HersfelöerTageblatt
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hersfel-er Kreisblatt jM
Amtlicher /inzeiger für den Kreis tzersfel- j Klinks Bu^dr
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1.50
mit den Beilagen: Illustriertes Anlerhaltungsblalt / Nach Feierabend / Herd vaS Scholle / Anterbaltnag and Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagestrageo.
Nr. 216 fEsites Blatt)
Sonnabend, den 14. September 1929
T9. Jahrgang
Wertvolle Kräfte.
Fieberschauern. — Schwere Stunden. — Schwelender Bürgerkrieg.
Man war wirklich schon recht nervös geworden. Seit bald einem Jahr krachte hier eine Bombe, explodierte dort eine Höllenmaschine. Kamen auch Menschen dabei nicht zu Schaden, so wurde die Sache doch geradezu unheimlich. Als schließlich sogar am Reichstagsgebäude ein solches Krachen erdröhnte, stieg die Nervosität auf einen schon fast bedenklichen Grad, weil man zu vermuten begann, hinter diesen Vorkommnissen steckte ein politischer Plan. Man wußte allerdings nicht, was für ein Plan das sein sollte. Vielleicht erfährt man es jetzt, nachdem Dutzende von Leuten verhaftet sind, die irgendwie mit diesen Attentaten in Verbindung gestanden haben oder von denen die Be-
... Verbindung gesta hörden zum mindeste
[teil annehmen, daß solche Verbindungsfäden bestehen. Wieweit diese Annahme berechtigt ist,
werden die näheren Untersuchungen ja ergeben. Wenn die Verhaftungen auch den Schluß auf eine bestimmte politische Einstellung der wirklichen oder angeblichen Attentäter zulassen, so ist bisher noch nicht die Frage beantwortet: Was haben sich die Leute bei der ganzen Geschichte eigentlich gedacht? Was war der Zweck, das politische Ziel? „Krach zu machen" — dafür ist ja freilich eine wohlgefüllte Bombe ein ausgezeichnetes Werkzeug, aber selbst der russische Nihilismus zur Zeit des Zarentums kam mehr und mehr ab von dieser Art politischer Agitation, deren Erfolg- und Wirkungs- losigkeit in einem aH$u großen Gegensatz zu den aufgewandten Opfern stand. Ein Art politischer Nihilismus abseits jeder sonstigen parteipolitischen Organisation ist auch bei dieser Attentatsepidemie in Deutschland festzustellen, der besonders deswegen auch ein Irrsinn ist, weil jede politische Resonanz für ein derartiges Tun fehlt. Die Zeiten, da Währungszusammenbruch, Vergewaltigung von außen her, politische Umsturzbestrebungen aller Art den Körper des deutschen Volkes wie ein Fieber durchrasten, sind vorbei. Man hat sich zurechtgefunden, sieht nur eine Aufgabe vor sich: unablässige, aufreibende, aber
Wirklichkeit, mit den Verhältnissen, so wie sie sind, z rechnen hat und rechnen darf, aber nicht mit Wünschet, und unerfüllbaren Hoffnungen. Noch — und auf lange Sicht hinaus — sind die Dinge, diese Verhältnisse stärker
als die Menschen.
MffenlM in der Enneteger Heide
Die Suche nach den Attentaier«.
Die Hamburger Höllenmaschine.
Auf dem Anwesen des Vaters des festgenommenen Landwirts Amandus Vick in Rönne (Kreis Winsen) wurde von der Altonaer Polizei bei einer Durchsuchung ein größeres Waffenlager entdeckt. Auf dem Hausboden befanden sich in einem Versteck zwei Maschinengewehre, 28 Gewehre, 35 Handgranaten, einige Kästen Maschinen-
Hauptangeschuldigte in der Bombenaffäre
sind (von links) der angebliche Polizeihauptmann $an§ Friedrich Nickels, der die Bombe nach Hamburg brächte — der ehemalige Feuerwerker Willi Wilske, der in seiner Wohnung in Berlin eine Bombenwerkstatt eingerichtet hatte — der Hamburger Kaufmann Alfred Pünjer, in
hatte — der Hamburger Kaufmann Alfred 2 dessen Wohnung die von Nickels überbrach Maschine gesunden wurde.
