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HersfelüerTageblatt

Ünzelgenpreis: die einspaltige Petltzeile 15 Pfennig, die Keklamezeile 50 Pfennig. (Grundschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- Nachlaß gewährt. Kür die Schristleitung verant- wörtlich: Kranz Kunk in hersfelS. Kernsprecher Nr. 8

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis HersfelS

mit des Bellaaes: IllußrlerteS AnterhalluagSblatt / Nach Aeteeabend / Herd and Scholle / Auterbaltana vsk Wisse» Belehrung vub Kurzweil / WirtschaftliÄL Tsgesfraglo.

Nr 197

Freilag, den 23. August 1929

MonatllcherBezugspreis: durch die Post bezogen 1.50 Reichs-Mark, ausschließlich Öeffcßgelö, für hersseld 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustcüui-tz, für .Abboter 1.00 Reichs-Mark. * druck und Verlag von Ludwig Kunks Buchöruckerei in HersfelS, MitglieS des vdZV.

79. Jahrgang

Wir fragen.

Und abermals ging ein Tag vorbei bei den Verhand­lungen in der holländischen Residenz, ein Tag, von dem man endlich, endlich eine entscheidende Wendung-erwartet hatte und abermals muß mit niederschlagender Ent­täuschung konstatiert werden, daß Null und Null nur Null bleibt. Die große Besprechung bei sechs an der Liquidierung der Kriegsfolgen an erster und maßgebender Stelle interessierten Mächte brächte nur ein überaus dürftiges Resultat die Vertagung auf den andern Tag. Wieviel weitere Vertagungen werden sich noch an- schließen? über eines braucht man nicht im Zweifel zu sein. Die Vertretung der Deutschen machte sicher die nachdrücklichsten Anstrengungen, zu einem be­friedigenden Ende zu kommen. War sie es doch, die nach ermüdenden Stunden der Erfolglosigkeit, der erstaun­lichsten Vergeudung von Kraft und Zeit das entschiedene Verlangen stellte, nunmehr müsse eine deutliche Bewegung nach dem gesetzten Ziel unternommen werden.

Wie war es doch? Die allgemeine Erkenntnis von der Unzulänglichkeit des Dawes -Vertrages, die Einsicht, Deutschland könne seine Lasten nicht länger tragen, hatte zu neuer Beratung über Revisionsmöglich- kcit gedrängt, und die zu diesem Zwecke berufene Kom­mission arbeitete in Übereinstimmung in Paris den Doung-Plan aus. Er bringt weiß der Himmel, nur geringe Erleichterungen für den nun einmal in diese Eigenschaft gezwungenen deutschen Schuldner, er nimmt ihm kaum etwas von der durch noch ein halbes Jahr­hundert zu schleppenden riesigen Bürde. Aber es sollte doch eine bestimmte Rechnung an die Stelle der bis­lang ins Nebelhafte gehenden Forderungen der Gläu­bigermächte gesetzt werden, eine Rechnung deren Schluß­summe wenigstens festaufdemPapierstand. ^Selbstverständ­lich mußte damit verbunden sein die Erledigung der aus der Kriegsverwicklung und dem Diktatsrieden von Ver­sailles reftierenben Unmöglichkeiten, die verhängnisvoll aer Beruhigung Europas und der Gesundung seiner Wirtschaft widersprechen. Die Aufrechterhaltung der

vereinbar mit aufrichtiger unb sauberer Bilanz. Deutsch­land muß Atem holen können, soll es nachhaltig an der Abtragung der zu übernehmenden Verpflichtungen arbei­ten können, , c,

Was geschah? Im Haag versammelten sich die führenden Staatsmänner Englands, Frankreichs,Italiens, Japans, Belgiens mit Einschluß Deutschlands, also die Hauptbeteiligten; der Young-Plan sollte, in Einzelheiten vielleicht noch korrigiert, vom 1. September d. I., dem Ablaufstermin des Dawes-Vertrages, sanktioniert werden. Gleichzeitig mit diesem wirtschaftlichen Problem sollte das politische, eben die Rheinlandräumung, Lösung finden.

