Einzelbild herunterladen
 

Kersfel-erTageblatt

Nn«igenprela: die einspaltige Petttzeile 15' Ost Reklamezeile 50 Pfennig. (Grunöschrist i Bei Wiederholungen wird ein entsprechender , Nachlaß gewährt. §ür die Schristleitung verant­wortlich: Kranz §unk in yersfeld.»KernsprecherNr.8

B hersfel-er Kreisblatt

Amtlicher/lnzeiger für den Kreis HersfelS

Monatlicher Bezugspreis: durch öle Post bezogen 1.50 Relchs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld 1.20 Relchs-Mark bei freier Zustellunp, für Kbhoter 1-00 Relchs-Mark. druck und Verlag von Luv!

' ahöruckerel in Hersfeld, Mitglied des vdj

, ______________ .... ^jinig

ZunksSuchöruckerel in Hersfel», Mitglied besvLZV.

mit den Beilagen: Illustriertes Aalerhaltungsblatt, Nach Feierabend / Herd und Scholle / Aaterbaltoaa und Wissen Belehrung und Korrweil / Wirtschaftliche TogeSfragea.

Rk 202

Donnerstag, den 29. August 1929

19. Jahrgang

Dorallem Rheinlanöräumung!

Schlußvechandlustgen im Haag.

Die Einigung.

Ziemlich übereinstimmend wurde noch am Dienstag die Ansicht vertreten, daß die Gegensatze bei den Haager Konferenzverhandlungen sich nicht Überdrücken ließen und ein klangloses Ende der Konferenz kaum zu vermeiden wäre. Sozusagen in letzter Minute wurde gegen alles Erwarten dennoch ein weiterer Versuch infolge der Ini­tiative Briands unternommen, die Gegensätze zu über- winden. Dieser Versuch gelang, indem zunächst die vier Gläubigermächte sich mit England einigten und nun die Zustimmung Deutschlands zu dem Kompromiß erbaten. In einer ausgedehnten Nachtsitzung gaben die unter Führung Frankreichs marschierenden Parteien dem bri­tischen Verlangen weiter nach und versprachen die Wünsche Snowdens, falls Deutschland einverstanden sei, bis zu ungefähr 80 Prozent zu erfüllen. Damit war die eng­lische Abordnung zufrieden. Als dieses Ergebnis erzielt war, holte man mitten in der Nacht die deutschen Ver­treter Dr. Wirth. Dr. Curtius und Dr. Hilfer- d i n g herbei, um sie zu unterrichten.

Reichsaußenminister Dr. S t r e s e m a n n konnte in­folge Überanstrengung nicht mehr erscheinen. Er hatte vorher mit den anderen Deutschen die schon nachmittags begonnene Sitzung nach einer eindrucksvollen Rede ver­lassen, da die Deutschen doch wenig Einfluß auf das Handelsgeschäft zwischen den Gläubigerstaaten ausüben konnten. Infolge der Abwesenheit Dr. S1 r e s e in a n n s wurde die weitere Erörterung auf Mittwoch verschoben und begann auch rechtzeitig. Für nachmittags war eine Konferenz der Besetzungsmächte mit Deutschland angesagt, später sollten dann die Verhandlungen der sechs einladen­den Mächte über die finanzprinzipiellen Fragen fortgesetzt werden.

- - L» -te^MQfc&^M^^

Es geht bei den Vorschlägen, wie man schon immer erwartet hatte, nicht ganz ohne Opfer ab, die man von den Deutschen verlangt. Gewiß soll die Gesamtsumme deutscher Zahlungen aus dem Young-Plan für die vorgesehenen 37 Jahre nicht erhöht werden, jedoch hat Deutschland in den ersten 20 Jahren eine stärkere Belastung zu tragen, was gewiß nicht ohne Bedenken aufzunehmen ist. Auch die 300 Millionen Mark Überschüsse aus dem Übergang des Dawes-Vertrages in den Noung-Plan, die Deutschland zur Abdeckung der Besetzungskosten im Rheinland verlangt hatte, sollen zum großen Teil den englischen Ansprüchen geopfert werden.

