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kersfelöerTageblatt

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hersfelSer Kreisblatt

Amtlicher Inzeiger für den Kreis Hersfelö j Kunks Vuchöruckere! in HersfelS, MitgIllS öesvvZv^ $

mit be« Beilage« r Illustriertes AnterhallungSblatt / Nach AeierabeuS / Herd »«8 Scholle / AAterhalLuug vud Wisse« Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfrageu.

Nr. 211

Montag, den o. September 5020

70. Jahrgang

Kolonial„mandate"

Ein ungemein „kitzliges" Thema war für kurze Zeit Verhandlungsgegenstand im Genfer Völkerbundrat: Wie steht es mit dem englischen „Kolonialmandat" über das frühere Deutsch-Ostafrika, das von den Eng­ländern heute als „Tanganjikaterritorium" bezeichnet

Schon seit Jahren weiß man von Bestrebungen gewisser sehr einflußreicher Kreise in London, diese ehe­mals deutsche Kolonie organisatorisch und in ihrer Ver­waltung mit dem nördlich daranstoßenden Britisch-Ost- afrika völlig zu verschmelzen. Als Vorbereitung dazu ist von London aus, und zwar durch die damalige konserva­tive Regierung, eine besondere Kommission hingeschickt worden, um „die ganze Frage zu prüfen" — und ein Bericht dieser Kommission spricht sich natürlich für den Zusammenschluß der beiden Gebiete aus.

Daß damit der „Mandatscharakter" auch die letzte, schon längst sehr fadenscheinig gewordene Hülle verlieren, daß man dann eben diese ehemals deutsche Kolonie einfach zu englischem Besitz machen würde, hat in Genf doch einigen Protest erregt. Auch — erfreulicherweise — den des deutschen A u tz e n m i n i st e r s. Die Antwort freilich, die der englische Außenminister Henderson gab, war mehr als nur ausweichend. Er versprach nämlich nur, England werde der Mandatskommission des Völkerbundes rechtzeitig davon Kenntnis geben, wenn der Plan und die Vorschläge jener Kommission in Kraft gesetzt werden sollen. Aus dieser Andeutung kann man kaum mit Unrecht ent- nehmen, daß die jetzige Arbeiterregierung durchaus in den Fußtapfen ihrer konservativen Vorgängerin wandeln, den Plan in Kraft setzen will. Frankreich hat übrigens ähn­liche Absichten mit den ihm anheimgefallenen früheren deutschen Kolonien ' * s .

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Man weiß in Deutschland ganz genau, daß dieser „Mandats"charakter, den das Versailler Diktat den Er­obererstaaten über die früheren deutschen Kolonien ver­lieh, nicht das Papier wert ist, auf dem er nieder-

rische Schiedsgerichtsbarkeit des Ständigen Internationalen Gerichtshofes im Haag unterzeichnen werde. Bekanntlich haben Macdonald für England und Dandurand für K a n a d a vor einigen Tagen bereits die gleiche Ankündigung gemacht. Im weiteren Verlaus kündigte auch der griechische Ministerpräsident Veni - z e l o s die bevorstehende Unterzeichnung der obligato­rischen Schiedsgerichtsbarkeitsklausel an, die er noch während dieser Tagung vornehmen werde. Der litauische Ministerpräsident Woldemaras entwickelte die wach­sende Bedeutung der osteuropäischen Probleme. Aus dem Wege zum Paneuropa müsse erst das Minderheiten- problem gelöst werden.

Nur noch drei Ratstagungen.

Der Völkerbundrat beschloß am Freitag abend in einer längeren Sitzung, die ordentlichen Ratstagungen von vier auf drei im Jahre herabzusetzen. Eine entsprechende Anregung war vor bald drei Jahren vom damaligen englischen Außenminister Chamberlain gemacht worden. Der Antrag wurde jetzt von Reichsaußen­minister Dr. Stresemann wieder ausgenommen und vom Rat einstimmig angenommen.

