hersfelöerTageblatt
Mzeigenxreis: Die einspaltige Petitzeile 15' Sie Reklamezelle 50 Pfennig. (Grunöschrist i Bei Wiederholungen wird ein entsprechender , Nachlaß gewährt. * Kür öle Schrlstleitung verantwortlich : Kranz §unk in Hersfeld. ❖ Kernsprecher Nr. 8
M kersfel-er Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
Monatlicher Bezugspreis: durch die Post bezogen 1.50 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für hersselb
1.20 Reichs-Mark' ' “ ' "
' “ “ lchs-Mark. ichöruckere
bei freier gitjteäm.b, für ,Abholer
1.00 Reichs-Mark. ❖ druck und Verlag von Ludwig ; Zunks Buchöruckerei in Hersfelö, Mitglied des VLZV.
mit bea Bellaaeu: IlluftrierteS AnlerhaltungSblatt / Nach Feierabend / Herb unS Scholle / Anterbaltnas ouv Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche TageSfraoeo.
Nr. 204
Sonnabend, den 31. August 1929
T9. Jahrgang
MUH
MwzeiAmg der Hanger Bereinbaruagea
Gchlußarßeiten im Haag.
Ein goldener Füllfederhalter.
Freitag mittag 12 Uhr erfolgte in feierlicher Form die Unterzeichnung der gegenseitigen Briefe, in denen die Abmachungen bestätigt werden, durch die Delegierten der sechs einladenden Mächte, und zwar unter Benutzung eines besonders bereit gestellten goldenen Füllfederhalters. Der Austausch der Dokumente über die politische Einigung und die Unterzeichnung begannen um 10% Uhr und waren um 12% Uhr beendet. Der Konferenzvorsitzende, I a s p a r, hatte die Verhandlungen eröffnet. Dann wiederholte der englische Außenminister Henderson als Vorsitzender des politischen Komitees dessen bereits bekannten Bericht über die geschehene Vereinbarung, betonte die Einstimmigkeit des Beschlusses und verlas den von den Besetzungsmächten an den Reichsaußenminister Dr. Stresemann gerichteten Bestätigungsbrief. Ebenso mürben die Anlagen verlesen zur Feststellung der Einzelheiten bei der Räumung und bezüglich einer Amnestie, wie bei der Räumung der ersten Zone. Dr. Stresemann verlas die deutsche Antwort, die das Einverständnis der deutschen Vertretung erklärte. Nach der Unterzeichnung beglückwünschten sich die einzelnen Hauptdelegierten durch Händedruck.
Ebenfalls unterzeichnet wurde das von Henderson verlesene Protokoll, in dem die Bestimmungen über die V erst l e i ch s k o m m i s s i o n e n festgelegt Werdens Der belgische Vorsitzende I a s p a r erhielt als Andenken den benutzten goldenen Füllfederhalter und betonte dabei die symbolische Bedeutung dieses Vorganges. Die in Aussicht genommene Sitzung des Finanzkomitees wurde mit Rücksicht auf die Verzögerung des Unterzeichnungsaktes
~ Aus diese Erklärung Dr. Wirths hin hat Briand festgestellt, daß Deutschland zweifellos das Recht besitze, auf Grund der getroffenen Vereinbarungen jederzeit an den Völkerbund zu appellieren. Die abschließende Sitzung der Konferenz wird wahrscheinlich Sonnabend vor sich gehen. Die deutsche Delegation hat noch keine endgültigen Dispositionen für die Abreise nach der bevorstehenden Schlußsitzung getroffen. Voraussichtlich wird Reichsminister des Äußexn Dr. Stresemann und ein Teil der Delegation
NlMWG
Duisburg
®Dortmunp
ÄtßÜMELQODF
'-^Aachen
EUPEN/r
JKölnj
Deutsche VerlauiSaruna
-W*^fet*w!fr7r^ gab eine amtliche
^ L^rtautvarung bekannt, die folgenden wesentlichen Jn- ’ halt hat:
Die in der heutigen Sitzung der Haager Konferenz übergebenen gemeinsamen Schreiben der Besetzungsmächte enthält als hauptsächlichstes Ergebnis der langwierigen Verhandlungen die förmliche Verkündigung der Räumung. Mit der Räumung soll bereits im Monat September begonnen werden. Die Befreiung der zweiten Zone wird spätestens binnen drei Monaten beendet sein. In gleicher Frist verlassen die englischen Truppen, die bekanntlich nur einen Abschnitt der dritten Zone besetzt halten, endgültig das Rheinland. Auch die in der zweiten Zone untergebrachten belgischen Truppen rücken innerhalb dieses Zeitraumes ab. Die französischen Truppen, die dann noch ausschließlich die dritte Zone besetzt halten, wer- der Räumung dieses Abschnittes sofort nach der
den mit der Räumung dieses Absch , . Ratifikation des Young-Planes durch das deutsche und das französische Parlament und nach der Ingangsetzung dieses Planes beginnen. Die letzten französischen Truppen werden den deutschen Boden innerhalb der hieraus folgenden acht Monate, spätestens aber Ende Juni 1930, ver-
lassen.