Was England erhält. *

England erhält von den Gesamtzahlungen 40 Mil­lionen jährlich m. hr, verlangt hatte es 48. Es bekommt im ganzen eine bedingungslose Zahlung von 96 Millionen Mark jährlich statt der bisher angebotenen 88 Millionen. (36 Millionen von den übrigen Glaubigermächten garan­tierte Zusatzzahlung, 18 Millionen aus dem Rest der bedingungslosen Jabreszahlungen unter Heruntersetzung der Ansprüche der kleineren Staaten, 42 Mil­lionen aus der Erhöhung der bedingungslosen Zahlung, die man von Deutschland durch die Änderung der Dawes- Anleihe erzielt.) Italien verpflichtet sich zu größerem Kohlenbezug von England.

Fori mit 0er Besatzung!

Man glaubte auf Der Gegenseite, annehmen zu dürfen, daß Deutschland diesen Festsetzungen zustimmt und in den ^Uiwprt^üei-I'unbi^ sein Einverständnis erkläre. Die deutsche Delegation ist gutem Vernehmen

nach fest entschlösse«, pur dsnn j a zu sagen, wenn gleich- zeitig mit der finanziellen Regelung die bestimmte Zu­sage für eine alSbaldige N h e : n l a n d r S u m u n g er­folgt. England ha; bereits früher in dieser Beziehung bestimmte Zusagen gegeben und soll fest entschlossen sein, die sofortige Rämuung einzuleiten. Es handelt sich jetzt also nur noch um Frankreichs Einwilligung und man sprach davon, daß Briand bereits erklärt hätte, der Bei­tritt Deutschlands zu den geschehenen Vereinbarungen werde es ihm ermöglichen, nunmehr einen bestimmten Räumungstermin, der zwischen dem 1. September 1929 und dem 1. April 1930 spätestens liegen solle, bekannt­

September 1929

zugeben.

Sollte sich das bewahrheiten, so stände der beab­sichtigten feierlichen Schlußsitzung der Konferenz für Donnerstag nichts mehr im Wege. Die amerikanischen Blätter bringen die Nachricht über den im Haag erzielten Kompromiß in großer Aufmachung und betonen dabei, daß die Verständigung auch in ben- amerikanischen Finanzkreisen mit Befriedigung ausgenommen wird. Die englischen und französischen Blätterstimmen sind je nach ihrem Parteist. "d'Bmkt geteilt, in der Mehrzahl jedoch befriedigt. _______

Die Memlandsrage wieder veriagi.

Noch keine Schlußsitzung am Tonnerstkg.

Die ursprünglich auf Mittwoch nachmittag 3 Uhr an- beraumte Sitzung der vier an der Rheinlandfrage interessierten Mächte wurde vorläufig abgesagt. Statt

dessen wurde zu jenem Zeitpunkt die Besprechung der Delegierten der sechs einladenden Mächte über die Mitt­woch vormittag erörterten finanziellen Fragen wieder ausgenommen. Von deutscher Seite waren hierzu die Reichsminister Dr. W i r t h , Dr. C u r t i u s und Dr. H i l f e r d i n g sowie als finanzielle Sachverständige die Ministerialdirektoren Rappel, Schäfer und Dorn erschienen.

Aus diesem Sachverhalt ist zu entnehmen, daß jeden­falls für Donnerstag mit einer Vollsitzung der Konferenz, die zugleich die S ch l u ß s i tz u n g darstellen würde, noch nicht zu rechnen ist.

Man speist erst.

Die um 3 Uhr begonnene Sitzung der sechs einladen­den Mächte dauerte bis etwa 7K Uhr abends. Dann ver­ließen die Delegierten die Konferenz, um einer Einladung

Der Brand im gelobten Lande

Anöaumwr Kämpfe in PMWa. I

Zahlreiche Opfer an Menschenleben.