Unter Vorbehalt der Einberufung außerordent­licher Tagungen in dringenden Fällen wird demnach der Völkerbundrat das nächstemal nicht im Dezember, sondern erst Mitte Januar zusammentreten, die Frühjahrs­tagung findet nicht mehr im März, sondern Mitte Mai statt, und die Sommertagung wird mit der Herbsttagung zusammengelegt, die jeweils drei Tage vor der Völker­bundversammlung beginnen wird. Die auf der Tages­ordnung des Rates stehende Frage der Aufnahme einer Ausländsanleihe für das Saargebiet ist auf eine spätere Sitzung verschoben worden. Der Rat hat die Einberufung einer europäischen Konferenz für die Be­förderung von Zeitungen und Zeitschriften zum 25. November d. J. beschlossen. Für Montag ist die Neuwahl der Ratsmitglieder angesetzt. Bei den Man­datsfragen wurde auch die Lage in Palästina besprochen; Dr. Stresemann gab die schon bekannte Erklärung über die Mandate ab. Der englische Außenminister be-

anschließen. Ein greifbares Ergebnis der Besprechungen in Amerika sei die völlige Verständigung mit dem Leiter der Goodyear Zeppelin Company, Litchfield, über eine enge Zusammenarbeit der amerikanischen Gesellschaft mit Der Zeppelin-Luftschiffbau-Gesellschaft für die Einrich­tung eines Zeppelin-Dienstes Europa—Amerika und Europa—Südamerika. Zunächst sei nur eine Linie Europa—Amerika geplant. Die Flotte für den Amerika— Europa-Dienst müsse mindestens vier Zeppeline umfassen. Die Einrichtung eines solchen Dienstes einschließlich einer Doppelhalle an beiden Endpunkten erfordere ein Kapital von etwa 15 Millionen Dollar. Alle vier bis fünf Tage müsse sowohl von Europa wie von Amerika die Abfahrt eines Schiffes erfolgen. Die Tragfähigkeit werde man so bemessen, daß außer 24 Passagieren im Winter noch etwa 15 Tonnen Fracht mit Einschluß der Post, im Sommer 10 bis 12 Tonnen mitgeführt werden können. Der Fahr­preis pro Passagier sei etwa mit 1000 Dollar anzusetzen. Die Aufnahme des Betriebes werde kaum vor dem Jahre 1933/34 möglich sein.

mie die englischen Dominien Australien und Neuseeland haben sich keinen Augenblick darum gekümmert, daß ihnen „nur ein Mandat" zur Verwaltung von Deutsch-Südwest bzw. dem ehemals deutschen Kolonialbesitz in der Süd­fee zugesprochen war. Und bei den Berichten, die der Mandatskommission des Völkerbundes von den in Frage kommenden Mächten erstattet bzw. nicht erstattet wurden, schlüpfte man leichtfüßig darüber hinweg, daß aus den „Mandaten" schon längst ein englisches bzw. französisches oder belgisches Gebiet geworden war. Garniert mit Aus- nahmebestimmungen gegenüber den Deutschen, die dort versuchten, wieder auszubauen, was ihnen Krieg und Besetzung zerstört hatte. Von den sogenannten „C-"- Mandaten, also Südwestafrika, Samoa, Neuguinea imb den sonstigen ehemals deutschen Kolonien in der Süd­see, in die sich England, seine Dominien und Japan teilten, wird überhaupt nicht mehr gesprochen; das alles ist unverhüllt zum Bestandteil des betr. Staates geworden. Aber die „B"-Mandate, also Kamerun, Togo, „Tangan- jika" und Ruanda-Urundi", sind es noch nicht so ganz unverhüllt. Allerdings verstehen England, Frankreich, Belgien auch hier das Mandat über diesen ehemals deutschen Besitz so „wie sie es auffassen", um ein be­kanntes Wort zu zitieren. , t

Natürlich steht dem deutschen Protest das formelle Recht die Buchstadenbestimmung zur Seite — nur ist das auch beim Völkerbund in Genf durchaus nicht immer von wirklicher Bedeutung. Man denke nur z. B. an die Sanktionierung der litauischen Annexion des Mernek- landcs. Und noch du so manches andere, wo Macht nicht bloß vor Recht ging, sondern dafür auch die Zustimmung des Völkerbundes erhielt. Es gibt ja in der Völkerbund- akte den wunderschönen Artikel 22, der von diesem „Mandat", dieser „Vormundschaft" über Völker, spricht, „die noch nicht imstande sind, sich unter den besonders schwierigen Verhältnissen der modernen Welt selbst zu leiten". Und er sprich: auch besonders noch von den früheren deutschen Kolonien, wo die Vormundschaft an die „fortgeschrittenen Nationen" übertragen werden follte, eine Vormundschaft, die „als Beauftragte des Völker­bundes und in dessen Namen zu führen" sei. Worte, denen die tatsächliche Entwicklung immer offenkundiger widersprach und bis zur letzte Silbe widersprechen wird, wenn die englischen Absichten durch die jetzige Arbeiter- regierung durchgeführt werden.