Höllen-
gewehr- und Gewehrmunition, außerdem Sprengkapseln, einzelne Gewehrläuse, Ersatzteile. Werkzeuge, Öl- und Wasierkästen. Die Gegenstände waren in einem drei Meter tiefen ausgemauerten Schacht untergebracht. Der Fußboden war a» der Stelle berausneschnitten und die
, zn nebst Republikani,chem ©$«$*»«*»-^
'chen sondern tatsächlich bis an die Zähne gewappnet gegen-
Wie ein letztes Fieberschauern aus Zecken, die hinter uns liegen, aus Tagen, die überstanden sind, wirken diese Bombenattentate. Man möchte wünschen, daß die gerichtliche Erledigung baldigst auch darunter einen Schlußstrich mit fester Hand zieht. Denn wir haben in Deutschland mit den Aufgaben des Heute und Morgen mehr als genug zu tun, können uns daher mit dem, was aus dem Gestern und Vorgestern stammt, nicht länger aufhalten, als zum Ziehen dieses Schlußstriches nötig ist. Schon zeigt ja die Arbeitslosenziffer eine nach oben steigende Linie auf, hat andererseits die gespannte Lage der Reichsfinanzen keinerlei Erleichterung erfahren. Näher rückt der Winter, der das Problem der Arbeitslosigkeit noch brennender machen wird, das Reich vor schwere finanzielle Aufgaben stellen kann, wenn man bis dahin eine Einigung über die Frage der Arbeitslosenversicherung nicht gefunden hat. Der'erste Anlauf ist ja gründlich gescheitert und hinter diesem Kampf steht immer noch das Gespenst der Regierungskrise. Es nutzt nichts, die Augen dagegen zu verschließen: gerade so wie England seit etwa fünf bis sechs Jahren ist auch Deutschland vor dieses Problem eines Millionenheeres von Arbeitslosen gestellt. Ein Problem, das rein sachlich geprüft und gelöst werden muß obwohl oder gerade weil es sich dabei um Menschen handelt, Menschen, die ins Dasein hineingestellt sind und im sozialen Kampf schwere Wunden erlitten haben durchaus nicht immer durch eigenes Verschulden, durch minderes Können oder mangelhafte Leistungen. Auch im Wirtschaftsleben ist der soziale Staat von heute längst von dem Satze Nietzsches abgegangen: Was da fällt, soll man auch noch stoßen! Dazu ist die Summe der Arbeitskraft, die in diesem Millionenheer brachliegt, denn doch allzu unentbehrlich, ist gerade für Deutschlands Volkswirtschaft, die vor allem auf Verwertung der Arbeitskraft eingestellt sein muß und ist, ein Faktor, den nicht bloß aus menschlichen und sozialen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen zu erhalten dringend notwendig ist Das Mittel dazu ist die Sozial-, die Arbeitslosenversicherung. Man darf ja auch hier nicht vergessen, daß das Heer der Erwerbslosen aus einer ganzen Reihe äußerer Gründe so hoch anschwoll, unter denen nicht zuletzt die Beseitigung des deutschen Heeres mit seinen mehr als 800 000 Mann Arbeitsfähiger eine große Rolle spielt. Um so weniger dürfen parteipolitische Wunsche Einfluß dabei haben, wenn man dieses überaus ernste Problem anpackt. England könnte uns in dieser Beziehung nur Vorbild sein ...
sondern tatsächlich — ... ^ , - . , -
überstehen. Und über jedem Lager flattert die Fahne des „Programms". Blut ist geflossen und es riecht nach Bürgerkrieg. Man schätzt gegenseitig die Kräfte ab, prust die „strategische Lage" — als ständen drüben nicht,Volksgenossen, nur tödlich zu hassende Feinde, die es mit allen Mitteln zu überrennen gilt. Dabei muß doch — gerade jetzt jährte sich zum zehntenmal das „F r i e d e n s * dikta 1 von St. Germain — Österreich als Staat und Volk nicht minder hart um sein Dasein ringen als Deutschland. Wird sogar von einer verhältnismäßig noch stärkeren Arbeitslosigkeit bedroht. Und darum ist es em noch größerer Irrsinn, wenn dort über parteipolitische Zerwürfnisse viel drängendere Ausgaben nicht zu ihrem Recht kommen können. . ______ Dr. M-
Amerika für Gchie-sgerichisbarkeii.