Trotz der englischen Versicherung und der scharfen Zensur, die geübt wird. dringen doch Nachrichten durch, nach denen eine Beruhigung zwischen den streitenden Parteien durchaus nicht eingetreien ist. Eine jüdische Kolonie in Kastinia wurde von den Arabern angegriffen. Fünf Juden kamen dabei zu Tode. Die Juden steckten dafür daS arabische Viertel in Brand. In Haifa gingen Van^erwaaen amen Die auf die Rcaierunashäuser ein-

RE

Das Kampfgebiet in Palästina.

.-«VIV, s

OTH^ JERU^ HEBROlfi

MEH £

5 H

6«rn ^/

--oO-^damM»

M IFUl^*

BEI

JflFFfl

(Sr^ä&y&g der Arbeitslosigkeit

- Der günstigste Stand überschrittem.

Nach dem Bericht des Reichsanstalt für die Zeit vom 18 bis 24 August hat sich die Arbeitslosigkeit in der Be­richtswoche weiter l e i y terhöht. Obgleich es nicht an Tendenzen zum Aufstieg fehlt und die rückläufige Be­wegung auch nicht alle ^^A erfaßt hat, muß man doch annehmen, daß der günstigste jahreszeitliche Stand der Arbeitslosigkeit, wie im Vorjahr, Anfang August über­schritten wurde. Die stärkste Belastung erfuhr Sachsen; die gedrückte Lage in den beiden Haupt- industrien, Metallwirtschaft und Spinnstoffgewerbe, und der vorzeitige Saisonrückgang im Baugewerbe haben das Überangebot an ArbeiEuchend"n stark vermehrt. Auch in Hessen war der Zugang an Arbeitslosen aus Metall­verarbeitung und Baugewerbe beträchtlich.

Die günstigen Einflüsse überwogen in Branden­burg (Herbstsaison der Konfektion), Pommern (Be- darf der Landwirtschaft an Hilfskräften für die Halm­fruchternte), Riedersachsen (Aufnahmefähigkeit von Landwirtschaft und Konse wenindutzrie) und Bayern (Hopfenernte). Die Zahl der Hauptunterstützungsempfün- ger in der versicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung (bekanntlich nicht die Gesamtlast der Arbeitslosigkeit) dürfte seit Anfang August von 710 000 auf 720 000 gestie­gen sein; sie liegt also immer noch um etwa 1 50 0 0 0 über der Zahl zur gleichen Zeit des Vorjahres.

Snowdens an die Hauptdelegterten sämtlicher an der Konferenz beteiligten Mächte zu einem Essen Folge zu leisten. Die aus diesem Grunde unterbrochene Sitzung wird im Anschluß an die Veranstaltung im Laufe des Abends in Form von informellen Besprechun­gen fortgesetzt.

Die sämtlichen zur Besprechung stehenden Fragen, das heißt, die aus der gestrigen Einigung der Gläu­bigermächte sich ergebenden Verhandlungen, an denen Deutschland beteiligt sein soll, stehen zurzeit noch offen. Sie sind im Verlauf des Nachmittags, mehrfach unter Zuziehung der deutschen Sachverständigen und Fachrefe­renten oder im Wege von Sonderbesprechungen zwischen diesen, wie man aus den spärlichen Andeutungen ein­zelner Konferenzteilnehmer entnehmen kann, stark um­stritten gewesen.

Am Donnerstag vormittag 10 Uhr findet, voraus- gesetzt, daß die Dinge vorwärtsgehen, eine Besprechung der vier R h e i n l o. n d m 8 ch t e vor der bereits ange­kündigten Tagung des wa^Uischen Ausschusses statt.

dringe./den Araber vor. Drei Araber wurden getötet, 25 verwundet. 20 000 Araber in Damaskus veraustaltclen eine judenfeindliche Kundgebung. Starke Truppenkörper mußten mit größter Beschleunigung in die jüdischen Stadtviertel entsandt werden. In alten Landbezirken flackern hier und dort Brandherde auf. Die Gesamtzahl der bisher gefallenen Opfer wird selbst vom englischen Kolonialministerium auf 143 Tote und 426 Verwundete angegeben, darunter 46 mohammedanische, 93 jüdische und vier christliche Gefallene. Zweifellos ist diese Zahl zu niedrig gegriffen.

