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hersfelöerTageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis HersfelS

r Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1 .so f t Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Ljersfeld . I 1-20 ReichS'-Mark bei freier Zujteäu,^, für flbhoter . 1*00 Reichs-Nlark. Druck und bering von Luvwig r Funks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VDZV.

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mit öea Bellaaeu: Illllstriektes AKterhattungSblall / Nach AÄeeabLLd / Serv MZ Scholle , AnEerbaltnas aaS Witte« Nelebruna «ab Korrwett / Wirtschaftliche Tagesfragea.

Nr. 225

Mittwoch, den 25 September 1929

79. Jahrgang

Giurmiage.

Von einem fachmännischen Mitarbeiter.

Die Berliner Börse Hat seit etwa drei Wochen eine Krise a l l e r s ch w e r st e r Art durchmachen müssen, und das deutsche V o l k s v e r m ö g e n hat E i n- büßen erlitten, die man auf drei bis vier Milliarden Mark schätzen kann, wenn man die gegenwärtigen Kurse mit den Höchstkursen der betreffenden Papiere vergleicht, die sie im vorigen oder im Jahre 1927 eingenommen hatten. Wie ungeheuer der Kurssturz einzelner Papiere gewesen ist, mögen ein paar Zahlen beweisen: Vereinigte Glanzstoff-Aktien, das bekannte Kunstseidenpapier, sind von 880 bis auf 280 Prozent zurückgegangen, die andere bekannte Kunstseidenaktie, Bemberg, von 650 auf 230; die Aktien der J. G. Farbenindustrie, des weitaus größten Industrieunternehmens in Deutschland, von 380 auf 205, die Aktien der größten deutschen Brauerei, der Schultheiß- Patzenhofer A.-G., von 580 auf 270 Prozent. Andere Werte haben Kurseinbußen ähnlichen Umfangs erlitten, und nicht etwa nur die Börfenbesucher selbst, sondern vor allem das Privatpublikum, das sein Vermögen zum großen Teil in den Aktien der deutschen Jndustriegesell- schaften angelegt hat, erleidet durch diesen Kurssturz un­geheure Verluste. Denn wenn eme Glanzstoff-Aktie, die früher für 8800 Mark verkäuflich war, nur noch mit 2800 Mark loszuwerden ist, für eine Farben-Aktie nur noch 2050 Mark zu erlösen sind gegen früher 3800 Mark, so bedeutet das ein bedenkliches Zusammen- s ch r n m p f e n der in diesen und ähnlichen Papieren an­gelegten Vermögen.

Was ist nun die eigentliche Ursache dieser Börsen- kriseI Man hat es nicht etwa mit einer allgemeinen Ver­schlechterung der Wirtschaftslage zu tun, die sich in den Börsenkursen widerspiegelt. Es handelt sich vielmehr in erster Reihe um ein allgemeines, weitgehendes Miß - trauen, das durch die Milionenverluste bei der Frankfurter Allgemein n Versicherungs­gesellschaft, einem bis dal n für unbedingt sicher angesehenen Institut, sowie durch ebenfalls sehr be­deutende Verluste bei einer Orderen Versicherungsgesell- Afofesfentfto^^ vaar kleiner«!

Berliner Bankfrrmen, die sich bisher eines guten Rufes erfreut hatten, in Zahlungsschwierigkeiten gerieten, griff eine a l l g e m e i n e Panik Platz, die sich am schlimm­sten in Frankfurt a. M. äußerte, wo die Einleger einen Ansturm auf die dortige Sparkasse unternahmen und ihre Gelder zurückverlangten, weil Alarmgerüchte über du Sparkasse, wenn auch gänzlich unbegründet, in die Welt gesetzt worden innren.

