HersfelöerTageblatt hersfeSöse Kreisblatt Mmtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
mit beu Beklage»: Illustriertes Auterhaltungsblatt, Nach AelerabeaS / Hers unS Schotte / AnLerbaltulla unS Witte» Belehrung und Kmrwetl / Wirtschaftliche Tagesfrage».
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Nr. 206
Dienstag, den 3. September 1929
79. Jahrgang
Astronomische Zahlen.
Wir waren es gewohnt, in Milliarden zu rechnen. Wurden es gewohnt im Laufe des vierjährigen Weltkrieges, und jene Fünf-Milliarden-Summe der französischen Kriegsentschädigung von 1871 — Jules Favre war einer Ohnmacht nahe, als Bismarck diese Summe nannte — erschien gegenüber den Summen, die der Weltkrieg verschlang, als eine Lappalie. Wir wurden es gewohntem Milliarden, dann in Billionen zwar nicht zu denken, wohl aber zu rechnen, als die Reichsmark im Meer der Inflation versank. Und es ist d e u t s ch e s S ch i ck s a l geblieben, in Milliarden rechnen zu müssen. Mit den Milliarden nämlich, die wir auf Generationen hinaus alljährlich als Kriegsentschädigung an unsere Gegner zahlen müssen. Und die auch riesengroß emporwuchsen über jene fünf Milliarden von 1871.
Allein schon in dem jetzt mit dem 31. August zu Ende gegangenen „Normal"jahr des Dawes-Planes hatDeutsch- land 2500 Millionen, also gerade die Hälfte jener fünf Milliarden betragenden Summe, bezahlt; der soeben herauskommende Bericht des Reparationsagenten gibt die Quittung hierüber. Seit fünf Jahren ist dieser Dawes- Plan in Kraft, ab 1. September 1928 sogar in vollster Ausdehnung. Also mit der Zahlung der 2500 Millionen. Sie wurden prompt bezahlt. Aber es sind ja keine Papiermilliarden, sondern vollwertige Reichsmark, Goldmark.
Weit mehr als nur die Hälfte dieser Summe hat der Reparationsagent in Form der ausländischen Währung „transferiert", in den Besitz der Gläubigerstaaten übertragen. Immerhin ist es doch noch etwa eine Milliarde gewesen, die nicht in Devisen umgewandelt wurde, sondern durch Sachlieferungen und -leistungen bezahlt werden konnte. Das soll ja unter dem Uoung-Plan ganz erheblich herabgedrückt werden, vorläufig auf ein Drittel dieser Summe. Fast vier Milliarden hat Deutschland in dieser Form während der fünfjährigen Laufzeit des Dawes-Planes dem Ausland alsdeutsche Ware und deutsche Arbeitsleistung zugeführt —, gerade so viel also, als Frankreich 1871 im ganzen zu bezahlen hatte.
allein erhielt davon über 3,7 Milliarden, England 1,6 Milliarden, Italien und Belgien je weil über 500 Millionen und selbst das kleine Portugal 43 Millionen, Griechenland 21 Millionen Mark. In seiner Kasse hatte der Reparationsagent am 1. September noch über 350 Millionen Mark für die Verteilung bereit, — er hatte sie noch nicht unterbringen können. Deutschland zahlte ja so prompt! Und Amerika hat sich dafür, daß es zwei Jahre als Besatzung im Rheinland stand und wegen sonstiger „Kriegsverluste" in diesen fünf Jahren seit dem 1. September 1924 auch seine 300 Millionen zahlen lassen. In bar natürlich! Polen war noch verhältnismäßig „bescheiden", begnügte sich mit 1,3 Millionen, — aber entschädigt sich dafür immer mehr durch die ständig fortgesetzte Liquidierung deutschen Grundbesitzes. Die anderen Gläubigermächte taten es ja auch. Serbien 263 Millionen; Rumänien 66 Millionen; Japan 38 Millionen — das verschwindet fast gegen jene Milliardensummen, die von den anderen in diesen fünf Jahren des Dawes-Planes geschluckt wurden. Nicht, wie dieser Plan es vorsah, vom Überschuß der deutschen Volkswirtschaft; denn diese ist in den fünf Jahren überhaupt nicht zu der Blüte gediehen. Überschüsse der Ausfuhr über die Einfuhr zu erzielen, blieb vielmehr mit weit über 10 Milliarden passiv seit der Stabilisierung ihrer Währung. Ungezählte Milliarden gingen ja — neben diesen acht des Dawes-Plans — schon nach dem Waffenstillstand, dann in den folgenden fünf Jahren in den Besitz der anderen Mächte über, Summen, die selbst von der Reparationskommission auf 16 Milliarden, von Deutschland aber auf das Dreifache beziffert worden sind.