Und Worte würde dann auch ein deutscher Protest bleiben, weil Englands Vorgehen den anderen ein hoch- willkommenes Beispiel abgeÄen würde.

wiu, oaß. -eine bedauere und die

««—Pstästin» chädigen werde.

Der Belagerungszustand sei niemals erklärt worden. Die englische Regierung beabsichtige jetzt, Sondergerichte ein- znsetzen, die jedoch unparteiisch seien und keinen mili­tärischen Charakter trügen. Sie habe ferner die Absicht, von neuem in eine Prüfung der Bestimmungen des Mandatssystems für Palästina einzutreten. Sie werde ihr Mandat im Sinne der Balfour-Erklärung von 1920 ausüben, d. h., im Sinne der Gründung eines National- heims für die Juden in Palästina.

Die Saarfrage.

Verhandlungen bevor stehend.

Die Verhandlungen wegen der Rückgabe des Saar­gebietes, zu deren Eröffnung Briand sich im Namen der französischen Regierung im Haag bereiterklärt hat, wer­den wahrscheinlich noch im Laufe des Monats September in Paris beginnen. Sie werden von deutscher Seite von einer besonderen Delegation geführt, die schon in den nächsten Tagen zusammentreten dürfte und Ende des Monats in Genf erwartet wird. Die saarländische Dele­gation, die regelmäßig, um die Fühlungnahme mit den Völkerbundstellen zu behalten, nach Genf kommt, wurde von Dr. Stresemann zu einer Besprechung der schweben­den Fragen des Saargebietes empfangen.

über die französische Einstellung will man in Paris wissen, daß für die weitere Ausbeutung der Kohlengruben eine gemischte deutsch-sranzösische Gesellschaft gegründet werden solle. Das Eigentum an den Gruben würde an das Deutsche Reich bzw. an Preußen zurücksallen. Frank- reich wurde aber eine (mKOftbtflitHOrTTOnxmniri^^ erhalten. ____________

Wi'rWastspariei gegen Volksbegehren.

Für Reichstagsneuwahl.

In einer weiteren Entschließung auf der Tagung des Reichsausschusses der Wirtschaftspartei heißt es: „Trotz ihrer ablehnenden Stellung zum Aoung-P' achtet die Wirtschaftspartei das geplante Volksbe

Briands Paneuropa-Plan.

Die Palästinasrage.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann, der am Sonn­abend seine angekündigte Rede halten sollte, hat diese Rede abermals verschieben müssen, da die Vollsitzung des Völkerbundes am Nachmittag wegen der Grundsteinlegung für den Völkerbundpalast nicht stattfinden konnte. Dr. Stresemann will am Montag reden und Mittwoch oder Donnerstag abreisen.

In der Freitagsitzung gab der Führer der indischen Delegation die Erklärung ab, daß Indien noch währenh dieser Tagung die Fakultativklausel über dieobliaato -

Briand ladet zur Besprechung

des Paneuropa-Planes ein.

Briand hat die Führer der europäischen Delegationen der Völkerbundversammlung auf Montag mittag zu einem gemeinsamen Frühstück eingeladen, um vor feiner Rückkehr nach Paris einen ersten inoffiziellen Gedanken­austausch über seinen Plan zur Schaffung der Ver­einigten Staaten von Europa herbeizuführen.

Briand hat diese Form gewählt, um außerhalb der Sitzungen der Völkerbundversammlung seine Gedanken den europäischen Mächten bekanntzugeben. Es scheinst daß der Plan Briands zunächst nur in der Richtung einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit der europäischen Mächte liegt, ohne daß politische Fragen berührt werden

Grundsteinlegung zum Völkerbundpalast.