Die durch alle diese Vorkommnisse geschaffene schwere Krise scheint aber nunmehr erfreulicherweise ihr Ende erreicht zu haben. Sämtliche Berliner Großbanken und eine Reihe angesehener Privatbanken haben sich zusammen­geschlossen, um dem Kurssturz an der Börse e i n e n R i e g e l vorzuschieben, da sie ihn nicht als sachlich gerechtfertigt ansehen. . Ähnliche Maßnahmen sind auch bei früheren Gelegenheiten schon in Angst- und Panikzeiten er­griffen worden und regelmäßig haben sie das gewünschte Ziel erreicht. Praktisch geht eine solcheStützung bei Börse" derart vor sich, daß Die betreffende Bankengruppe eine Anzahl von Millionen zusammenschießt und daß mit diesen Geldern die zum Verkauf an die Börse gelangende Ware ausgenommen wird. Dadurch wird einem weite­ren Sinken der Kurse ein Wall entgegengesetzt. Gleichzeitig aber läßt auch natürlich das Angebot nach; denn wenn das Publikum nicht mehr zu befürchten braucht, am Tage darauf womöglich noch schlechtere Kurse für feine Aktien zu erhalten, so hören natürlich im gleichen Augen­blick die Angstverkäufe auf. Ebenso muß es beruhigend wirken wenn die Banken den Standpunkt einnehmen, die aegeMvMgen Kurse seien niedrig, und wenn sie zum Beweise dessen umfangreiche Käufe auf diesem Niveau füi eigene Rechnung vornehmen.

Man kann heute mit einigem Recht annehmen, das der s ch w e r e S t u r m v o r ü b e r ist und daß allmählich Mieder eine Beruhigung an der Börse einkehren wird, Als ein wahres Glück ist es zu bezeichnen, daß die Maß­nahmen der Banken noch vor dem Ultimo eingesetzt haben, da andernfalls die Gefahr bestanden hätte, daß noch verschiedene Firmen in Schwierigkeiten geraten wären, weil am Ultimo bekanntlich an der Börse die Kursdisfe- renzen zu bezahlen sind. Nunmehr besteht diese Gefahr offenbar nicht mehr und man darf der weiteren Entwick­lung mit Vertrauen entgegensehen, wenn auch die erlitte­nen Verluste sich so leicht nicht wiedergutmachen lassen und das deutsche Polksvermögen sehr empfindliche Einbußen erlitten hat.

Französische BörHereiinnZsn

zur Rsgslung der Gaarsrage.

Es wird ein Programm ausgearbeitet.

Wie derTemps" meldet, ist im Hinblick auf die be­vorstehenden deutsch-französischen Verhandlungen über die Regelung der Saarfrage französischerscits eine Kommission gebildet worden, der Vertreter des Anßenministeriums so­wie der Ministerien für öffentliche Arbeiten, für Handel, Finanz und Landwirtschaft angehören. Diese Kommission bat die Allfgabe, die verschiedenen politischen nnb wirt­schaftlichen Seiten der Saarfrage, soweit sie den Gegen­stand von Verhandlungen mit Deutschland bilden könnten, zu prüfen und ein Programm auszuarbeiten, das die französische Delegation bei der bevorstehenden Konferenz vertreten wird.

SdMiiMtii des «erdiiiides

Die Abrustungsfrage in Genf.

In Genf hielt die vor ihrer Vertagung stehende Völkerbunddersammlung Dienstag zwei Vollsitzungen ab. In der Vormittagssitzung bildete den wichtigsten Punkt der Tagesordnung die Abrüstung. In einer kurzen An­sprache unterstrich der belgische Berichterstatter Poullet die dringende Notwendigkeit, den ersten und vielleicht ent­scheidenden Schritt auf dem Wege zur tatsächlichen Ab­rüstung bald zu tun.

Außer dem englischen Vertreter Lord Robert Cecil erbat niemand das Wort und so wurde schließlich der wenig sagende Bericht der Abrüstungskommission an­genommen, nachdem alle entschiedenen Wendungen aus ihm vorher entfernt wurden.

Lord Robert Cecil

trat für die allgemeine Ratifikation des Waffenhan­delsabkommens vom Jahre 1925 ein und teilte mit, daß seine Regierung beschlossen habe, diese Kon­vention, die bis jetzt erst die Zustimmung von fünf Mächten erhalten hat, zu ratifizieren.

Lord Cecil erklärte weiter, wesentlich sei die An­wendung der gleichen Grundsätze für Land-, Luft- und Seestreitkräfte. Die Herabsetzung der Effektivbestände müsse

Rationalisierung -er Industrie.

Eine Entschließung der Interparlamen­tarischen Handelskonferenz.

