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Hersfel-erTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher /lnzeiger für den Kreis Hersfelö mit den Beilagen: Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Anlerballnua und üDiffen Belebruna nud Kurrweil / Wirtschaftliche Taaesfroaeu.

MzAgeaprels: Vle einspaltige Petitzelle 15 Pfennig, öle RÜlameZelle 50 Pfennig. (GrunSschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. Zgr Sie Schristleitung verant­wortlich: Kranz Zunk in H ersfelö.» Kernsprecher Nr. 8

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Rr. 203

Freitag, den 30. August 1929

79. Jahrgang

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Die Räumungseinigung im Haag.

Räumung beginnt in etwa 14 Tagen.

®ie Haager Konferenz hat fast drei Wochen lang das Schicksal vieler Konferenzen gehabt: sie kam nicht vor­wärts und erschöpfte sich in Streitigkeiten der Beteiligten untereinander, die schier kein Ende zu nehmen drohten. Nun endlich ist die Bekanntgabe der Räumungstermine für die fremde Besatzung innerhalb der Grenzen Deutsch­lands, die so lange und dringend von deutscher Seite ge­fordert wurde, erzielt worden. Sie ist erreicht worden noch vor der vollständigen Einigung in den Finanzfragen, die weiterer Erwägungen bedürfen, namentlich mit Bezug auf das neuverlangte Entgegenkommen der Deutschen in dieser Beziehung.

Auf der Besprechung des politischen Ausschusses über die

Rheinlandsrage

kam man schließlich' zu einer ü b e r e i n st i »tz m u n g, die wohl das bedeutendste Resultat der bisherigen Kon- ferenzverhaudlungen darstellt. Es wurde ein einstimmiger Bericht über die letzten Vorbereitungsarbeiten des so­genannten Henderson-Komitees, das aus den Hauptdele­gierten der an der Rheinlandfrage interessierten Mächte, Deutschland, Frankreich, Belgien und England, besteht, dem Politischen Ausschuß vorgelegt, in dem folgende Er­gebnisse festgestellt werden:

1. Daß die drei Besetzungsmächte (Frankreich, Belgien und England) gemeinsam die Grundlage für eine Rege­lung der Räumungsfrage gefunden haben und daß mit der tatsächlichen Räumung ab Mitte September begonnen wird. Die belgischen und englischen Truppen sollen inner­halb dreier Monate vom Beginn der Räumung ab zurück­gezogen sein. In derselben Zeit räumen die französischen Truppen die AJlLX±ix^a«ujm- u«u ^ginnen mit der Räumung der dritten Zone sofort nach der Ratifika­tion des Noung-Planes durch das deutsche und das fran­

zösische Parlament.

Die Vorbesprechungen haben ergeben, daß B r i a n d nicht die Absicht hat, bis zur förmlichen Erledigung der parlamentarischen und juristischen Arbeiten zu warten. Er will vielmehr auch die Räumung der dritten Zone be­ginnen, sobald die Erledigung der Formalitäten sicher- gestellt zu sein scheint. Die Räumung soll fortgesetzt ohne Unterbrechung und so schnell erfolgen, als es möglich ist. Sie soll in jedem Falle innerhalb acht Monaten, spätestens bis Ende Juni 1930, beendet sein.

3. In der Frage der Kommission für die Behandlung von Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung der Art. 42 und 43 des Versailler Vertrages, d. h., über Vor­gänge in den geräumten und entmilitarisierten Gebieten des Rheinlandes, ist ebenfalls eine Verständigung erfolgt. Es wird festgestellt, daß keinerlei Neueinrich­tung für die Behandlung dieser Frage geschaffen wird, inch keinerlei Änderungen eintreten. Vielmehr bleiben unverändert die drirch den Locarn »vertrag geschaffenen Organe der deutsch-französischen und der deutsch-belgischen Bergleichskommission für alle Streitfälle zuständig, in jedem Falle jedesmal wird gesondert verhandelt. Ein Zusammenwirken der deutsch-belgischen und der deutsch- französischen Kommission kommt nicht in Frage. Es steht überdies beiden Teilen frei, den Völkerbundrat anzurufen, »essen Befugnisse nach Art. 213 des Versailler Vertrages unverändert bleiben.

