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Hersfel-erTageblatt

Kazetgrnprels: die einspaltige ', „

die Reklamezeile 50 Pfennig. (Srundschrist Bei Wiederholungen wird ein entsprecht Nachlaß gewährt. ❖ Kür die Schristleitung verant­wortlich : Kranz Kunk in Hersfeld.» Kernsprecher Nr. 8

WS Hersfelöer Kreisblatt

ZK^ ^r /inzeiger für -en Kreis Hersfelö

mit den Beilagen: Fllastri^^ ^ Fet linnaSblatt / Nach Feierabend / Herd nnd Scholle

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Nr 194

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Tritt der Reichstag bald zilsamirNL

Der Reichstag wurde Anfang Juli in die Soi?^ang ferien geschickt, nicht mit der sonst üblichen Vorausse^ren erst im Spätherbst wieder zusammenzutreten. Ang der außenpolitischen Lage und anderer dringender licher Maßnahmen erhielt der Präsident die Ern unter gnng, das Haus nach eigenem Ermessen zusamnnd im. berufen. Man rechnete damit, daß der Reichstaständen! August, spätestens Anfang September Wied ra" ei sammentreten müsse. ,en d>

Seit Anfang des Jahres hatte in Paris der r T" verständigenausschuß getagt und endlich den Aoung eb in fertiggestellt. Trotz vieler Schönheitsfehler und 5110$ vieler Bedenken auf allen Seiten hatten sich die betreffen­den Regierungen im allgemeinen auf den Boden des Planes gestellt, so daß man annehmen konnte, die Ver­handlungen zwischen den Regierungen selbst würden sehr schnell verlaufen. Es gab da aber zunächst das große Hindernis, daß man sich über den Beginn diese Handlungen nicht einigen konnte. Dazu kam b, giernngswechsel in England, der neuen Aufenthalt brächte. Dieser schien Frankreich gar nicht so un­angenehm zu sein, kam man doch um die unangenehme Pflicht herum, sich möglichst rasch über den Endtermin der R h e i n l a n d b e s e tz n n g äußern zu müssen. Nun schleppen sich augenblicklich die Verhandlungen im Haag zögernd weiter. Möglicherweise gehen sie aus wie das Hornberger Schießen, um in anderer Form im September während der Völkerbundtagung wieder aufzulehen. Aus den Haagverhandlungen läßt sich also zurzeit noch nicht übersetzen, wann der Reichs­tag wieder zusammentreten soll.

Wenngleich also die Stellungnahme des Parlaments zum N o u n g - P l a n noch in der Ferne liegt, so hat der Reichstag unter Umständen genug dringenden Be­ratungsstoff, der seine frühere Einberufung rechtfertigen dürfte. Da ist in erster Linie die Frage der Reform der Arbeitslosenversicherung. Welches Schmerzenskind das dabei bisher geübte Verfahren ist, haben wir in der letzten Zeit genügend erfahren. Ein tnÄeiS

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geführt auf die ZÜschußsummen, welche die Arbeitslosen- versicherung erforderte. Durch eine Reihe provisorischer Maßnahmen hat man es verhindert, daß das durch diesen Gegenstand in der Reichskasse entstandene Loch nicht größer wurde. Diese Maßnahmen haben aber große Un­zufriedenheit erregt, so daß die Reform unbedingt not­wendig erscheint. Um einen ungestörten Verlauf der späteren Reichstägsarbeiten zu ermöglichen, wäre baldige Klärung erwünscht. Zur Erledigung der Arbeitslosen- srage wäre eine Sondertagung des Reichstages wie ge­schaffen, da dieser dann nicht mit anderen gesetzgeberischen Arbeiten überlastet wäre und hier sozusagen das Feuer auf den Nägeln brennt.