Milliardensummen, „astronomische" Zahlen, — und auch dann, wenn der Young-Plan in Kraft treten soll, wird es ja nicht viel anders werden. Auch dann wird das Reich etwa ein Viertel dessen, was es an Einnahmen hereinholt, abführen müssen an unsere Gläubiger. Auch dann wird Deutschland mit Milliarden rechnen, Milliarden bezahlen. Jahr um Jahr...
Die Schwester des Reichssräsidenlen t.
Hindenburg unterbricht seinen Urlaub.
Jda von Beneckendorff und von Hindenburg, die Schwester des Reichspräsidenten, ist am Montag im Auguste-Viktoria-Krankenhaus zu Potsdam im Alter von 78 Jahren gestorben. Fräulein von Hindenburg war Stiftsdame und befand sich vor kurzem noch in einem Berliner Sanatorium. Am Sonnabend stellte sich starkes Unwohlsein ein, das ihre Überführung in das Auguste - Viktoria - Krankenhaus in Potsdam erforderlich machte. Es wurde eine Bruchoperation vorgenommen. Leider gelang es infolge hinzukommender Herzschwäche nicht, die Patientin am Leben zu erhalten. Sie verstarb einige Stunden nach der Operation.
Reichspräsident von Hindenburg wird Dienstag Dietramszell verlassen und sich nach Berlin zu- rückbegeben, um der Beerdigung seiner einzigen Schwester beizuwohnen. Eine Reise des Reichspräsidenten nach Friedrichshafen zur Rückkehr des, „Graf Zeppelin" kommt unter diesen Umständen nicht in Betracht.
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^10. Sitzung des Völkerbundes in Geig ! Wahl des Vorsitzenden.
Montag vormittag 11 Uhr wurde die zehnte Völkerbundversammlung in Genf feierlich eröffnet. Der Versammlung gehören diesmal nicht weniger als 24 Außen- mmister und fünf Ministerpräsidenten der angeschlossenen Staaten an, darunter Briand und Macdonald. Durch ihre Außenminister sind vertreten unter anderem Deutschland, England, Frankreich, Belgien, Polen, Griechenland, die Kleine Entente, Holland, Finnland, Schweden, Schweiz, Ungarn und Bulgarien. Zum ersten Male ist erschienen ein Vertreter einer deutschen Minderheit, und zwar Dr. S ch i e m a n n, welcher der lettischen Delegation angehört. Der bis jetzt amtsführende Ratspräsident, der persische Delegierte Foroughi, wies in seiner Eröffnungsansprache aus die Fortschritte hin, welche die Organisation des Friedens im vergangenen Jahre gemacht habe, besonders auf den K e l l o g g - P a k t und das Resultat der abgelaufenen Haager Konferenz. Bei der nun vorgenommenen Wahl des Präsidenten für die jetzige Versammlung wurden 51 Stimmen abgegeben; 43 Stimmen fielen aus den Gesandten der Republik San Salvador in Paris, Dr. G u e r e r o, der somit zum Vorsitzenden gewählt ist.
Der neugewählte Präsident würdigte seine Wahl als Ehrung Lateinamerikas und setzte die nächste Sitzung auf nachmittags 4 Uhr an. Die in den Versammlungen gehaltenen Reden werden durch Radio verbreitet. Auch sollen diesmal Lautsprecher verwendet werden. Es sind auch Tonfilmaufnahmen während der Reden der führenden Staatsmänner in Aussicht genommen. Die Tagesordnung umfaßt 52 Punkte, unter denen namentlich die Abrüstungs- und Minderheitsfragen hervorragen. Man erwartet, daß der deutsche Außenminister m'KMä'deutschen Standpunkt'in der Minderheitsfrage vertreten wird.
