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Kersfel-erTageblatt

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Bei Wiederholungen wird ein entsprechender preis» w

Nachlaß gewährt. Kür die Schristleitung verant- -

wörtlich: Kranz Klink in Hersfelö. * Kernsprecher Nr. 8

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.50 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für tjersseld 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellm-tz, für Abholer 1.0S Reichs-Mark.« Druck und Verlag von Ludwig §unks Buchdruckerei in Yersfeld, Mitglied des yDZV.

mit Des Beilagen: Illustriertes Anlerhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herb and Scholle / Anterballong und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Taaesfrar ea. ______

Donnerstag, Den 22 August 1S2g

70. Jahrgang

Die Dritte Etappe

So» Tokio nach Los Angeles.

Graf Zeppelins Südseefahrt.

Der Weg von Tokio nach Los Angeles, denGraf Zeppelin" auf der 3. Etappe seines Weltfluges zurücklegt, hat eine Länge von rund 8500 Kilometern. Bei einigermaßen günstigen Wetterverhältnissen kann der Zeppelin diese Strecke in 84 Stunden zurücklegen, während die großen Passagierdampfer bei einer Geschwindigkeit von 20 See­meilen für die gleiche Strecke 17 Tage benötigen. Der Zeppelin kann also bereits am Sonnabend mittag (europäische Zeitrechnung) in Los Angeles eintreffen. Die amerikanische und japanische Marine haben alle Vor­bereitungen getroffen, um den Zeppelin während seiner Fahrt laufend mit Wetternachrichten zu versehen. Inter­essant ist, daß der Zeppelin auf seiner Fahrtroute

die sogenannte Datumsgrenze, den 180. Längengrad, passieren wird. Das hat zur Folge, daß er bei Erreichen der Grenze, also voraussichtlich 24 Stunden nach seiner Abfahrt von Tokio, einen Kalender­tag z w e i m a l e r l e b t. Je nach der Zeit, zu der er die Datumsgrenze überfliegt, wird er also, da er bereits an einem Donnerstag (nach japanischer Zeitrechnung) ge­startet ist, entweder den Donnerstag oder den Freitag doppelt erleben. Er darf also einen Tag lang seinen Kalender nicht abreitzen.

Japans Zeppelinbegeisterung.

Viele tausend Personen besuchten den Flugplatz Ka­sumigaura, nm das LuftschiffGraf Zeppelin" zu be­wundern. Die Mannschaften sind von den Japanern überreich beschenkt worden, so daß sie die Geschenke nicht alle im Zeppelin mitnehmen können und gezwungen sind, sie mit gewöhn­licher Post nach Hause zu schicken.

Die Briefmarkensammler und der Zeppelin.

4t>MWmM schiff führt nur M ~ ~ "

Deutschland m

ch erneut wieder Post für Amerika und nit. Die Briefmarkensammler aus ganz Ostasien bestürmen die Botschaft, um Briefumschläge und

Postkarten mit dem Stempel des Zeppelinfluges zu er­halten. Sie bieten teilweise sehr hohe Smnmen dafür. Die Portosätze für die Zeppelinpost von Tokio nach Los Angeles betragen 1 Dollar, nach Newyork 1,50 Dollar, nach Friedrichshafen 2,50 Dollar. Die in Japan auf­gelieferte Post belauft sich bisher auf 3000 Stück.

Neue Rekorde im Logbuch.

Das Logbuch desGraf Zeppelin" weist zahlreiche neue Rekorde auf. Wie Dr. Eckener mitleilte, sind von Friedrichshafen bis zum Augenblick des ersten über» fliegens der Luftschiffhalle auf dem Flugplatz Kasumi- ganra 11 020 Kilometer in 99 Stunden 40 Minuten zu­rückgelegt worden. Unter Einbeziehung der auf der Schleifenfahrt über Tokio und bei dem Abstecher nach Nokohama zurückgelegten Strecke steigert sich die Ge­sa m t k i l o m e t e r z a h l auf 11 200 Kilometer, die in 101 Stunden und 51 Minuten bewältigt wurde. Die Entfernung Berlin Tokio beanspruchte 95 Stun­den und 55 Minuten, die Überquerung A s i e n s 74 Stun­

den und 49 Minuten. Japan kennt alle Einzelheiten Zeppelinfahrten, von den Kämpfen mit dem Wetter dem Atlantischen Ozean bis zu den Schwierigkeiten den blinden Passagieren. In Kasumigaura sorgte dichter Kordon von Matrosen um die Luftschiffhalle für, daß nicht irgendein behender Japaner sich blinder Passagier einschleichen konnte.

der auf mit ein da- als

Japans Ministerpräsident an den Reichskanzler.