Eine andere von den Parteien ebenso umstrittene Frage und zur Erledigung drängende Angelegenheit ist diejenige des Gesetzes zum Schutze der Repu­blik. Während die Ovposition hier keinen besonderen Wert auf das Wiederaufleben dieses oder eines ähnlichen Gesetzes legt, tritt ein Teil der Regierungsparteien sehr energisch für eine baldige Ersetzung des im Reichstage mangels einer Zweidrittelmajorität gefallenen Gesetzes durch ein neues ein. Gerade wegen der Meinungsver­schiedenheit wäre es im Interesse des inneren Friedens dienlich, wenn der hier vorhandene Zündstoff möglichst bald unschädlich gemacht würde. Wenn das Thema aus der öffentlichen Diskussion verschwände, so bedeutete das schon einen Gewinn.

Man wird allerdings sagen, daß es besser ist, erst den A o u n g - P l a n unter Dach und Fach zu bringen, weil eine Erörterung über innenpolitische Probleme leicht eine Krise hervorrufen könnte. Eine solche will man ver­meiden. Das haben die Regierungsparteien bezüglich des Arbeitslosenproblems zugesagt. Eine ähnliche Abmachung ließe sich auch beim Gesetze zum Schutze der Republik treffen. Ob das geschehen wird, sieht dahin, immerhin könnte eine plötzliche Einberufung des Reichstages kaum überraschen.

Zwischenfalle an der liiauisch- polnischen Grenze.

Polnische Übergriffe?

Die Litauische Telegraphenagentur teilt mit, daß bei Austrakalnis an der polnisch-litauischen Grenze zwei litauische Grenzwächter von drei Zivilisten durch Gewehr­schüsse angegriffen wurden. Die Z vilisten flüchteten dann auf polnisches Gebiet. Gleichzertig sei bei Olchna der Bauer Skavronas auf seiner nur 40 Meter von der Grenze gelegenen Besitzung von zwei polnischen Soldaten* und drei Zivilisten angegriffen worden, die ihn zu töten versuchten. Skavronas, der ihre feindseligen Absich: rechtzeitig bemerkte, habe sich in seine Scheune flücht... und mit der Schußwaffe in der Hand erfolgreich ver­teidigen können. Eine halbe Stunde später sei von der litauischen Grenzwacht in der Gegend zwischen den beiden genannten, etwa zwei Kilometer auseinanderliegenden Orten eine Gruppe von drei Personen bemerkt worden, die auf die Aufforderung, stehen zu bleiben, mit Gewehr­schüssen antworteten. Die litauische Grenzwacht habe daraufhin ebenfalls von der Waffe Gebrauch gemacht.

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^et ltungsblatt / Nach Feierabend / Herd und Scholle / AnkerballAva und Willen ®« m and Korrweil / Wirtschattüchk Tase-fragen.

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ujlienötag, den .20 August 1929

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79. Aahraang

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12000 Silometer io 100 Stunden

„Graf Zeppelin" in Tokio.

Der Jubel der Japaner.

Im Fernen Osten, im Bannkreis der japanischen Hauptstadt Tokio, ist „G r a s Z e p p e l i n" zu kurzer Rast auf seiner Weltfahrt niedergegangen. Als er am Montag mittag unter dem endlosen Jubel der Bevölke­rung von behenden japanischen Soldaten, die zu diesem Zweck vorher besonders ausgebildet worden waren, in die Luftschiffhalle gezogen wurde, da empfing mit weitgeöffneten Toren ein L a n d s m a n n den Weit­gereisten. Stand doch die japanische Zeppelinhalle früher auf märkischem Sande in Jüterbog, von wo aus sie nach dem Kriege als Reparationsleistung nach Japan gebracht worden war.

Der Jubel in dem festlich geschmückten Tokio war unbeschreiblich. In den Straßen wehten überall neben den japanischen Fahnen die Farben des Deutschen Reiches. Vor der deutschen Botschaft staute sich eine be­sonders große Menschenmenge, und der Flugplatz war dicht mit von überallher herbeigeeilten Menschen besetzt, die mit nicht endenwollenden Jubelrusen den deutschen Luftkreuzer begrüßten, als er nach einigen Schleifen zur Begrüßung der Stadt in majestätischem Fluge sich zur Erde senkte.