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Die deutsche Delegation.
Da Reichsaußenminister Dr. Stresemann noch nicht eingetroffen war, stand die deutsche Vertretung vorläufig unter Führung des Staatssekretärs v. Schubert. Ferner gehören ihr an der Abg. Baron v. Rhein- baben, der Abg. Breitscheid und Frau Lange- B r u h m a n n. Prälat K a a s vom Zentrum, der gleichfalls zur deutschen Abordnung gehört, war Montag noch nicht eingetroffen. Mit Dr. Stresemann soll auch Mi-
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„Gras Zeppelins" Heimkehr.
In voller Fahrt.
Nach den eingetroffenen Funkmeldungen von Bord des „Graf Zeppelin" hatte das Luftschiff aus dem ersten Teil seiner Reise einen Kurs eingeschlagen, der etwa 300 Kilometer südlich der Fahrtroute seiner letzten Ostreise liegt. Die bisher erzielte Durchschnittsgeschwindigkeit betrug rund 130 Stundenkilometer. An Bord war alles wohl.
Zeppelinfeiern der Schulen.
Das württembergische Kultusministerium hat angeordnet, daß die Schulen aus Anlaß der Rückkehr des „Graf Zeppelin" von seiner Weltfahrt Schul- oder Klaflen- feiern veranstalten, in denen den Schülern die Bedeutung dieses Ereignisses vor Augen geführt wird.
Lloyd George kommt zum Empfang.
Für die Empfangsfeierlichkeiten bei der Rückkehr des Luftschiffes „Graf Zeppelin" von feiner Weltreise haben bereits der württembergische Staatspräsident Dr. Bolz, ferner Lloyd G e o r g e, der sich zurzeit in Freudenstadt aufhält, und der frühere Reichskanzler Dr. Enno ihr Erscheinen zugesagt. Außerdem sind für die Vertreter der Reichsregierung bereits Zimmer belegt.
Mit Deutschland in Verbindung.
Nach einer Meldung der Associated Preß aus Washington richtete die Marinefunkstation Montag um 5 Uhr nachmittags mitteleuropäischer Zeit einen Funkspruch an den „Graf Zeppelin", der jedoch nicht antwortete, da er zu der Zeit mit Deutschland in Verbindung stand. Dienstag früh soll die spanische Küste erreicht sein.
Nach dem ersten bei der Hamburg-Amerika-Linie von Bord des Luftschiffes eingegangenen Funktelegramm befand sich „Graf Zeppelin" Montag morgen 7.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf 37 Grad Nord und 45,6 Grad West. An Bord war alles wohl. Bis zu der angegebenen Zeit hatte „Graf Zeppelin" 2600 Kilometer zurückgelegt, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 145 Kilometern in der Stunde entspricht. Die Gesamtstrecke Lakehurst— Friedrichshafen beträgt auf dem jetzt verfolgten südlichen Kurs rund 7100 Kilometer.
ntsterlatdtrettor Gaus erscheinen. Die Abreise Dr. Strese- manns von Berlin stand am Montag noch nicht bestimmt fest, da er unter Umständen an der Sitzung des deutschen Kabinetts über das Ergebnis von Haag noch teilzu- nehmen gedachte.
Macdonald über Abrüstung.
Ehrliche Verständigung.
Der englische Premierminister Macdonald gab Montag in G e n f vor der internationalen Presse längere Erklärungen ab, deren Hauptinhalt das Abrüstungsproblem und die Fakultativklausel des Haager Statuts betrafen. Macdonald betonte, daß besser als durch Millionenausgabe für Rüstungszwecke die Sicherheit sich durch eine ehrliche Verständigung unter den Völkern herbeiführen und festigen lasse. Verheißungsvolle Schritte für die Verwirklichung dieser Überzeugung seien überall vorhanden. Der Redner verwies in diesem Zusammenhang auf den Kellogg-Pakt und erklärte, die englische Regierung wolle daran mitarbeiten, ein solides Fundament für den Kellogg-Pakt zu errichten. Macdonald kam dann auf feine Verhandlungen mit dem amerikanischen Botschafter in London, Dawes, zu sprechen, von denen er glaubt, daß die Hoffnung auf eine Verständigung berechtigt ist. Man dürfe aber nicht annehmen, daß bei diesen Verhandlungen das Abrüstungsproblem als englisch-amerikanisches Problem behandelt werde; Hoover sowohl wie er seien bestrebt, das gesamte Abrüstungsproblem auch im Hinblick auf die übrigen Staaten zu berücksichtigen. Der Beitritt Englands zur Fakultativklausel sei von höchster Wichtigkeit, wenn der Grundsatz der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit für die Regelung von Streitfällen im internationalen Leben der Völker eine allgemeine Einrichtung werden soll.