Weiter wird von deutscher amtlicher Seite darauf hingewiesen, daß Deutschland im ganzen 4% Jahre Vorverlegung der Räumungsfrist gefordert und 4% Jahre erreicht hat. Ferner habe Deutschland erzielt die völlige politische und finanzielle Souveränität. Der Noung-Plan sei nur in bezug auf die ringeschützten Zahlungen verändert worden, in denen die Anfangszahlungen erhöht und die End- zahlungen erniedrigt worden sind. Die Durchschnittszahlung, die ursprünglich auf 660 Millionen beziffert war, beträgt nach der neuen Regelung 654 Millionen. Wenn auch der deutsche Standpunkt bezüglich der 300 Millionen Überschüsse aus der Überschneidung des Young-Planes und des Dawes-Planes nicht durchgedrungen sei, könnten wir doch mit dem Ergebnis der Verhandlungen zufrieden sein, das politisch und wirtschaftlich Deutschland wieder frei mache. Die Besetzungsmächte hätten durch die Bildung eines besonderen Fonds für die Besetzungskosten, zu dem Deutschland 30 Millionen beisteuere und von dem das übrige von den anderen Mächten getragen werden muß, schon aus finanziellen Gründen selbst ein Sittereffe an einer beschleunigten Räumung, da weiter entstehende Kosten von ihnen selbst getragen werden müssen.
Dr. Wirth über die Vergleichskommission.
Reichsminister Dr. Wirth gab in der Sitzung der Politischen Kommission, in der die Entschließung über die Vergleichskommission im Rheinland angenommen wurde, folgende in französischer Sprache abgesaßte Erklärung zu
„In dem Augenblick, in dem die Politische Kommission sich über diese Entschließung geeinigt hat, lege ich Wert darauf, besonders zur Aufklärung der deutschen öffentlichen Meinung fcstzustellen, daß dir Herren Briand, Hen- dcrson, Hymans, Stresemann und Wirth darin einig ge-
Wesen sind, daß der letzte Satz des Vorschlags Hendersi in dem Sinne aufzufassen sei, daß Deutschland gleichst das Recht hat, zu jeder Zeit den Rat des Völkerbundes gemäß dem Rhc' '
Vergleichsverfahren schon im Gange ist. Ich lege Wert darauf, daß diese Erklärung in das Sitzungsprotokoll ausgenommen wird."
alls
beut Rheinpakt zu besassen, selbst wenn ein breit schon im Gange ist. Ich lege Wert
Der historische Füllfederhalter.
Eine heitere Episode in ernster Stunde.
Die übernchung des goldenen Füllfederhalters, mit dem die politischen Abmachungen der Haager Konferenz unterzeichnet wurden, entbehrt nicht eines heiteren Untertor,es. Nach der Unterzeichnung des Protokolls durch die Minister Deutschlands, Belgiens, Englands, Frankreichs und Italiens sagte Henderson:
„Die Unterschrift, die Sie gegeben haben, wurde mit einer Feder vollzogen, die uns heute früh zum Geschenk gemacht wurde, ich hakte es für meine Pflicht und glaube, damit den Wunsch jedes Mitgliedes der Delegation, die an dieser Konferenz beteiligt sind, zum Ausdruck zu brin- . gen, wenn ich den Vorsitzenden. Herrn I a s p a r, den belgischen Ministech.Usidenten, bitte, diese Feder als ein Zeichen unserer Bewunderung über die Art, in der er die Geschäfte dieser Konferenz geführt hat, anzunehmen."
