Nachlaß gewährt. ❖ Kür öle Schristleitung verant- worrlich: Kranz Kunk in Hersselö. ♦ Kernsprecher Nr. S
Hersselöer Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö mit den Beilagen: Illustriertes Aaterhaltuugsblatt / Nach Feierabeub / Herd und Gcholle / MnterbaUnno und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Taaesfrageo.
Nr. 198 (Erster Blatt) Sonnabend, den 24. August 1929
79. Jahrgang
Galgenhumor.
Babylonische Verwirrung. — Unterricht im Kopfrechnen. Der Teufel am Kragen.
Alles was recht ist, die Herren Diplomaten, die sich im Haag um das Wohl ihrer Länder und daneben angeblich auch um den allgemeinen europäischen und den Weltfrieden bemühen, machen es diesmal der ihren schier endlosen Winkelzügen mit ungläubigem Staunen folgenden Menschheit wirklich nicht leicht, Ruhe und Geduld zu bewahren. Es wird den Völkern etwas zuviel zugemutet bei diesem Gezänk um Beuteteilung, bei diesem Kuh- und Pferdehandel, bei dieser Nichtachtung eigener feierlicher Versprechungen, bei dieser offensichtlichen Unfähigkeit zu großzügigen Entschlüssen. Es ist schon ein Elend, zu sehen, wie hier an sich gute und schöne Ideen verschandelt werden, selbst auf die Gefahr hin, daß schließlich alle Ver- ständigungshoffnungen zusammenbrechen, mit denen man sich die letzten Jahre hindurch unentwegt die Zeit vertrieben hat; wie Herr Briand die deutscher Vertreter zappeln läßt, als ginge ihn ihre fast schon verzweifelte Lage nicht das mindeste an; wie Herr Snowden nur die britischen Interessen gelten lassen will, als hinge von ihrer Wahrung einzig und allein die Wiederaufrichtung einer vernünftigen Ordnung in der Welt ab; wie der eine Staatsmann nur darauf bedacht zu sein scheint, seinen Gegner bei diesem Endspurt zu übertölpeln, indem jeder im Haag Beteiligte aus der Generalabrechnung des großen Krieges für sich und sein Land noch möglichst kostbare Happen herausholen müßte.
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Kein Wunder, daß bei solcher babylonischen Verwirrung hier und da der Galgenhumor durchbricht und mit scharf zugespitzten Witzworten über Situationen hinweg- zukommen sucht, die keine Meisterhand mehr bewältigen zu können scheint. Der eine erinnert an einen Ausspruch von Roosevelt, dem verflossenen Oberhaupt der Vereinigten Staaten, der da meinte, einmal könne man auch die W i tz i g st e n hineinlegcu, ein zweites Mal aber nur die D u m m k ö p f e. Und er fügte hinzu, daß England
""""'* „‘^- -W"“ MsM^U As- M^r>L..üM -Lus Dummköpfen zusammengesetzt sein werde. Der andere läßt sich dahin vernehmen, einige der Finanzsachverständigen der Souderkommissionen sollten erst Unterricht im Kopfrechnen nehmen, da sich doch tatsächlich herausgestellt habe, daß grobe Rechenfehler in diesem Young- Plan vorhanden seien. Und ein dritter prägte, vierzehn Tage, nachdem die Konferenz mit ihren Arbeiten begonnen hatte, das Wort, es werde sich — am Anfang der dritten Woche — nunmehr entscheiden, ob die Konferenz endlich anfange, oder ob sie bereits beendet sei. Ganz nette Späße für so ernste Sachen, und sie haben ja vielleicht auch etwas dazu beigetragen, die führenden Geister der im Haag versammelten Delegationen zu einer letzten und entscheidenden Kraftanstrengung aufzupeitschen. Aber wer kann bei dem kläglichen Schauspiel, das hier wieder einmal der Welt geboten wird, im Grunde noch daran glauben, daß diese Herren überhaupt gewillt oder imstande seien, den berühmten Strich unter die Vergangenheit zu ziehen oder endlich die ganze Arbeit zu leisten, mit der allein sie sich den Ehrennamen von Staatsmännern ver- ' wird fortgewurstelt und fort
dienen würden? Es
gestümpert, als wenn Europa gar, keine Zeit mehr zu verlieren hätte. Das Völkchen merkt eben den Teufel nicht, obgleich er es d-^ ^"" ■'—g-""g Am
Kragen gepackt hält.
