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HersfelöerTageblatt

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hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 233

mit 623 Beilagen: Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach AeierabeuS / HerS aus Scholle / AllterbsltMg anS Wlsfro BelebkMg cnö Kurzweil / Wirtschaftliche Tasesfraseu.

Freitag, den 4. Oktober 1929

79. Jahrgang

9er M des ReilhsMcmimftws

TrauerkundgeSungen für Dr. Giresemann. Ein Staatsbegräbnis.

Der Tod des Reichsaußenministers Dr. Stresemann ist der breiten Öffentlichkeit völlig überraschend ge­kommen. Noch am Tage vor seinem Tode hat Dr. Strese- mann lebhaften Anteil an den Verhandlungen ge­nommen, die zur Beilegung einer Regierungskrise wegen

der Reform der Arbeitslosenversicherung geführt wurden. Seine ihn behandelnden Ärzte haben allerdings schon seit längerer Zeit mit seinem Ableben gerechnet, da sich bei ihm infolge der aufreibenden und aufregenden Tätigkeit starke Ermüdungssymptome zeigten und er alle ärztlichen immer wieder ausschlug.

Mahnungen zur Zurückhaltung . über

die letzten Stunden

Dr. Stresemanns werden folgende Einzelheiten bekannt:

Von der Krankenschwester, die dauernd im Schlaf­zimmer anwesend war, um bei einer plötzlichen Ver­schlechterung des Befindens sofort zur Hand zu sein, ließ er sich am Mittwoch abend Mundwasser und Zahnbürste reichen. Während er Glas und Zahnbürste in der Hand hielt, verzerrten sich seine Gesichtszüge plötzlich, er ließ beides fallen, machte mit dem rechten Arm einige hilflose Bewegungen in der Lust, versuchte zu sprechen, konnte aber nur noch unverständlich lallen und sank in die Kiffen zurück. Professor Dr. Kraus und Professor Dr. H. Zon- dek, die sofort herbeigerufen wurden, konnten nur fest- stellen, daß ein S ch l a g a n f a l l cingetrcten sei. Strese­mann war ohne Bewußtsein, röchelte schwer, die

Pkenarsttzungssaal des Reichstages aufgebahrt werden und vor der Beisetzung soll dort eine große Trauerkund­gebung stattfinden. Da man eine gewaltige Beteiligung an der Beisetzung Voraussicht, ist beabsichtigt, die Über­führung so zu gestalten, daß möglichst weite Kreise Gelegenheit haben, den Trauerzug zu sehen. Die Bei­setzung selbst soll nur im engsten Familien- und Freundes­kreis erfolgen.

Wer wird Nachfolger?

In Reichstagskreisen ist schon eifrig die Nachfolger­schaft für Dr. Stresemann als Reichsaußenminister be­sprochen worden. Die neue Besetzung dieses Postens ist nicht nur wichtig für die Fortführung der Außenpolitik Deutschlands, sondern unter Umständen auch für künftige Koalitionsbildungen. Als Kandidaten wurden genannt der jetzige Minister für die besetzten Gebiete, Dr. Wirth, der Vorsitzende der Zentrumspartei, Professor K a a s, der der Sachverständige der Partei in außenpolitischen Fragen ist, ferner der außenpolitische Berater der sozial-

fraktion der Deutschen Volkspartei gerichtet, in dem er zu dem schweren Verlust die a u fr i ch t i g st e Teil­nahme ausspricht. Reichsanßenminister Dr. Strese­mann sei ein Opfer seiner großen Pflichterfüllung geworden. Seine Verdienste um die deutsche Außen­politik werden erst nach seinem Tode voll gewürdigt werden. Weit über die Deutsche Volkspartei hinaus betrauere die überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes in ihm eine der größten Persönlichkeiten der Gegenwart.

Kür Reform der Kinanz- und Wiri- schafispoüiik.

Entschließung des Reichsverbandcs des deutschen Groß-und Überseehandels.

Präsidium und Borste deutschen Groß -und ü

and des Reichsverbandes des

i b e r s e e h a n d e l s hielten in Berlin Sitzungen ab, in denen die gegenwärtige Lage des gesamten deutschen Groß- und Überseehandels besprochen

demokratischen Reichstagsfraktion, Dr. Vreitscheid, sowie der deutsche Botschafter in Paris, von H o e s ch. Es ist wohl damit zu rechnen, daß Reichspräsident von ch der Beisetzung Dr. Stresemanns Reichskanzlers die Ernennung des

Hindenburg erst na.

auf Vorschlag des neuen Reichsaußenministers vornehmen wird.

Dr. Stresemanns Werdegang.