Die erste Vollversammlung der Interparlamentari­schen Handelskonferenz in Berlin wurde von dem Vorsitzenden, Reichstagsvizepräsidenten v. Kardorff, Dienstag nachmittag eröffnet. Auf der Tagesordnung stand das Problem der Rationalisierung der ändustrie und derGewinnbeteiligungder rT^tliTTtyrrnTr ----- ----

Das englische Unterhausmitglied H a n n o n be­richtete über die Arbeiten des dafür eingesetzten Aus­schusses. Dem Ausschuß waren von Hannon und von Dr. Brüning Berichte über diese beiden Probleme erstattet worden. Beide Redner hatten Entschließungsentwürfe eingereicht. Die gemeinsame Entschließung, die der Be­richterstatter der Konferenz zur Annahme empfahl, besagt: Die Internationale Parlamentarische Handelskonferenz beschließt:

1. daß die nationale sowohl wie die internationale Rationalisierung der Industrie durch industrielle Handels­und soziale Organisationen in allen Ländern der Welt sorgfältig geprüft werden sollte; 2. daß die Delegationen aus den verschiedenen Parlamenten ersucht werden sollen, durch ihre heimischen Parlamentskomitees oder durch Sonderkomitees zur Erforschung des Anwachsens in­dustrieller Zusammenschlüsse aus rationeller Grundlage und der Grenzen ihrer etwaigen weiteren Ausdehnung die Entwicklungsmöglichkeiten in ihren Ländern erwägen zu lassen; und 3. daß die Delegationen für die Konferenz des Jahres 1930 Berichte über die Ergebnisse ihrer Er­wägungen ausarbeiten sollen.

Nach einer Aussprache wurde die Entschließung an­genommen. Nachdem Präsident Kardorff noch unter leb­haftem Beifall ein Antworttelegramm des Reichstags­präsidenten L ö b e auf das Begrüßungstelegramm des Kongresses bekanntgegeben hatte, wurde die Plenarsitzung geschlossen. Abends fand ein Empfang in W Handels­kammer statt.

Weitere Erklärungen Dr. KiösneS.

Die Besprechungen milEntentepolitikern.

Reichstagsabgeordneter Dr. K l ö n n e gibt über seine Besprechungen mit französischen Politikern noch folgende Erklärung bekannt:

1. Ich habe im Herbst 1927 dem Ministerialdirektor Dr. Ritter einen etwa einstündigen Bericht über meine bis dahin gepflogenen Unterhaltungen gegeben, nachdem es mir trotz zweitägigem Versuch nicht gelungen war, den Herrn Außenminister selbst zu unterrichten.

2. Ich habe im Februar 1928 dem damaligen Diri­genten der Ostabteilung des Auswärtigen Amtes, Ministe­rialdirektor vo n D i r k s e n"eingehend über meine Unter­haltungen mit französischen und englischen Staatsmännern und Politikern sowie über die Anregungen, die bei solchen Gelegenheiten an mich herangetragen wurden, unterrichtet.

3. Ich habe am 26. April 1929 dem Staatssekretär von Schubert den Inhalt meiner Unterhaltungen vom Vortage mit zwei französischen Politikern bekannt­gegeben. Dieser Bericht enthielt keine Empfehlung der wiedergegebenen Vorfchläge zur Reparationsfrage. Im Gegenteil, ich machte warnend auf verschiedene Bedenken aufmerksam. Dabei konnte ich zu meiner Genugtuung fest­stellen, daß sich der Herr Staatssekretär meiner Auffassung völlig anschloß.

Erhöhung des privatdMoittS.

> Berlin. An der heutigen Börse wurde der P ivat- sdiskont überraschend um 7a Prozent auf 7% Prozent- be.de j Sichten erhöht.

entweder durch Verringerung der Truppen unter den Fahnen oder durch Verringerung der Dienstzeit erfolgen. Das Kernproblem der ganzen Abrüstungsfrage sei die Verminderung des Kriegsmaterials, ohne die man niemals etwas Wirksames leisten werde.

Die einzige Sicherheit bestehe in der Aufrechterhaltung des Friedens. Kein Frieden ohne Abrüstung und keine Abrüstung ohne Beschränkung des Kriegsmaterials.

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Die Reparationsbank.

Nach Pariser Meldungen sind die letzten Schwierig­keiten, die dem Zusammentritt des Organisationskomitees für die Reparationsbank im Wege standen, beseitigt, so daß die Einberufung der Kommission unmittelbar bevürsteht. Als Termin des Zusammentritts wird der 3. oder 6. Okto­ber genannt, als Ort der Tagung Wiesbaden, Baden-Baden oder eine Stadt an den oberitalie- nischen Seen.

