HersfelöerTageblatt
Hersfelöer Kreisblatt
öfe Reklamezeile 50 Pfennig. (Gninöschrist Korpus). Bei Meöerholungen wird ein entsprechender Preisnachlaß gewährt. ❖ §ür die Schristleitung verant- wörtlich: §ranz§unk in Hersfeld. »Zernsprecher Nr. S
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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelo i »»»--»»««-"-"»l m whmiwm -«WM
mit den Beilagen: Illustriertes AnterhattungSblatl / Nach ^rabkuS / Herd “"? Schotte / Anterhsttvoa und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfrageu.
Nr. 218
Dienstag, den 17. September 1929 79. Jahrgang
GieuemMgruppienmg.
Man kann nicht mehr daran vorübergehen, daß der Finanzminister Preußens, also des größten deutschen Staates, schon seit längerem ganz bestimmte Vorschläge macht, in aller Öffentlichkeit ein Programm entwickelt, das teils auf eine Steuersenkung, teils auf eine Reform im Sinne einer andersartigen Lastenverteilung abzielt. Seine Anregungen beziehen sich aber nicht — das muß hier sogleich vorausgeschickt werden — auf sein Ressort, also auf das Gebiet der preußischen Finanzen bzw. Steuern, sondern wollen Forderungen sein, die bei einer etwa beabsichtigten, sicherlich aber sehr notwendigen Reform derReichsfinanzen zu berücksichtigen wären.
Allerdings sind natürlich die Länder und die Gemeinden - als „Kostgänger" des Reiches — daran sehr interessiert, wenn Preußens Finanzminister eine Senkung der Einkommensteuer für die kleineren und kleinsten Steuerzahler, außerdem ein „Auseinanderziehen" des Steuertarifs, also ein langsameres Ansteigen der Steuersätze fordert. Gehen doch 75 Prozent des Ertrages dieser Steuer an die Länder und die Gemeinden und der Teutsche Städtetag hat vor kurzem in seinen Veröffentlichungen mitgeteilt, daß etwa 35 Prozent der Steuerein- nahmen, die den Kommunen zufließen, den Überweisungen aus dem Ergebnis der Reichseinkommenstener entstammen. Noch größer freilich ist der Anteil an den Gesamteinnahmen, der auf dem Ertrag der Realsteuern beruht.
Hinsichtlich dieser Steuern ist der preußische Fmanz- minister allerdings zu einer Einschränkung oder Anders- gruppierung seiner früheren Vorschläge gelangt; nicht mehr eine radikale Abschaffung dieser, wie sie der Reichs- innenminister neulich nannte, „rohen" Steuern und ihre Ersetzung durch eine entsprechende Steigerung der Vierund der Branntweinsteuer wird empfohlen, sondern nur eine, allerdings beträchtliche Senkung um etwa 500 M H H o n e n. Der Einnahmeausfall, den die Lander bzw. die Kommunen dadurch erleiden würden, soll Wett- gemacht werden durch eine Steigerung des Anteils, der ihnen aus den Überweisungen zusteht, ferner durch dre Einführung einer allgemeinen Getränkeitener durch E .. ............. „no icyueMch duru) teilweise Abwälzung von'Ausgaben für Schul- und Polizeizwecke von den Kommunen auf die Länder. Das berührt also schon den Finanzausgleich, der ja wieder vorläufig bis nächstes Jahr verlängert wurde und auch endlich eine endgültige Form annehmen sollte, wenn erst die deutschen Zahlungsverpflichtungen selbst eine solche endgültige Regelung erhalten haben. Da im Aonng-Plan die bisherige Sondergarantie der fünf Milliarden deutscher ^n- dustrieobligationen nicht mehr vorgesehen ist, wiederholt der preußische Finanzminister die Forderung, daß die darin liegende Sonderbelastung der deutschen Industrie in <nöbe von jährlich 300 Millionen Wegfällen mußte. Ebenso die andere, schon früher aufgestellte Forderung daß endlich Schluß gemacht wird mit der steuerlichen Sonde r b e l a st u n g , ^ie mit der Grü ndun g Wer Rentenbank auf die deutsche Land wirt) ch«ft gelegt wurde. Man müsse für die Durchführung der Liquidation dieses Unternehmens, die noch etwa fünf bis sechs Jahre dauern soll, andere Wege finden
