Hersfel-erTageblatt
yersfel-er Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
mit bea Deilaaea: Illustriertes Auterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / Auterbaltuua und Wissen Belebruua uuS Kur,weil / Wirtschaftliche TageSfrageo.
Nr. 199
Montag, den 26. August 1929
T9. Jahrgang
Um den Kuhhandel im Haag.
Um den Termin der Räumung.
Die an der Rheinlandfrage interessierten Mächte traten Sonnabend abermals zusammen, um über die Fragen der Räumung und der Vergleichskommission zu verhandeln. Die Diskussion war lebhaft, hielt sich aber in versöhnlichen Formen. Eine Veränderung der Sachlage wurde nicht erzielt, doch soll der allseitige Wille zu einer Verständigung sich bemerkbar gemacht haben. Abends wollte man weiterverhandeln. In der Nacht zum Sonnabend hatte eine Sitzung der Finanzdelegierten über die Sachlieferungen stattgesunden. Hauptsächlich beschäftigte sie sich mit der englischen Forderung, die sich bekanntlich aus 48 Millionen Mark beläuft. Es sei von einer Erhöhung des englischen Anteils auf 36 Millionen die Rede gewesen. Über diese Fragen wurde auch Sonnabend weiterverhandelt. England wünscht eine bestimmte Beteiligung an der Kohlenversorgung Jta- l i e n s. überhaupt war der Sonnabend durch eine ziemliche Regsamkeit bei den verschiedenen Kommissionen ausgezeichnet. Man wollte auf jeden Fall einige Teilergebnisse sichern, wenn auch die Gesamtverständigung noch nicht in Aussicht stand.
Zuverlässig verlautete, daß der englische Vertreter Snowden sich gegenüber den neuen Angeboten noch immer stark reserviert verhält und nicht gesonnen sei, von seinem ursprünglichen Standpunkt etwas abzulassen. Die französische Presse macht für alle Schwierigkeiten einzig und allein die unnachgiebige Haltung Snowdens verantwortlich. Deutschland verlange auf alle Fälle eine Verkürzung der Räumungsfrist. "Darüber müsse aber endgültig die Französische Kammer entscheiden.
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Die Räumung des RhemLandes.
Der englische Außenminister H e n d e r s o n hat an Dr. Stresemann nach Mitteilungen des Havasvertreters im Haag ein Schreiben gerichtet in dem er die Absicht der britischen Regierung bestätigte, ihre Truppen aus dem JUiUjuUttM^^ UH» nnauvaimm UV", Noung-Plan zÜrüAzüziehen. Wenn die praktische Durchführung der Räumung und die Finanzangelegenheiten geregelt seien, könnte die Räumung durch die Engländer Mitte September beginnen und mnerhalb dreier Monate durchgeführt werden. Dr. Stresemann forderte, wie gesagt wird, die gesamte Räumung bis zum 1, Januar. Französische Militärs hätten zwar den 1. September 1930 als angemessen bezeichnet, eventuell aber den 1. April oder 1. Mai 1930 in Betracht gezogen.
Bei all diesen Auseinandersetzungen über die verschiedenen Räumungstermine tritt aber immer wieder klar die Absicht hervor, Deutschland irgendwie mit neuen Zahlungen, die über den Young-Plan hinausgehen, zu belasten und ihm dafür gleichsam eine etwas kürzere Frist bis zur Räumung anzubieten.
Fortsetzung der Kontrolle?
Die Königin der Niederlande veranstaltete ein Diner für die Hauptdelegierten der an der Haager Konferenz beteiligten Mächte. Sämtliche Gäste wurden der Königin durch den holländischen Außenminister vorgestellt. Auch der Prinzgemahl nahm an dem Essen teil. Die Tafelmusik begann mit dem Vortrag des „Friedensboten" von Wagner. Nach dem Abschluß des Essens unterhielten sich die Delegierten in angelegentlichen Gesprächen über die schwebenden Angelegenheiten. B r i a n d soll noch immer unentwegt an dem Plan einer „Vergleichs- und Feststellungskommission", mit anderen Worten einer Kontrollkommission im Rheinland auch nach Abschluß des Young- Plans festhalten. Von deutscher Seite wird bekanntlich der schärfste Widerspruch gegen diese unberechtigte Forderung erhoben.
Französische Militärs im Haag.