doch schon empfin^'-n genug am
Wenden wir unseren Blick von dieser unerquicklichen Konferenz der deutschen Heimat zu, so gibt es da allerdings nichts zu lachen. Selbst dem nachsichtigsten Zeitgenossen kann wohl im Anblick der neuesten Begebenheiten auch die Neigung zum Galgenhumor vergehen. Von heute auf morgen ist plötzlich einer der größten und angesehensten Versicherungskonzerne schmählich zusammengebrochen. Wieder spielt in diesem Falle ein ungewöhnlich junger Mensch, der ohne ausreichende Kontrolle schalten und walten durfte, wie es ihm beliebte, eine verhängnisvolle Rolle, unb man wird danach wohl doch allmählich zu der Frage genötigt, ob unsere Jugend, die so stürmisch zur Führung in Staat und Wirtschaft drängt, die für diese Aufgabe erforderlichen nicht nur sachlichen, sondern auch moralischen Eignungen besitze. Allerdings, in einem anderen Falle, der auch in diesen Tagen die Öffentlichkeit besonders stark beschäftigte, ist ein altangesehenes großes Berliner Geschäftshaus mit dem Freitod seines letzten Inhabers zusammengestürzt, der die Sechzig bereits überschritten hatte. Aber hier lag wohl keine persönliche Schuld dieses Mannes vor, der vielmehr nur die übermächtig gewordene Ungunst der Zeitverhältnisse nicht zu besiegen wußte und einen Kampf aufgab, der für ihn jeden Sinn verloren hatte. Soviel läßt sich jedenfalls aus diesen traurigen Erscheinungen entnehmen: der gewaltigen Umwälzung aller Lebensmächte, deren Zeugen wir sind, ist schlechthin alles ausgesetzt, was als Gebild aus Menschenhand zu gelten hat. Und wir stehen gewiß noch lange nicht am Ende dieser katastrophalen Entwicklung.
Dr. Sy.
Der Reichspräsident zur Gemsjagd in Fall.
Fall bei Lenggries. Reichspräsident von H?n- denburg ist in Begleitung seines Adjutanten, Oberstleutnants von Hindenburg, zur Gemsjagd in Fall eingetroffen. Der Reichspräsident machte die gewohnten Purschgange. Die Jagd ist durch Nebel und Regen etwas behindert.
Ueber dem Großen Ozean
Der geglückte Start.
Der Start des „Graf Zeppelin" erfolgte, wie ergänzend aus Tokio gemeldtzt wird, am Freitag früh genau 7.12 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Trotz des zunächst recht ungünstigen Wetters hatten sich schon in den frühen Morgenstunden aus dem Flugfeld von Kasumigaura
große Menschenmengen
eingefunden, um dem Abflug des „Graf Zeppelin* beiwohnen zu können. Der Befehl zum Ausbringen des Luftschiffes aus der Halle wurde gegeben, nachdem sich der heftige Wind gegen Mittag gelegt hatte. Mit äußerster Vorsicht schleppten die japanischen Marinemannschaften den Zeppelin, der vorher noch einmal von Dr. Eckener und seinen Offizieren genau besichtigt worden war, ins Freie. Als der Bug des Luftschiffes im Hallentor sichtbar wurde, brach die Menge
in begeisterte Banzai-Rufe
aus. Der Start erfolgte bei bewölktem Himmel. Er ging glatt und ohne jeden Zwischenfall vonstatten. Wenige Sekunden nach dem Kommando „Taue los!* erhob sich „Graf Zeppelin" unter dem Jubel der Zuschauer in die Lüfte. Mit großer Schnelligkeit stieg er auf etwa 500
So sieht eine Fahrkarte für die ^Zeltfahrt mit dem Lcppe.tu aus.