Man darf also bei diesen Vorschlägen vorläufig kaum von einer Steuersenkung, höchstens von einer Umgruppierung, von einer anderweitigen Erteilung der Steuerlasten sprechen. Denn es hat nicht den Anschein, als ob mit einer irgendwie wesentlichen Herabsetzung der Ausgaben bei den Kommunen, den Landern oder dem Reich gerechnet werden konnte Dafür sind die Bedrängnisse, in denen sich vor allem der Reichssmanz- minister befindet, denn doch allzu groß. Aber der Grundgedanke der Reformvorschläge sollte trotzdem nicht so ohne weiteres von der Hand gewiesen werden: Neuordnung der Verwaltungsausgaben zwischen renen dreiEinrichtungen des staatlichen Lebens in Deutschland und ein entsprechender Finanzausgleich unter Berücksichtigung der steuerlichen sich immer wieder ändernden Trag- ^^Abe/der Ausgangspunkt für jede wirkliche Steuersenkung ist und bleibt doch eine V-rmmderung der öffentlichen A u s gaben, vor allem durch eine Beschränkung der öffentlichen Verwaltungs a u f gaben. Davon freilich hört man nichts und auch der preußische Finanzminister hat hierüber geschwiegen. Trotzdem dürften die von ihm aufgestellten Forderungen in den sicherlich sehr ausgedehnten Etats- und Steuerdebatten des kommenden Winters auch im Reichstag eine große Rolle spielen.
Abermalige Schlagwetterexplosion auf her Charles-Grube.
Bisher zehn Tote.
Infolge der Explosion auf Schacht II der Charles- Grube waren die Ventilatoren des Schachts zerstört worden und die Wetterführung versagte. Montag nachmittag hat sich eine neue Explosion ereignet, wie man annimmt, durch schlagende Wetter. Durch diese Explosion, die viel gewaltiger war als die erste, wurden die elektrische Zentrale und das Kesselhaus völlig in Trümmer gelegt. Bisher hat man zehn Tote geborgen. Die Zahl der Schwer- und Leichtverletzten ist noch nicht bekannt. Es läßt sich auch noch nicht sagen, wieviel Mann sich in dem Bergwerk befanden.
M Regelung der MeMsmerschmU
KomplomiKentwurf zum
Erwerbslosengesetz.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
über die zwischen dem Reich und Preußen vereinbarten Kompromißvorschläge zur Regelung der Arbeitslosen Versicherung wird bekannt, alle schwierigen Punkte wre dre Frage der Anwartschaft, der Saisonberufe, der Leistungen und der Beitragserhöhungen bilden nunmehr einen bc sonderen Gesetzentwurf, der bis zum 31. März 1931 befristet ist. Erst dann soll über die dauernde Reform entschieden werden. Am Montag traten die Ausschüsse des Reichsrates, später der R e i ch s r a t selber zusammen, um über diesen Einigungsentwurf zu beraten. Dem Reichs- t a g sollen zwei Gesetzentwürfe zugehen. Der eine enthält die Punkte, über die wesentliche Meinungsverschiedenheiten nicht bestehen, so die Beseitigung der Mißbräuche und die Berwaltungsresormen, der andere die nunmehr getroffenen Vereinbarungen.
Falls der Reichsrat diesem letzteren Entwurf zustimmen würde, was erwartet wird, so dürfte die Regierung auf dieser Grundlage in neue Verhandlungen mit den Parteien eintreten. Eine Besprechung der Führer der Regierungsparteien ist für Mittwoch vorgesehen.
Die neuen plane.
In dem Kompromißentwurf wird vorgesehen, daß Arbeitslose aus Berufen und Gewerben, in denen eine regelmäßig wiederkehrende Arbeitslosigkeit üblich ist, die Unterstützungssätze der nächst niedrigeren Lohnklasse erhalten. Der Beitrag zur Reichsanstalt für das Reichsgebiet beträgt einheitlich 3,5 Prozent des maßgebenden Arbeitsentgeltes. Der Beitrag für Saisonarbeiter ist um ein Prozent höher als die übrigen zu entrichtenden Beiträge. Am 1. November 1929 soll das Gesetz in Kraft tretet. ZW.rM. Praxis sollen 41 Millionen erzielt werden gegenüber dem nach der ursprünglichen Regierungsvorlage errechneten Defizit von 47 Millionen. Die beiden kombinierten Gesetzentwürfe sollen im ganzen zur Deckung des Gesamtdefizits von 279 Millionen einen Betrag von 273 Millionen ergeben. Es bliebe noch ein letzter Fehlbetrag von 6 Millionen, dessen Verschwinden man von der Beseitigung weiterer Mißstände erwartet.
