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Kersfel-erTageblatt

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis HersfelS i §unksBuchSruckere! in'Hersfe?ö, Mtglwd'öes vdzÄ 1 mit den Beilaae«: Illustriertes AnkechaltasgSblatt / Nach FeierabenS / Herb » Scholle / Anterbaltauo lwv Witte» ^

Belehrung uub Kurzweil / Wirtfchattlsche Tagesfrage».

Nr. 229 Montag, den 30. September 5929 79. Jahrgang

Dernervus rerum

Schon die alten Römer haben ganz genau gewußt, daß das Geld dernervus rerum", derNerv der Dinge" ist. Oder, kurz gesagt, die Hauptsache.

Wir in Deutschland merken es gerade jetzt wieder mit unerfreulichster Deutlichkeit. Namentlich bei den Finanz- Verlegenheiten vom Reich bis zur letzten Gemeinde herab.

Es wird nachgerade allerhöchste Zeit, daß der soeben zusammentretende Reichstag nun endlich mit der Reform der Arbeitslosenversicherung zu einer Entscheidung kommt. Derzur Begrüßung" den Abgeordneten vorgelegte Ge­setzentwurf über gewisse Änderungen hierüber enthüllt mit erschreckender Deutlichkeit die finanziell geradezu katastro­phale Lage der Versicherung. Seit dem 1. Oktober 1928 bis jetzt haben die Neichszuschüsse, die sie erforderte, die 500Millionenfasterreichtund es erscheint als ausgeschlossen, daß das Reich Darlehen in größerem Umfang hierfür noch weiter hergeben kann. Dabei ist die Zeit der diesjährigen fiberschußmonate" bereits verstrichen, übersteigen die für den September notwendig gewesenen Ausgaben die Ein­nahmen. Wie auch die Entscheidung fallen mag Härten werden sich dabei kaum vermeiden lassen. Die Hauptsache aber ist, daß aus der Versicherung endlich das laufende Defizit verschwindet; zu entsprechenden Vorschlägen hat es aber bisher weder die Reichsregierung, haben es auch nicht die an der Regierung beteiligten Parteien gebracht, da sich hier die Gegensätze zwischen Sozialdemokratie und Volkspartei anscheinend sozusagenversteinert" haben. Die Parteien spielen wieder einmal allzusehrPro­gramm", haben sich auf dengrundsätzlichen Standpunkt" gestellt; die rauhe Wirklichkeit erkennt aber solche Pro­gramme oder Grundsätze nur sehr teilweise an. Wenn man nichts oder nichts Ausreichendes zustande bringt, an der Dauer, der Ausdehnung der Verhandlungen würde das bestimmt nicht liegen.

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Man muß ja gerade wegen des finanziell so vedeuk- samen Hintergrundes der Arbeitslosenversicherung auch das erwähnen, was im Reichstag nicht erwähnt wird Da nämlich die Fragen der Inkraftsetzung des Boung- Manes und der dann notwendig werdenden Gesetzent- Würfezur Durchführung des Planes" vorläufig "Wir nichtaktuell" sind, sie aber natürlich sehr erheblich die Finanzlage des Reiches, dann anch seine Finanzgebarung beeinflussen und eine baldige Reform oder doch mannig­fache Abänderung unseres Steuersystems zur Folge haben müssen, so wird man im Reichstag kaum größere Ausein­andersetzungen über die finanziell-steuerlichen Fragen einer immerhin doch nicht allzu fernen Zukunft erleben. Um so mehr stehen natürlich diese Steuer- und Finanzprobleme im Mittelpunkt der Debatten auf dem Deutschen Städtetag. Schließlich ist ja das Geld überall der nervus rerum" und die Städte halten sich übereinstim­mend für sehrnervenkrank". Außerdem werden die Angriffe auf die öffentlichen oder gemischlwirtschaftlichm Betriebe wegen ihrer wachsenden Ausdehnung immer heftiger; sogar der preußische Handelsminister hat sich sehr deutlich gegen diese K o m m u n a l i s i e r u n g s - t e n d c n z e n und für die Vollbesteuerung dieser Betriebe ausgesprochen. In einem aber ebenso deutlichen Gegen­satz dazu stehen Ausführungen seines Kollegen vom Innenministerium, der in seiner Rede auf dem Deutschen Städtetag erklärte:Die preußische Staatsregierung hält mit mir die Angriffe der Privatwirtschaft a n f die kommunalen Betriebe für gänzlich un­begründet." Dem wird man Wohl doch nicht so ganz bei­stimmen, denn mit Recht wehrt sich die Privatwirtschaft z. B. gegen diese Ausdehnungstendenzen dieser Betriebe auf Gebiete, die nicht mehr nur die Deckung der Massen- Versorgung mit Gas, Wasser, Elektrizität usw. monopo­listisch umfassen. Noch schlimmer liegen die Dinge aber dann, wenn die öffentliche Hand, wie es besonders drastisch bei dem Vertrag der Stadt Berlin über die Lieferung von Kleidern, Uniformen, Stiefeln usw. für die städtischen Beamten, Angestellten, Arbeiter, Erwerbslosen u. dergl. geschah, eine Mo n o p o l l i e f e r u n g an eine einzige Firma auf lange Jahre hinaus vergibt. Vergebens haben sich die hierfür in Frage kommenden Vertretungen des Textil-usw.gewerbes bemüht, dieses Monopolvc.hält- nis zu sprengen. Man hörte nicht auf sie; fortdauernde Klagen auch über die Qualität der gelieferten Waren blieben nutzlos. Und jetzt hat der Steuerzahler die Kosten zu tragen.

