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Hersfel-erTageblatt hersfelKer Kreisblatt Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

mit Ses Beilagen: Illustriertes ^lntprbaltungsblatk / Nach Aeierabeuß / Herb oud Scholle / Anierbaltvag vud Wissen L ^^^ ;»» Ksrr»ea / Wirtschaftliche Tosesfragea.

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Nr 213

Mittwoch, den 11. September 1929

79- Jahrgang

Die Gaarverhandlungen.

Mit vorsichtigen Worten zwar, aber doch deutlich genug ist — übrigens zum erstenmal vor dem Völkerbund — der deutsche Außenminister Dr. Stresemann auch auf die Frage des Saargebiets und der von Deutschland an- gestrebten endgültigen Wiedervereinigung eingegangen. Auf der Haager Konferenz war verabredet worden, daß eine gemischte deutsch-französische Kommission die Räu- mungsfrage des Saargebiets bearbeiten sollte, sobald sich erst einmal die beiderseitigen Regierungen wenigstens über die Grundzüge der „Liquidierung" auch dieser Frage geeinigt haben. Diese Verhandlungen von Regierung zu Regierung sollen übrigens Mitte September aufgenom- men werden und Dr. Stresemann scheint dabei auf einen für Deutschland günstigen Ausgang zu rechnen, weil er andernfalls wohl kaum in seiner Rede diesen etwas kitz­ligen Punkt berührt hätte.

Theoretisch hat der Völkerbund das Entscheidungs­recht über alle etwaigen Änderungen, durch die die Be­stimmungen des Versailler Friedens über das Saargebiet berührt werden. Hier liegen die Dinge allerdings etwas anders als bei der Besetzung des Rheinlandes. Die Unter- stellung des Saargebiets unter die Völkerbundverwaltung und die Ausschaltung sämtlicher deutschen Hoheitsrechte aus diesem Gebiet sollten nicht so sehr die „Sicherheit Frankreichs", nicht so sehr eine Garantie für die Erfüllung der Versailler Vertragsbestimmungen sein als vielmehr die Möglichkeit schaffen, die saarländische Wirtschaft im Interesse des Wiederaufbaues der zerstörten Gebiete, namentlich der Kohlengruben, auszunutzen. Selbstver­ständlich zweifelt in Frankreich kein verständiger Mensch daran, daß die Saarbevölkerungsichbeieiner Abstimmung für Deutschland entscheidet und nicht für eine Fortsetzung des bisherigen Zustandes, ge­schweige denn für einen Anschluß des Gebietes an Frank­reich. Übrig bleibt aber die Durchführung der Versailler Bestimmung, daß Deutschland die Saarkohlen­grube n von Frankreichwiederzurückkaufen in u ß. Diese Bestimmung durchbricht tatsächlich die end­gültig festgesetzte Zahlungsverpflichtung durch den Uoung- ..s^tau: penn die Übereignung der 'uben an Frankreich geleitete Ausnutzung ihrer Bestände war ja erfolgt als regelrechte Kriegsentschädigung für die zerstörten, inzwischen aber längst wieder hergestellten und mit deutscher Hilfe sehr er­giebig gemachten Kohlengruben in Nordfrankreich. Selbst­verständlich wird man sich aber in. Paris doch aus diese Bestimmung des Versailler Vertrages berufen und von Deutschland eine ganz gehörige Summe fordern, . die übrigens nach einer Entscheidung über das Schicksal des Saargebiets im deutschen Sinne binnen sechs Monaten bezahlt sein muß, weil sonst die Gruben endgültig Eigen­tum Frankreichs werden.

Man hat in Paris wegen der Zukunft der Saar- gruben nun einen Versuchsballon steigen lassen, indem dort angeregt wurde, die künftige Verwaltung der Kohlen­gruben im Saargebiet einer gemischten Gesellschaft unter deutscher und französischer Beteiligung zu übertragen. An­geblich soll man mit diesem Vorschlag, wodurch natürlich der Preis für die Kohlengruben erheblich herabgedrückt werden würde, auf deutscher Seite Zustimmung gefunden haben, doch haben sich eilends führende Männer des saar- ländischen Wirtschaftslebens nach Genf begeben, um von vornherein als die erste Forderung der Saarbevölkerung geltend zu machen: irgendwelcher französische Einfluß in irgendwelcher auch noch so versteckten Form kommt gar nicht in Frage, ist untragbar. Man hat diesen französischen Einfluß seit 1918 mehr als zur Genüge „genossen"! Man weiß, daß Frankreich in den Saarkohlengruben wilde- st e n Ran b bau getrieben hat und immer noch treibt, sich sogar nicht einmal scheut, unter Tag von Lothringen her einen der ergiebigsten Teile des saarländischen Kohlen­gebietes auszubeuten.