Sonnabend nachmittag fand in Genf die feierliche Grundsteinlegung zum Völkerbundpalast statt. Eine große Menschenmenge hatte sich eingefunden. Um 4 Uhr waren die Präsidenten des Rates und der Völkerbund­versammlung, die ersten Delegierten der verschiedenen Staaten und die Vertreter der Schweiz und der Stadt Genf auf der Ehrentribüne versammelt. Dr. Stresemann ließ sich bei der Feier durch Staatssekretär von Schubert vertreten. Als erster begrüßte der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, die Versammlung. Der Präsident des Völkerbundrates, F o u r o g l i, der Präsident der Vollversammlung, G u e r r e r o , der die Zeremonie der Grundsteinlegung vornahm, sowie der schweizerische Bundespräsident, Dr. H a a b, hielten An­sprachen, in denen sie der Bedeutung dieses Aktes ge­dachten. In den Grundstein wurde ein bleierner Behälter eingemauert, in dem die verschiedenen Münzsorten der Mitgliedstaaten sowie Dokumente mit den Namen der Mit- gliedstaaten und den Daten des Baues, außerdem ein Exemplar des Paktes niedergelegt wurden.

„Trotz ihrer ablehnenden Stellung zum Aoung-Plan er­achtet die Wirtschaftspaket das geplante Volksbegehren für gefährlich, weil durch den Ausgang der Abstimmung völlig falsche Ansichten im Auslande entstehen, könnten. Sie lehnt daher eine Beteiligung gegen den Doung-Plan ab. _ „ ,

würde sie in einer Befragung des deutschen Volkes über die gesamte innere und äußere Politik im Wege der Reichstagsauflösung und Neuwahl erblicken."

Zur Frage der Arbeitslosenversicherungsreform fand folgende Entschließung Annahme: „Der Reichsaus­schuß der Wirtschaftspartei hat nach dem Bericht der Sachverständigenvertreter über die Verhandlungen im Sachverständigenausschutz und im Sozialpolitischen Aus­schutz des Reichstages die Auffassung vertreten, datz die Mandatsträger im Reichstag bei der Reform der Arbeits­losenversicherung unter allen Umständen dafür eintreten müssen, datz die Sanierung der Reichsanstalt für Ar­beitslosenversicherung auf Grund der bisherigen Be:- tragsleiftung durchgeführt wird."

g an dem Vollst Ein tauglicheres

Dr. Eckeners Pläne.

Alle vier Tage Flug. Europa—Amerika und umgekehrt.

Dr. Eckener, der mit dem Hapagdampfer „Newyork" die Heimreise von Amerika angetreten hat, empfing vor­her im Hotel die Vertreter der Presse, denen er auf ihre Fragen nach seinen künftigen Plänen Auskunft gab. In Amerika hat Dr. Eckener Besprechungen mit Banken- gruppen zwecks Finanzierung von internationalen Luft- schiffverkehrsrouten vorgenommen. Diesen sollen sich solche mit deutschen Interessenten nach seiner Heimkunft

Zugendkammhaus Rübezahl

Die Einweihung.

In Anwesenheit des Reichsministers des Innern, S e v e r i n g , des preußischen Wohlfahrtsministers Hirtsiefer, vieler Vertreter der Provinzial-, Kreis- und Kommunalbehörden begannen am Sonnabend die Feierlichkeiten zur Einweihung des auf dem Spindlerpaß im Riesengebirge in etwa 1200 Meter Höhe in Bauden- form errichteten Jugendkammhauses Rübezahl. Das Haus bietet etwa 300 Jugendwanderern Unterkunft und Ver­pflegung.

Reichsminister des Innern, Severing, hielt die Weiheanspruche, im der er die Grüße und Glück­wünsche der Reichsregürung zum Ausdruck brächte. Er sagte u. a., dieses Haus solle der ganzen deutschen Jugend gehören. Er hoffe, daß die Jugend aller Schattierungen, aller Konfessionen und politischen Richtungen hier Er­holung des Geistes und des Leibes finden werde.

Nachdem der Minister noch freundliche Worte für die benachbarte Tschechoslowakische Republik gefunden hatte, dankte der preußische Wohlfahrtsminister Hirtsiefer allen Persönlichkeiten, die sich um die Errichtung des Jugendkammhauses verdient gemacht haben. Der Minister schloß mit dem Wunsche, daß die deutsche Jugend sich der Aufgabe würdig zeige, die ihr gestellt werde, und daß sie deutsche Art und Bildung Pflege, um an ihrer Frei­heit und Zucht zu arbeiten.

Sechs Lote bei einem Derteneinsturz.

Neapel. In einer hiesigen Fabrik, die Pyjamas her- stellte, stürzte der Fußboden von zwei Arbeitsräumen ein, nw- bei zahlreiche Arbeiterinnen in die Tiefe stürzten. Sechs von ihnen wurden getötet, achtzehn verletzt.