HersfelöerTageblatt
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Hersfelöer Kreisblatt
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mit den Beilagen: Illnstrlertes Anterhallungsblatt / Nach Feierabend / Herb nnd Gcbolle / Anterbaltona und Wissen Belehrung nod Kurzweil / WirtschattlM Äagessragen.
Nr. 201
Mittwoch, den 28. August 1929
79. Jahrgang
HM Srifenftimmung im Haag
MwH der Konferenz wahtj^" H
Nach Englands Ablehnung.
Die erneute Absage des englischen Schatzlunzwrs S n v >u d e n , der das neue Angebot der Mächte gegenüber den britischen Anforderungen als ungenügend erklärt, hat die Verwirrung in den Konferenzkreisen bis aus den Höhepunkt gesteigert. Allgemein sagt man den Zu- saminenbruch der Konferenz für die allernächste Zeit voraus. Die französischen Staatsmänner erschöpfen sich in Erklärungen, sie würden an dem aussichtslosen Abenteuer Snowdens zur Zerstörung des NoungPlaues nicht mehr mitarbeiten. Frankreich lehne jede Schuld ab und müsse Snowden die Verantwortung überlassen. Der französische Ministerpräsident Briand will anscheinend verfitzen, »och im letzten Augenblick die Dinge aufzuhalten. Er h rt Dienstag früh einen Brief an den Konferenzvorsitzeu n I a s p a r gerichtet, in dem dargelegt wird, daß die j. fertige Einberufung einer Sitzung der sechs einlabc n Mächte erforderlich erscheine, um einen Zustand zu c= enden, der keinen Ausweg mehr biete. Die i t a 1 s c • nische Delegation hat dem Schreiben Briands zu- gestimmt; auch Snowden erklärte sich mit der Einben 3 einverstanden und wünschte dabei für den Fall des 1. brnches eine Plenarsitzung am Mittwoch. Die mittler :c auf Dienstag abend anberaumte Sitzung der sechs c>n- ladenden Mächte soll darüber entscheiden. j
Eine Fortsetzung der Konferenz erschien Dienstag um möglich, falls entweder die vier Mächte ein neues erhöhtes Angebot an England richten oder England sich mü dem alten zufrieden geben würde. Beide Teile erklären aber, daß sie auf keinen Fall sich auf diese Bahn begeben «MiWM^ gegeben worden sein, Deutschland sei an dem Angebot bei vier Mächte in keiner Weise beteiligt und von seiner Zu- stimmung zur Erhöhung des ungeschützten Teiles der deutschen Zahlungen und zum Verzicht auf den Überschuß aus dem Dawes-Plan in Höhe von 300 Millionen könne keine Rede sein.
' Der drohende Zusammenbruch der Konferenz müßte, wenn er tatsächlich eintritt, schwerwiegende und weittragende Folgen haben. Das britische Imperium würde sich damit endgültig von der bisherigen durch die französische Führung bedingten Politik auf dem europäischen Kontinent trennen. Die etwaige Zurückziehung der englischen Truppen aus dem Rheinland wurde die Aufrechterhaltung der französischen Besetzung geradezu als einen nicht mehr diskutierbaren Zustand erscheinen lassen.
Snowden sagt: „Unzulänglich!"
Die andauernden finanztechnischen Auseinandersetzungen der letzten Wochen haben in weiten Kreisen das Interesse für die Einzelheiten abgestumpft. Im großen und ganzen läßt sich feststellen, daß England bisher von Anfang an einen erhöhten Anteil an den deutschen Zahlungen von 48 Millionen im Jahre forderte, daß ihm aber auch durch das letzte Angebot der von Frankreich geführten Mächte nur 28 Millionen zugebilligt wurden. Mit zahlreichen Einzelauseinandersetzungen bezeichnet Snowden das als unzulänglich.
Es kommen sogar die verschiedenen Zinszahlen der einzelnen Länder dabei in Betracht. England will es sichtlich vermeiden, irgendeinen Zwang auf Deutschland auszuüben, der auf französischer Seite vielleicht gewünscht wird. Die deutsche Delegation soll aber in keiner Weise geneigt sein, irgendwie über den Uoung-Plan hinausgehende Belastungen auf sich zu nehmen, auch nicht auf die ihm zustehenden 300 Millionen aus den Überschüssen des Dawes-Planes zu verzichten.
Die Memlandräumung.
Dienstag fand eine Sitzung der vier an der Rhein- landfragc interessierten Mächte statt, die nach 1^ Stunden wieder abgebrochen wurde. Irgendwelche Fortschritte sind bei dieser Sitzung, an der die deutschen Vertreter selbstverständlich teilnahmen, nicht erzielt worden. Vielmehr begnügte man sich mit kurzen Erklärungen, daß in dieser politischen Frage mit Rücksicht auf die ungeklärte Lage der finanziellen Auseinandersetzungen jetzt nichts Entscheidendes getan werden könne. Die Weiter- verhandlung wurde deshalb ausgesetzt.