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Erklärungen Hendersons.
Zur Völkerbundversammlung in Genf veröffentlicht der amtliche britische Funkdienst eine Erklärung des Außenministers H e n d e r s o n, in der es heißt:
„Zum erstenmal seit August 1914 kann heute gesagt werden, daß der Krieg tatsächlich zu Ende ist. So lange fremde Truppen auf deutschem Boden standen, konnte dies nicht gesagt werden. Wenn die vergangenen Genser Tagungen unter derartigen Hindernissen erreichen konnten, was sie erreicht haben, wird es der gegenwärtigen und den künftigen Tagungen möglich sein, zur Verwirklichung der Ideale, für die der Völkerbund geschaffen wurde, noch Größeres zu leisten."
Schluß des Freidmger KMolikenlages.
, Wohl 50 000 Personen hatten sich am Sonntag zur öffent- ttchen Schlutzversammlung des diesmal sich gänzlich auf un- polttische Verhandlungen beschränkenden Katholikentages in Freiburg i. Br. eingefunden. Vizepräsident, Reichstagsabgeordneter E r s i n g- Karlsruhe, eröffnete die Versammlung. Der Präsident, Reichskanzler a. D. Dr. Marx, begrüßte den Nuntius Dr. Pacelli. Großer Beifall erscholl, als Nuntius P a c e l l i die Tribüne zu einer längeren Rede bestieg. Der Staat, so führte der Nuntius aus, sei für die Katholiken gottgewollt. Die katholische Auffassung umschließe am Staat zwei fundamentale Lebenselemente: das erste sei die in Gott verankerte Staatsautorität, das zweite, diese Staatsautorität besage nichts anderes für ihre Träger als die Verantwortung für das Volk. Die kostbarsten Schätze, die in der Familien- tradition des katholischen Deutschlands geborgen seien, müssen den Kindern und dem Volke erhalten bleiben. Einträchtiges Zusammenarbeiten der Stände müsse das allgemeine Ziel bleiben für den echten Christen. Dem Nuntius wurde nicht endenwollender Beifall für seine Ausführungen zuteil.
Prälat Dr. K a a s sprach über die kulturelle Aufgabe der Katholiken im Volksganzen. Niemals habe der deutsche Katholizismus vor größeren und zukunftsbestimmenderen Aufgaben gestanden wie gerade jetzt. Das deutsche Volk, das durch grauenvolle Leiden hindurchgegangen sei, verdiene keine Vorwürfe, sondern heißes und tätiges Mitleid. Der Staat werde das zentrale Objekt der opferbereiten Treue der Katholiken bleiben müssen. Dem verderblichen Gewinnstreben, wie es der individualistische Kapitalismus hervorgebracht habe, müßten die schöpferischen Sozialbestrebungen das Gegengewicht geben. Der solidarischen Menschheitsschuld des Weltkrieges müßten die deutschen Katholiken den Friedenswillen und die Friedenssaat entgegensetzen.
Die Reden wurden umrahmt von Darbietungen der vereinigten Freiburger Kirchenchöre und des Städtischen Orchesters. Abends fand in der Schwarzwaldhalle, nachdem zum Schluß der vorhergehenden Versammlung noch Reichskanzler a. D. Dr. Marx und Weihbischos Dr. Bürger gesprochen hatten und das gemeinsame Lied „Großer Gott, wir loben dich" verklungen war, ein Kommers der deutschen katholischen Studentenverbände statt. Ferner reihten sich Fest- versammlungen der katholischen kaufmännischen Vereine und der Gesellenvereine an.
Die englische Räumung.
Wiesbaden. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, beabsichtigt die englische militärische Leitung mit der Räumung in den nächsten Tage zuerst in Königstein und Schwalbach zu beginnen.