Besatzung desGraf Zeppelin" sich geweigert habe, an der Nordpolfahrt im kommenden Frühjahr teilzunehmen, erklärt Kapitän Leh- mann auf Anfrage, daß in der Tat in dieser Angxlegen-

Vor her Klärung der Sklarek-Skanduk

Sie Sklarek-Sache vor den

Berliner Sladiverordnelen.

Dr. B ö ß soll sofort z u r ü ck k e h r e n.

Die Berliner Stadtverordnetenversammlung stimmte in einer Sitzung, in der es zu sehr erregten Auseinander­setzungen zwischen den einzelnen Fraktionen kam, der sozialdemvkratifchen Forderung auf strenge Prüfung aller mit der Sklarek-Sache zusammenhängenden geschäftlichen und dienstlichen Vorgänge sowie des Verhaltens der dabei genannten Personen zu; außerdem sott das gesamte Geschäfts- und Kreditgebareu der S t a d 1 b a n k nach­geprüft werden. Angenommen wurde auch ein Dringlich- keitsantrag der Wirtschaftspartei, der ein Vorgehen gegen die schuldigen Dienststellen sowie eine Revision der Lager- bestände und Bücher bei den Bezirksämtern verlangt. Weiter soll nachgeprüft werden, ob Darlehen oder Vor­schüsse auch noch an andere Firmen gegeben worden sind. Sodann mürbe mit großer Mehrheit der kommunistische Antrag angenommen, der die sofortige Zurück- r u f u n g des Oberbürgermeisters Dr. B ö tz verlangt.

Oberbürgermeister Dr. Böß, der von diesem Beschluß der Stadtverordneten sofort unterrichtet wurde, scheint

OberregierungSrat Tapolskü

jedoch nicht früher, als er ursprünglich beabsichtigt hatte, nach Hause reifen zu wollen. Er erklärte amerikanischen Berichterstattern gegenüber, daß er sich schuldlos fühle und an seinem Reiseplan festhalte. Die gegen seine Ver­waltung erhobenen Anklagen seien unwahr und von poli­tischen Gegnern inszeniert. Wie es heiß!, will Dr. Bon

heil eine Umfrage der Schissslettung bei der Besatzung laufe Es sei nötig geworden, ihre Stellungnahme zu erkunden, da die Besatzung nicht für eine Fahrt zum Nord­pol engagiert sei. Bisher sei die Antwort bet der Schiffs- leitung aber noch nicht eingegangen. Die Meldung erle also zum mindesten den Tatsachen voraus. KapUan Leh­man» betonte noch, er persönlich verstehe durchaus, daß diese Frage unter der Besatzung diskutiert werde. Wenn nicht eine ordnungsgemäße Besatzung vorhanden sei, so könne das Luftschiff die Polarfahrt natürlich nicht antreten.

Das Gsmeinnützigkeitsassetz vom MichskahmZii HZschlEen.

Für den Wohnungsbau.

Das Reichskabinett hat dem vom Reichsarheits- minifter vorgelegten Entwurf eines Gesetzes über die Ge­meinnützigkeit von Wohnungsunternehmen zugestimmt. Nach dem Entwurf soll die bisher zersplitterte Materie einheitlich behandelt werden. Für jedes Wohnungs­unternehmen soll nur eine Behörde mit Wirkung für das ganze Reich und für das gesamte Reichs- und Landes­recht feststellen, ob ein Unternehmen gemeinnützig ist ober nicht. Der Entwurf regelt die Voraussetzungen und das Verfahren. Einzelheiten Werben den Durchführungs­bestimmungen überlassen. Die Auswirkungen einer sol­chenAnerkennung" bemessen sich nach wie vor nach den einschlägigen Gesetzen des Reichs und der Länder.

Begeisterter Empfang der Truppen Nadir Khans in Kabul.

Paris. Wie die hiesige afghanische Gesandtschaft mit» teilt, ist nach den letzten bei ihr eingetroffenen Nachrichten Kabul am Sonntag abend von den Truppen Nadir Khans, unter dem Kommando Sirdar Schah Wall Khans, seines Bruders, besetzt worden Die Truppen seien von der Be­völkerung der afghanischen Hauptstadt enthusiastisch begrüßt werbe«.

am 24. Oktober mit derBremen" die Heimfahrt an­treten.

Lehman» beschuldigt weiter.

