hersfel-erTageblatt
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SäB] Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfel-
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mit dea Beilagen: Illustriertes Anterhaltungsblatt / Nach Feierabend / Herd asö Scholle / AnterbsUrma und Wittes Belehrung und Koerweil / Wirtschaftliche Togesfrogen.
W 195
Mittwoch, den 21. August 1929
79. Jahrgang
Mehr Bewegungsfreiheit!
Reichsbahn und Young-Plan.
In der Öffentlichkeit ist die Nachricht aufgetaucht, daß in einer Konferenz zwischen der Reichsbahngesellschaft und den beteiligten Reichsressorts über eine Erhöhung der Reichsbahntarife verhandelt worden sei. Es wurde so hingestellt, als ob wir in absehbarer Zeit mit einer Erhöhung der Bahntarife zu rechnen haben. Man kann sich denken, daß diese Mitteilung in allen Kreisen großes Aufsehen erregt hat; haben doch Tariferhöhungen eine allgemein verteuernde Wirkung. Von der Reichsbahn ist die Meldung von der Tariferhöhung in gewissem Sinne dementiert worden. Es wurde von ihr darauf hingewiesen, daß man erst den 15. September abwarten müsse, ehe man sich darüber schlüssig werden könne, wie der bei der Reichsbahn entstandene Ausfall zu decken ist. Zu diesem Zeitpunkt wird es sich übersehen lassen, welche Folgen der Young-Plan für die Reichsbahn haben wird. Es ist immerhin erfreulich, zu sehen, daß die Reichsbahn an sich von einer Tariferhöhung nichts wissen will, da sie ja deren Folgen kennt.
Die Verwaltung der Reichsbahn befindet sich allerdings in einer schwierigen Lage. Durch Schiedsspruch ist ihr aufgegeben worden, die Arbeiterlöhne zu erhöhen, während ihr andererseits' bisher die Möglichkeit , genommen war, für die Mehrausgaben die notwendigen Mittel herein',«bringen. Der Verkehr selbst hat sich nicht so gesteigert, daß durch ihn die Mehrkosten gedeckt werden konnten. Da lag dann natürlich nichts näher, als an eine Tariferhöhung zu denken. Aber dieser Weg konnte infolge des Widerstandes des Reichsverkehrsministe- riums nicht beschritten werden. Es muß nun aus andere Weise versucht werden, hier eine Deckung zu finden. Man hofft, daß der Young-Plan der Reichsbahn die nötige Beweglichkeit wiedergibt, um ihre Interessen nach eigenem Ermessen wahrnehmen zu können.
Der Dawes-Plan hat die Reichsbahn in eine Art Ztvi'ttersMung gebracht. Sie selbst ist Eigentum des Reiches geblieben. Gleichzeitig wurde sie aber zu einer selbständigen Gesellschaft gemacht, auf die das Reich nur ^^ Die A ibe bet
Sie Rchm des WeitsWnMes
Aenderungen im Versicherungsgesetz.
Der Reichstag soll im September beraten.
Im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages fand eine Besprechung mit den Vertretern der Kommunalverbände über die bevorstehende Reform der Arbeitslosenversicherung statt. Die vom Kabinett genehmigte Vorlage des Reichsarbeitsministers W i s s e l l ist den Mitgliedern des Ausschusses und dem Reichsrat mittlerweile zugegangen. Der Reichstag kann sich also in seiner Septembertagung mit dem Entwurf beschäftigen, den der Reichsrat sofort erledigen dürfte.
Die Vorschläge bringen eine Reihe von Änderungen der Arbeitslosenversicherung, wobei die umstrittene Beitragserhöhung um ^ Prozent auf anderthalb Jahre begrenzt wird. Durch die übrigen Änderungen sollen beträchtliche Ersparnisse erzielt werden, obwohl allerdings zunächst noch ein Defizit von 47 Millionen ungedeckt bleibt. Die Regierung nimmt an, daß auch für diese fehlende Summe bei den Verhandlungen im Reichsrat und im Reichstag Deckung gefunden wird.