Von der Grenze wird gemeldet, daß aus Trans- jordanien Araber im Anmarsch sind mit der Absicht, in nach wie vor als äußerst ernst bezeichnet werden. In Jerusalem sind fast alle Läden geschlossen, die Privat- Häuser sind verriegelt und verbarrikadiert, die vormaligen nicht mehr benutzten russischen Pilgerhäuser haben sich in Kasernen umgewandelt, die mit Soldaten, Polizisten und Automobilen vollgestopft sind. Alle älteren Beamten haben freiwillige Polizeidienste übernommen. Britische Flugzeuge kreisen über dem Lande und suchen Ansamm­lungen mit Maschinengewehrfeuer zu verhindern.

Beschwerden beim Völkerbund.

Beim Völkerbundsekretarial in Genf ist in den letzten Tagen sowohl von jüdischer als auch von arabischer Seite eine größere Anzahl von Beschwerden eingetroffen, die zum Teil verlangen, daß der Völkerbundrat sich schleunigst mit der Lage in Palästina befasse. Man nimmt an, daß bei der bevorstehenden Tagung des Rates die Angelegenheit unbedingt zur Sprache kommen muß. Londoner Blätter verlangen sorgfältige Untersuchung darüber, wer für die Unruhen verantwortlich zu machen ist. Die Untersuchung dürfe sich nicht nur auf die letzten Schuldigen erstrecken, sondern müsse auch die Tätigkeit der Behörden umfassen. In Zukunft dürfe es nicht mehr möglich sein, daß ein derartiger widerwärtiger Bürger­krieg sich entwickele. Auch das französische Marineministerium hat die Entsendung des KreuzersLa Motte Picquet* zur Sicherung der fran­zösischen Staatsangehörigen in der Levante entsandt. Der ' 1 'ner ist bereits in Beirut eingetroffen.

Minderheitenlonsreß in Genf.

Ein Jntereuropäisches Institut.

Am Schluß einer Aussprache über die Minderheitenpresse nahm der Kongreß eine Entschließung an, in der die Gründung des europäischen Minderheitenjournalistenverbandes als ein Mittel der europäischen Völkerverständigung begrüßt wurde.

In einem Vortrag über die Tätigkeit der internationalen Organisationen auf dein Gebiet der Nationalitätenfrage, ins­besondere der Völkerbundligen, der Interparlamentarischen Union, der International Law Association, der Internatio­nalen Frauenliga und der Sozialistischen und Kommunistischen Internationale, gab der Generalsekretär des Kongresses, Dr. A ni in e n d e, einen Überblick über die Wirkungen, die von der Arbeit des Kongresses und seines Ausschusses auf diese Orga­nisationen ausgegangen sind. Unter lebhaftem Beifall ent­wickelte er den Standpunkt des Kongresses, daß alle auf Herbei­führung eines Paneuropas gerichteten Bestrebungen so lange unfruchtbar bleiben werden, solange der heutige Zustand in der Minderheitenfrage besteht.

In einer zweiten Entschließung wurde die Gründung eines Jntereurw'" scheu Instituts für Rat ? ' ' w' an­gelegt. '

Explosion in einer Dynamitfabrik.

Hamburg. In her Dynamitfabrik Krümmet bei Ge sthacht explodierte aus unbekannter Ursache ein Ollager. Ein Arbeiter wurde aus der Stelle getötet, fünf weitere haben Verletzungen erlitten. Kurz nach der ersten erfolgte eine zweite Explosion, die wie die erste weithin zu hören war. Durch die Explosionen

erlitten. Kurz nach der ersten erfolgte eine zweite Explosion, die wie die erste weithin zu hören war. Durch die Explosionen wurde der Wald auf der Strecke KrümmelTesperhude in Brand gesetzt Da Gefahr für die in der Nähe liegenden Ge­bäude bestand, wurden die Bergedprser und die Hamburger Feuerwehren alarmiert.