Bei den Verhandlungen wird man deutscherseits also die Augen sehr weit aufmachen müssen, um bei diesem Ge­schäft nicht französischen Überforderungen zum Opfer zu fallen. Der Wert der Kohlengruben, die Summe, die Deutschland zu bezahlen haben wird, soll dem Versailler Vertrag gemäß durch eine Sachverständigen­kommission festgesetzt werden, die von einem Deutschen, einem Franzosen und einem keinen dieser beiden Staaten angehörenden Neutralen gebildet werden soll. Frankreich hat Kohle mehr als genug, braucht die Saargruben also längst nicht mehr, und auch für Deutschlands Kohlenbedarf ist der Besitz dieser Gruben durchaus keine unbedingte Not­wendigkeit. Die Hauptsache ist und bleibt vielmehr: ab­solute Wiederherstellung der deutschen Souveränität, was unsererseits aber nun auch nicht einfach mit jeder Summe bezahlt werden soll, die Frankreich verlangt.

Inzwischen hat sich auch herausgestellt, eine wie völlig überflüssige Einrichtung der berüchtigte internationale „B a h n s ch u tz" im Saargeblet ist, und jene nach Gens gegangene Saarkommission hatte angeregt, Deutschland solle zunächst einmal die Beseitigung dieser nur störenden und gar nicht selten zu Zwischenfällen führenden Einrich­tung'vorschlagen. Niemals ist ja die Bestimmung des Versailler Vertrages ausgeführt worden, daß im Saar­gebiet „nur eine örtliche Gendarmerie zur Aufrechterhal­tung der Ordnung organisiert werden soll". Selbstver­ständlich kommt bei der Rückkehr des Saargebietes die zoll- und handelspolitische Bevorzugung, geschweige denn die zollpolitische Verbindung mit FrantzLich nicht mehr in Frage; darüber wird man im Saargeoret aber durchaus nicht böse sein, weil die stärkste Konkurrenz der dortigen

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Genfer Versöhnungsreden.

Die Vereinigung Europas.

Das Ereignis des Dienstags in der Völkerbundver- sammlung zu Genf war eine große Rede des greisen Ver­treters für Ungarn, des G r a s e n A p p o n y i. Er unter­strich zunächst die grundlegende Bedeutung der obliga­torischen Schiedsgerichtsbarkeit, mit deren Annahme Deutschland den übrigen Großmächten vorangegangen sei. Neue Wege seien eröffnet. Es müßten aber aus den Ver­einbarungen auch die höchst unbestimmten „Vorbehalte" entfernt werden. In der Frage der Minderheiten stimmte Graf Apponyi den Ausführungen des deutschen Reichsaußenministers Dr. Stresemann durchaus zu.

Dann kam der Redner auf die A b r ü st u n g s v er­st f l i ch t u n g e n , die in den Friedensverträgen für alle Staaten vorgeschrieben seien, zu sprechen. Dieses Ver­sprechen müsse unbedingt ausgeführt werden. Strese­mann hätte recht, wenn er unter den heutigen technischen Bedingungen für.bcn Heroismus auf dem Schlachtselde keinen Platz mehr sähe. Apponyi schloß mit einem starken Bekenntnis für die entscheidende Bedeutung der obliga­torischen Schiedsgerichtsbarkeit, die bereits in ihrer heutigen Gestaltung einen gewaltigen Schritt zum Frieden darstelle.

Die Wirischastsproblsme.

Der schwedische Außenminister Trygger wandte sich den Wirtschaftsfragen zu, deren Lösung heute dringen­der fei als etwa die paneuropäische Frage. Zahlreiche Länder hätten den Empfehlungen der Weltwirtschafts- -konferenz zugestimmt, aber nur wenige hätten Ansätze zur Ausführung gemacht. Trhggcr bekämpfte stark die wachsenden kchutzzöllnerischen Tendenzen und die Handels­politik der Großmächte im allgemeinen. Er verlangte eine

Die

grundsätzliche Umstellung ... ------ , , . . .

kleinen Staaten könnten nicht vorangehen., Das sei bte

icht der großen. Die gesamte Materie hänge zu- dsnsbestrebungen. welche die

I Briand und Stresemann unterstützten Versuche I würden als die bedeutendsten bet bisherigen Bestrebungen angesehen. Besonders angenehm hat man es empfunden, daß Stresemann betonte, es fei gegen seine Absichten, wenn im Zusammenhang mit der Organisation Europas von einem Angriffsblock gegen die Vereinigten Staaten gesprochen werde.

