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HersfelöerTageblatt

Anzelgeaprels: Die einspaltige Petitzetle 15 Pfennig, Sie Reklamezeile 50 Pfennig. (Grunöschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- Nachlaß gewährt. * Kür die Schristleitung verant- wörtlich: Kranz Kunk in HersfelS. * Kernsprecher Nr. 8

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis hersfelS

Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.50 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Persfeld 1.20 Reichs-Mark bet freier yuftellm^, für Abholer 1.00 Reichs-Mark.» Druck und Verlag von Luowig Kunks Buchöruckerei in HersfelS, Mitglied des VVZV.

mit den Beilagen: Illustriertes AnterhaltungSblatt / Nach Füerabenv / Herd and Scholle / Anlerbaltsog und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche ToaeSfraaen.

Nr. 192

(erstes Blatt)

Sonnabend, den K. Nusust 1929

T9. Jahrgang

Hochstimmung.

Bis nttf weiteres. Spreu vor dem Wind. Bote des Friedens. Gute Miene, böses Spiel. Der kärgliche Sperling. Die Menschen von heute.

Wir können uns beinahe wieder sehr geehrt fühlen. Man fängt an, die Deutschen wieder langsam sozusagen als Gleichberechtigte gelten zu lassen bis auf weiteres natürlich, bis auf weiteres und die Scheu, die man zehn Jahre lang nach dem für uns unglücklichen Kriegsende gezeigt hatte, zu überwinden.

Ein kritischer Tag

von dem Scheitern oder pilchtschettern der finanziellen Fragen die Konferenz

zu endgültigen Beschlüssen in der Rheinlandfrage kommen muß.

Wenn man sonst sagt, daß, wenn zwei sich streiten, sich der dritte freut, so trifft das bei dem Streit zwischen England und Frankreich für D e u t s ch l a n d nicht zu. Dieser Zwist kann für Deutschland in keiner Weise irgend einen Nutzen bringen. Gerade weil Deutschland aber hier uninteressiert ist, wird es mit um so größerer Schärft auf die Lösung derjenigen Fragen drücken müssen, die allein sein ureigenstes Interesse sind.

DieSaager Konferenz vor der Vertagung?

Die Antwort aus die englischen Forderungen. :i

Die Denkschrift, in der der endgültige Stand­punkt der französischen, belgischen, italienischen und japanischen Delegierten über die britischen Forderungen bezüglich des Uoung-Planes niedergelegt ist, wurde der englischen Delegation überreicht. Die Denkschrift ent­hält keine Ziffern. Die französische, belgische, italienische und japanische Regierung geben darin ausführliche Er­klärungen über alle diejenigen Punkte des Uoung-Planes, über die die Regierungen ein Verfügungsrecht besitzen.

über die Aussichten der Konferenz verlautet aus französischen Kreisen: Auf Grund der Verhandlungen, die der Ausarbeitung und der Überreichung der interalliierten Denkschrift vorangegangen sind, herrscht in Konferenz- kreisen die Auffassung, daß Snowden das ihm von feinen alliierten Kollegen angebotene Entgegenkommen nicht für ausreichend halten wird. Wenn dem so wäre, würde die Konferenz gezwungen sein, von neuem die Vertagung ihrer Arbeiten ins Auge zu fassen.

Vertagung der Sonnabendsitzungen.

Die bereits angekündigte Verschiebung der für Sonn­abend anberaumten Sitzung des Finanzkomitees ist nunmehr Tatsache geworden. Über den Wiederzu- fammen tritt des Finauzkomiftes ist noch nichts bestimmt worden. Dies wird von dem Verlauf der inoffiziellen Be­sprechungen abhängen, die inzwischen zwischen den be­teiligten Mächten über die aufgetretenen schwerwiegenden finanziellen Schwierigkeiten stattfinden werden.

Die für Sonnabend in Aussicht genommene informelle Besprechung der Hauptdelegierten Deutschlandsund der drei Besetzungsmächte, also Frankreichs, Englands und Belgiens, ist im Zusammenhang mit den in den finanziellen Fragen aufgetretenen neuen Schwierig­keiten auf Montag vertagt worden. Morgen werden also keinerlei offizielle Sitzungen stattfinden, mit AnsnaNne d-rl-migen des Juristenkomitees.

KrisenstinitlMg im Haag.

Der unnachgiebige Snowden.