Im Sozialpolitischen Ausschuß wurde nach der allgemeinen Besprechung beschlossen, am Mittwoch mit den Einzelerörterungen zu beginnen. Der Vizepräsident des Deutschen Städtetages, Dr. Fritz Elsaß, äußerte sich eingehend über die Haltung der Kommunalverbände zu den Reformplänen. Er führte aus: Über 40 Prozent des gesamten Zuschußbedarfs der Gemeinden entfalle auf die Wohlsahrtsfürsorge, 154 000 ausgesteuerte Erwerbslose waren aus kommunale Hilfe angewiesen, ferner hatte die
gemeindliche Wohlsahrt 150 000 von der Reichsanstalt ungenügend unterstützten Personen Zusatzleistungen zu gewähren. Eine Gesundung der Reichsanstalt durch Ersparnisse allein sei nicht möglich. Dr. Elsaß stimmte den Vorschlägen des Sachverständigenausschusses zu. Jede Reform der Arbeitslosenversicherung, die ausreichende Hilfe für die notleidenden Arbeitslosen außer acht läßt, führe zu einer stärkeren, die Finanzkraft der Gemeinden übersteigenden finanziellen Belastm regelung des Finanzausgleichs
. mg und erfordere eine Neu- Finanzausgleichs. ,, ^,„^,.,,
Aus dem Inhalt der Borlage.
Bei den vorgeschlagenen Änderungen treten hauptsächlich vier wichtige Punkte hervor: 1. wird die Wartezeit zwischen drei und 14 Tagen gestaffelt; 8. die Sozialrenten mit Ausnahme derjenigen für die Kriegsbeschädigten werden angerechnet; 3. die Krankenversicherung der Arbeitslosen wird neu geordnet, so daß die Reichsanstalt an die Krankenkassen entsprechend geringere Beiträge zu zahlen hat; 4. die Unterstützungssätze in bezug auf die Saisonarbeiter sollen neu gestaffelt resp, geregelt werden.
Die dann noch übrigbleibende genannte Lücke von 47 Millionen entsteht dadurch, daß die Beitragserhöhung nur 54 und nicht, wie der Reichsarbeitsminister wollte, % Prozent betragen soll. Die finanzielle Neuregelung der Arbeitslosenversicherung geht aus von einer Zahl der Arbeitslosen von 1,1 Millionen. Vom 1. November bis 31. März wird mit 1% Millionen Arbeitsloser gerechnet. Der Gesamtaufwand für die Versicherung beläuft sich aus 1,119 Millionen, während bisher 840 Millionen eingingen.
Wie „Graf Zeppelin" in Tokio geehrt wird
trolle eingesetzt, besteht ja darin^tsinen ganz bestimmten festgesetzten Teil der Reparatwuslast in Deutschland auf- zubringen. Diese Summe.geht allen übrigen Ausgaben vor. Erst über den Rest^ver Einnahmen darf die Bahn nach eigenem Ermessen verfügen. Da ist es denn von ihrem Standpunkt aRs nicht zu verwundern, wenn die Bahn sich jeder Erhöhung anderer Ausgaben widersetzt. Deshalb sträubte sie sich auch gegen die Erhöhung der Arbeiterlöbne, wenngleich sie selbst zugeben mußte, daß die Löhne an sich ausbesserungsbedürftig waren.