Es kam anders. Seit beinahe drei Wochen vertreiben die Staatsgewaltigen der Gläubigerstaaten im Haag sich die Zeit, besuchen einander, besprechen sich, zersplittern sich in Ausschüsse, veraustalten Spezialdebatten und ge­rieten allmählich in hinterhältige Busch- und Hecken- gefechte, die weit ab von der gebotenen Richtung führten. Richt mehr vom Doung-Plan war die Rede, nicht von der Freilassung der Rheinlande, sondern nur von der größeren oder geringeren Quote, die jeder von bet herausgehan- delten deutschen Beute einzustecken wünschte. England fühlt sich, vielleicht nicht ganz mit Unrecht, dnrch die über­aus gewaltigen Ansprüche Frankreichs, um dessentwillen ja der ganze Krieg nach dessen Ansicht geführt worden ist und dem die anderen selbstverständlich Heeressolge und Sukkurs zu leisten hatten geschädigt und protestiert. B r i a n d will auf keinen Pfennig verzichten, sträubt sich hartnäckig gegen jede Zusage in bezug auf den Rhein, er fürchtet den Zorn der ziemlich unsicheren Deputierten- kammer daheim. Italien möchte sich ebenfalls eine kleine Extrawurst braten, Belgien weicht in Vasallentreue nicht vom französischen Wimpel ab und Japan sieht keinen be­sonderen Anlaß, sich für den britischen Konkurrenten im Fernen Osten zu erwärmen. Die Deutschen, obwohl Teilnehmer der Konferenz, aber schließlich doch das Ob­jekt der Veranstaltung und schwerlich von entscheiden­den, Einfluß, waren gezwungen, dem Getue und dem Ge- müchel, den Sophistereien und nichtsfördernden Redens­arten ohnmächtig zuzusehen. Die Erfüllung ihrer wohl­berechtigten Erwartungen wich in immer weitere Fernen zurück. Anzuerkennen und begreiflich, wenn sie, lange genug übergeduldig, einen Stein in die zur Versumpfung neigenden Konferenzgewässer warfen, wenn sie die übrigen Mächte zu einem klaren Entschluß aufriefen. Besser Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende!

Der 1. September steht vor der Tür, die Finanzlage des Reiches ist höchst ungeklärt. Was soll mit uns werden, sollen wir unter den Fesseln des Dawes-VertrageS weiter vegetieren, allmählich zugrunde gehen oder wird der Doung-Plan Gesetz für uns? Erhalten wir das Rheinland zurück, ist man auf der Gegenseite ehrlich ge- Willi, die wirkliche Friedensatmosphäre wiederherzn- stellen, damit wir in den Stand gesetzt werden, an unserem eigenen unb damit an dem Aufbau der Gesamt» wirtschaft, der Herstellung der Völkersolidarität mit- zuwirken?

Danach mußten wir angesichts der im Haag ein* gerissenen Verworrenheit fragen und unsere Beauftragten haben die Frage laut und vernehmlich erhoben. Der zu­nächst noch undeutliche Widerhall , kann nicht befriedige^.

Don Vertagung zu Vertagung

Erfolglosigkeit der Haager Konferenz

Abermalige H i n a u s s ch i e b u n g.

Auch der zweiten Besprechung der sechs einladenden Mächte im Haag am Donnerstag war kein anderes Schick­sal beschieden, als derjenigen vom Tage vorher. Die zweite Besprechung wurde auf Freitag nachmittag vertagt. Dann soll nochmals ein Versuch zur Förderung der schwebenden Angelegenheiten gemacht werden. Der deut­sche Reichsminister Dr. S t r e s e m a n n nahm in der Aussprache, über die keine offizielle Mitteilung gemacht wurde, mehrfach das Wort, um den Standpunkt Deutsch­lands zu vertreten. Zweifellos wies er erneut daraus hin, Der deutsche Vorstoß zur Beschleunigung der Beratungen und zur Hinlenkung auf die Hauptpunkte, die Inkraft­setzung des U o u n g - P l a n e s am 1. September und die Erledigung der Rheinlandfrage, sei dringend notwendig gewesen. Tritt der Uoung-Plan am 1. Sep­tember nicht in Kraft, so entsteht ein Vacumn, das bei der kritischen Finanzlage des Reiches zu wenig wünschens­werten Folgerungen führen kann. Der Vorsitzende, der belgische Ministerpräsident Jaspar, faßte die Ergebnisse der Diskussion vor der Beratung dahin zusammen: Der deutsche Antrag habe allen Beteiligten die Notwendigkeit vor Augen geführt, solange zusammen zu bleiben, bis eilte glückliche Lösung gefunden worden sei.