Diese Ergebnisse wurden in einem Protokoll nieder- gelegt und sollen durch einen sofortigen Austausch unter den interessierten Mächten ergänzt werden. Wie im Haag anerkannt wird gebührt eines der größten Verdienste an Dieser Einigung über die politischen Fragen, deren Wirk­samkeit jedoch an das Zustandekommen eines Gesamt- 'rgebnisses der Konferenz gebunden ist. dem englischen Außenminister Henderson. Er hat von vornherein in der Räumungsfrage eine bestimmte, den deutschen Wünschen entsprechende Haltung eingenommen und durch besondere Energie das jetzige Ergebnis ge-

und durch besondere Energie das jetzige Ergebnis gc fördert Er hat, wie der deutsche Außenminister D.. S t r e s e m a n n bemerkte, in seinem Bestreben nicht nach­gelassen, auch wenn die Konferenz manchmal bei einer Windstärke von zehn Grad" arbeitete. Praktisch ist mit der Räumungsentscheidung dem deutschen Interesse ein wünschenswertes Entgegenkommen gezergt worden, wenn dieses auch auf einen noch früheren Termm gmg und die finanziellen Fragen noch nicht ganz bereinigt sind. Dr. Stresemann stattete Henderson seinen Dank für fern Ver­halten in längerer Rede ab. Wenn im Zusammenhang mit der Räumung der zweiten Zone eine frühere Räu­mung von Teilen der dritten Zone trotz des anfänglichen französischen Widerstandes, .rfolgen sollte, so wurde nach deutscher Auffassung das im hohen Maße ein Verdienst des englischen Außenministers wm. H e n d e r s o n selber führte aus, er wolle die Bedeutungder Einigung schon heute unterstreichen, da er bei der Schlußsitzung der Kon­ferenz nicht anwesend sein könne, weck er nach Genf ab- reisen müsse Aber der Verständigungswille ..be gesiegt und das sei das Wesentliche.

>r.

Die finanziellen Fragen.

Donnerstag nachmittag war eine neue Sitzung der politischen Komitees der sechs Mächte anberaumt, in. der

bis 30. Juni 1930

die Ergebnisse der zwischen den Glüubigermachten statt- qefundenen Übereinkunft einerseits und die noch aus­stehende Zustimmung Deutschlands dazu behandelt werden sollten. Es wurde aber allgemein betont, daß auch tn dieser Angelegenheit schon in den vorherigen Besprechun­gen Annäherungen bemerkbar gewesen seien. In der Hauptsache handelt es sich darum, ob Deutschland die ihm neuauferlegten Bedingungen, also eine größere Repara­tionszahlung in den ersten zwanzig Jahren des Young- Planes, die aber auf die nachherigen Zahlungen an- gerechnet wird, leisten kann und wird. Dann ferner, ob es die anderweitige Verteilung der 300 Millionen Über­schüsse aus dem Dawes-Plan, mit denen ursprünglich die noch verbleibenden Besatzungskosten gedeckt werden sollten, ertragen kann.

Ausklang der Mumungsverhandlungen.

Grundlage eines sicheren Friedens.

Von den bedeutungsvollen Reden, die bei Abschluß der Verhandlungen der Politischen Ko M m tssi o n im Haag gehalten wurden, sind folgende Ausführungen besonders beachtenswert, die wir nach dem amtlichen Kommunique hier wiedergeben.

Henderson führte aus, im Hinblick auf die ab­geschlossenen Verträge würden die Besatzungsmächte nicht getrennt, sondern gemeinsam bei der Räumung vor­gehen. Mit der Räumung werde zudem ohne Verzug begonnen. Die Maßnahmen, die für die Inangriffnahme der Räumung getroffen wurden, sind derartig, daß alle unnötige Verzögerung der Räumung vermieden wird.

Wenn schließlich die allgemeinen Vereinbarungen der Konferenz, wie man hoffen kann, formuliert, unterzeichnet und so schnell, wie sich berechtigterweise erwarten läßt, ratifiziert werden, so wird sich die Räumung inner­halb einer billigenund vernjtrvj-LLiLLlLjSÜäiU^

Um die Räumung im gemeinsamem Interesse zu be­schleunigen, ist die verständige Bestimmung getroffen wor­den, die Ansprüche auf Schadenersatz usw., die aus der Liquidation der Besetzung entstehen, aufzugeben.