Als die Bahn noch zur vollen Verfügung des Reiches stand, da war es ein Leichtes, durch Heranziehung anderer Etatsmittel die nötigen Ausgaben zu decken. Jetzt ist, solange der Dawes-Plan besteht, jede Möglichkeit hierzu genommen. All dies zeigt, wie notwendig es ist, daß das Verhältnis der Reichsbahn zum Reiche wieder geändert wird, d. h., daß das Reich wieder volles Verfügungsrecht über die Bahn erhält. In dieser Beziehung läßt der Young-Plan eine gewisse Unklarheit, die unter allen Umständen behoben werden muß. Das müßten auch unsere Gläubiger einsehen. Hier gibt es nur den Weg, daß der ganze Charakter der Reichsbahn geändert wird und daß sie wieder, wie es früher war, direkt dem Reichsverkehrsministerium unterstellt wird. Der Young-Plan macht das Reich zum Träger der Schuldenlast. Da kaun es doch gleichgültig sem, >v i e das Reich die Summe für diese Schulden aufbringt. Diese Aufbringung wird für das Reich um so leichter sein, wenn es über einen einheitlichen Wirtschaftskörper verfügt Die Wirtschaft braucht dann nicht jedesmal, wenn die Reichsbahn mehr Ausgaben nötig hat, zu fürchten, daß ihr durch Tariferhöhungen neue Lasten aufgebürdet werden. Bisher war es für die Reichsbahn auch schwer möglich, sich das nötige Geld für Verbesseruügen und Ver- kehrserleichterungen zu beschaffen. Bei dem jetzigen Zustande würde die Reichsbahn allmählich in ihrem Betriebe rückständig werden, so daß ihr Ertrag zurückgehen müßte. Also auch hier wird das Interesse unserer Gläubiger am besten gewahrt, wenn sie bei der Bahn jede Kontrolle aufgeben und dem Reiche nicht nur hier, sondern auch bei den anderen verpfändeten Steuern und Einnahmen seine volle Bewegungsfreiheit wiedergeben.
jetzigen Zu- em Betriebe
Zwei Sestemicher in der Türkei getötet.
Raubüberfall aus österreichische Ingenieure.
Auf dem schwedischen Bauabschnitt der anatolischen Eisenbahn erfolgte, wie aus Angara gemeldet wird, ein Überfall auf ein Baulager, der auf die Beraubung der Bankasse abzielte. Zwei österreichische Ingenieure wurden getötet. Die Räuber wurden vertrieben. Da dieser Überfall innerhalb weniger Wochen das zweite derartige Ereignis ist, trifft die Gendarmerie umfassende Maßnahmen. _________
Postflug von Bord der „Bremen".
Rewyork. Das Postflugzeug der „Bremen" ist um 6 Uhr morgens Dienstag etwa 160 Meilen von der amerikanischen Küste entfernt von Bord des Schiffes gestartet und traf am Lloyd-Pier in Brocklyn um 7 Uhr 50 ein. ^
vor aus
Don n e r S t a g.
im Kriege im Exil lebten, wird uns unvergeßlich bleiben. Die wundervollen und kultivierten Felder Japans über- trafen alle unsere Erwartungen. Ich wünsche dem japanischen Volk meinen herzlichsten Dank für sein Willkommen zu übermitteln." Dr. Eckener schloß seine Rede mit drei Banzais aus den japanischen Kaiser.
^w«»*ww a*"t*»- Temperaturen der vorhergehenden Tage doppelt unangenehm war. Dr. Eckener erhielt im Namen des Kaisers von Japan
zwei Silbervasen zum Geschenk, die übrigen Fahrtteilnehmer je einen Silberbecher. Sämtliche Passagiere äußerten ihre lebhafte Freude über den herzlichen Empfang, der ihnen in Tokio bereitet wurde.
Sofort nach dem Einbringen des Luftschiffes in die Halle wurde begonnen, die Brennstoff- und Traggas- Vorräte wieder anfzufüllen. Man rechnet damit, daß diese Arbeiten am Mittwoch beendet sein werden. Wenn das Wetter günstig ist, wird das Luftschiff am Donnerstag früh zur dritten Etappe seiner bewunderungswürdigen Weltreise starten.
Die Rekordzeit.
Die genaue Flugzeit, deren das Luftschiff „Gras Zeppelin" für den Flug Friedrichshafen—Tokio benötigte, beträgt 9 9 Stunden und 40 Minuten. Die Höchstgeschwindigkeit aus der Fahrt betrug 142, die Durchschnittsgeschwindigkeit 109 Kilometer.
Amerikanische Unterstützung des Zeppelinfluges.
Das amerikanische Küstenwachtschiff „Chelan" ist aus der zur Aleuten-Gruppe gehörigen Insel Attu ein- ' getroffen, um dem Luftschiff „Graf Zeppelin" bei seinem Flug über den Stillen Ozean nötigenfalls Hilfe zu leisten.