Es gibt ja einen ähnlichenPrivatmonopolbetrieb" aber in ganz großen Verhältnissen für einen Gegen­stand des Massenbedarfs, nämlich für das Streichholz; in Deutschland allerdings nur bei der Herstellung. Er liegt in den Händen des Zündholzsyndikats, dessen Aktienmehr­heit bekanntlich der schwedische Trustkönig Jvor Kreuzer besitzt. Sensationell wirkt nun sein Vorschlag, dem Reich 150 Millionen Dollar zu pumpen, wofür als Gegenwert offenbar die Schaffung eines vollständigen Monopols von der Produktion bis zum Einzelvertrieb an den Konsumenten gefordert wird, also auch die Kon­kurrenz der ausländischen Fabrikate, nämlich der russi­schen, ausgeschaltei werden soll. In anderen Ländern hat Jvor Kreuger mit solchen Vorschlägen häufig ein sehr schnelles Entgegenkommen gefunden. Die deutsche Regie­rung und der Reichstag werden nun gleichfalls vor diese Frage gestellt: Annehmen oder ablehnend

Typhus in Saarbrücken.

Saarbrücken. In den letzten Tagen sind 24 Fälle von Typhus festgestellt worden, von denen einer tödlich verlaufen ist.

MMzw-RmM im Reiche?

Streichholzausliefenmg

gegen Anleihe.

T" 600 Millionen geboten.

Durch Berliner Veröffentlichungen wird bekannt, der erste Mann des großen schwedischen Zündholztrustes, Jvar Kreuger, habe dem Reiche einen Kredit von 600 Millionen Mark angeboten. Jvar Kreuger halte sich in diesen Tagen in Berlin auf und beabsichtige als Gegenleistung die Aus­dehnung seines bisher schon sehr starken Einflusses in der deutschen Zündholzindustrie, die bekanntlich von der Reichsregierung aus Grund besonderer Gesetzesbestim­mungen überwacht wird. Jvar Kreuger habe den Aus­bau seiner Beziehungen zu einem förmlichen Monopol im Auge, dessen Preispolitik er zu diktieren habe.

Zu diesen aufsehenerregenden Veröffentlichungen wird von offiziöser Seite bemerkt: Die Schwierigkeiten des deutschen Zündholzsyndikats sind schon vielfach Gegenstand besorgter Erörterungen gewesen. Infolge der Über­schwemmung des deutschen Marktes mit russischen Zündhölzern ist es nicht möglich gewesen, die Leistungsfähigkeit der der deutschen Zündholz-Verkaufs- A.-G. angeschlossenen Werke auszunutzen. Die Gesellschaft hat stets mit Unterbilanz gearbeitet und wies in ihrem Abschluß vom letzten Geschäftsjahre einen Fehlbetrag von 350 000 Mark bei einem Aktienkapital von einer Million Mark aus. Inzwischen haben sich die Verhältnisse der Ge­sellschaft noch weiter wesentlich verschlechtert. Nur eine wirksame Abwehr der ausländischen Konkurrenz kann hier offenbar Abhilfe schaffen.

