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Sseabrüstungskonferenz verschoben.

Auf Einspruch Frankreichs.

Die nach der amerikanisch-englischen Einigung bereits für den Dezember 1929 geplante Konferenz der fünf Mächte Großbritannien, Vereinigte Staaten, Frankreich, Italien und Japan zum Zweck der Abrüstung zur See ist nach einer Erklärung des Staatssekretärs Stimson in Washington einstweilen auf den Januar 1930 verschoben worden, und zwar anscheinend auf französischen Einspruch, da die Fran­zosen sich weigern, nach London zu gehen, und einen anderen Konferenzort verlangen.

Wie aus London verlautet, habe Frankreich Bedenken, sich abermals tote im Haag zu stark den Einflüssen der eng­lischen Arbeiterregierung auszusetzen, und befürwortet einen neutralen Kongreßort. In London soll man aber entschlossen sein, auch diesmal gegenüber den französischen Ausweichsversuchen fest zu bleiben.

Bei den fortgesetzten Beratungen des Abrüstungs- ausschusses in Genf kam man zu der Feststellung, über die vorgeschlagene finanzielle Hilfe für den angegriffenen oder bedrohten Staat fei einstweilen keine überein- stimmung erzielt. Die englische Vertretung setzte sich in weitgehendem Maße für die Annahme eines Abkommens in dieser Beziehung ein.

Amerika im Haager Gerichtshof.

Das Zusatzprotokoll zur Erleichterung des Beitritts der Vereinigten Staaten zum Ständigen Internationalen Gerichtshof im Haag und das Revisionsprotokoll für das Haager Statut sind bis jetzt von 29 Staaten, darunter Deutschland, Frankreich und Italien, unterzeichnet worden. Unter den Unterzeichnungsstaaten befindet sich auch Brasilien, das seit zwei Jahren dem Völker­bund nicht mehr angehört, aber Mitglied des Haager Ge­richtshofes geblieben ist. Peru und Nikaragua haben mit der Unterzeichnung dieser beiden Protokolle auch das ursprüngliche Haager Statut Unterzeichner und sind damit dem Ständigen Internationalen Gerichtshof als neue Mitglieder beigetreten.

Die poiiiische Mr^ ^sffe^schast.

Erklärung des R c' ch s w e h r m i n i st e r s.

Nach einer Mitteilung d.. Bossischen Zeitung hat Reichswehrminister Grüner auf G u^d des Paragraphen 36 des Wehrgesetzes, der den Angehörigen b.r Reichs­wehr und Reichsmark»^ die Mitgliedschaft in politischen Vereinigungen oder Verbündn verbietet, die _ Deutsche Adelsgenossenschaft wr politisch erklärt. Diese Verfügung des Reichswehrministe' ? bedeutet für die Offiziere der Reichswehr uno der Reichsmarine den Befehl, aus der Adelsgenossenschaft, sofern sie MUglieder derselben sind, sofort auszutrete: D^r Beseht des Reichs­wehrministers ist, dem Vernehmen nach, erlassen worden, weil in den Blättern der Adelsgenossenschaft Angriffe gegen die Reichsregie.ung und bereu Mitglieder ver­öffentlicht worden sind und toeil die Ade^gZ.ossenschaft sich aktiv an dem Po<tsvegebren von .'öma.mbera-Hitler beteiligt.

Amtliche Vekanntmachungen in Zeitungen.

Die künftige Auswahl der Zeitungen.

--Die Reichs regWruug und die preußische Regie rmüscr- chssen auf Grund einer Übereinkunft folgende amtliche Veröffentlichung:

Den Zustand, daß von Behörden für amtliche Be­kanntmachungen zum Teil immer noch Zeitungen benutzt ^"den, die die Regierung in unsachlichster und ge- hasstgster Weise bekämpfen, glaubt die Regierung nicht langer verantworten zu können. Sie wird bei der Aus- Wahl der Zeitungen auch in Zukunft ohne Rücksicht auf die politische Richtung der Blätter und mit dem Ziel einer paritätischen Regelung und einer möglichst weiten Verbrei­tung amtlicher Veröffentlichunaen in den Kreisen der Ve-

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USMSHK^ duiTch'vepiag' oskae meistEB-wiRoKo in sachsen

(67. Fortsetzung.)