Inzwischen werden vor dem Vernehmungsrichter die Konfrontationen der Gebrüder Sklarek und ihres früheren Sekretärs L e h m a n n fortgesetzt. Bei allen diesen Gegenüberstellungen spielen sich sehr erregte Szenen ab, da die Sklareks schlechthin alles bestreiten, was Leh- mann aussagt, um sie zu belasten. Als bei der letzten Gegenüberstellung einer der Sklareks mit Pathos ausries: Lehmann, wollen Sie etwa beim Leben Ihrer Kinder schwören, daß ich Sie verführt habe?", entgegnete Leh­man«:Lassen Sie meine Kinder aus dem Spiel Sie haben mich trotz alledem zu den Fälschungen verleitet!" Lehman» wiederholte auch seine Beschuldigungen gegen den Oberbürgermeister Dr. Böß: er bleibt dabei, daß Frau Böß von den Sklareks einen Pelzmantel im Werte von 4000 Mark für 400 Mark erhalten habe.

Abseits von den gerichtlichen Untersuchungen unter­sucht derOberregierungsratTapolski.obund inwieweit" sich Beamte der Stadt Berlin in Sachen Sklarek Verfehlungen haben znschulden kommen lassen.

Disziplinarverfahren gegen die Leiter

der Berliner Giadtbank.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg und von Berlin das förmliche Disziplinarverfahren gegen die Stadtbankdirektoren Schmitt und Hoffmann sowie den Abteilungsleiter Schröder mit dem Ziel aus Amtsent- Hebung eröffnet. Gleichzeitig hat er die Amtssuspension dieser drei Beamten ausgesprochen.

Oberbürgermeister Böß wirb nicht zurückgerufen.

Wie das Nachrichtenamt der Stadt Berlin mitteilt, ist der Magistrat dem Beschluß der Stadtverordneten­versammlung, der die sofortige Rückkehrers Oberbürger­meisters und der in Amerika weilenden Stadträte fordert, nicht beigetreten. WeTbüW^rmeMr. Böß ist ldmrA.^ entsprechend verständigt worden.

Der Einzelhandel zum Fall Sklarek.

Beseitigung der städtischen M o nop ole.

Die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels hat an die zuständigen Ministerien und an den Deutschen Städtetag ein Schreiben gerichtet, in welchem es von den Vorgängen bei der Berliner Kleiderverwertungsgesell­schaft ausgeht und wie schon früher des öfteren die For­derung nach Aufhebung der zentralen Beschaffung bzw. Monopolisierung des Einkaufs aus öffentlichen Mitteln erhebt. Die Hanptgemeinschaft legt dar, daß ihrer Auf­fassung nach der der Konkurrenz unterliegende freie und fachkundige Handel in der Lage wäre, zu günstigeren Preisen nnd Bedingungen zu liefern, als eine dem Wett­bewerb von vornherein entzogene Stelle. Zum Schluß wird die Beseitigung aller städtischen Anschaffungsgesellschaften und die sofortige Kündigung aller bestehenden Monopol- liefernngsverträge mit privaten Unternehmungen ge­fordert.

Sparsamkeit in Preußen.

Verminderung der Beamten und Angestellten um 10 %.

Bei der Aufstellung des neuen Etats in Preußen haben sich erhebliche Schwierigkeiten herausgestellt. Wie bereits mitgeteilt wurde, muß man mit einem Defizit von 1 0 0 M i llionen rechnen. Die Mehrausgaben sind zum Teil verursacht durch umfangreiche Neuanforde- rungen der Ressorts. U. a. sollten nach ihren Anmeldun­gen rund 2700 neue planmäßige Stellen geschaffen werden. Ferner waren etwa 3500 Höhergruppierungen allein bei den Beamten in Aussicht genommen.

Der preußische Finanzminister Höpker-Aschoff fordert demgegenüber jetzt die Ressorts auf, die Schaffung neuer planmäßiger Stellen grundsätzlich abzulehnen und ebenso Höhergruppierungen von Beamten und Angestellten von vornherein abschlägig zu bescheiden.

Es ist anzustreben," so heißt es in den Richtlinien, die Zahl der beamteten und nichtbeamteten Kräfte um zehn Prozent zu vermindern."

Abtransport französischer Truppen.

V o m K e h l e r Brückenkopf.

Weitere Teile des französischen Infanterieregiments Nr. 170, bestehend aus acht Offiziere», 200 Mann, 26 Pferden, Bagage und Feldküche, die die Besatzung des Forts Kirch- bach bei Sundheim bildeten, haben oen Kehlei Brückenkopf verlassen. Damit dürfte die Besatzungsverminderung ihr vor­läufiges Ende erreicht haben, da die zurückgebliebenen zwei Bataillone des Infanterieregiments Nr. 170 den Kehler Brückenkopf noch bis zum 30. Juni 1930 besetzt halten sollen.

Besatzungsabzug aus Oberstein und Jdar.

Oberstein a. d. Nahe. Wie von zuverlässiger Seite mit­geteilt wird, verläßt der weitans größte Teil der in Oberstein liegenden Besatzungstruppen mit deut Truppenkoinmandeur die Städte Oberstein und Jdar und übersiedelt nach den neuen Garnisonorten in der Bretagne.