Bei dieser Sachlage wäre es durchaus verständlich, wenn die schwedische Gruppe, die bereits mit 65 Prozent am deutschen Zündholzsyndikat beteiligt ist, mit ihrem Vorschläge der Einführung eines deutschen Zündholz- WiMW-»McM»üA'm» um -.».««« Ruin der deutschen ZÜndholzindustrie mit allen ihren schlimmen Folgen für die Volkswirtschaft rechnen.

Das ist also mehr wie eine Bestätigung der bekannt- gewordenen Pläne, über deren Bedeutung für den deut­schen Handel, die deutsche Industrie und die Verbraucher­kreise kein Zweifel herrschen kann, ganz abgesehen von der Einwirkung des erneuten Eindringens fremden Kapital­einflusses in die Staatswirtschaft.

Zvar Kreuger.

Man weiß, daß Jvar Kreuger, dieser noch nicht fünfzig- jährige Schwede, zu den reichsten Leuten der Welt gehört. Er wurde es mit Hilfe eines der kleinsten Dinge des Massen- konsums. Das Streichholz, dieSchweden", machten ihn dazu Zunächst nahm er, selbst aus der Zündholzindustrie stammend, das eigene Landin Angriff" und errang einen schnellen Sieg. Er sucht Verbindung mit den Finanzkapitänen der Vereinigten

Neues RepubLikschutzgesetz.

Der Inhalt des Entwurfes.

Die Reichsregierung wird sich in der nächsten Zeit mit dem Entwurf des neuen Republikschutzgesetzes beschäftigen Der Entwurf ist in Verbindung mit dem Reichsjustizminffterium vom Reichsinnenministerium aufgestellt worden. Er sieht eine Reihe von Änderungen gegenüber dein Gesetz vom 21. Juli 1922 vor, insbesondere ist eine luristisch einwandfreie Formulierung in allen Fällen geschaffen worden.

Der neue Entwurf geht außerdem weiter als das alte Gesetz, weil nach dem neuen Entwurf alle im politischen Leben stehenden Personen geschützt werden. Andererseits ver­zichtet der vorliegende Entwurf auf alle verfassungsändernden Bestimmungen.

Die Strafvorschriften

richten sich gegen: 1. die Beteiligung an Verbindungen oder Verabredungen, die Verbrechen tvider das Leben einer Person wegen ihrer politischen Betätigung beabsichtigen; 2. die Unterlassung einer Mitteilung an die Behörde oder die bedrohte Person, sofern jemand von dem Bestehen der unter 1 genannten Verbindung oder Verabredung Kenntnis erlangt hatte; 3. die Begehung eines Angriffs aus Leib und Leben gegen eine Person wegen ihrer Stellung im politischen Leben oder eine Verabredung mit einem anderen zum gleichen Zweck; 4. die Belohnung oder Begünstigung des Täters der genannten Gewalttätigkeiten; 5. die Teilnahme oder Unterstützung einer ge­heimen oder staatsfeindlichen Verbindung, die den Zweck verfolgt, die republikanische Staatsform des Reiches oder eines Landes zu untergraben; 6. der Anschluß an eine geheime oder staatsfeind­liche Verbindung, die selbst oder deren Mitglieder unbefugt Waffen besitzen; 7. die Beschimpfung oder durch Bekundung der Mißachtung absichtliche Herabsetzung der republikanischen Staatsform sowie die Beschimpfung oder Verleumdung des Reichspräsidenten oder eines Mitgliedes der Reichs- und Landesregierung; 8. die Beschimpfung oder durch Bekundung der Mißachtung absichtliche Herabsetzung der Reichs- und Landesfarben; 9. die Beschimpfung oder Verleumdung einer Person, die wegen ihrer politischen Betätigung getötet worden ist; 10. die Aufforderung zu Gewalttätigkeiten gegen Personen des politischen Lebens oder Billigung oder Verherrlichung solcher Gewalttätigkeiten sowie eines Hochverrats, der sich gegen die republikanische Staatsform gewendet hat.

Auch Zwangsaufenthalt vorgesehen.

Reben Gefängnis-, in schweren Fällen Zuchthausstrafen, kann im Falle einer Verurteilung wegen Hochverrats oder einer unter 1 bezeichneten Handlung ein Zwangsaufenthalt in bestimmten Teilen oder an bestimmten Orten des Reiches

Staaten, die hier ein vorzügliches, wett ausgreifendes Geschäft ® l' ^uger den richtigen Mann dafür erkennen S ker@$!?erbt^ Zündholztrust ist fertig, "^t einem Kapital von ein Paar hundert Millionen Kronen.