Henderson fuhr fort: Was die Fragen anlagt, die durch die Artikel 42 und 43 des Versailler Vertrages an­geschnitten werden, so ist ebenfalls eine Vereinbarung er­zielt worden. Man hat es als möglich betrachtet, daß im Vertrauen auf die bestehenden Einrichtungen eine freund­schaftliche und zweckmäßige Regelung solcher Fragen er­reicht werden kann. Diese Entscheidung ist ein neuer Be­weis der Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland. Zum Schluß erinnerte Henderson daran, daß die Hauptaufgabe der Konferenz die Herbeiführung einer endgültigen, gerechten und billigen Liquidation der aus dem Kriege verbliebenen Probleme war. Infolge der Ent­scheidungen der Konferenz stehe der Weg zur Wiederher­stellung des Allgemeinwohles und der Wohlfahrt der Völker auf der festen Grundlage eines sicheren und dauernden Friedens offen.

Ferner betonte Henderson, daß der vorgelegte Bericht einstimmig angenommen sei und durch einen Notenaustausch zwischen den Vertretern der Besatzungs­mächte und Dr. Stresemann ergänzt werde. Henderson wies daraus hin, daß die Arbeiten des Politischen Ausschusses vielleicht nicht so kompliziert gewesen seien wie diejenigen des Finanzausschusses, daß sie aber von unschätzbarer Bedeutung für die Ver­söhnung der europäischen Völker und für die Verstand,-

Der Ausruhr in Palästina.

Kriegsflugzeuge in Aktion.

Nach Londoner Berichten hatten sich arabische Scharf­schützen in einem größeren Dorfe auf den Jerusalem 6^ herrschenden Bergen eingenistet. Sie wurden durch britische Truppen, die von Panzerwagen und Flugzeugen unterstützt wurden, vertrieben. Viele Araber hätten sich ergeben. Hundert andere seien geflohen und dabei durch niedrig fliegende britische Flugzeuge mit Maschmen- gewehrfeuer niebergeftredt worden. Das ganze Gebiet sei von toten Beduinen übersät gewesen. Die genaue Zahl der Toten bei diesem Kampfe, dem schwersten, der über­haupt bisher während der Unruhen stattgefunden habe, sei noch nicht bekannt. . , ,

Die Wirkungen der Kämpfe in Palastma werden auch außerhalb der Grenzen des Mandatsgebietes Palästina deutlich kund. Eine aus syrischen Mohammedanern, Christen und Juden bestehende Abordnung zog nach dem Palast des Präsidenten der Syrischen Republik in Beirut, um gegen die Verdrängung der Eingeborenen­bevölkerung Palästinas durch Zionisten Einspruch zu er­heben. Dem Zuge wurden .französische und syrische Flaggen vorangelragen. Zwischensätze ereigneten stch m%n Kairo fanden große Kundgebungen der Araber statt, an denen etwa 20 000 Personen te'lnahmen Da d-e »Ä « &fiWÄ® sollen, um vor ähnlichen Ereignissen wie m Jerusalem sicher zu sein, einen antizionistischen und araberfreundlichen Aufruf erlassen haben. - - - - -

gung zwischen den Rationen seien, von denen auf die

Dauer der Frieden abhänge.

Er hoffe, daß die Entschließungen der Vollkon - f e r e n z ebenso einstimmig und herzlich sein würden wie die Vorverhandlungen am politischen Werk in den pri­vaten Zusammenkünften der drei Nächstbeteiligten.

Briand dankte dem Vorsitzenden für seine Worte» Er ging auf die Bodingungen ein, unter denen sich die Räumung des Rheinlandes vollziehen soll, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich alle diese Bedingungen, die eine Durchführung des Noung-Planes gestatten, in der kürzestmöglichen Fr-st verwirklichen lassen werden, um so eine schnellmögl'che Räumung zu gestatten.

Er wies ferner aus die Vorteile hin, die die Sache des Friedens aus der vorb-reiteien Resolution ziehen wird, in der die freundschaftliche Regelung von Streitigkeiten vorgesehen ist die auf Grund der Artikel 42 und 43 des Versailler Vertrages entstehen könnten, und zwar im Wege von Kommissionen, die alle Vollmachten zur Rückfrage, Feststellung und zum Ausgleich haben, bie notwendig sind. m ,

Dr. Stresemann beglückwünschte den Vorsitzenden des Politischen Ausschusses anläßlich des- vollbrachten Werkes und gab seiner Befriedigung darüoer Ausdruck, daß der Vorsitzende von Anfang an die Meinung vertreten habe, daß die Frage der Räumung unabhängig von den im Finanzausschuß behandelten Fragen geregelt wer­den müßte. Er dankte Briand für die Zustcherung, datz die Räumung des Rheinlandes aufs schnellste durchgefuhrt werde, und sprach die Hoffnung aus, daß die Ratifizie- rung nicht nur durch Frankreich und Deutsch­land , sondern auch durch die anderen Lander in kurzer Frist erfolgen werde. .