Kundgebung der Arbeitgeberverbände.
Die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Reichsverband der Deutschen Industrie teilen mit, daß sie an die für die Reform der Arbeitslosenversicherung zuständigen Regierungsstellen ein Telegramm gerichtet haben, in dem die Verbände Widerspruch gegen die bekanntgewordene Absicht erheben die SanPruna Der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung durch eine allgemeine Beitragserhöhung um % Prozent und eine weitere Beitragserhöhung um 1 % Prozent für die Saisonberufe, insbesondere für die Bauindustrie herbeizuführen.
Mandaisfragen vor dem polttischen Bölkerbundausschuß.
Abessynien für Ordnung in Palästina.
Der sechste Ausschuß der Völkerbundversammlung (politische Fragen) hat die Aussprache über den Tätigkeitsbericht der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes abgeschlossen. Wie in früheren Jahren wurde Nansen- Norwegen mit der Berichterstattung beauftragt. Professor Rappard-Schweiz, der früher felbst der Ständigen Mandatskommission angehörte, faßte das wichtigste Ergebnis der langen Aussprache dahin zusammen, daß trotz aller Meinungsverschiedenheiten über die Frage der Souveränität der Mandatsgebiete doch Einstimmigkeit darüber herrsche, daß die S o u v e r ä n i t ä t n i ch t a u s die Mandatsmacht übergegangen sei.
Zu den Vorfällen in Palästina gab der abessinische Vertreter Lidy Andarque Maßet als „Vertreter der christlichen Macht Afrikas" und „im Namen der direkten Nachkommen Salomos" eine Erklärung ab, in der er darüber Klage führte, daß die Christen bald die Juden bald die Mohammedaner begünstigten, ja, daß sie sogar an Kundgebungen teilnähmen. Christus aber habe das gute Einvernehmen und die Liebe unter den Menschen gepredigt. Es sei bedauerlich, daß die Christen in Palästina den Antagonismus zwischen den Juden und den Mohammedanern verschlimmerten, statt die Rolle unparteiischer Vermittler zu übernehmen. Zur Erleichterung der Aufgabe der Mandatsmacht Englands, die man zu ihren energischen Maßnahmen in Palästina für die Wiederherstellung der Ordnung beglückwünschen könne, forderte er die Völkerbundstaaten auf, ihren Vertretern in Palästina entsprechende Anweisungen zu geben. An England selbst richtete er die Bitte, den Christen in Palästina im Interesse der Erhaltung des Friedens eine zum mindesten korrekte Haltung gegenüber beiden Parteien zu empfehlen.
Angestellte und Erwerbslosenversicherung.
In Berlin tagten am Sonntag etwa 500 Vertreter von 42 000 Berliner Angestellten, die deni Gewerkschaftsbund der Angestellten angehören. Die nach einem Vortrag des Reichstagsabgeordneten Gustav Schneider angenommene Entschließung erklärt eine Reform der Arbeitslosenversicherung .für erforderlich, verwahrt sich aber im Namen der Gesamtmitgliedschaft des Gewerkschaftsbundes der Angestellten gegen einen allgemeinen Abbau der Leistungen und weist alle dahinzielenden Versuche von politischen Parteien zurück. Notwendig sei eine Neuordnung der Arbeitslosenversicherung nach berufsständischen Gefahrenklassen und in erster Linie die Schaffung einer Sonder- abteilung für Angestellte.
Annahme des Arbeitslosenkompromiffes im Reichsrat.
In der Schlußabstimmung mit 42 gegen 21 Stimmen.
In der Montagssitzung des Reichsrates wurde bei der Beratung der Reform der Arbeitslosenversicherung der von der Reichsregierung und der preußischen Regierung vorgelegte Kompromißvorschlag, der u. a. für die Saisonberufe den Beitrag um Prozent erhöht, mit 32 gegen 31 Stimmen bei zwei Enthaltungen in erster Lesung angenommen.