Räumungsvorschläge der Besatzungsmächte.
Zu den Verhandlungen über die Räumungsfrage im Haag, an der die vier an der Rheinlandfrage interessierten Mächte teilnahmen, werden noch folgende Einzelheiten bekannt:
Die Sitzung am Sonnabend war nach 1% Stunden Dauer beendet. Wie verlautet, haben die Verhandlungen einen günstigen Verlauf genommen, über den Räumungstermin konnte zwar noch keine Klarheit erzielt werden, es steht jedoch zu erwarten, das? die Besetzungsmächte zu Be- ginn dieser Woche Deutschland bestimmte Vorschläge in dieser Frage unterbreiten werden, so daß, vorausgesetzt, das? auch in den finanziellen Fragen eine Einigung erzielt wird, die Aussicht besteht, daß sowohl über die Räumung selbst wie über alle damit zusammenhängenden Fragen eine Regelung zustande kommt. Die Delegierten der Besetzungsmächte werden am Sonntag und Montag zu diesem Zweck i n t e r n e B e s p r e ch u n g e n mit ihren militärische,i Sachverständigen führen. Eine erneute Sitzung der vier an der Rheinlandfrage interessierten Mächte ist für den kommenden Dienstag in Aussicht genommen. „
Wie Havas aus dem Haag meldet, werden die Erörterungen über die eventuellen Modalitäten der Räumung der dritten Zone fortgesetzt. Sie haben die Entsendung militärischer Sachverständiger nach dem Haag
EWWMstWhe im Rheinland
Zahlreiche Tote und Schwerverletzte.
Am Sonntag vormittag 8.04 Uhr entgleisten bei der Einfahrt in den Bahnhof Buir bei Düren Lokomotive und sieben Wagen des Schnellzuges Paris—Warschau. Getötet sind nach den ersten Feststellungen sechs und schwerverletzt zehn Fahrgäste, meistens Ausländer, jedoch dürfte sich die Zahl der Toten und Verletzten noch erhöhen.
Zu dem schweren Eisenbahnunfall bei Düren werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Bei dem verunglückten Zug handelt es sich um den planmäßig von Paris nach Warschau abfahrenden Schnellzug D. 23, der mit Reisenden bis aufden letzten Platz besetzt war. Die Unfallstelle liegt etwa 500 Meter von der Station Buir entfernt. Aus der Strecke werden Gleis- arbeiten vorgenommen, so daß der Verkehr auf ein Nebengleis umgelegt werden mußte. Der Lokomotivführer hatte in Düren schriftliche Weisung erhalten, auf dieser Strecke langsam zu fahren. Augenzeugen berichten aber, daß die Stundengeschwindigkeit schätzungsweise 90 Kilometer betragen habe. Es müsse daher angenommen werden, daß der Lokomotivführer sich an die Weisung nicht gekehrt habe. Die Unfall- stelle selbst bietet
ein Bild grauenhafter Zerstörung und unbeschreiblichen Durcheinanders.
Die, Maschine, die aus den Schienen geworfen ist, liegt mit dem Tender neben der Strecke. Der Pack- und Postwagen sind eine acht Meter hohe Böschung hinauf- geworfen und ineinandergeschachtelt. Der nächste Wagen, ein Wagen zweiter Klasse, ist vollständig zertrümmert, die folgenden wurden mehr oder weniger beschädigt, während der Schlafwagen quer über den Schienen steht. Man ist mit Schweißapparaten dabei, die Türen zu öffnen. Soweit dies nicht gelingt, werden
die Dächer versagen aufgerifsen und auf diese Weise die Toten und Verletzten geborgen. Sanitätswagen aus Köln und Aachen, über 60 Beamte und 100 Sanitäter sowie die Bevölkerung der Umgebung beteiligen sich an der Hilfsaktion. Bis 12 Uhr konnte man keine zuverlässigen Angaben über die Zahl der Toten und Verwundeten erfahren. Es verlautet aber, daß bis
12 Tote und 30 Schwerverletzte zu beklagen sind. Wieviele Personen noch unter den Trümmern liegen, kann noch nicht bestimmt werden, ebenso nicht die Namen der Verunglückten, weil die meisten ihre Papiere in den Reisekoffern haben. Bekannt wird, daß eine Dienstfrau und ein Packmeister getötet wurden, während der Führer des Zuges ein Bein verloren hat. Der Heizer rettete sich durch rechtzeitiges Abspringen. Das Krankenhaus in Buir vermochte die Toten und Verletzten nicht alle aufzuneh- men. Die Leichtverletzten wurden daher in die Krankenhäuser der Umgegend, zum Teil sogar bis nach Köln geschafft. Die Verständigung mit den Verwundeten ist sehr schwer, da sie meist nur ihre Heimatsprache beherrschen. Es handelt sich
zum überwiegenden Teil um Franzosen und Polen. Unter den französischen Fahrgästen befanden sich auch Mitglieder eines Pariser Schwimmklubs, die zu Wett- kämpfen nach Berlin und Warschau verpflichtet waren. Einem von ihnen wurde ein Bein abgequetscht, während die übrigen mit dem Schrecken davonkamen. Die Strecke ist für den V-Zug-Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Euskirchen. Der Personenzugverkehr wird durch Umsteigen aufrechterhalten. Man rechnet damit, daß es eine zweitägige Arbeit erfordern wird, bis die Strecke wieder befahrbar ist. An der Unfallstelle befindet sich der Vizepräsident der Reichsbahndirektion Köln, Grunzte, und die Reichsbahnoberräte Bonnemann und Sarlmann.