Anläßlich des Aufenthalts desGraf Zeppelin" in Tokio sandte der japanische Ministerpräsident an den R e i ch s k a n z l e r ein Telegramm, in dem er in sehr herzlichen Worten dem deutschen Volke die Glück- w ü n s ch e Japans übermittelt. Der Reichskanzler dankte in einem Antworttelegramm für den Gruß mit aufrich­tigen Wünschen für die glückliche Zukunft Japays.

Letzte Vordereitungen desGrasZeppeltn"

Die Vorbereitungen für die Pazifikfahrt desGraf Zeppelin" gingen glatt vor sich. Die Übernahme von Be­triebsstoff war bereits um 2 Uhr durchgeführt und die Füllung des Luftschiffes um 6 Uhr beendet. Auch Ver­pflegung für sechs Tage, Wein und Spirituosen, sind an Bord genommen worden. Auf dem Flugfelde Kasumi­gaura herrschte lebhaftes Treiben. Die Halle wurde stark bewacht, um ein neues Erlebnis mit einem blinden Passa­gier zu vermeiden. Die Zahl der Passagiere beträgt wiederum zwanzig. Von ihnen haben siebzehn die Fahrt von Friedrichshafen mitgemacht. An Stelle von drei aus Deutschland mitgereiften Japanern nehmen an der Fahrt nach Los Angeles drei japanische Marineoffiziere teil.

Dr. Eckener hatte den Passagieren des Luftschiffs mit­teilen lassen, daß für sie ein Sonderzug bereitsteht, der Tokio um Mitternacht verließ und auf dem Flugplatz Kasumigaura um 2 Uhr eintraf, so daß dre Abfahrt um 4 Uhr japanischer Zeit (8 Uhr abends M. E. Z.) erfolgen konnte. Windstille und fast wolkenfreier Himmel bei Sonnenuntergang ließ günstiges Wetter erhoffen.

Im Laufe des Nachmittags waren Tausende und aber Tausende in Sonderzügen von Tokio nach Kasumi­gaura geeilt, mit dem festen Entschluß, die ganze Nacht auf dem Flugfeld auszuharren und dem großen Ereignis des Abflugs beizuwohnen. Ebenso waren lange Auto­mobilkarawanen nach dem Flugfeld unterwegs.

Wie der Vertreter der Hapag erklärte, mußten wäh­rend des Aufenthalts des Luftschiffs in Japan 40 Be­werber um Passagierplätze für die weitere Fahrt wegen Platzmangels zurückgewiesen werden.

Der Start desGraf Zeppelin" aufgeschoben.

Kasumigaura, 22. August. (Meldung der Associated Preß). Infolge eines geringfügigen Unfalls ist der Start des Luftschiffes Graf Zeppelin ausge-

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Die Fluglinie von Tokio nach 80B Angeles.

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Das deutsche Verlangen nach Entscheidung.

Der verhängnisvolle 1. September.

Ist am 1. September der Noung-Plan im Haag nicht unter Dach und Fach gebracht, so wäre automatisch der Zwang für das Fortbestehen des Dawes-Planes gegeben. Nach dem bisherigen schleppenden Verlauf der Haager Konferenz, bei der namentlich durch die englisch-sranzösi. schen Reibungen stark gewachsenen Aussicht der Verzöge­rung aus weite Sicht, erschien der am Montag unter­nommene Vorstoß der deutschen Delegation durchaus an­gemessen. Die Note der Deutschen verlangte kurz und knapp, die außer Deutschland teilnehmenden fünf Mächte möchten in einer sofortigen Besprechung die Lage prüfe» und nunmehr ernstlich zu einem Entschluß kommen, da der

1. September vor der Tür stehe. Würde bis dahin keine Klarheit geschaffen, so könnte man und diese Ansicht wird in ganz Deutschland geteilt mit dem ergebnis­losen Auseinandergehen der Konferenz rechnen. Die deutsche Ansicht, deren Bekanntgabe ziemliche Erregung im Haag hervorrief, ist auf Verständnis gestoßen. Schon für Mittwoch nachmittag wurde die verlangte Sitzung der sechs Mächte, einschließlich Deutschland, einberufen und man setzte voraus, daß Reichsautzenminister Strese­mann in einer prinzipiellen Rede die Notwendigkeit einer Entscheidung für Deutschland betonen würde.

Von anderen wichtigen Ereignissen liefen nebenher die erste Unterredung zwischen dem französischen Minister­präsidenten Briand und seinem hauptsächlichsten Geg­ner, dem englischen Schatzkanzler Snowden, ferner die Fertigstellung des Berichies der Finanzsachverstän­digen der fünf Gläubigermächte. Offiziell wird versichert, die Unterredung zwischen Snowden und Briand sei zwar herzlich verlaufen, aber Snowden habe auch jetzt nicht die Absicht, auf die von den anderen Mächten projektierte Verteilung der deutschen Leistungen einzugehen. Er be­harre dabei, daß sowohl Frankreich wie Italien in dem vorliegenden Young-Plan zu Ungunsten Englands über­mäßig bevorzugt wären. Die Annäherung der Staaten könne nur geschehen, wenn man England entgegen- kommen werde.