Im Haag hatte am Freitag die allgemeine Span­nung ihren Höchstpunkt erreicht. Brächte doch der Tag eine Reihe von privaten Besprechungen der Hauptdelegier- tcn. von deren Ergebnis, über das bisber natürlich nur gerüchtweise verlautet, es abhängen wird, ob und inwie­weit man den

englischen Forderungen,

die der unnachgiebige Snowden ausgestellt hat, entgegen­kommen kann. Der Vorschlag, der den Engländern von Francqui unterbreitet worden ist und der etwa in Höhe von 18 Millionen jährlich den englischen Ansprüchen entgegenkommt, soll anscheinend bis zum Sonnabend noch eine Umgestaltung erfahren, die wahrscheinlich ein- weiteres Nachgeben auf die englischen Wünsche zur Folge haben wird.

Viel beachtet und besprochen wird eine Erklärung L o u ch e u r s . der der französischen Presse gegenüber betonte, daß für den Fall, daß Snowden cmi Sonnabend seine bekannten drei Forderungen dem Finanzausschuß zur Abstimmung vorlegen sollte, diese sicherlich.

abgelehnt werden würden.

Soweit wie Snowden dies wünsche, könnten die übrigen

Im Kieler Ostseehafen stellten lienische und russisch

sich in diesen Tagen . . ______ e Kriegsschiffe

3um Besuch ein, wo sie nun allerdings, was das Flotten- Wesen betrifft, kaum noch etwas Sehenswertes zu bewun­dern Gelegenheit haben. Zu gleicher Zeit reist der Ge- neralstabschef der chilenischen Armee, nachdem er sich mehrere Tage in Berlin aufgehalten hat, wo man ihn sehr respektvoll aufnahm, im Lande umher. um die Einrichtun­gen unserer neu geschaffenen Reichswehr nach Her­zenslust zu studieren.

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Und der große internationale Reklamekongreß erst hat ungezählte Scharen Amerikaner und andere Gäste aus aller Welt nach Deutschland geführt, wo ihnen gewiß eine Fülle interessanter, lehrreicher und genußvoller Tage geboten wurden. Wer Gelegenheit hatte, einigermaßen unter den Scharen dieser fremden Besucher herumzuhören, der konnte Worte aufrichtigster Bewunderung Vernehmen alles dessen, was wir doch jetzt schon wieder auswärtigen Gästen, und selbst den verwöhntesten unter ihnen, zu zeigen vermögen. Und gerade die Amerikaner, die ja in allen technischen Dingen des Lebens so ziemlich an der Spitze der Nationen marschieren, flossen förmlich über vor Be­geisterung und Anerkennung. Nur schade, daß der Besitzer eines guten Gedächtnisses sich der gleichen Begeisterung er­innern mußte, mit der kurze Zeit vor Kriegsausbruch die amerikanischen Ingenieure, als sie zu einer internationalen Tagung in der Neichshauptstadt versammelt waren, mit ihren deutschen Kollegen Feste feierten und Reden aus- tauschten, die an Herzlichkeit auch in hts zu wünschen übrig ließen, eine Stimmung, die wie die Spreu vor dem

Mächte England nicht entgegenkommen. Frankreich, Bel­gien, Italien und Japan hätten sich aber darauf geeinigt, daß das im Uoung-Plan vorgesehene Schema für die deutschen Zahlungen nicht geändert werden könne.

Die Stimmung im Haag ist jedenfalls ziemlich p e s s i m i st i s ch. Vor allem auch in der Frage der Ein­setzung von Unterausschüssen für die verschiedenen Finanz- und Räumnugsfraacn und von Organisations­komitees, die der Uoung-Plan Vorsicht. Man glaubt nicht, daß diese Frage bereits am Sonnabend geklärt

Wind dahiMMvand. als 7^um big ersten Kriegsgreuel- werden kann. Snowden hat gedroht, daß er hf^^MTtt^' ^^^" ^ ihre Steift *nMyft^ über das Große Nasser angetreten hatten. wenn ihm nicht ein annehmbarer Vorschlag nntc