Weitere Arbeiten in Genf. 1
Die Völkerbundversammlung ist für Sonnabend nachmittag zu einer Vollsitzung einberufen worden. In dieser Vollsitzung soll das Ergebnis der Staatenkonferenz für die Revision des Haager Statuts und zur Erleichterung des Beitritts der Vereinigten Staaten von Amerika zum Ständigen internationalen Gerichtshof im Haag genehmigt werden.
Man glaubt, daß in der Sonnabendsitzung die Aussprache vollständig erledigt wird und bereits in der nächsten Woche die verschiedenen Protokolle über die Revision des Haager Statuts und den Beitritt der Vereinigten Staaten zur Allgemeinunterzeichnung aufgelegt werden.
Aus den Kommissionen.
Besonderes Interesse ruft die Einbringung des chinesischen Antrages hervor, der verlangt, der Völkerbund möge erneut prüfen, ob internationale Verträge, die nicht mehr zeitgemäß sind, abgeschafft werden sollen. China versucht nachdrücklich, die ihm auferlegten Exterritorialrechte der fremden Staaten abzuschaffen. Es besteht aber starker Widerstand dagegen, wie die kürzlich erfolgten Abweisungen des chinesischen Verlangens durch verschiedene Mächte beweisen. — In der 6. Kommission des Völkerbundes gab Staatssekretär von Schubert den deutschen Standpunkt zu den Mandatsfragen, in gleicher Weise wie früher Dr. Stresemann, bekannt. Der englische Unterstaatssekretär D a l t o n legte dem Wirtschaftsausschuß einen gemeinsamen englisch-französischen Entwurf über die Lösung der Kohlenfrage vor — In der Kommission für Abrüstungsfragen vertrat
GrasBernstorf, rungen in dieser Beziehung.
ff nachdrücklich die deutschen Forde- eziehung.
entstandene Lücke wieder eingefügt. Darüber stand eine große Futterkiste. Der Vater Amandus VickS wurde nun-
mehr auch festgenommen.
Die in Hamburg beschlagnahmte Höllenmaschine war umhüllt mit braunem Packpapier. Darin befand sich eine Zigarrenkiste, aus der vier Schraubenköpfe und eine Flügelmutter herausragten. Die Kiste enthielt ein Uhrwerk, mehrere Taschenlampenbatterien und in einer Blechbüchse 733,5 Gramm Ammonsalpetersprengstoff. Im Innern der Ladung befand sich die Zündung. Ein Glühzünder war eingerichtet und eine Sprengkapsel verwendet.
Die Untersuchung in Altona.
Die im Zusammenhang mit der Nachforschung nach den Bombenanschlägen in Mülheim verhafteten drei Personen sind von Essen nach Altona gebracht worden, wo die Vernehmungen stattfinden. Bei den Verhafteten handelt es sich um den Juwelier Fritz Rehling, den Kaufmann Kurt Rudolfs und den Konditor Anton Groß. Sie hatten einer deutschvölkischen Tagung in Rostock beigewohnt und besuchten von dort aus den sogenannten Polizeihauptmann Nickels in Hamburg.
Geständnisie?
Nickels und der frühere Syndikus Wefchke sollen einigen Meldungen zufolge Geständnisse abgelegt haben, doch lag für diese Behauptung eine bestimmte amtliche Verlautbarung nicht vor. Die Verhöre in Altona gehen weiter. Auch spricht man von bevorstehenden sonstigen Verhaftungen.