Mehrheit und Minderheit.

Der fertiggestellte Bericht der Finanzsachverständigen läßt keinen Ausgleich der abweichenden Ansichten er­kennen. Es ist zwar ein gemeinsamer Bericht übergeben worden. Aber er enthält zwei Gesichtspunkte und zwar eine Minderheitsentschließung und einen Mehrheitsvor­schlag. Frankreich wendet sich mit den übrigen Mächten gegen die englischen Ansprüche. Die Minderheitsansicht geht aber dahin, daß England mit seinen Forderungen im Recht sei.

So war die Situation am Mittwoch und man konnte

schoben worden. Das Luftschiff, das bereits zum Aus­stieg fertig gemacht war, wurde in die Halle zurückge­bracht. Es ist zweifelhaft, ob der Start zu dem ange- küudigten Flug noch heute erfolgen kann.

Der mißglückte Start des Graf Zeppelin.

Kasumigaura, 22. August. Ueber den miß­glückten Start des Graf Zeppelin wird noch berichtet: Sämtliche Paffagiere des Luftschiffes hatten sich um 3 Uhr 47 nachts an Bord begeben und um 4 Uhr 04 sollte die Bodenmannschaft den Graf Zeppelin aus der Luft­schiffhalle herausziehen. Drei Minuten später, als das Luftschiff gerade das Freie erreicht hatte, stieß infolge eines fehlerhaften Schienenwagens die hinterste Motoren­gondel auf den Erdboden auf. Durch den Stoß wurden zwei Streben gebrochen. Um 4 Uhr 15 wurde das Luftschiff in die Halle zurückgebracht. Dr. Eckener stieg sofort aus und begann den Schaden zu untersuchen.

nur hoffen, daß endlich die vorgeseyene Beratung nach dem deutschen Verlangen einen Schritt nach vorwärts bedeuten würde. Sollte das nicht der Fall sein, so würde der bisherige Wirrwarr fortdauern und unter Umständen das Scheitern des Uoung-Planes sowohl wie damit das gerechtfertigte Verlangen Deutschlands auf endgültige Regelung, verbunden mit der Rheinlandräumung, unab­sehbar hinauszögern.

Zürich als Sitz der Internationalen Bank?

Ein belgisches Blatt erklärt, von einer hochstehenden Persönlichkeit im Haag über das Schicksal der Inter­nationalen Bank folgende Einzelheiten in Erfahrung ge­bracht zu haben. London und Paris, so hätte diese Per­sönlichkeit gesagt, würden sich vorläufig noch den Rang streitig machen. Doch würde man sich nicht einigen können und daher sowohl Paris wie London als Sitz für die zukünftige Bank ausscheiden. Auch Amsterdam und Brüssel hätten auch keine Aussicht, gewählt zu werden. Man könne mit Bestimmtheit annehmen, daß Z ü r i ch die meisten Stimmen auf sich vereinigen würde.

Die Vorgänge im Haag.

Besprechungen über Besprechungen.

Die Sitzung der Delegierten der sechs einladenden Mächte der Haager Konferenz, nämlich Deutschland, Eng­land, Frankreich, Italien, Belgien und Japan, dauerte am Mittwoch über 254 Stunden. Gegen 8 Uhr wurde mit­geteilt, die Verhandlungen würden Donnerstag vormittag

Briand im

Der Mittwochnachmittag brächte in erster Linie die Besprechung der vier Rheinlandmächte, die auf Nach­mittag 4 Uhr anberaumt war und wieder im Hotel der englischen Delegation stattfand. Sie dauerte 1% Stunden. Ihr war eine einstündige Besprechung zwischen Reichs­außenminister Dr. Stresemann und dem französischen Ministerpräsident Briand vorausgegangen, zu der sich Briand im Hotel der deutschen Delegation eingefunden hatte. Als Ergebnis der Viererbesprechung kann vor­läufig sestgestellt werden, daß am Freitag nachmittag eine Sitzung des Vollkomitees der Konferenz stattfinden soll, das seit Wochenfrist nicht mehr zusammengetreten ist.

Von französischer Seite werden in dem der Mehr- Heits- und Minderheitsmeinung wiedergebenden Bericht der Finanzkommission die Vorschläge auf Schaffung eines ständigen Überwachungsausschusses im Rheinlande aufrechterhalten.

Die finanziellen Erörterungen scheinen sich jetzt auf den Versuch einer stärkeren Inanspruchnahme Italiens zu- zuspitzen. Der italienische Delegierte, Senator Pirelli, hatte eine längere Unterredung mit dem englischen Schatz­kanzler Snowden, wie hier verlautet, um die um ein Viertel höhere Beteiligung Italiens an den vom Boung- Plan vorgesehenen deutschen Leistungen gegenüber seiner bisherigen Quote unter dem Dawes-Plan näher zu be-

gründen.