Das europäische Kohlenproblem

behandelte der englische Handelsminister Graham in der Abendsitzung des Völkerbundes vom Montag. Graham ver­langte eine internationale Verständigung über die langsame Senkung der Kohlenproduktion England sei bereit, au einer internationalen Konferenz zur Angleichung der Arbeitszeit und der Lohnverhältnisse mitzuwirken. Er stellte den Antrag, in bezug aus die Paneuropabewegung eine Konferenz zur Be­handlung der Tariffragen, der Zollsenkung usw. einzuberufen. Ein wichtiges Ergebnis dieser Konferenz könne die gegen­seitige Verpflichtung sein, zunächst für zwei Jahre auf jede Erhöhung der Zollsätze zu verzichten und in dieser Zeit,die Herabsetzung der Zölle vorzubereiten. England sei grundsätz­lich gegen hohe Schutzzölle und für internationale .wirtschaft­liche Zusammenarbeit. ,

Dr. Stresemann in Nachurlaub.

Schluß der Völkerbundtagung wird Dr. S - »e s e« id) einige Zeit in Nachurlaub gehen, und zwar vermutlich nach der Schweiz oder nach Südfrankreich. Man erwartet, daß Dr. Stresemann gegen Ende dieses Monats, spätestens Anfang Oktober, wieder in Berlin eintrifft. Der französische Ministerpräsident Briand ist bereits von Genf abgervist.

Nach S mann ihm

ökaSWWMg ergehens der Völker bilden.

Die Meinlandräumung bezeichnete der norwegische Ministerpräsident M o w i n k - kel als das Zeichen für das endliche Verschwinden der letzten militärischen Spuren des Weltkrieges. Er begrüßte die fortschreitende Unterzeichnung der obligatorischen Schiedsgerichtsklausel, nun könne man endlich an die praktische Verwirklichung der allgemeinen Abrüstung denken. ,

Mowinckel forderte Beseitigung der mternationalen Handelshindernisse und hoffte, die zu schaffende inter­nationale Handelsbank werde sich nicht nur auf bte Verwirklichung des Young-Planes beschränken, sondern darüber hinaus maßgebenden Einfluß auf br inter­nationalen Handel und die wirtschaftliche Zusamn. mrbeit gewinnen.

Für die Internationale Reparationsbank wollen die V e r e i n i g t e n S t a a t e n dem Vernehmen nach in den nächsten Wochen zwei amerikamsche Bankiers ernennen. In amerikanischen Finanzkreisen wird betont, es sei kein Grund für eine Nichtbeteiligung der Vereinig­ten Staaten vorhanden, ferner verlautet aus Newyork, daß die offiziellen Kreise den Versuchen einer politischen oder wirtschaftlichen Organisation Europas ihre Aufmerksam­keit seit längerer Zeit zuwenden. Die gegenwärtigen von

Landwirtschaft, und vor allen Dingen der Industrie, ge­rade in Lothringen sitzt, nach dorthin der Absatz der saar- ländischen Erzeugnisse nur in ganz geringem Ausmaß möglich ist. Trotz der mehr als zehnjährigen Besetzung und trotz aller Anstrengungen, die von Frankreich gemacht worden sind, ist das Saargebiet nach wie vor ein Teil des deutschen Wirtschaftslebens geblieben, sind die Fäden von dorther und nach dorthin immer eng geknüpft und fest geblieben. Deutschland wird gewiß einen Preis dafür zahlen müssen und zahlen wollen, daß auch die letzten Hindernisse beseitigt werden, aber - es wird auch warten können, wenn Frankreich einen allzu hohen Verkaufspreis fordert. .J

Ein geheimnisvolles Telephongespräch.

„In den nächsten Tagen gibt es ein Attentat."

Die Kieler Polizei soll mit der Aufklärung eines ge­heimnisvollen Telephongespräches beschäftigt sein. Eine Fernsprechbeamtin hörte bei einem Gespräch, das von dem Anschluß des Kaffeehauses Nielsen am Knooperweg ge­führt wurde, die Worte: „In den nächsten Tagen gibt es hier ein Attentat." Der Sprecher, der nach diesem Satz sofort abhängte, war anscheinend sehr auf­geregt. Auf Grund der polizeilichen Ermittelungen vermutet man, daß in dem Cafo ein etwa 30jähriger Mann das Gespräch geführt hat, der sich eine Tasse Kaffee be­stellte, darauf telephonierte und fortging, ohne den Kaffee getrunken zu haben. Der Mann war ohne Kopfbedeckung und trug einen dunklen Anzug. Er hatte kurzes Haar und ein volles rundes Gesicht.