Die privaten Unterhaltungen über die Konferenz­arbeiter sollten alsbald fortgesetzt werden, und einstimmig wurde durch die Delegierten der Meinung Ausdruck gegeben, man müsse zu Schlußfolgerungen gelangen, die man in der neuen Zusamenkunst am Freitag offiziell '^o. legen könne. Auch die Sitzung der vier an der Rhein-

anbfngc interessierten Mächte wurde mit Rücksicht auf die im Gange befindlichen Arbeiten auf Freitag vertagt.

Die Lage tm Haag zum Schluß des Donnerstags läßt sich dahin charakterisieren, dah allgemein nur noch MWMWMW.i <w**u* «WMMWjuMW»»! j* M>K«WW

Der schwierige Siari in Tokio.

DieZeppelinfahrtüberdenStillenOzean.

Nachdem der Start desGraf Zeppelin" am Mittwoch abend von Dr. Eckencr verschoben werben mußte, wurde er für Donnerstag mittag 2 Uhr angesetzt. Die Passagiere begaben sich kurz vor der festgesetzten Zeit an Bord des Luftschiffes. Wieder harte sich eine Riescnmenge auf dem Flugplatz eingefnuben, um von dem bewunderten Luft- riefen Abschied zu nehmen. Im letzten Augenblick ent­schloß Dr. Eckener sich infolge der vorliegenden ungünstige» Wettermeldungen, den Start noch einmal aufzuschieben, bis sich die Wetterverhältnisse über dem Stillen Ozean ge­bessert haben.

Warum der Start verschoben wurde, w®*

Der Schaden am LuftschiffGraf Zeppelin", der Dr. Eckener zwang, seinen Start zu verschieben, stellte sich als ganz oberflächlicher Art dar und konnte leicht

Das Rathaus von Los Angeles, wo der Besatzung und den Fahrgästen desGras Zeppelin' ein feierlicher Empfang bereitei wird.

ausgebessert werden. Lediglich die Streben der Hinteren Gondel haben, als das Luftschiff beim Verlassen der Halle ..... Bruchschaden erlitten. Außerdem ist die Gondel und des darunter befindlichen

sich senkte, einen ! Außenwand der Gond........ Kordes leicht beschädigt worden.

geringe Hoffnung aus einen günstigen Abschluß der Kon­ferenz besteht. Man sprach ganz offen von der drohenden Möglichkeit, daß spätestens zum Sonnabend eine entschei­dende Wendung e,«treten müsse, sonst sei der Zusammcn- brnch der Konferenz unaufhaltbar und weitere Verhand­lungen überflüssig. Dann müsse einstweilen Schluß ae- macht werben

Sollten inzwischen die Außenminister an der Genfer Völkerbundtagung teilnehmen müssen, so könnte der gesamte Apparat der Konferenz mit sämt­lichen Ausschüssen entweder nach Genf oder an einen anderen Ort verlegt werden, wo man ständig mit den leitenden Leuten in Fühlung bleiben könne.

Bei der in der ersten Sitzung der sechs einladenden Mächte durch den Reichsminister Dr. StresemaNn ver- lesenen Erklärung wurde als Kern der deutschen Förde- rungen bezeichnet, Deutschland müsse unter allen Um- standen ab 1. September nur die Young-Zahlungen leisten, da es selbst keine Schuld daran trage, daß der Plan nicht am 1. September Tatsache werde. In diesem Sinne müsse eine Übergangsregelung getroffen werden. Auf Deutsch- land falle keine Verantwortung dafür, sondern nur au» die Gläubigermächte, die sich aus eigener Verschuldung nicht einigen könnten.