U Regelmäßiger Luftschiffverkehr Berlin—Tokio?
Auf dem Flughafen S t a a k e n, der von der Stadt Berlin zwecks Ausbau zum Zentralluftschiffhasen er-
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Lias Luftschtsf „Graf satzung und seine Passagier , des öffentlichen Interesses. Dr. Eckener sind nach der Lau
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dung unzählbare Glückwunschtelegramme aus aller Welt zugegangen. Eckener meinte dazu: „Verschafft uns zunächst einmal guten Schlaf und etwas Gutes zum Rauchen." Die Blätter sind des Lobes voll über die Haltung der Mannschaft des deutschen Luftkreuzers und unterstreichen die bescheidene Zurückhaltung ihres Führers, der aber trotzdem den großen Ehrungen und Festlichkeiten, die eine bewundernde Nation ihm geben wolle, nicht entgehen könne.
Der Kaiser von Japan
wird Dr. Eckener sowie die Offiziere und Passagiere des Luftschiffes in seinem Privatpalast zum Tee empfangen. Am Eingang des kaiserlichen Palastes werden die Gäste von dem japanischen Verband christlicher junger Männer empfangen werden, wobei die deutsche und die japanische Nationalhymne gesungen werden sollen. Im Anschluß an den Tee-Empfang im kaiserlichen Palast wird Dr. Eckener Gast des Verkehrsministeriums sein. Einen weiteren Empfang plant der japanische
Das Jmperialhotel in Tokio, wo die Fahrgäste des „Graf Zeppelin" wohnen und wo der offizielle Empfang ker Besatzung seitens des lapam- " schen Verkehrsministers stattfand,
Pfadfindern und, zahlreiche andere Verbände werden folgen. Die japanische Zeitung „Asahi" will den Zeppelinleulen ein riesiges Festessen geben. Am Mittwoch findet der große Empfang durch die japanische Regierung statt.
Die Radioansprache, die Dr. Eckener nach der Landung zur Begrüßung des japanischen Volkes hielt, lautete wie folgt: „Ich freue mich, in Japan gelandet zu sein. Ich hatte stets den Wunsch, das Land der ausgehenden Sonne und der Kirschblüten zu besuchen. Es ist dies ein Wunsch, der allen Deutschen eigen ist. Der Flug über die Wüsten Sibiriens, wo so viele deutsche Gefangene
worden wurde, beabsichtigt der Magistrat einen zweckentsprechenden hohen Ankermast zu errichten, der es ermöglichen soll, sowohl die deutschen, wie auch die großen, demnächst fertiggestellten englischen Luftschiffe, die den Verkehr zwischen England, Ägypten, Indien und Australien herstellen sollen, in sicherer und geeigneter Weise zu befestigen. Außerdem schweben seit langem gemeinsam mit dem Reichsverband der deutschen Industrie, der deutschen und der russischen Regierung Verhandlungen wegen eines regelmäßigen, transsibirischen Lustschiffverkehrs Berlin—Tokio. Für diesen Verkehr sollen deutsche Zeppelin-Luftschiffe verwendet werden. , .
e n,
Indien
Verhaftung eines Berliner Vankiers.
Berlin. Der Vernehmungsrichter beim Polizeipräsidium hat gegen den aus der Waldenburger Stadlanleiheangelegen- Heit bekannten Bankier Theodor Radtke einen Haftbefehl erlassen. Radtke wird beschuldigt, unter der Firma Berliner Kreditbank Aktiengesellschaft ungedeckte Schecks auf amerikanische Banken ausgestellt und in Verkehr gebracht zu haben, deren Höhe sich auf 30 000 Dollar stellen soll Bei seiner Befragung erkannte Radtke seine Unterschrift aus den Schecks an, erklärte aber, daß er imstande gewesen wäre, Deckung zu beschaffen. Demgegenüber ist durch Nachfrage bei der Newyorker Bank festgestellt, daß dort lediglich ein Konto in Höhe von einem Dollar nnd drei Cent besteht, daß also Radtke keineswegs in der Lage gewesen wäre, die großen Summen seiner Schecks abzudecken.