Anerkannt wurde, daß Deutschland alle Anstrengungen gemacht habe, um einen befriedigenden Ausgang der ganzen Konferenz mit schaffen zu helfen. Zu dem Entgegenkommen der Deutschen bei der sogenannten Ver - g l e i ch s k 0 m m i s s i 0 n im Rheinland wird noch gemeldet, diese Vergleichskommission würde nicht eine Fortsetzung der bisherigen Kontrolle bedeuten, sondern immer einen berechtigten Vertreter . Deutschlands unter ihren Mitgliedern haben und die Freiheit lassen, falls man mit der Entscheidung dieser Kommission in den einzelnen strittigen Fragen nicht zufrieden sei, den Völkerbund als Endinstanz anzurufen. Die Deutschen bestehen natürlich auf vorheriger Lösung der Räumungsfrage, ehe sie sich zur Vergleichskommission endgültig erklären. Auch Snowden soll dabei beharren, selbst beim Schertern
der Konferenz über die finanziellen Fragen dem deutschen Standpunkt das weiteste Entgegenkommen zu zeigen.
*
Sie AeichHnsnM ab 1. September.
Reichsfinanzminister Hilferding erklärte im Haag vor Pressevertretern gegenüber verschiedenen Angriffen, die Kassenlage des Reiches sei keineswegs, wie behauptet werde, ab 1. September außerordentlich rrnst; es seien keine Vorkehrungen für den Übergang vom Dawes- zum Noung-Plan getroffen worden; im Gegenteil seien die Dawes-Zahlungen im Haushaltsplan v 0 l l für die nächste Zeit eingesetzt worden, so daß auch die Ablehnung des Voung-Planes keine Schwierigkeiten für den Reichshaushalt herbeiführen würde.
Pessimisten und Optimisten im Haag.
Wenn die Konferenz scheitern würde.
über die Ergebnisse im H a a g bestehen zwei einander diametral entgegengesetzte Meinungen. Die pessi- m l ,t i s ch e Auffassung, bezüglich deren aber nicht vergessen werden darf, daß sie vorwiegend in den Lagern der beiden Streitenden zu suchen ist, wünscht offenbar wechselseitig den Eindruck der U n e r b i t t l i ch k e i t zu erwecken
bezeichnet Konzessionen als unmöglich, deshalb den Abbruch der Konferenz als sicher.
Die 0 p t i m i st i s ch e Auffassung hat eine Reihe von Argumenten für sich, die nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen sind. Die sachliche und vergleichsweise höfliche Ausdrucksweise Snowdens in seinem gestrigen Absagebrief, der die ausdrückliche Ablehnung der Vorschläge vermeidet, die er in längeren Darlegungen als unzulänglich bezeichnet, weiter die Verweisuna auf den
MH
Die letzte Etappe
„Graf Zeppelin" im Endspurt.
Abfahrt von Los Angeles.
„Graf Zeppelin" ist am Dienstag vormittag um 9.16 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Flugplatz in Los Angeles nach L a k e h u r st als dem Endziel der vierten und letzten Etappe der Weltreise gestartet.
Trotz der mitternächtlichen Stunde — 9.00 Uhr vormittags mitteleuropäischer Zeit ist in Los Angeles 12.00 Uhr Mitternacht — hatte sich zum Start des „Graf Zeppelin" eine schierunübersehbareMenschen- menge eingefunden. Alle Zufahrtsstraßen waren mit Automobilen. Krafträdern und fonftiaen Faibrzeuaen ver
stopft. Eine Zeitlang sah es so aus, als sollte sich der Start noch längere Zeit verzögern, um so mehr, als aus Tucson im Staate Arizona Gewitter stürme gemeldet wurden. Kurz nach Mitternacht (Ortszeit) wurde dann das Luftschiff zur Mitte des Flugfeldes gezogen und die Spitze nach Osten, der Zielrichtung, gedreht. Nur mit Mühe konnten die Wachmannschaften die immer wieder herandrängenden Zuschauermengen zurückhalten. Als sich dann gegen 12.16 Uhr (Ortszeit) das Luftschiff langsam erhob, kannte die Begeisterung der Menge keine Grenzen.
Nach dem Aufstieg verschwand der Zeppelin sehr bald im Dunkel des östlichen Horizonts. Die Verspätung bei der Abfahrt erklärt sich daraus, daß die Post und die Passagiere erst mit beträchtlicher Verspätung den Flugplatz erreichen onnten, da die Landstraßen kilometerweit von den Automobilen derer verstopft waren, die den Abflug miterleben wollten.
Ein Zwischenfall beim Start.
. . Beim Start kam es zu einem Zwischenfall, da die
Snowdenschen Wunsch nach Abhaltung einer Plenarsitzung zu einem späteren Zeitpunkt, nach dem die einladenden Mächte erst heute unter sich die Lage erörtert haben werden; und schließlich die Durchführung der politischen Verhandlung über die mit der Räumung zusammenhängenden Fragen, wenn auch deren Ausgang kein praktisch brauchbarer war.