Heute freilich ist es unserGraf Zeppelin", der als Bote des Friedens und der Zivilisation zu den Ameri­kanern herübergekommen ist und dort offensichtlich vortreff­liche Arbeit geleistet hat. Aber unsere schweren Nachkriegs- kämpfe mit Franzosen und Engländern um Reparations­zahlung und Rheinlandräumung lassen sie uns, vorsichtige Geschäftsleute, wie sie nun einmal sind, doch allein aus­fechten, in der Gewißheit, daß sie wahrscheinlich wieder als die lachenden Dritten dastehen werden. Sie brauchen ja auch gar nicht zu drängeln, wie etwa Herr Bria nd . da ihr finanzielles Vordringen auf dem deutschen Jndustrie- und Handelsmarkt ganz wie von selbst beste Fortschritte macht und alle Schwankungen der Geschäftskonjunktur überdauert. Also können sie mit gutem Gewissen in Be­geisterung plätschern und Wacker daran mitarbeiten, daß hierzulande allmählich wieder eine Art Hochstimmung Platz greift, die zu unserer wirklichen Wirtschaftslage in seltsamem Widerspruch steht. Sie können es ja nicht merken, daß manchen Festreden, die in diesen Tagen zu ihren Ehren gestalten wurden, doch wohl eine kleine Dosis Ironie beigemischt war und daß dieser oder jener Sprecher nur gute Miene zum bösen Spiel machte, wenn er ganz im Sinne und im Stil amerikanischer Bankettredner eine Zungenmünterkeit vorläuschte, die seinen wahren An­schauungen und Meinungen durchaus nicht entsvrach. Für einige Hochsommerwochen mag es ja schließlich gehen, wenn wir auf diese Weise der Welt ein Schauspiel bieten, das nicht richtige Vorstellungen von unserer wahren Lage zu erwecken geeignet ist. Die Besinnung auf die ernsten Gefahren, von denen wir nach wie vor umdroht sind, wird ja schwerlich lange ausbleiben können.

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Die hochansehnliche Diplomatenversammlung im Haag sorgte schon zur Genüge dafür, daß wir in Ver- teidignngsstellung bleiben. Gleichviel, ob man die Dinge, über die dort verhandelt wurde, in guter oder in schlechter Entwicklung begriffen sah, bis zu der von der deutschen Regierung angestrebten völligen Liquidierung des Krieges ist unter allen Umständen noch ein recht weiter Weg, der vielleicht nicht einmal mit lauter guten Vorsätzen ge­pflastert ist. Auch wenn man von den großen Brüdern, mit denen wir es zu tun haben, absieht, ihren kleinen Schützlingen, besonders den Polen, wird immer noch so viel Spielraum und Bewegungsfreiheit gelassen, daß niemand, der den Verhältnissen ehrlich ins Gesicht blicken will, Vertrauen für die Zukunft gewinnen kann. Und leider kündet sich auch wieder für unsere innenpolitischen Auseinandersetzungen neuer Zank und Streit an. Auf die paar hundert Millionen, die uns der A o u n g - P l a n gegenüber dem Dawes-Plan für die nächsten Jahre er­sparen zu wollen schien, ist schon von den verschiedensten Seiten zu den verschiedensten Zwecken Beschlag gelegt wor- den, während wir nun mit jedem Tag deutlicher zu hören bekommen, daß nicht einmal dieser kärgliche Sperling in der Hand uns verbleiben soll, daß man im Gegenteil hier noch ein paar Dutzend Millionen und da noch eine Reihe neuer Entschädigungsleistungen uns auferlegen will, nur damit jeder Partner sich vor seinen Wählern und Auftrag- gebern zu Hause mit Glanz sehen lassen kann, wenn das Haager Spiel ausgespielt sein wird, .^'^ ^ "** ^

wenn ihm nicht ein annehmbarer Borschlag unterbreitet würde. Man ist natürlich mit allen Kräften bemüht, ein Scheitern der Verhandlungen, das von unabsehbaren Folgen, besonders auch für die wirtschaftlichen Verhält­nisse in ganz Europa wäre, zu verhindern.

Die für Deutschland wichtigsten Punkte dieser Kon-

ferenz, die engültige

Räumung der Rheinlande, und die Saarfrage, sind durch die englisch-französische Krise völlig in den Hintergrund gerückt worden. Jetzt, in letzter Stunde, wird von deutscher Seite mit aller Entschiedenheit die For­derung vertreten werden müssen, daß u n a bh ä ngPg

R^mch in China emmarschieri.

Wo bleiben die Kellog-Mächte?

Nach in Schanghai eingetroffenen Nachrichten sind die Russen in chinesisches Gebiet einmarschiert. Der chinesische Gesandte in Washington wurde beauftragt, die Unter­zeichner des Kellogg-Paktes davon in Kenntnis zu setzen, daß Rußland die Feindseligkeiten begonnen hätte, während Ehina dazu entschlossen sei, nach dem Geist des Paktes zu handln.

ZweiTsdesspfer eines Raubüber falls.

10 000 Mark geraubt.