Der österreichische Bundeskanzler vor dem Völkerbund.

Verwahrung gegen die innenpolitischen Gerüchte.

Der österreichische Bundeskanzler Streeruwitz hielt vor der Völkerbundversammlung eine längere Rede. Er begrüßte mit aufrichtiger Freude die großen Fortschritte, welche die Idee der S ch i e d s - gerichtsbarkeit im Lause dieser Tagung gemacht . ^"^'-s"sM,M-L8. ^^ die A^"<m)ä^ bei Ruhe

und des Vertrauens durch Gerechte oeftor* iwtben, die jüngst bezüglich Österreichs in den Zeitungen ver­breitet wurden. „Diese Gerüchte," so fuhr er fort, „haben nicht verfehlt, im Auslande ihr Echo zu finden, und dar­über möchte ich ein Wort sagen. Insoweit diese Stim- inen auf Gerüchte über Interventionen oder Einmischung in die inneren Angelegenheiten hinzielen, liegt mir daran, hervorzuheben, daß diese Kombinationen jeglicher Grundlage entbehren und keinerlei Rechtfertigung in den \ tatsächlichen Verhältnissen des Landes finden."

Zur Ab r ü st u n g s f r a g e erklärte der österreichische

Bundeskanzler: Die Erklärungen, welche wir hier über ’ diesen Gegenstand gehört haben, berechtigen zur Annahme, daß nunmehr der kritische Punkt überschritten ist und, daß wir hoffentlich binnen kurzem die Staaten

nnen kurzem die Staaten

ohne weiteren Zeitverlust die neuen Wege betreten und verfolgen sehen werden.

Die Annäherung der Völker auf der Grundlage des

Vertrauens und das Minderheitenproblem

und das Minderheitenproblem ge- zu den aktuellsten Fragen des internationalen ^wmö, zu jenen Fragen, deren billige Regelung sich von Jahr zu Jahr nachdrücklicher auswirkt. Die österreichische Regierung wird jeden Vorschlag unterstützen, welcher in dieser oder in einer künftigen Tagung gestellt würde, und von welcher eine verstärkte Tätigkeit betr. die Angelegm- f"-' ' " '"'">-'^-i^nproblems zu erwarten wäre.

hören Lebens,

Zu

Vertagung der lreWratssißung.

Preußen will mit dem Reich die Arbeitslosenfrage lösen.

Die auf Dienstag nachmittag anberaumte außer­ordentliche Vollsitzung des R e i ch s r a t e s , die sich mit dem Entwurf zur Reform der Arbeitslosenver- f i ch e r u n g beschäftigen sollte, wurde kurz nach dem an­gesetzten Zeitpunkt abgesagt. In der vorausgegangenen Ausschußsitzung ist eine Einigung noch nicht er­zielt worden. Die Vollsitzung des Reichsrates soll nun­mehr am Montag, den 16. September, stattfinden.

Zur Vertagung der Reichsratssitzung wird amtlich mit­geteilt: Die preußische Staatsregierung hai sich in Anwesenheit des Ministerpräsidenten und sämtlicher Staatsminister mit der Vorlage der Reichsregierung zur Reform der Arbeitslosenver­sicherung und den Beschlüssen der Reichsratsausschüsse beschäf­tigt. Die preußische Staatsregierung legt Wert daraus, im Zu­sammenarbeiten mit der R e i ch s r e g i e r u n g eine Lösung zu finden, welche die Billigung des Retchsrates findet und auch Aussicht bietet, vo t Reichstage angenommen zu werden. Bei den Verhandlungen der beiden Regierungen hierüber sollen '.ch die Vertreter der Lander zugezogen werden, die zu den ...nstrittenen Punkten der Vorlage Anträge gestellt haben (Bayern, Württemberg, Sachsen). Die Reichsregierung hat diesem Verlangen der preußischen Regierung zugestimmt. Auf ' lsamen Antrag beider Regierungen ist daher die für ag angesetzte Vollsitzung des Reichsrates durch Mehr- sichluß vertagt worden. Die Verhandlungen werden so«

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Heitsbe( fort ausgenommen.