Dr. Gustav Stresemann ist am 10. Mai 1878 zu Berlin geboren, er besuchte hier das Andreas-Gymnasium und stu­dierte in Berlin und Leipzig Rechts- und Staatswissen­schaften. Er promovierte in.Leipzig als Nationalökonom.

rechte Seite war vollkommen gelähmt. Die Ärzte, die mehrere Stunden am Krankenbett verbrachten, konnten täuWMWR^^

lich und geistig stechen Mann. Mtt der Schwester wachte dann der diensthabende Arzt i"

die ganze Nacht hindurch im

%6 Uhr hörte das

Schlafzimmer. Kurz vor ,

Röcheln a u f und der Arzt stellte fest, daß der Tod

ei n getreten sei, ohne daß Stresemann das Bewußt-

Dr. Stresemann P.

icin >v«cvererlangt hatte. Ein zweiter Schlaganfall hat das Leben beendet und Stresemann vor einem qualvollen Siechtum bewahrt.

Die Familie wurde verständigt und fand sich alsbald in« Sterbczimmer ein. Die Leiche war auf dem Bett auf- gebahrt, das Gesicht zeigte einen friedlichen Ausdruck, keine Spur eines schweren Todes.

Eine schier unübersehbare Fülle von Bei­leidstelegrammen sind int Trauerhause ein- gegangen. Reichspräsident von Hindenburg, der einen kurzen Urlaub auf dem Gut Neudeck in Westpreußen ver­lebte, sandte an Frau Stresemann folgendes Telegramm:

Tiefbewegt sende ich Ihnen und den Ihren den Ausdruck meiner herzlichen Teilnahme an dem plötzlichen Tode Ihres Gatten, der bis zum letzten Atemzüge so treu für sein Vaterland gearbeitet hat, und zeichne von Hindenburg.

Der Reichspräsident hat sofort seinen Urlaub ab­gebrochen, um nach Berlin zurückzukehren. Auch bei den deutschen Auslandsvertretungen sind zahlreiche Beileids- bezengnngen eingelaufen, unter anderen« haben Briand, Mussolini, das englische Kabinett, der Völkerbund usw. ihre Anteilnahme der deutschen Regierung zum Ausdruck bringe« lassen.

Die Beisetzung Dr. Stresemanns wird auf Staatskosten erfolgen. Seine sterbliche Hülle wird im

wurde. U. a. wurde eine Entschließung angenommen und der Reichsregierung übermittelt, in der es heißt:

Das unaufschiebbare Gebot der Stunde ist eine grundlegende Änderung der deutschen Finanz- und Wirt­schaftspolitik in dem Sinne, daß die Kapitalneubil­dung nicht bloß ermöglicht, sondern mit allen denkbaren Mitteln gefördert wird. Diese Reform muß damit ein­geleitet werden, daß, falls der Doung-Plan angenommen wird, die Verringerung der Reparationszahlungen des Voung-Planes unverkürzt und sofort zu einer Lasten-' Verminderung verwandt wird. Nur durch eine ziel­sichere und rücksichtslose Beseitigung der Ursachen unserer Wirtschaftsnot kann dem ganzen Volke und damit auch der Beamtenschaft, den Angestellten und der Ar­beiterschaft die Lebensgrundlage wieder sichergestellt werden." __________

Bor Wiederaufnahme der englisch-ruMchen Beziehungen.

unrerzerchuet.

Der russische Bevollmächtigte, Botschafter Dr. Dowga- lewski, hat in London das Schriftstück, das die englisch­russischen Vereinbarungen' über die Wiederauf­nahme der diplomatischen Beziehungen, über die Propagandafrage und über die Behandlung der noch schwebenden Streitfragen umfaßt, unterzeichnet. Staatssekretär Henderson hatte bereits vorher seine Unterschrift unter das Dokument gesetzt. Es ist jetzt Sache der beiden Regierungen, das Dokument zu prüfen und sich darüber schlüssig zu werden, ob sie es gutheißen wollen.

Das ReparatLonsbank-Romitee.

Die erste Sitzung.

Das Organisationskomitee für die Bank für den In­ternationalen Zahlungsausgleich hat feine erste Sitzung in Baden-Baden abgehalten. Nach Begrüßung der Delegierten durch den Reichsbankpräsidenten Dr S ch a ch t wurde auf seinen Vorschlag Mr. Jackson Reynolds einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Der neue Vor­sitzende verlas sodann eine Entschließung, in der es u. a. heißt:

Das Organisationskomitee für die Bank für den Internationalen Zahlungsausgleich hat mit tiefem Be­dauern von dem Ableben des Herrn Dr. Stresemann Kenntnis erhalten und bittet seinen Vorsitzenden, der deut­schen Regierung sein aufrichtigstes Beileid zu dem uner­setzlichen Verlust zu übermitteln, den nicht nur sein Heimatland, sondern die ganze Welt erlitten hat. Die Dienste, die der Verstorbene für den Wiederaufbau Europas und die Wiederherstellung des Weltfriedens ge­leistet hat, sind kaum hoch genug einzuschätzen."