Darauf erwiderte Jaspar: „Ich nehme diese wertvolle Gabe dankbar an, nicht nur wegen ihres tatsächlichen Wer-res, sondern auch wegen ihrer symbolischen Bedeutung. Denn sie ist das materielle Zeichen eines großen Versöhnungs- und Friedensaktes zwischen den Völkern. Belgien ist an einem solchen Ergebnis vielleicht mehr interessiert als irgendein anderes Land. Ich werde immer diese Feder in meinem persönlichen Besitz behalten, und sie wird vom b e l g i s ch e n V o l k e als ein unwiderlegbarer Zeuge eines bedeutenden Wendepunktes in der Geschichte der westlichen Völker betrachtet werden."
Darauf Henderson, indem er den Federhalter unter großer Heiterkeit der Anwesenden i n d i e Tasche st e ck t: „Ich möchte mich gegen M i ß v e r - ständnisse schützen, wenn ich diesen Federhalter jetzt zurücknehme; denn ich rue das nur zu dem Zwecke, um auf ihm eine geeignete Inschrift anbringen zu lassen."
RIES
ORMS
Deutsche Preffestimmen.
RBR
jiNANCY
Karlsrü^
Die Räumung des besetzten Gebietes
taren, die wir nachstehend im Auszug wiedergeben Berliner Lokalanzeiger: „r “ "'
HALMEtY
’LUXEMBG
AINZ
soll nach den Beschlüssen im Haag in der Weise erfolgen, daß die zweite Zone von Mitte September bis Mitte ' die dritte Zone bis spätestens zum 30. Juni ™ ‘ " trag von Versailles
Dezember, die dritte Zone bis spätestens zum 30. Juni 1930 geräumt werden. (Nach dem Vertrag von Versailles waren Näumungstermine für die erste Zone der 10. Januar 1925 (erst ein Jahr später geräumt), für die zweite Zone
zweite Zon der 10.Januar 1930, für die dritte Zone der 10. Januar 1935.
am Montag wieder in Berlin etnireffen, während unter Führung des Staatssekretärs von Schubert die übrigen deutschen Delegierten sich vom Haag unmittelbar nach Genf begeben werden.
Saarverhandlungen im September?
Die deutsch-französischen Besprechungen über die Saarfrage sind nach einer Meldung inzwischen so weit gediehen, dass sofort in einem Briefwechsel zwischen Strese- mann und Briand vereinbart werden wird, die offiziellen Saarverhandlungen im Laufe des Septembers auszu- nehmen. Sonnabend soll Briand in Paris in einem außerordentlichen Ministerrat über den Haag berichten.
raren, die wir nachstehend im Auszug wiedergeben:
Berliner Lokalanzeiger: „Das ist die „Lösung", gegen die es nur eines gibt: Kampfl Harten, unerbittlichen Kampf; Kampf mit allen Mitteln; Kampf im Namen unserer Söhne, unserer Enkel — Kampf im Namen unseres ganzen Volkes, das einst stolz und groß war und nicht in würgender Sklavenfron zu elender Zukunft dahinsiechen soll und darf." — Deutsche Tageszeitung: „So kann man wenigstens hoffen, daß die Souveränität Deutschlands im gesamten Reichsgebiet in höchstens zehn Monaten wiederhergestellt sein wird. Die deutschen Vertreter haben immerhin nach den zahllosen Enttäuschungen der letzten Jahre gelernt, sich in solchen Fragen nicht mehr mit vagen Versprechungen zufrieden zu geben, wie Briand es auch diesmal wieder versucht hat." — Deutsche Allgemeine Zeitung: „Das Spiel ist zu Ende. Die deutsche Delegation hat den beiden finanziellen
Deutsche Allgemeine Zeitung: „Das Spiel ist zu Ende. Die deutsche Delegation hat den beiden finanziellen Bedingungen der Snowden-Lösung zugestimmt. Wir haben den Noung-Plan mit seiner Belastung für zwei Generationen, seiner Entlastung für die nächsten paar Jahre. Wir müssen sein Inkrafttreten teurer bezahlen, als es bei geschickterer Ver- Handlungstaktik und ohne die Vorbelastung durch die deutsche Demarche nötig gewesen wäre." — Germania: „Wir lieben den Aoung-Plan nicht, aber wir ziehen ihn als das kleinere Übel vor und als das Mittel, Deutschlands territoriale und finanzielle Souveränität wiederherzustellen und dadurch aus dem Wege zur Konsolidierung Europas und zur Wiederher- " " " " "gung Deutschlands einen großen
In diesem Sinne und mit diesem
Deswegen keine Feindschaft!