Die zweite Etappe der großen Weltfahrt des „Gras Zeppelin" ist glücklich beendet: Lake hurst— Friedrichshafcn, Friedrichshafen—Tokio. Auf der letzte» Wegstrecke hat Dr. Eckener mit seinem treuen Schiff rund 12 000 Kilometer zurückgelegt und dafür sticht viel mehr als 100 Stunden gebraucht. Eine n e u e R e k o r d l e i st u n g in der Schnelligkeit der

Dreser glänzende Erfolg w»rv vte Zuversicht in die Manövrierfähigkeit des Schiffes und seine sichere Führung noch weiter erhöhen und den Glauben an die Zukunft des deutschen Luftschiffes stärken.

Reichspräsident und Regierung gratulieren.

Der Reichsverkehrsminister hat an Dr. Eckener fol­gendes Glückwunschtelegramm gerichtet:

„In stolzer Freude über die von Ihnen vollbrachte großartige Verkehrslei stung spreche ich Ihnen zugleich im Namen des Herrn Reichspräsi­denten und der Reichsregierung herzlichste Glückwünsche zur Überwindung der s ch w i e r i g st e n Etappe des Weltfluges mit dem Luftschiff „Graf Zeppelin" und beste Wünsche für die Fortsetzung des Fluges aus. Die hervorragende Leistung von Schiff und Besatzung erfüllt das ganze deutsche Volk mit freudiger Genugtuung."

Außerdem liefen in Tokio zahllose weitere Glück­wunschtelegramme aus allen Teilen der Erde für Dr. Eckener ein.

Französische

Anerkennung für „Graf Zeppelin"

Das „Journal des Debüts" widmet dem Flug des „Graf Zeppelin" nach Tokio vorbehaltlose Worte der An­erkennung. Man kann sagen, so schreibt das Blatt, daß die ganze Welt seit vier Tagen mit gespannter Aufmerk­samkeit diese großartige Fahrt verfolgt hat. Wie sich auch der zweite Teil dieser einzig dastehenden Reise gestalten möge, ein beträchtliches, man kann sagen, unerhofftes Er­gebnis liegt schon jetzt vor. Man kann von Dr. Eckener nicht sagen, daß er „ein tapferer Soldat sei, der keine Ge­fahr kennt," er kennt sie, und seine Kühnheit ist deshalb um so verdienstlicher. Den wenigen, die ein solches Aben­teuer bestehen, wünscht man von Herzen Glück.

Nicht weniger aufrichtig spricht der „Paris Soir" seine KVyrM-M fern".1...'.«,! U! ÄlWWMM« Eindruck, nämlich, die vollkommene Zuverlässigkeit dieses großartigen Fluges. Es sind schon andere Flugtaten mit Erfolg ausgeführt worden, die uns Bewunderung ab- nötigten; aber allzu oft hinterließen sie den Eindruck, daß ein außergewöhnlicher Zufall ihr Gelingen begünstigt hat.

Zufall ihr Gelingen begünstigt hat.

Hier liegt jetzt der „Gras Zeppelm".

nffbadt im Flughafen Kasumigaura ber Totlo, der japanischen Militärluftschiffe, die jetzt die Halle für den Zeppelin geräumt haben. Die Halle har eine Länge von 240 Metern, eine Breite von 60 Metern und eine Höhe von 35 Metern.

Luftschtsse. Was aber noch weit mehr wert ist, das ist die Erbringung des Beweises, daß das Luftschiff imstande ist, sich einen sicheren Weg unter Umgehung gefährlicher und hinderlicher Luftströmungen und Witterungszonen zu suchen. Wenn Dr. Eckener nicht den ursprünglich ge­planten kürzesten Weg nahm, sondern eine nördlichere Bahn einschlug, so geschah es, um, wie der Seemann Riffe und Untiefen umschifft, unzuträglichen Winden und Unwettern aus dem Wege zu gehen. Er wollte den Kampf mit den Elementen vermeiden, und dies gelang ihm da­durch, daß er ihnen a usw ich. ,

Tinienfisch und Geishaianze.

Die Bewirtung der Zeppelingäste.