Was alsdann zu geschehen hatte, wußte er im Augen­blick nicht. Er drängte auch vorläufg jeden Gedanken daran mit erwachender Energie zurück. Der Schwester zunickend, setzte er sich im Bette auf und sagte:Ich habe Hunger. Darf ich um eine ausgiebige Mahlzeit bitten?"

Die erste Stunde danach verlief ereignislos. Draußen mußte-die Sonne besonders hell scheinen, denn an der Wand, die er notgedrungen, so oft sich sein Blick hob, an- fehen mußte, geisterte ein ganzes Heer goldglänzender, be­ständig hin- und herschwebender Zeichen und Wunder. Der Abglanz von den Blättern der alten, würdigen Nußbäume, die vor dem vergitterten Fenster standen.

Geräusche schien es hier nicht zu geben. Nur einmal gellte ein kurzer, durchdringender Laut, wie er im Felde von einem hinterrücks erstochenen Soldaten in der Hölle von Verdun gehört, herein.

Dieser Laut beherrschte ihn eine Zeitlang völlig, stellte seine Gedanken um zwang sie von dem grausamen Großen der Vergangenheit zu dem nicht minder großen, aber Beseligenden der Mithilfe für die Zukunft hinüber, und befestigte ihn darin, daß er niemals, was auch über ihn kommen möge, sein dieser Zukunft und gar nicht ihm selbst gehörendes Leben beliebig auslöschen dürfe.

Es scheint sehr frisch und ist zur Zeit auch völlig klar, Herr Sanitätsrat," erstattete Schwester Grete ihre Meldung an Doktor Schmolz.

Na . . . wollen gleich mal sehen," meinte der und ergriff ein Formular vom Tisch, das er mit sich nahm.

Frisch und zur Zeit völlig klar . . . hm, das stimmte aller­dings. Aber so war es zu Anfang beinahe immer . . . bis! Und dies, was hinter jenembis" folgte, traf denn auch bei Doktor Schmolz' Besuch ein, als er, auf fester Unterlage, dem Kranken das Formular zugleich mit einem gutge­spitzten Bleistift hinreichte.

Wollen Sie selbst, bitte, alles ausfüllen, denn," fügte er in scherzhaftem Tone hinzuwir haben uns hier nämlich eine gewisse Bequemlichkeit in solchen und ähnlichen Dingen angewöhnt, die uns, bedenkt man die Fülle der An-

Völkerung, für die sie bestimmt sind, verfahren. Aus Gründen der Staatsautorität muß jedoch mit der Übung gebrochen werden, auch solchen Zeitungen Anzeigenauf- träge zu erteilen, die sich nicht scheuen, die Politik der Regierung und der Regiernngsmitglieder in der unsach­lichsten und gehässigsten Weise herabzusetzen. Veranlaßt durch die weit über den Rahmen einer fachlichen Kritik hinausgehende Art und Weise, in der gerade in letzter Zeit Blätter, die zu amtlichen Bekanntmachungen benutzt wor­den sind, über die Haager Ergebnisse, die Regierung und ihre Mitglieder geschrieben haben, sind die Reichs- und die preußische Staatsregierung übereingekommen, sofort Richtlinien für die Auswahl von Zeitungen zur Bekannt­gabe amtlicher Veröffentlichungen in Kraft treten zu lassen. Nach diesen Richtlinien werden künftig von amt­lichen Veröffentlichungen solche Blätter ausgeschlossen, die planmäßig die Verfassung oder die verfassungsmäßigen Einrichtungen beschimpfen oder verächtlich zu machen suchen oder die verfassungsmäßige Regierung, ihre Be­hörden und ihre Amtshandlungen zum Zwecke der Unter­grabung der republikanischen Staatsform planmäßig mit unsachlichen und insbesondere wahrheitswidrigen Mitteln bekämpfen."

Was die Presse dazu sagt.

Von rechtsstehenden Blättern bemerkt der Ber­liner L o k n l a n z e i g e r :So schön und gut die Begrün­dung der Strafmaßnahmen auch klingt, die Praxis wird wesentlich anders aussehen. Denn es wird bei einigermaßen schlechtem Willhji nicht schwierig sein, gegen alle nationalen Zeitungen aus Grund der obigen Bestimmungen vorzugehen, indem man jeder unliebsamen Kritik Unsachlichkeit unterstellt." Die Deutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Diese Erklärung ist wohl als Auftakt zu dem neuen Republik­schutzgesetz aufzufassen. Es liegt auf der Hand, daß ihre Ver- ivirklichung der Willkür gegen die oppositionelle Presse Tür und Tor öffnet." Die Deutsche Tageszeitung nimmt zunächst nur Stellung in den Überschriften über den Wortlaut der Bekanntmachung. Die Überschriften lauten:Androhung wirtschaftlicher Benachteiligung Maulkorb für die Presse".