£ ""eil öffnen sich bald die Türen der euro- valschen Kabinette: denn wo die Edelvaluta anklopfte, da wurden thr in dem Nachkrlegseuropa die Tore sehr schnell aufgetan ^var Kreugers Geschäftsprinzip dabei war folgendes: Er will .^aab, das erattackiert", eine mehr oder weniger große Anleihe gewahren, wenn man ihm dafür das Zündholzmonopol in die Hände legt. Gewöhnlich hat er mit Hilfe seiner Kapital- kraft vorher schon die Zündholzindustrie des betreffenden Landes halb zu Tode konkurriert, so daß sie ihm dann leicht in vie Hände fallt. Beauemer war es noch dann wenn er ein

in die Hände legt. Gewöhnlich hat er mit HilsesewerKapilnl-

F "" Zündholzindustrie des betreffenden

staatliches Zündholzmonopol vorfand. Und so hat er denn in einer großen Reihe von europäischen Ländern und auch schon in einzelnen südamerikanischen Staaten seinen Zündholztrust auf diese Weise zum Siege geführt.

Doch noch viel weiter dehnte Jvar Kreuger sein Herrschafts- . gebiet aus. Holz das ist der Rohstoff für Zellulose, und so I wurde zunächst auch wieder in Schweden die für die Papier­bereitung so notwendige Zelluloseindustrie vertrustet; dann ging es auch hierin wieder in die andern europäischen -Staaten hinein. Dann folgte der Angriff auf ein zweites schwedisches Rohprodukt von größter Wichtigkeit: das Eisen­erz. Weiter ging es in die Eisenverarbeitung hinein und die namentlich für den Automobilbau bedeutungsvolle Kugellager- industrie erlag dem Ansturm des Schweden, bekanntlich auch die deutsche.

Und Jvar Kreuger wird weitermarschieren.

angewiesen werden. Ferner ist bei diesen Verurteilungen der Verlust der aus öffentlichen Wahlen hervorgegangenen Rechte und bei Beamten und Soldaten der Verlust des Gehalts bzw. des Ruhegehalts von Rechts wegen die Folge. Versamm­lungen, in denen Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen des Republikschutzgesetzes vorkommen und geduldet werden, können durch die Polizei aufgelöst werden. Im Falle der Auf­lösung eines Vereins kann sein Vermögen zugunsten des Reiches oder des betreffenden Landes beschlagnahmt und ein­gezogen werden. Eine periodische Druckschrift kann für eine bestimmte Dauer verboten werden. Sicht die oberste Landes­behörde auf Ersuchen des Reichsinnenministers von dem Verbot ab, so kann der Reichsinnenminister die Druckschrift ver­bieten.

Hermes zurückgeireien.

Zwistigkeitenmit dem Auswärtigen Amt.

Der frühere Reichsfinanzminister Dr. Hermes, bis­her Führer der deutschen Delegation für die Handelsver­tragsverhandlungen mit Polen, hat, dem Vernehmen nach, an den Reichskanzler einen Bries gerichtet, in dem er seinen Auftrag niederlegt. Dr. Hermes begründet angeb­lich den Rücktritt von der Führung der deutschen Delega­tion damit, daß zwischen ihm und dem Auswärtigen Amte Unstimmigkeiten bestanden hätten und daß er in seiner Tätigkeit von dem Reichsernährungminister nicht ent­schieden genug unterstützt worden sei.

Das Breslauer ZeNt'rumsblatt, die Schlesische Volks­zeitung, bemerkt zu dem Rücktritt:Wie wir aus bester Quelle erfahren, ist der Rücktritt des Verhandlungs­führers darauf zurückzuführen, daß der Abschluß des deutsch-polnischen Handelsvertrages auf der Basis der Meistbegünstigungsklausel bevorstehen soll und Dr. Hermes hiergegen starke Bedenken gehegt hat. Wie wir weiter hören, haben sich die Bedenken Dr. Hermes' weiter gegen die vorgesehene Erhöhung des polnischen Kohlen- kontingents gerichtet."

Erdbeben auf Sakral.

London. Die Stadt Hilo aus Hawai wurde von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Eine der Hauptstraßen der Stadt wurde in zwei Teile zerrissen. Die Stadt Hilo liegt 6üMeilen von dem Distrikt Kona entfernt, in dem in der vergangenen Woche fast ununterbrochen Erdbeben stattfanden.