Dazu kommt auf der Seite der Optimisten die Überzeugung, daß man die bisher erreichten Teilergebnisse nur höchst ungern wieder in Frage stellen möchte. Sie liegen für uns zunächst auf politischem Gebiet, betreffen also die Frage der V e r g l e i ch s k 0 m Mission, ferner die noch unabgeschlossene Behandlung der Räumungsfrage und das Anschneiden des Saar- Problems. Auf finanziellem Gebiete ist die Feststellung des Young-Planes als der Höchstgrenze der deutschen Leistungsfähigkeit trotz der internen Schwierigkeiten der Gegner oder vielleicht sogar gerade durch sie zu verbuchen, weiter die Inangriffnahme der Komiteearbeiten, die Vorbereitung der Überführung aus dem Dawes- und in das Voung-Regime, und schließlich die Klärung der Sachlieferungsfrage. Das alles sind Teilergebnisse oder im Werden befindliche Resultate, an denen die übrigen Mächte zwar in verschieden hohem Maße interessiert sind, deren Erhaltung oder Sicherung aber selbst bei einem Scheitern der gegenwärtigen Verhandlungen schon wegen der darauf verwendeten Mühe notwendig und wünschenswert erscheint"
Beide Parteien sind sich jedenfalls darüber einig, daß ein einfaches A u s l ö s ch e n der ganzen Haager Konferenz, als ob sie nicht gewesen wäre, also ein Scheitern, nicht eintreten könne und dürfe, daß man deshalb entweder doch noch zu einem vorläufigen Ergebnisse kommen, oder unter Weiterverfolgung der erwähnten Teilergebnisse auf diplomatischem Wege, um einen Ausgleich der Gläubigerdifferenzen herbeizuführen, die Konferenz bis zu einem nach der Völkerbundversammlung liegenden Zeitpunkt aussetzen werde.
Schwanzflosse kurz naa) dem wusste tgeu eine elektrische. Hochspannungsleitung streifte. Als man im Luftschiff bemerkte, daß der Aufstieg sich nicht rasch genug vollzog, wurde eine ziemliche Menge Proviant in Gestalt von vollen Konservenbüchsen, Tee und Gemüsen über Bord geworfen. Eine drahtlose Mitteilung des Luftschiffes besagt, daß die Beschädigungen, die das Hängenbleiben an der Leitung verursachte, nur unbedeutend sind, und nicht die Absicht besteht, die Fahrt deshalb zu unterbrechen. . ___
„Graf Zeppelin" über Arizona.
Numa (Arizona). Der „Gras Zeppelin" wurde hier um 4.43 Uhr früh (1.43 Uhr mittags mitteleuropäische^ Zeilt gesichtet. Er fuhr augenscheinlich mit erhöhter Geschwindigkeit die auf annähernd 160 Stundenkilometer geschätzt wurde. u
Am Sonntag Start nach Friedrichshafen?
Rewyork. Wie das Bureau der Hamburg-Amerika Linie erklärt, beabsichtigt Dr. Eckener, vier Tage nach Ankunft in Lakehurst, also etwa am kommenden Sonntag, mit dem „Graf Zeppelin" den Rückflug nach Friedrichshafen anzutreten.
„Graf Zeppelin" zur Überfliegung der Niagarafälle eingeladen.
Niagarafalls. Die Stadtbehörden haben Dr. Eckener auf funkentelegraphischem Wege ersucht, die Niagarafälle zu überfliegen. Falls der „Graf Zeppelin" di- Fälle während der Nacht überfliegen sollte, wird er durch Niesenscheinwerfer von insgesamt 2500 Millionen Kerzenstärk» beleuchtet werden. _,j
Die Flugroute -es „Graf Zeppelin".
Empfangsvorbereitungen in Newyork.
„Graf Zeppelin" befand sich um 16.54 mitteleuropäischer Zeit über M a r i c 0 p a, etwa 50 Kilometer südöstlich von Phönix (Arizona). Das Luftschiff flog sehr hoch. Es hatte bei klarem Wetter gegen einen leichten Gegenwind anzukämpfen.
Dr. Eckener hat sich anscheinend mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten, die sich für den schwer belasteten „Graf Zeppelin" bei dem Versuch, größere Höhen zu erreichen, ergeben würden, veranlaßt gesehen, das Felsengebirge in seinen südlichen Ausläufern, die eine verhältnismäßig geringe Höhe aufweisen, zu überfliegen.
Die Stadt Newyork beabsichtigt, einen großartigen Empfang des Luftschiffes zu veranstalten. Umfangreiche Vorbereitungen wurden bereits zu diesem Zwecke getroffen. Dr. Eckener selbst wird feierlichst im Rathause von Newyork durch die Spitzen der Behörden begrüßt werden.
Staatssekretär Dr. Meißner, der zurzeit in Washington zu Besuch weilt, wird in Begleitung des Botschaftsrats Dr. Kiep nach' Lakehurst fliegen, um Dr. Eckener bei Beendigung des Weltfluges des „Graf Zeppelin" die Glückwünsche der Reicksreaieruna zu übermitteln.
Schwerer Unfall in einem italienischen Steinbruch.
Messina. Durch Absturz eines Steinblocks von ungefähr 1000 Tonnen Gewicht wurden in einem benachbarten Steinbruch zwei Arbeiter zerschmettert, während zwei andere schwer verletzt wurden.