notwendig gemacht. So ist auch General Guitry, stellvertretender französischer Generalstabschef, dort eingetroffen.
Nach Abschluß der Besprechung der Rheinlandmächte
Nach Abschluß der Besprechung der Rheinlandmächte । eine etwa anderthalbstündige Aussprache der dn den nzfragen beteiligten Delegierten statt, an der sie Außenminister Dr. Stresemann, Briand und Die Besprechung galt der Formu-
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auch die
Hymans teilnahmen. L------------- „
lierung der von den vier übrigen Gläubigermächten an England zu machenden Vorschläge.
Sie Gonntagsverhandturigen.
Besprechung der Gläubigermächte mit deutschen Vertretern, Am Sonntag vormittag fand eine Sitzung der französischen, belgischen, italienischen und japanischen Delegierten mit den Reichsministern Curtius und Hilferdino statt, in der die Frage der Formulierung eines Angebotes der vier Gläubigermächte an England zur Befriedigung der englischen finanziellen Ansprüche befriedigt wurde Anschließend blieben die Delegierten dieser vier Macht« in Gegenwart Briands unter sich noch etwa eine Stund« zusammen. Diese Besprechung wurde dann nad)-" -^ zwischen ihnen weitergeführt.
Kommt Macdonald nach dem Haag?
Holländische Blätter entnehmen aus der Tatsache, das ein Ferngespräch zwischen dem britischen Schatzkanzlei Snowden und dem Premierminister Macdonald geführt wurde, daß das Bedürfnis nach Abhaltung eines englischen Ministerrats vor der Genfer Ratstagung auf du Weife befriedigt werde, daß Macdonald vorher nach dem Haag komme. In britischen Kreisen ist jedoch c M< Absicht nichts Näheres zu erfahren.
Dr Siresemann ist o^Mc.. .^
Eine Rundfunkrede des deutschen Außenministers.
Reichsaußenminister Dr. Stresemann sprach Sonnig mittag auf Einladung der holländischen Rundfunkvereimguntz für den Haager Sender. Er dankte dabei zunächst für die großzügige Gastlichkeit, die den Delegierten auf der Haager Konse- renz in diesem schönen Lande zuteil geworden sei. Er hab« S außerordentlich gefreut, den Haag kennenzulernen und anst i Geist und Charakter des Landes, in dem er zum erstenmal weilt, zu empfinden. Die Stille, Vornehmheit und die Schönheit des Meeres stünden im Gegensatz zu der Vorstellung vo« der Weltstadt, auf die wir uns zu Unrecht festgelegt hätten Dr. Stresemann sprach weiter von der-schönen Architektur, vor der Landschaft, die an Ostfriesland erinnere, und er verglick den Haag mit einer Insel der Ruhe, die uns alle mit helle. Freudigkeit erfüllt. In der Wahl des Ortes sehe er ein gutes Omen für das Gelingen der Konferenz trotz der Schwierigkeiten, deren Überwindung in den letzte« Wochen hier versucht worden sei. Die Aufnahme in den Niederlanden werde allen Teilnehmern in bestem Angedenken bleiben und wenn die Arbeiten zu einem Ergebnis führen, das eim Liquidation der bisherigen Gegensätze und damit einen Fort- schritt der Befriedung Europas bedeutet, so schloß bei Minister, dann hoffe er, daß die Haager Konferenz mit nicht zu verlöschenden Lettern in die Blatter der GeM^e ein- geschrieben werde.