Henderson über die englisch-französischen Beziehungen.
Vor seiner Abreise nach Genf gab der britische Außenminister Henderson eine Erklärung ab, die das Ziel verfolgt, die Annahme eines Erkaltens der französisch-britischen Beziehungen z u r ü ck z u w e i s e n. Weil auf unserer Konferenz im Haag einige offene Worte gewechselt worden sind, nehmen sie (unverantwortliche Persönlichkeiten, gegen die sich die Erklärung richtet) an, daß sie eine Abkühlung oder sogar eine feindselige Note in den Beziehungen zwischen der französischen und der britischen Delegation entdecken können. Jede derartige Unterstellung ist absurd; sie ist die Erfindung einer überhitzten Einbildungskraft. Wir wünschen gute Beziehungen mit jeder Nation, aber vor allem mit unserem nächsten Nachbarn, Frankreich, dessen Dienste für die gemeinsame Zivilisation des Westens wir nach Gebühr einschätzen. Henderson hob weiter hervor, daß die Sicherung der Rheinlandräumung und die übrigen politischen Ergebnisse der Beginn einer Zusammenarbeit seien und sprach die Hoffnung aus, daß in Genf im gleichen Geiste weitergearbeitet werde.
„Ich hoffe," so schließt die Erklärung, „daß wir von jetzt an mit unserem französischen Kollegen und den Vertretern anderer befreundeter Nationen gemeinsam an der Sicherstellung einer allgemeinen Annahme der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit arbeiten werden, an der Durchführung eines allgemeinen Vertrages über vollständige Abrüstung, zu der wir verpflichtet sind."
beginn des Abzuges der Aheinarmee.
London. Wie das Kriegsamt ankündigt, wird der Abzug der Rheinarmee am 14. September d. J. beginnen und binnen drei Monaten beendet sein.
stellung der Gleichberechtigui Schritt vorwärts zu tun. Jü ............ .....
Vorbehalt begrüßen wir das Haager Ergebnis als einen opferreichen, entsagungsvollen, aber positiven Schritt zum Frieden." — Berliner Tageblatt: „Das politische und finanzielle Ergebnis der Haager Konferenz, wie es jetzt vor- liegt, wird auch von denen, die dem Noung-Plan als dem kleineren Übel zustimmen, mit nicht ungetrübter Befriedigung ausgenommen werden. Unbestreitbar ist der politische Erfolg, daß das Rheinland nunmehr bedingungslos geräumt wird." — Vorwärts: „Der Noung-Plan wird in Kraft treten. Dadurch werden lästige, mit der Souveränität Deutschlands schwer zu vereinbarende Kontrollen beseitigt — ein Ergebnis, das gerade von „nationalen" Kreisen eigentlich aufs freudigste begrüßt werden müßte. Denn eine Möglichkeit, durch Klagen und Bankerottankündiguugen die Verhandlungen zu beeinflussen und den zu zahlenden Betrag herabzud rücken, existiert nicht mehr. Bankerottankündigungen sind nichts als wirtschaftlicher Landesverrat."
Eröffnung des Völker bundraies.
Nichtöffentliche Sitzung.
Der Völkerbundrat zu Genf hat in feiner ersten nichtöffentlichen Sitzung am Freitag eine Spende in Höhe von rund 724 000 Dollar bei Rockefeller-Stiftung zugunsten der Arbeiten der hygienischen Organisation des Völker- bunbeS in den nächsten fünf Jahren angenommen. Die Spende wird auf die nächsten fünf Jahre verteilt. Eine »weitere Spende der Rockefeller-Stiftung in Höhe von 200 000 schweizerischen Franken soll für den Druck und die Veröffentlichung der Währungs- und Bankgesetze aller Staaten verwendet werbe;:. Auf Vorschlag des japanischen Vertreters wurde e. . auf der Tagesordnung stehende unbedeutende Beschwerde aus Polnisch-Oberschlesien zurückgezogen, da sie auf Grund der zwischen Deutschland und Polen in Paris getroffenen Abmachungen durch die lokalen Instanzen Oberschlesiens beigclegt werden kann. Muf einen weiteren Antrag des italienischen Ratsmit- gliedes hin wurde die Frage des Beitritts der Vereinigten Staaten von Amerika zum Ständigen Internationalen Gerichtshof im Haag cuf die Tagesordnung der gegenwärtigen Ratstagung gesetzt.