Beim Völkerbund scheint die Meinung in den Vorder­grund getreten zu sein, der Bund werde als. solcher keinen Einfluß auf die Errichtung der Bank nehmen. Die An­gelegenheit berühre ausschließlich Deutschland und die Gläubigerstaaten. Dem Vernehmen nach wird Reichs- bankpräsident Dr. Schacht persönlich die deutschen Inter­essen bei der Reparationsbank vertreten.

Dr. Steiger zur Landwirtslage.

Wirksamer Schutz notwendig.

Bei einem Festabend im Anschluß an die Generalver- sammlung verbunden mit Wanderausstellung des Land- ! wirtschaftlichen Vereins für Rheinhessen hielt der preußische I Minister Dr. Steiger eine Ansprache, in der er mit- teilte, daß am 30. September aus Veranlassung des Ober­präsidenten der Rheinprovirrz eine Versammlung von Be­amten und Sachverständigen darüber beraten werde, wie - - im wsffm ' --n^^!"^^"%- <Lf/7/r Grundlage der Viehwirtschaft dieser Gegenden geholfen werden könne.

Es sei nicht seine Absicht, die Domänen dauernd unter ständiger Verwaltung des Staates zu lassen. Notwendig sei ein wirksamer Schutz der Landwirtschaft. Dabei, bleibe auch der Landwirtschaft selbst ein großes Arbeitsfeld zur Stärkung ihrer Stellung aus eigener Kraft. Die Wege zur Entschuldung der Landwirtschaft hingen eng mit dem Noung-Plan zusammen, darum müßten in dieser Frage Länder, Regierungen, Landwirtschaftskammern und freie Organisationen einträchtig Zusammenwirken, wie es in vorbildlicher Weise der Landwirtschaftliche Verein für Nh'inprcvßm zeige.

Deutsch-Englische Bereinigung.

Die Gründung in Berlin.

DieDeutsch-Englifche Vereinigung", deren Grün­dung seit einigen Monaten in Vorbereitung war, hat sich nunmehr endgültig gebildet. Eine gemeinsame Sitzung von Vertretern der Vorstände beider Zweige der Ver­einigungen fand in Berlin statt. Es wurde beschlossen, nunmehr die Öffentlichkeit über die erfolgte Gründung zu unterrichten. Die Vereinigung hat es sich zur Aufgabe gesetzt, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Völkern zu fördern und zu vertiefen. Den Vorsitz hat in der englischen Gruppe Lord R e a d i n g. in der deutschen Reichskanzler a. D. Dr. C u n o übernommen. Beide Gruppen haben V o r st ä n d e gebildet, denen Mit­glieder aller Parteien beider Länder angehören. An der Gründungsversammlung nahmen zahlreiche Vertreter beider Länder teil; englische Mitglieder sind u. a. der frühere englische Botschafter in Berlin, Viscount d' A b e r n o n, der Handelsminister G r a h a m, Carl of Jellicoe und der Schatzkanzler Philip S n o w d e n. Von l Deutschen gehören der Vereinigung u. a. an: Graf Gott­fried Bismarck, die Reichstagsabgeordneten Brüning, Emminger, von Kardorff, Dr. Klönne, Koch-Weser, von Lindeiner, von Rheinbaben, Treviranus und Ulitzka, dann Admiral Zenker und eine Anzahl Bankdirektoren und Wirtschaftsführer. . >

Eisenbahnkatastrophe in Rußland.

45 Tote, 36 Verletzte.

Von einem Personenzuge auf der Strecke Moskau Sibirien entgleisten, 80 Kilometer von Wjatka entfernt, sechs Wagen, von denen zwei völlig zertrümmert wurden. 45 Personen wurden getötet, 26 schwer und zehn leicht verletzt.

Soweit bisher festgestellt werden konnte, befinden sich unter den tödlich Verunglückten keine Ausländer. Sechs Wagen des Zuges, die aus Holz bestanden, wurden voll­ständig zerstört. Von den anliegenden größeren Stationen sind Hilfs- und Sanitätszüge zur Unglücksstätte abge­lassen worden. Die Sowjetbehörden haben eine Unter­suchung der Katastrophe eingeleitet.