Meter Hohe, während die Passagiere aus der Gondel die letzten Abschiedsgrüße winkten. Nach einer kurzen Schleife entschwand das Luftschiff, von einigen japanischen Flugzeugen begleitet, am Horizont.
Von den Zuschauern hatte ein großer Teil heroisch den ganzen Tag über ausgeharrt, um trotz der Verschiebung des Starts zur Stelle zu sein, wenn das Luftschiff sich von, Boden löst. Das Gros dieser Enthusiasten bestand aus Landbewohnern. Auch Greise, Frauen und Kinder haben
die Pilgerfahrt zum Flugplatz
Beschlüsse der Gozial-emokratie.
Zur Reform der Arbeitslosenversicherung.
Die Vorstände der Sozialdemokratischen Partei, der Reichstagsfraktion und des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes waren am Freitag in Berlin zusammengetreten, um zur Reform der Arbeitslosenversicherung Stellung zu nehmen. Die bisherige Haltung der sozialdemokratischen Vertreter bei den interfraktionellen Verhandlungen wurde in allen Teilen gebilligt. Eine Kürzung der allgemeinen Versicherungsleistungen, wie sie nach dem Gutachten der Sachverständigenmehrheit durch Einführung einer Relation zwischen der Höhe der Arbeitslosenunterstützung und der Dauer der Anwartschaft bewirkt werden würde, wäre mit dem ersehnten Ziel nicht in Einklang zu bringen. Ebenso kann der vorgeschlagenen Verlängerung der Wartezeit nicht zugestimmt werden.
Beschlüsse -es Reichsstä-iebun-es.
Die Tagung in Kiel.
Die Tagung des Reichsstädtebundes hat Freitag auf der zweiten Vollversammlung als Ort für die nächste Mitgliederversammlung Leipzig bestimmt. Der geschäfts- führende Präsident des Reichsstädtebundes, Dr. H e k e l, begründete dann die Entschließung zum Finanzausgleich, in der bekanntlich darauf hingewiesen wird, daß die Belastungen der mittleren und kleinen Städte bis ins Unerträgliche gestiegen seien und eine stärkere Berücksichtigung
nicht gescheut. Die Zeit, die sie ausharren mußten bedeutete ihnen nichts im Vergleich zu der Tatsache, daß sie dabei waren, als das Luftschiff seine kühne Reise über den Stillen Ozean antrat.
In voller Fahrt. " ’
Nach dem Aufstieg schlug das Luftschiff nördliche Richtung ein und wurde in schneller Fahrt um 10 Uhr (M. E. Z.) über Taire, etwa 200 Kilometer nördlich von Tokio, gesichtet. Um 11.10 Uhr (M. E. Z.) befand sich „Graf Zeppelin" über der Stadt S a n n o h e an der Rordspitze der japanischen Hauptinsel H o n d o.
Um 9 Uhr abends japanischer Zeit (1 Uhr mittags mitteleuropäischer Zeit) haben die japanischen Funkstationen Funkmeldungen des „Graf Zeppelin" aufgefangen, in denen die Position des Luftschiffes mit 35 Grad 40 Minuten nördliche, Breite und 145 Grad 20 Minuten östlicher Länge angegeben war. Aus dieser Positionsmeldung läßt sich entnehmen, daß das Luftschiff in sechs Stunden etwa 360 Meilen in östlicher Richtung von Tokio zurückgeleg. hat.
Wie aus San Franzisko berichtet wird, ist die Positionsmeldung auch von dem Dampfer „Astral" aufgefangen worden. Wie die Positionsangabe anzudeuten scheint, ist Dr Eckener ostwärts auf das offene Meer hin- ausgesteuen, statt zunächst, wie es schien, einen nördlichen Kurs einzuschlagen. Wahrscheinlich geschah das in der Absicht, einem lokalen Sturmgebiet auszuweichen.