Das Luftschiff „Graf Zeppelin" wurde unter Mithilfe der 500 von der japanischen Kriegsmarine bereitgestellten Matrosen sicher in der Luftschiffhalle Kasumigaura unter­gebracht. Nach Erledigung der Zollformalitäten, die nur kurze Zeit in Anspruch nahmen, verließen die 20 Passagiere, die sämtlich wohlauf und in bester Stimmung waren, die große Halle, wobei jeder einzelne von der Volksmenge mit stürmischer Herzlichkeit begrüßt wurde. Noch auf dem Gelände des Lufthafens fand dann der formelle Empfang statt, bei dem Dr. Eckener und Admiral Takarabe Glück­wünsche austauschten. Auch während der Feier machte sich die Begeisterung der riesigen Menge in immer neuen Ausbrüchen Luft und wiederholt wurden die von Polizei und Militär gezogenen Absperrungen von begeisterten Zuschauern durcWrochen, die die Passagiere in der Nähe sehen wollten. Bet der Begrüßungsfeier wurde den Be­suchern aus Übersee ein leichter Imbiß nach japanischer Art, bestehend aus getrockneten Kastanien, ge­trocknetem Tintenfisch und Rei s w ein gereicht. Der Kommandant des Flughafens veranstaltete für die Offiziere und Mannschaften des Luftschiffs ein Diner, dem Geishatänze eine besondere japanische Note

gaben.

Eupen-Malmedy verlangt nochmalige Abstimmung.

Die Heimatpresse von Eupen und Malmedy hat einen Ausruf an die Bevölkerung und die Regierung Bel­giens veröffentlicht, in dem es heißt:

Von dem lebhaften Wunsche beseelt, daß in Zukunft auf das friedliche und einträchtige Zusammenleben der beiden Nachbarstaaten kein Schatten mehr fallen möge, halten die Unterzeichneten, nachdem auch das Deutsche Reich die Markfrage in einer gerechten und billigen Weise zu regeln zugesagt hat, den Zeitpunkt für gekommen, den Gerechtigkeitssinn und den Weitblick der belgischen Staats­männer anzurufen, damit der Bevölkerung von Eupen, Malmedy und St. Vith nunmehr endlich Gelegenheit ge­geben werde, nach freiem Willen über ihre Zukunft zu entscheiden!

Die Arbeit — Eupener Nachrichten — Eupener Zei­tung — Der Landbote — Malmedy — St. Vither Volks- stung. __

Start zu einem neuen Transozeanflug.

Lissabon. Der Schweizer Pilot Käser ist in Alberen mit seinem Eindecker „Jungschweizerland" in Begleitung eines Beobachters und eines Mechanikers zu seinem seit einiger Zeit angekündigten Flug nach Newyorl gestartet.

Schießereien in der Gieiermark.

Heimwehr und Sozialdemokraten.

In der Ortschaft St. Lorenzen in Obersteiermark kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Heimwehrleuten und Sozialdemokraten. Im Verlaufe eines heftigen Handgemenges fielen mehrere Schüsse. Ein Sozialdemo- krat wurde getötet, zehn Personen sind schwer, über 20 leicht verletzt worden. Von den Verletzten sind mittler­weile mehrere gestorben.

Es dauerte ziemlich lange, bis ein großes Aufgebot von Gendarmerie die Ruhe wiederhergestellt hätte. In St. Lorenzen hatte eine sozialdemokratische Versammlung stattgefunden, zu der auch politische Gegner erfchienen waren. Der Vorfall hat in ganz Steiermark große Er­regung ausgelöst. Man erwartet entscheidende Maß­nahmen der Regierung.

Auch in Knittelfeld (Steiermark) kam es am Sonntag zu Unruhen. Patrouillen der Heimwehr und des Republi­kanischen Schutzbundes durchzogen auf die Nachricht von den Zusammenstößen in St. Lorenzen bis zum frühen Morgen die Stadt. Die Gendarmerie hatte große Mühe, Zusammenstöße zu verhindern und den Schutzbund und die Heimwehren zu bewegen, die Patrouillen einzuziehen.