Von der linksgerichteten Presse äußert sich das Berliner Tageblatt unter dem TitelGegen die Hetz- Presse":Aus Gründen der Staatsautorität muß mit der Übung gebrochen werden, auch solchen Zeitungen Anzeigen- austräge zu erteilen, die sich nicht scheuen, die Politik der Re­gierung uns der Regierungsniitgüeder in der unsachlichsten und gehässigsten Weise herabzusetzen." Der Vorwärts überschreibt die Veröffentlichung mit den Worten:Gegen die Hetzpresse Unterstützung republikfeindlicher Blätter soll aufhören".

Das Zentralorgan des Zentrums, die Germania, be­titelt ihre VeröffentlichungGegen republikseindliche Amts- blütter Abwehrmaßnahmen der Regierung".

Politische KuzOfchüu

Deutsches Reich

Bayerischer Bauernbund gegen Volksbegehren,

Der bayerische Landwirtschaftsminister Fehr legte auf einer Bauernbundszusammenkunft in Niederbayern seine und des Bauernbundes Stellung zu dem Young-Plan und zu dem Volksbegehren dar und bezeichnete das eingeleitete Volksbegehren als einen Unfug und ein Verbrechen. Eine so bedeutsame Frage könne niemals auf dem Wege des Volksentscheids geregelt toerben, da ein solches Unter­nehmen zu schwersten Schädigungen für das deutsche Volk ausschlagen müsse. Der Bayerische Bauernbund lehne eine ÄttiäriuiuMuUitmt-j&el^egs^^

Heit ab. Die Ausführungen des Ministers wurden mit Beifall entgegengenommen.

Paragraph 4 des Volksbegehrens.

Wie die Deutsche Allgemeine Zeir.mg erfährt, wird das Präsidium des Reichsausfchusses für dasVolks­begehren gegen die Versklavung Deutschlands" einberufen werden, um sich mit den Zwistigkeiten zu beschäftigen, die insbesondere durch die Formulierung des Gesetzestextes entstanden sind. Auf dieser Tagung wird auch über das Verlangen des Reichslandbundes und der Christlich- Nationalen Bauernpartei, den § 4 des Gesetzentwurfes (Landesverratsbestimmungen geaenüber Ministern und Meldungen, die sich zuweilen zusammendrängt, schon nach- zusehen ist."

Ohne Argwohn zu schöpfen, kam er der Aufforderung nach. Doktor Schmolz beobachtete ihn scharf dabei. Ihm fiel nichts Ungewöhnliches auf. Der Patient nahm die Ein­tragungen vor, ohne auch nur den Bruchteil einer Sekunde nachzudenken. Im Umsehen war er fertig . . . bis auf die Vollziehung durch die Namensunterschrift.

Bitte sehr," sagte er höflich und reichte dem Arzt den Bogen zurück.

Dr. Schmolz hatte es sofort festgestellt.

Sie haben noch eine Kleinigkeit vergessen, Herr Baron!" Der wurde rot aber er nahm das Formular nicht ab. Darf ich bitten," widerholte Daktor Schmolz sein Er­suchen eindringlich und tippte mir dem Zeigefinger der anderen Hand dorthin, wo die Unterschrift fehlte. Die Hände des Kranken verharrten unbeweglich auf der Decke. Eine bloße Form... ein Nichts . . . das wissen wir genau, wie Sie. Und dennoch erforderlich . . . Also bitte schön," ermunterte Dr. Schmolz liebenswürdig.Sie haben völlig recht, verehrter Herr Baron, wenn Sie ihr keine Wichtigkeit beimessen. Solange wir indes in einem geordneten Staat bitte nicht die Stirn runzeln leben, müssen wir so was respektieren."