Einzelbesprechungen im Haag.

Hinzuziehung deutscher Delegierter.

In Verfolg des gefaßten Beschlusses, die Verständi­gung durch Einzelbesprechungen vorzubereiten, fand Donnerstag nachmittag eine Besprechung der vier Gläu­bigermächte, mit Ausnahme Englands, zum ersten Male unter Hinzuziehung deutscher Delegierter statt. Dabei waren die Reichsminister Dr. Curtius und Dr. Hilferdrng zugegen. Es wurde vornehmlich die Frage der Sachliefc- rungen behandelt. Diese Besprechung ging abends weiter.

M.

^^^^^^^---- Wirtschaftssorgen desGras geleitn".

Zur Auffüllung der Vorratskammer des Luft­schiffes wurden 50 Flaschen Sekt, 50 Flaschen Wein sowie Whisky und Liköre ausgenommen. Der Biervorrat wurde nicht ergänzt. Obwohl man damit rechnet, daß der Flug über den Pazifik nur drei bis vier Tage dauern wird, nahm derGraf Zeppelisi" genügend Proviant an Bord, um die 20 Passagiere und 41 Mann der Besatzung sechs Tage lang voll verpflegen zu können. Auch eiserne Rationen für den Notfall sind ausgenommen worden. Der Proviant ist in Metallbehälter verpackt und wird durch Trockeneis frisch erhalten.

Für das Mittagessen des ersten Flugtages ist das folgende Menü vorgesehen: Gänseleberpastete, Sar­dinen, Kraftbrühe, gedämpftes Huhn, Spargel und son­stiges Gemüse, Salat, Speiseeis und Obst. Die Vorrats­kammer des Luftschiffes enthält auch die japanische Delika­tesse Sukiyaki.

über dem größten Meer der Erde.

Die Fahrt, dieGraf Zeppelin" auf der dritten Etappe seiner Weltreise zurücklegt, geht über die größte Wasserfläche der Erde, deren Ausdehnung über 150 Millionen Quadratkilometer beträgt. Die Gäste Dr. Eckeners werden auf dieser Fahrt einen regen Schiffs­verkehr unter sich sehen, denn der Stille Ozean ist von zahlreichen regelmäßigen Schiffahrtslinien durchkreuzt. Zwischen dem japanischen Hasen D o k o h a m a und San Franzisko verkehren viele modern ausgestattete Passagierdampfer unter japanischer und amerikanischer Flagge. Sie legen die Reise in durchschnittlich vierzehn Tagen zurück; die kürzeste Fahrtdauer wurde mit zehn Tagen erzielt. Auch für Segelschiffe ergeben sich auf dem Stillen Ozean günstige Fahrtverhältnisse durch die dort herrschenden Windströmungen. Für eine Fahrt mit dem Segelschiff rechnet man von Japan nach Amerika mit 4 5 Tagen, für die Gegenfahrt aber mit 9 0 Tagen.

Der Start des Graf Zeppelin auf unbestimmte Zeit verschoben.

Kasumigaura (Meldung der Associated Pr>ß.)

Der zuletzt für 5 Uhr 40 angesetzte Start des Graf Zeppelin ist nunmehr auf unbestimmte Zeit verschoben worden, da sich infolge der fortdauernd ungünstigen Windverhältnisse das Herausbringen des Luftschiffes aus der Halle sehr schwierig gestalten würde.

Line deutsche Schiffsmannschaft gerettet.

Sonnabend in New York.

Kapitän Beson vom DampferPräsident Harrison" funkte dem Newhorker Bureau der Dollar Steamship Co., daß es seinen Leuten gelungen sei, 26 Mann, das ist die gesamte Mannschaft des deutschen DampfersQuimistan", der im Ozean brennend gesichtet worden war, zu retten. Nähere Einzelheiten über die Rettung wurden nicht an­gegeben. Der Dampfer trifft Sonnabend in Newyork ein.