Auch in Berlin werden die Untersuchungen und die Vernehmungen angelegentlich fortgeführt. Besonders handelt es sich um den Nachweis, wozu der verhaftete ehemalige Feuerwerker W i l s k e die in seiner Wohnung beschlagnahmten Chemikalien verwendet hat und wer ihm die Mittel zur Anschaffung lieferte. Wilske selbst gibt an, die Sachen für Fabrikation von Parfümerien gebraucht zu ba«-^ -
^B_reitscheid dazu geführt, daß für die Herbeiführung eines zweijäHrigen Zvirfriedens nno ine tu üiefer Aeu vorzubereitende Organisierung eines allgemeinen Wirt- schaftssriedens folgendes Verfahren eingeschlagen werden soll. Zwischen Mitgliedern und Nichtmitgliedern des Völ-
kerbundes, die sich an diesen Arbe
kerbundes, die sich an diesen Arberten beteiligen wollen, sollen möglichst schon zu Anfang nächsten Jahres Verhandlungen ausgenommen werden, um durch den Völkerbundrat eine Zusammenkunft einberufen lassen zu können, die das Ziel hätte, einen ersten Kollektivvertrag zur Verringerung der Handelshindernisse und zur Verstärkung und Erleichterung der Wirtschaftsbeziehungen aufzustellen.
Die Teilnehmerstaaten sollen sich dahin verständigen, daß sie zwei Jahre lang auf die Erhöhung ihres Schutzzolltarifes über den gegenwärtigen Stand, ferner auf die Erhebung neuer Schutzzölle oder auf die Schaffung neuer Handelshinderuisse verzichten. Gleichzeitig sollen in diesen beiden Jahren die Regierungen soweit irgend möglich durch autonomes Vorgehen oder durch zweiseitige Handelsverträge ihre Zollsätze herabsetzen. Die Völkerbundversammlung wird ihre Mitglieder wie auch die Nichtmitgliedsstaaten auffordern, noch vor dem 30. November d. I. Mitteilung zu machen über ihre Bereitschaft zur Teilnahme an einer Prält- Minarkonferenz von Regierungsvertretern zum Abschluß des vorgesehenen zweijährigen Zollfriedens.
Ein entsprechender von Frankreich und England gemeinsam ausgearbeiteter Entschlietzungsantrag ist den Völkerbunddelegationen zugegangen. Ein weiterer Entschließungsantrag wurde von Belgien eingebracht, der zur Erleichterung der Organisation des Wirtschaftsfriedens den Abschluß der Arbeiten für die internationale Vereinheitlichung der Zollverzeichnisse bis zur nächsten Völkerbundversammlung verlangt. In einem dritten Entschließungsantrag, der auf eine englisch-französische Verständigung zurückgeht, wird zum Kohlenpro- b l e m erklärt, daß der Verwaltungsrat des internationalen Arbeitsamtes bereits die Einberufung einer Konferenz der Hauptproduktionsländer zur Ungleichung der Arbeitszeit und Lohnverhältnisse im Kohlenbergbau verlangt hat.
Daneben wird an eine Regierungskonferenz gedacht, die sich auf Grund der Ergebnisse der Kohlenquote des Wirtschaftskomitees mit den Preisschwankungen arrf dem Kohlenmarkt und dem Mißverhältnis zwischen Koh- lenproduktion und Kohlverbrauch im Hinblick auf die Beseitigung der gegenwärtigen Schwierigk-Nm d"r Kohlen- industrie zu beschäftigen hätte.
Ein solches „Aber" muß man nämlich fast immer hinzufügen, wenn Deutsche vor die Aufgabe gestellt werden, politische Probleme zu losen. Das in der Schule geübte „in verba niagistri iurarc", das „auf die Worte des Lehrers schwören", wird abgelöst durch das „Auf das ^Parteiprogramm schwören". In Deutsch-Österreich hat das ja nun dazn geführt, daß sich die Heimwehren mit den ihnen nahestehenden Parteien und die Sozial-emslrgtlS
Die Vorbereitung
-es Wirtschafissrie-ens.
M Zunächst zweijähriger Zollfrieden.
' ' Die bisherige Besprechung in Genf zwischen der französischen und der englischen Delegation über ihre wirtschaftlichen Anträge hat unter Mitwirkung von Vertretern des Ständigen Wirtschaftskomitees des Völkerbundes und des Berichterstatters Doktor
Die Vereinbarungen -er Haager Konferenz.
Veröffentlichung des Wortlauts.
Die Reichsregierung veröffentlicht den Wortlaut der auf der Haager Konferenz getroffenen politischen Vereinbarungen über die Räumung des Rheinlandes und über die Aufnahme der deutsch-französischen Verhandlungen wegen der S a a r f r a g e n. Der Wortlaut der finanziellen Vereinbarungen wird in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.