Die Röte der Erregung wich. Das Gesicht veränderte sich merklich. Er zeigte plötzlich den eigensinnigen Ausdruck von Kranken, die von einer fixen Idee beherrscht werden und im übrigen durchaus umgänglich und normal wirken. Sanft, aber entschlossen drückte Dr. Schmolz nunmehr dem Widerstrebenden das Formular in die Rechte, indem er gleichzeitig mit der freien Hand die Uhr aus der Tasche zog.

Ich möchte es gleich mitnehmen. Sie haben nämlich vierundzwanzig Stunden geschlafen. Beneidenswert! Ich wollte, ich dürfte das auch einmal. Haben Sie geschrieben, Herr Baron?"

Da sah ihn der andere fest an. In seinem Blick glomm etwas auf, das der Arzt für ein ganz bestimmtes Anzeichen deutete. Als das Bereitsein zu einem Ausbruch. In Wirklichkeit war es eiserne Entschlossenheit.

Ich . . . schreibe das nicht, Herr Sanitätsrat." Doktor Schmolz spielte mit viel Geschick den Ueberraschten.

Ja . . . wieso denn nicht? Aber bester Baron, Ihre Persönlichkeit braucht sich doch warhaftig nicht mit einem Geheimnis zu drapieren."

Ueberlassen Sie das bitte meinem Urteil, Herr Sanitäts­rat!"

Mir liegt jeder Eingriff in Ihre privaten Angelegen­heiten sehr fern," beteuerte der Arzt geschmeidig,jedoch,

Bevollmächtigten des Reiches) wieder zu streichen, ent­schieden werden.

Parlamentarische Haudelskouferenz in Berlin.

. Vom 23. bis 26 September wird in Berlin die Inter­nationale Parlamentarische Handelskonferenz ihre 15. Ta­gung abhalten. Auf der Tagung werden 40 Parlamente vertreten sein. Die erste Sitzung findet am 23. September in Anwesenheit von Vertretern der Reichsregierung und der Länderregierungen statt. Den Vorsitz führt der Vize­präsident des Reichstages, von K a r d o r f f. Der Reichs- fmanzminister H t l f e r d i n g , der bisherige Vorsitzende der deutschen Gruppe, toirb die Konferenz im Namen der Reichsregierung begrüßen. Die Stadt Berlin veranstaltet verschiedene Festlichkeiten zu Ehren der Konferenz.

Tschechoslowakischer Freihafen in Hamburg.

Nach dem Vertrag von Versailles hat die Tschecho­slowakei das Recht, in den Häfen von Hamburg und Stettin für 99 Jahre eine Freizone zu beanspruchen. Die Verhandlungen darüber wurden seit längerer Zeit zwischen den beteiligten Regierungen geführt. Sie haben jetzt zu dem Ziele geführt, daß in Hamburg demnächst die Ausnutzung der tschechoslowakischen Freihafenrechte in enger Verbindung mit dem Norddeutschen Lloyd geschieht. Es wird eine Aktiengesellschaft gegründet, an welcher der Norddeutsche Lloyd mit etwa der Hälfte des Aktienkapitals beteiligt sein wird, während tschechoslowakische Wirt­schaftskreise die andere Hälfte des Kapitals übernehmen. Die Verwaltung der neuen Gesellschaft wird je zur Hälfte von deutschen und tschechischen Persönlichkeiten geführt.

Deigien.

Kaiserin Zita in Brüssel.

Zu den Gerüchten über eine Übersiedelung der Familie der ehemaligen Kaiserin Zita nach Brüssel erfährt der Pester Lloyd, daß die Kaiserin allerdings am 13. Sep­tember mit vier ihrer Kinder in Brüssel eingetroffen ist zu dem Zwecke, die Aufnahme ihrer Kinder in Brüsseler Schulen vorzubereiten. Am 20. d. M. kehre Kaiserin Zita nach Lequeito zurück, während die Kinder vorerst als Gäste in einem gräflichen Hause verbleiben. Ende Oktober werden Kaiserin Zita, ihr ältester Sohn Otto und die ganze Familie nach der belgischen Hauptstadt über­siedeln.

Italien.

Der Papst gegen Mussolini.