ein englisches MMrsiUMUg abgefiörzt
Kairo. Ein Bickers-Viktoriaflugzeug für Trupporte ist mit sieben Mann Besatzung kurz nach d'- vom Flugplatz Heliopol <ogestnrzt. Drei 9.: der Pilot, war' i zMü' '.t^ p^r verletzt.
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Flotte Fahrt über den Stillen Ozean
Die Vorderettungen in Los Angeles.
Die Fahrt des „Graf Zeppelin" über den Stillen Ozean geht flott voran. Die Geschwindigkeit richtet sich ganz nach der Wetterlage und beträgt, sofern keine Gegenwinde herrschen, etwa 100 bis 130 Kilometer in der Stunde. Sonnenschein, Regen und Nebel wechseln ein- ' “ " # nach seinem Abflug aus Tokio
.....jinem Sturm zu kämpfen, der es Die Sturmzone war aber bald durch- Passagiere konnten in aller Ruhe ihre
ander ab. Besonders tut;
mit einem
Die Datumsgrenze überflogen.
Am Sonnabend abend hat der „Graf Zeppelin" den 180. Meridian, die internationale Datumsgrenze in der Mitte des Stillen Ozeans, überflogen. Dabei gewann das Luftschiff einen Tag, so daß die Passagiere also Sonn-
Luftschiff einen Tag, so daß die Passagiere abend nacht zu Bett gingen und nach Verlcn am Sonnabend morgen wieder aufwachten.
Auf dem Flugplatz in Los Angeles wird eine Patrouille von zehn Flugzeugen bereitgehalten, die bei Annäherung des „Graf Zeppelin" aufsteigen wird, um ihm den Weg zum Ankerplatz freizuhatten. Sie wird das Luftschiff bis zur erfolgten Verankerung in einer Entfernung von 500 Meter umkreisen und alle anderen Flugzeuge zwei Meilen vom Luftschiff entfernt halten. Während der Landungsmanöver dürfen keine Flugzeuge vom Flugfeld aufsteigen oder landen.
In Newyork hat sich ein Empfangskomitee gebildet, das damit beschäftigt ist, unter Mitwirkung der deutsch- amerikanischen Verbände ein großzügiges Programm zum Empfang des „Graf Zeppelin" auszuarbeiten. Es ist beabsichtigt, die Führer und die Besatzung des Luftschiffes
den Weg zum
„Graf Zeppelin" auszuarbeiten. Es ist be- Führer und die Besatzung des Luftschiffes in einer großen Parade von der Battery, der Südspitze
der Stadt, zum Rathaus zu geleiten.
Säbel oder HirsM^Lr?
Die Bewaffnung der Landjäger.
Die preußischen Landjägerbeamten hielten in Berlin ihren Verbandstag ab. Auf der Tagesordnung der Beratungen stand als einer der Hauptpunkte die Frage der Bewaffnung. Der Minister des Innern hatte vor einiger Zeit angeordnet, daß die preußischen Landjäger an Stelle des alten Säbels mit Hirschfängern auszurüsten seien. Dagegen macht sich bei den Landjägern Widerstand bemerkbar. Viele halten die angestammt« Waffe für schöner, viele halten sie aber auch für praktischer
Der Verbandstag beschäftigte sich dann noch mit wirtschaftlichen und beruflichen Fragen, so mit der Schaffung besserer Wohlfahrtseinrichtungen für die Hinterbliebenem Dem Verband gehören sämtliche 9000 y- ’ hm Hgndq jäger an. , j
Massenverhaftungen von Sowjetbürgern in der Mandschurei.
Moskau. Nach einer Meldung der Telegraphenagentur der Sowjetunion werden von den Stationen der Ostchinesischen Eisenbahn täglich Hunderte verhafteter Sowjetbürger, häufig mit ihren Familien, nach Charbin gebracht. Die Zahl der Verhafteten, für die in der Nähe von Charbin neue Konzentra- tionslager errichtet würden, belaufe sich bereits auf 5000.