Ein Geldtransport der Grube in M e ch e r n i ch (Kreis Schleiden), der vom Grubenförster, einem Sicher- Heitsbeamten des Werks und zwei Angestellten geleitet wurde, wurde von vier maskierten Räubern überfallen, die sogleich zu schießen begannen. Der Sicher­heitsbeamte wurde sofort getötet, der Grubenförster wurde so schwer verletzt, daß er später gestorben ist, wäh­rend die beiden anderen Begleiter unverletzt blieben. Nach­dem die Räuber acht- bis zehntausend Mark geraubt hatten, flüMt^n sie auf Fahrrädern in der SR- -^ nach der Ahr.

Die Zagd c»f das SchmuMlerschijs.

Ein deutsches Patrouillenboot bringt es zur Strecke.

Die Besatzung der dänischen ZollkreuzersLernen" beobachtete in der Nähe des Feuerschiffs Falsterbo das als' S ch m u g g e l f a h r z e u g bekannte Motorrennboot Herkules". Der Zollkreuzer verfolgte das Schmuggel­fahrzeug. Dieses erreichte jedoch, trotzdem es Maschinen­schaden erlitt, das SchmugglermutterschiffTabor", das im internationalen Fahrwasser zwischen Mön und Arkona verankert lag. Die dänischen Zollbeamten verlangten die Auslieferung derHerkules^ gewässern angerufen worden

weigerten jedoch die Herausgabe und suchten auch die Zollbeamten daran zu hindern, dieHerkules" zu entern. Die Beamten mußten sich die Schmuggler schließlich durch Bedrohung mit Revolvern vom Leibe halten. Als die Lage kritisch wurde, erschien ein deutsches Pa- t r o u i l l e n b o o t mit acht Mann Besatzung. Die Be-

", die in dänischen Hoheits- n sei. Die Schmuggler Ver-

satzung des deutschen Bootes schüchterte die Schmuggler durch Klarmachen eines Maschinengewehrs sowie durch

durch Klarmachen eines Maschinengewehrs sowie durch andere Schußwaffen ein. Die dänischen Zollbeamten konnten hierauf dieHerkules" beschlagnahmen und sie unter dem Schutz der deutschen Bootes in einen dänischen! Hafen bringen. An Bord des beschlagnahmten Schmuggel- fahrzeugs fand man außer einer Menge persönlicher Ge-?

genstände der 5

n'g 5 0 0 Liter'Sprit.

Reichsbahn - Reichspost.

Gemeinsamer Kraftwagenbetrieb.

Soeben ist nach langen Verhandlungen der Vertrag über den Gemeinschaftsbetrieb von Krastwagenlinien von der Reichspost und der Reichsbahn unterzeichnet worden. Die Abmachungen beschränken sich fast nur auf die nach dem 1. April 1929 eingerichteten und künftig neu zu be­treibenden Linien. Das Abkommen zwischen Reichsbahn

und Reichspost betrifft vor allem den Personenverkehr, in minderer Weise die Güterbeförderung. Das Abkommen läuft zunächst bis zum Jahre 1934.

Der öffentliche Omnibus- resp. Aulobusverkehr wird im wesentlichen bei der Post verbleiben. Für die am 1. April 1929 eingerichteten und künftig einzurichtenden Perfonenverkehrslinien geschieht der Betrieb auf gemeinsame Rechnung derart, daß die Post mit 65 Prozent und die Reichsbahn mit 35 Prozent am Gewinn und am Verlust beteiligt sind. Bei den Linien, welche als Wettbewerbsstrecken zur Eisenbahn zu gelten haben, ist dieses Beteiligungsverhältnis umgekehrt, also 65 Prozent für die Reichsbahn und 35 Prozent für die Reichspost. Nach außen bleibt die Post auch bei den neu einzurichten­den Strecken Unternehmerin. Der Vertrag sieht eine wechselseitige Unterstützung vor.

Im Güterverkehr sei die gesamte Güterbeför­derung im Uberlandverkchr grundsätzlich eine Angelegen­heit der R e ich s b a h n. Es bleibt jedoch der Post über­lassen, ihren Paketverkehr durch besondere Kraftfahrlinien auszuführen und einzelne Stückgüter mit den Omnibussen zu befördern. An den Einnahmen partizipiert die Reichs­bahn nach dem im Personenverkehr geltenden Schlüssel 35 zu 65 bzw umgekehrt. Auf den vor dem 1. April 1929 eingerichteten Omnibuslinien behält die Po" "^"^ Stückgüterbeförderung für eigene Rechnung. VH^cf sich d-esen Verkehr nicht we"cr?;

en Omnibuslinien behält die Post jedoch die Sie ver-

zubäuen.