Der Papst hat in einer Ansprache an einen Pilgerzug der italienischen Katholischen Aktion mit besonderer Schärfe und Deutlichkeit das Vorgehen des faschistischen Staates gegen die Katholische Aktion gegeißelt. Er sprach von dem täglichen Martyrium, dem die Mitglieder der Katholischen Aktion durch das System Mussolini vielfach ausgesetzt seien, und schließlich gab er der Erwartung Ausdruck, daß, wenn Menschen mit gesunden Sinnen im gesunden Körper, zuverlässige Menschen, an deren Ehrlich­keit nicht zu zweifeln sei, verlangt würden, man sich mit dem Erziehungsprinzip des jetzigen Italienischen Staates nicht zufrieden geben könne.

Aus In- und Ausland

Haag. Das holländische Parlament wurde mit einer Thron­rede der Königin eröffnet. In der Thronrede wirb mit Genug­tuung der Haager Einigung über Young-Plan und Räumung gedacht.

Peking. Die chinesische Telegraphenagentur teilt mit, daß _^JMr cUnte[ ül Washington gelungen sei, eine erste chinesische Anleihe in Höhe von zehn Millionen Dollar in Amerika unterzubringen. Die Anleihe soll für den Aufbau der chinesischen Wirtschaft dienen.

Französische Interpellation über die Rheinlandräumung.

Paris. Der langjährige Mitarbeiter Elemenceaus Ab­geordneter Georges M a n d e l, hat an den Ministerprästdenten ein Schreiben gerichtet, worin er ihm mitteilt, daß er ihn bei Beginn der Parlamentstagung über die Gründe interpellieren werde, aus denen er trotz einer neuen schweren Verstümmelung der Forderungen Frankreichs an Deutschland geglaubt habe, der vorzeitigen Räumung des Rheinlandes zustimmen zu sollen.

Sie werden sich wohl denken können, daß ich durch Ihren Herrn Schwiegervater genau unterrichtet bin."

Ich werde nicht schreiben," wiederholte der Kranke ein­tönig.

Wenn Sie verlangen, daß ich Ihre Weigerung verstehen soll . . . und das müssen Sie mir, als zur Zeit Ihrem Arzt, wohl zugestehen . . . dann geben Sie mir eine Erklärung dafür."

Die dürften Sie eigentlich nicht nötig haben, Herr Sani­tätsrat!"

Ich bitte Sie herzlich, Herr Baron, daß Sie mir voll vertrauen."

Noch einen Augenblick des Zögerns . . . Einen letzten.

Ich habe nämlich . . . keinen Namen!"

Ach . . wieso kann das sein? Sie sind doch geboren. Alles weitere ergibt sich. Sogar Unehelichkeit und Adoption ändert nichts an dem Besitz des Namens."

Verstehen Sie doch, Herr Sanitätsrat. Der ich war durch bürgerliches und ethisches Recht ... der bin ich nicht mehr, weil alles, was mich als solcher legitimieren könnte . . . mit dem anderen ins Grab gesenkt wurde. Der ich mir anmaßte zu fein indem ich alle Beweisstücke austauschte . . . nun . . . der kann und darf ich nicht länger bleiben! Denn der ist tot. Nicht wahr, Sie begreifen das jetzt."

Das war mal wieder ein Fall, wo der Kranke mit über­zeugendem Scharfsinn recht zu haben schien. Noch war sich Dr. Schmolz nicht ganz klar, ob dieser eine mit allem Raf­finement ausgearbeitete Rolle nur spielte ... um frei für ein geliebtes Mädchen zu werden--oder ob es doch ein Dämmerzustand, Wahnsinn, war. Schon jetzt neigte er zu dieser letztgenannten Auffassung.

Der Atem des Kranken fuhr kurz und ruckartig aus seinem Munde. Seine Adern spannten sich. Die Hände bekamen Kraft und wurden zur Faust geballt Die Augen flammten unruhig. Also wirklich!

Dr. Schmolz drückte auf eine nur ihm und dem Pflege­personal bekannte Klingel am Fußboden Zwei Minuten später erschien ein durchaus angenehm und frieblich aus» sehender Wärter, gefolgt von Schwester Grete. die noch Dienst tat.

Ich muß Sie jetzt verlassen, Herr Baron,' sagte Doktor Schmolz vollkommen liebenswürdig und kam nicht meh' auf bie verweigerte Unterschrift zurück Bevor er das aus- iührte, neigte er den Kopf gegen Schwester Grete und raunte ihr scherzhaft zu:

Ihre'Diagnose war übrigens großartig, Schwester, nur sie stimmt leider nicht."

(Fortsetzung folgt.)