Zum Andenken Dr. Stresemanns erhoben sich im An­schluß hieran die Anwesenden von ihren Plätzen, und die Sitzung wurde in Anbetracht des Trauerfalles auf Freitag früh vertagt.

Kchraus bei der Räumung.

Die Verwertung der frei werdenden Bestände.

*

Das Auswärtige Amt hat ebenso wie die übrigen öffentlichen Gebäude Berlins anläßlich des Todes Dr. Stresemanns halbmast geflaggt.

Bon iyui av war er tn verfauevenen wirtfcyaslncyen Ver­bänden tätig. 1907 wurde er zum erstenmal für die Rational- liberale Partei in den Reichstag gewühlt und gelangte sehr "' ' führende Rolle innerhalb der Partei. Er ge- ______________ .chstag bzw. der Nationalversammlung mit einer kurzen Unterbrechung im Jahre 1912 bis zu seinem Lebens­ende an. Nach der Revolution begründete er die Deutsche Volksparlei, die mit zunächst 22 Abgeordneten in die National­versammlung einzog, aber schon bei den ersten Reichstags­wahlen im Juni 1920 mit 66 Mandaten an dritter Stelle unter den deutschen Parteien stand. Am 13. August 1923 trat Dr. Stresemann als Reichskanzler der Großen Koalition an die Spitze der Regierung; im Oktober des gleichen Jahres bildete er das Kabinett nach dem Austritt der Sozialdemo-

rasch in eine

hörte dem Reö

traten um, trat im November zurück und übernahm im fol­genden Kabinett Marx das Portefeuille des Außenministers, das er schon als Reichskanzler innegehabt hatte. Dieses Amt behielt er in allen folgenden Kabinetten bis zu seinem Tode. Dr. Stresemann war feit 1903 mit Frau Käthe, geb. Kleefeld, verheiratet und hatte zwei Söhne.

Das Staatsbegräbnis Nr. Stresemanns.

Das Reichskabinett, das zu einer Trauersitzung an­läßlich des Todes des Außenministers zusammentrat, be­schäftigte sich mit der Frage der F e i e r l i ch k e i t e n für die Beisetzung, die als Staatsbegräbnis erfolgen soll. Am Sonntag wird der Leichnam Dr. Stresemanns feierlich im Reichstag aufgebahrt werden. Dort wird auch die offizielle Trauerseier stattfinden, an der sich das Begräb­nis anschließen wird.

Die Trauer um Dr. Giresemann.

Beileidstelegramm des Reichstags.

Präsidium und Vorstand des Reichstages haben fol­gendes Telegramm an Frau Reichsminister Dr. Strese­mann gesandt:Tief erschüttert durch das unerwartet plötzliche Ableben Ihres Gatten, unseres langjährigen hervorragenden Mitarbeiters im Reichstag und uner­müdlichen Vorkämpfers um die Wiederaufrichtung und Anerkennung des deutschen Volkes im A u s l a n d e, sprechen wir Ihnen und Ihren Söhnen den Ausdruck aufrichtigen und herzlichen Beileides aus."

Beileidstelegramm des Reichskanzlers.

Reichskanzler Müller hat im Namen der Reichs- regierung ein Beileidstelearamm an die Reickstaas-

Jn Koblenz fand eine Sitzung statt, in der die Ver­wertung der bei der Räumung des besetzten Gebietes frei werdenden reichseigenen Bestände an Möbeln, Textilien, Haushaltungsgegenständen und Kasernengerät besprochen wurde. Sämtliche Ver- txeter der Spitzenverbände der Industrie, des Handwerks der Gewerkschaften, kommunalen Organisationen, der st " "

beschädigten, kinderrei«

"reien Wohlfahrtspflege, der Kriegs- chen Familien und Flüchtlinge, des Wirtschaftsausschusses, der Verwaltungen der Stadt- und Landkreise und des Gewerbeausschusses für die besetzten Gebiete erklärten sich mit den für die Verwertung vor­gesehenen Richtlinien einverstanden. Sie erkannten an, daß diese Richtlinien eine geeignete Grundlage für die Durchführung der Verwertung seien, die einerseits den Schutz des Gewerbes andererseits die Versorgung

der Ärmsten der Bevölkerung mit Hautzgerät bezwecke. Zur Erreichung dieses Zieles ist beabsichtigt, nicht im besetzten Gebiet, sondern auch in den Städten

nur

des unbesetzten Gebietes V e r k a u f s l ä g e r zu er­richten und die Geräte an Krankenhäuser, Woblsatzrts- orgaMationen, einen bestimmten Kreis von BedK.üigen, insbesondere an Flüchtlinge und SchiverkriegSbZchadigte, Ausgewiefeue und Hochwassergeschädigte abzugeven.