Dr. Eckener hofft in Los Angeles innerhalb 80 Stunden anzukommen, d. h., daß er am Sonntag abend die amerikanische Küste bei Seattle erreicht und in L o s Angel s etwa um 6 Uhr morgens pazifischer Zeit am Montan eintrifft.
Zeppelinstandort Freitag nachmittag.
Tokio. Der „Graf Zeppelin" gab um 14 Uhr mitteleuropäischer Zeit funkentelegraphisch als seine Position einen
Tokio an. Die Geschwindigkeit durfte etiva lOO Melken in der Stunde betragen.
Vorbereitungen in Los Angeles.
Los Angeles. Die letzten Vorbereitungen für die Verankerung des „Graf Zeppelin" werden beschleunigt. Der Flugplatz ist für das Publikum abgesperrt und steht unter scharfer Bewachung der Polizei und Marine. Im Umkreis von 300 Metern um den neuerrichteten Ankermast darf das Gelände Slbst von Flugplatzarbeitern nicht mehr betreten werden. Alle orbereitungen für die Gasmischung und für die Füllung des Luftschiffes sind beendet und die nötigen Rohrleitungen angelegt. Am Sonnabend treffen sechs Marineoffiziere und außerdem noch eine Sonderwache von 30b Marinesoldaten ein
„Graf Zeppelin" in Fahrt.
Südlicher Kurs.
Aus den Standortmeldungen des „Graf Zeppelin" bei der Fahrt über den Stillen Ozean am Freitag abend geht hervor, daß das Luftschiff, statt der Großzirkelroute zu folgen und sich in der Nähe der langgestreckten Inselgruppen zu halten, die sich von Japan bis nach Alaska hinziehen, einen südlichen Kurs verfolgt. Dr. Eckener bekundet dabei hinsichtlich der Wetterlage die gleiche scharfe Beobachtungsgabe, die schon bei den früheren Flügen den Erfolg gewährleistete. Obgleich das Luftschiff auf dem südlicheren Kurs eine größere Strecke zu bewältigen hat, so entgeht es doch dem ungünstigen Wetter, das nördlich seines jetzigen Standorts herrscht. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 96 Kilometer in der Stunde. Wenn diese Geschwindigkeit beibehalten wird, dürfte Los Angeles am Dienstag morgen 2 Uhr erreicht sein.
dieser Städte bei der Überweisung von Reichssteuern verlangt wird. Die Entschließung wurde gegen die Kommunisten angenommen. Die gemeinsame Erklärung aller Gruppen mit Ausnahme der Kommunisten über die Bedeutung der kleinen und mittleren Städte begründete Stadtrat Becker-Weimar. Auch diese Entschließung wurde gegen die Kommunisten angenommen.
Todessturz mit einem Wasserflugzeug.
Beim Training.
Beim Einfliegen eines neuen Wasserflugzeuges „M.67" in Rom, das zur Teilnahme am Wettbewerb um den Schneiderpokal bestimmt war, ist der stellvertretende Kommandant der Abteilung für Geschwindlgkelts- flüge, Hauptmann Giuseppe Motta, der an dem Wettbewerb teilnehmen sollte, gestern wenige Minuten nach dem Start mit seinem Flugzeug aus 100 Meter Höhe senkrecht ins Wasser gestürzt. Man schreibt das Unglück einem plötzlichen Ohnmachtsanfall des Piloten oder einem unvermuteten Defekt an dem Flugzeug zu. Es gelang nicht, Mottas Leiche und das Flugzeug alsbald aufzuflnden. Die italienische Mannschaft für den Wettbewerb um den Schneiderpokal hat unter Hinweis auf den traurigen Vorfall offiziell in England um eine Verschiebung des Termins für den Wettbewerb nachgesucht.