Nachdem er mit Befriedigung festgestellt hatte, daß keinerlei besondere Kontrolle für das Rheinland vor­gesehen sei, gab er seiner Genugtuung daruber Ausdruck daß dieses Ergebnis im Geiste der Versönhlichkeit und des guten Einvernehmens erreicht worden sei.

Schlußsitzung erst Sonnabend _

setzung der Erörterung über diejenigen Punkte der zwischen den Gläubigermächten erzielten Einigung, für die von diesen Mächten einer Z u st i m m u n g D e u t s ch- l a n d s benötigt wird, ist nach etwa breibiertelftunbigem Verlauf zu Ende gegangen. Nach ihrem Ablauf wurde mitgeteilt, daß noch nicht eine Eini gung über alle offenstehenden Punkte erzielt worden sei. Freitag vor­mittag um 11 Uhr findet eine Sitzung des Finanzkomitees statt, nachmittags um 4 Uhr 'ine weitere Sitzung des­selben Komitees. ,

Inzwischen wird um 10.30 Uhr bie Unterze ich- nung des politischen Protokolls, das Donnerstag abgeschlossen wurde, erfolgen Als Grund wirb angegeben, daß ebenso wie inzwischen Henderson auch Briand abreisen müsse und an der Plenar­sitzung, die nun erst für Sonnabend in Aussicht ge- nommen ist, nicht mehr teilnehmen könne.

Eine Erklärung Dr. Stresemanns.

klärung ab, wonach er auf Grund des borge1

Reichsaußenminister Dr. Stresemann gab eine Er.

_____ ________^ _ . ; vorgesehenen Tur­

nus in der voraussichtlichen Schlußsitzung, der Plenarversammlung, den Vorsitz hätte führen müssen, im Hinblick auf die außerordentlichen Verdienste Jaspars um die Konferenz beantrage er jedoch, daß diesem der Vorsitz auch für die Plenarsitzung übertragen werde. Diesem Antrag schlössen sich Snowden, Briand und bin Vertreter der anderen Delegationen an, so daß bestimme wurde, daß der belgische Minister den V o r s i tz bei dies«, Gelegenheit führen wird. 1-

^acholttetttag in Kretburg.

Reichstagsfraktionssitzung am Sonnabend.

Die eigentlichen Arbeiten der 68. Generalversamm­lung der deutschen Katholiken wurden nach dem Be- grützungsabend vom Mittwoch am Donnerstag eingeleitet mit einem Pontisikalamt zu Ehren des Heiligen Geistes im Freiburger Münster, bei dem Abt Adalbert von Neipperg vom Kloster Neuburg bei Heidelberg die Fest­rede hielt. Im übrigen war der Tag ausgefüllt mit den Arbeiten der Vertretertagung, die in mehreren Gruppen für die Versammlung die Entschließungen vor­bereitet. Der Abend brächte dann eine ganze Reihe von Standesversammlungen. Nuntius Dr. P a c e l l i benutzte die Zeit dazu, um dem Karitasheim auf dem Feldberg einen Besuch abzustatten. Die Reichstagsfraktion des Zentrums wird am Sonnabend am Grabe des früheren Reichskanzlers Fehrenbach eine kleine Feier veranstalten und einen Kranz niederlegen.

S tellungnahme zu den Haager Abmachungen.

Der Zentrumsabgeordnete Brüning ist nach dem Haag gefahren zu Besprechungen mit dem dort anwesenden Zentrumsminister über bie Haager Beratungen. Der Zweck dieser Reise geht dahin, der Zentrumsfraktion des Reichs­tages für Sonnabend Bericht über die Haager Verhand­lungen erstatten zu können.

Von hervorragenden Gästen sind weite" erschienen Reichskanzler a. D. Dr. Marx und Frau, Fürst zu Löwenstein, badischer Staatspräsident Dr. Schmitt, und Reichstagsabgeordneter I o o s.