Man unterbrach dann die Sitzung, um den Ausschüssen Gelegenheit zu geben, vor der zweiten Beratung die Konsequenzen aus diesem Beschluß zu ziehen.
Auch in zweiter Lesung wurde dem Kompromißvorschlag der Reichsregierung und der preußischen Regierung zugestimmt, und das durch dieses Kompromiß ergänzte Hauptgesetz in der Schlußabstimmung mit 4 2 gegen 21 Stimmen angenommen.
Die Beseitigung h^a ^<>s!PiK >» s»« 4l»i.ni^«i»s—^---- Versicherung.
In Regierungskreisen denkt man sich die Beseitigung des Defizits in der Arbeitslosenversicherung wie folgt: Der Regierungsentwurf bietet in unveränderter Gestalt 92 Millionen Mark Ersparnisse und läßt damit noch ein Defizit von 47 Millionen Mark offen. Dieser Fehlbetrag wird nach den Reichsratsbeschlüssen mit elf Millionen Mark gedeckt durch die Verkürzung der Sätze bei den Arbeitslosen ohne Angehörige, die nicht 52 Wochen gearbeitet haben. Weitere sechs Millionen Mark glaubt man aus der Verlängerung der Wartezeit für Saisonarbeiter herausholen zu können und weitere 24 Millionen Mark, selbst bei vorsichtiger Schätzung, durch die einprozentige Beitragserhöhung für Saisonberufe. Voraussetzung ist bei alledem natürlich die auch vom Reichsrat beschlossene allgemeine Beitragserhöhung um % Prozent. Danach blieben ziffernmäßig nur noch sechs Millionen Mark Fehlbetrag, die man ohne weiteres durch die übrigen Vorschriften der Reform, die sich vor allem gegen die Mißstände richten, erlangen zu können glaubt.
Die Attentaisuniersuchung.
Neues Geständnis.
«In Berlin sind sieben in der Bombenaffäre verhaftete Personen dem Vernehmungsrichter vorgeführt worden, um einen Haftbefehl gegen sie zu erlassen. Diese sieben sind Ernst von Salomon, Hartmut Plaß, Erich Timm, Herbert Nickelsdorf, Kurt Roßteutscher, Heinrich Bauder und Willi Wilske. Entlassen aus der Haft wurden bekanntlich vier Personen und zwar Dr. Salinger, Hans Gerd Techow, Kruschk: und Laaß. Von den in Alton« verhafteten 24 Persönlichkeiten erscheinen 23 derart belastet, daß gegen sie richterlicher Haftbefehl erwirkt werden soll.
Aus Alton« wird ferner gemeldet, daß der Landvolkführer Hennigs seine Beteiligung an dem Bombenanschlag in Niebüll zugegeben habe. Danach wären nur noch die Anschläge in Lüneburg und am Reichstagsgebäude in Berlin zu klären. Neu verhaftet wurden durch die Altonaer Polizei im Laufe des Sonntags der Landwirt FranzLuhmann aus Klues bei Winsen an der Luhe und der Diplomlandwirt Rittmeister a. D. Walter B o h m aus Altona.
Als Dummerjungenstreich faßt man einen Fund auf, der auf der Chaussee Seegeberg—Hamburg in dem Orte Nahe vor dem Hause des dortigen Landjägermeisters gemacht wurde. Es wurde eine Margarinekiste, in der sich eine Weckeruhr und eine leere Flasche mit langen Schnüren befanden, aufgestellt. Da der Versuch offenbar der Absicht diente, die Bevölkerung zu beunruhigen, nahm die Polizei vier Personen fest. Sie sind geständig, den Streich ausgeführt zu haben, und gehören der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei an.
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Ein hoher Pariser Polizeibeamter ermordet.
Paris. Der Leiter des kriminalistischen Erkennungsdienstes, Bayle, ist im Justizpalast auf der zu seinem Bureau führenden Treppe durch drei Revolverschüsse getötet wordm. Der Täter wurde nach kurzer Verfolgung festgenommen. Es handelt sich um einen 43jährigen Handelsvertreter, der die als Racheakt wegen eines von Bayle gegen ihn erstatteten Gutachtens verübt haben will. - J