Einzelbild herunterladen
 

Kuliffenklatsch im Haag.

Gerüchte und Dementis.

Der sitzungsfreie Tag wurde zur Fortsetzung der in­offiziellen Besprechungen zwischen den verschiedenen Dele­gationen benutzt. Über ihren Stand wird äußerste Dis­kretion gewahrt, so daß genaue Angaben darüber, ob man auf dem Wege zu einer Einigung vorwärtsgeschritten ist, oder ob sich etwa im Gegenteil neue Komplika­tionen ergeben haben, schwerlich zu machen sind.

Wie stets an Tagen, an denen keine offiziellen Be­sprechungen stattfinden und aus diesem Grunde auch keinerlei amtliche oder halbamtliche Mitteilungen heraus­gegeben werden, sind auch heute wieder die verschiedensten u n k o n t r o l l i e r b a r e n Gerüchte im Umlauf. So wurde verbreitet, daß S n o w d e n einen Brief an den Vorsitzenden des finanziellen Komitees, Baron Houtart, gerichtet haben soll, in dem erinultimativerForm Annahme seiner bekannten finanziellen Forderungen bis zum kommenden Sonnabend verlange. Demgegenüber wird von belgischer Seite der Empfang eines solchen Briefes sehr entschieden in Abrede gestellt. Jedoch wird es durchaus für möglich angesehen, daß Snowden den führenden Persönlichkeiten der französischen und der bel­gischen Delegationen bestimmte mündliche Erklärungen übermittelt hat, die jedoch bei weitem nicht so scharf formuliert sein sollen, wie das mit Bezug auf feinen an­geblichen Brief behauptet wird. Ein weiteres f e n sa­tt o n e l l wirkendes Gerücht, wonach B r i a n d seinerseits der englischen Delegation ein Ultimatum hat aushändigen lassen, wird von französischer Seite energisch dementiert.

Viel hängt jetzt von den Ergebnissen der weiteren Be­sprechungen zwischen den vier Mächten ab, die von vorn­herein für eine unveränderte Annahme des Noung- Planes eintraten, nämlich Frankreich, Belgien, Italien und Japan.

Innerhalb der deutschen Delegation fanden interne Besprechungen statt, die vornehmlich der Klärung der Fragen der Sachlieferungen und der Besatzungskosten dienten.

Der Donnerstag im Haag.

Das I u r i st e n k o m i t e e, das sich mit der Rechts- grundlage in der Frage der Feststellungs- und Ber­gt e i ch s k o m m i s s i o n zu befassen hat, hat im Haag wiederum getagt und seine Untersuchungen fortgesetzt, ohne aber bisher zu einer Linie zu gelangen, auf der ein Einvernehmen etwa zu erzielen wäre. Sonnabend vor­mittag werden diese Beratungen zwischen den gleichen Teilnehmern fortgesetzt werden.

In der Saarfrage, die von französischer Seite als d eu ts ch - französische Angelegenheit und nicht als Konserenzthema bezeichnet worden sind, haben nach der Überreichung eines deutschen Verhandlungsplanes Besprechungen zwischen den beiderseitigen Staatssekretären und auch zwischen den Fachreferenten stattgefunden, die der Aufklärung einzelner Punkte dienten und die in gleicher Form fortgesetzt werden sollen.

Der viel erörterte Bries Snowdens ist, wie jetzt verlautet, an den belgischen Ministerpräsidenten Ja spar gerichtet worden. Er hat k e i n e r l e i u l t i m a - tiven Eharakte?, besteht aber mit einiger Dringlichkeit nuf einen beschleunigten Abschluß der Erörterungen über d-e finanzielle Seite der englischen Forderungen, der im 'K^i^T^ ^^11 Bespreckuna vorbereitet

Eine am Donnerstag nachmittag erfolgte Besprechung zwischen Snowden und Francqui galt zweifellos dem gleichen Zweck, während B r i a n d mit seinen m i l i t ä - r is ch e 8 Sachverständigen offenbar über die von ihm ab- ,zugebende Erklärung bezüglich des Endtermins für die Besetzung verhandelte.

Wann darf die Polizei schieße«?

Zum Wafsengebrausrecht der Polizeibeamten.

In einem demnächst erscheinenden Runderlaß des

wiH'iTfnniTT'- ---- .-^^"g^-^^tMi^wMmiaKm^iM^MB^AMia 4^<^^^^^^^^

(39. Fortsetzung.)

Nicht schelten, gnädiges Fräulein! Wenn Sie müßten, wie unglücklich ich bin, unpünktlich sein zu müssen, würden Sie mich trösten, anstatt mir zu zürnen."

Weshalbmußten" Sie denn?" fragte Anita spöttisch.

Weil die Pflicht mich dazu zwang!"

Pflicht R' Sie zog das Wort in die Länge.

Von rechtswegen hätte ich noch zuvor einen sehr umständ­lichen Brief verfassen müssen. Weil es mich aber unwider­stehlich zu Ihnen zog, sauste ich pfeilgeschwind aufs Postamt und erledigte das Schreiben durch ein Telegramm."

Die Frage, weshalb er das nicht seinem Diener übertragen habe, brannte ihr auf den Lippen. Sie unterdrückte sie jedoch. Völlige Harmlosigkeit gehörte zu dem neuen Spiel, das ganz gewiß den Erfolg aller bisherigen übertreffen würde. Denn dieser Fürst erschien ihr vielleicht durch seine ländliche Abgeschlossenheit von einer Gefühlsfähigkeit, wie sie. zum Beispiel in Berlin, längst aufgehört hatte. Sie hielt ihn für etwa fünfunddreißig Jahre. Der schwärmerische Ausdruck seiner Augen und die Beweglichkeit seines Mienenspiels ver­leihen ihm jetzt aber das Aussehen eines Jünglings, der inbezug auf das Weib recht wenig Erfahrungen einfammelte.

Gedenken Sie übrigens in dem Ledermantel zu spielen?" forschte sie, dadurch versöhnt, nun wieder in dem neckischen Ton der verflossenen Tage. Er wies mit der schmalen Linken, an der auch heute wieder der Wappenring saß, zu den voll­besetzten Plätzen hin.

Wollen Sie wahrhaftig ausharren, bis diese leidenschaft­lichen Sportfexe geruhen, uns heranzulassen?"

Sie etwa nicht?"

Er sah sie bittend an.

Ich hoffte auf eine gemeinsame Fahrt. Die Umgegend ist zauberhaft. Oder kennen Sie bereits alles zur Genüge?"

Ueber einen Kilometer hinaus bin ich noch nicht ge­kommen."

Herrlich," freute er sich.Sagen Sie ja! Anvertrauen dürfen Sie sich mir schon. So habe ich es mir nämlich brennend gewünscht. Würde selbst im Laufe oer nächsten halben Stunde ein Platz für uns frei, dann sind oie übrigen immer noch voll bejetzt. Zur Rechten und Linken

preußischen Innenministers sind in Ergänzung des Rund­erlasses vom 11. Juli v. I., der den Gebrauch der Schuß­waffe bei der Polizei neu regelte, eine Reihe von Be­stimmungen erschienen, die das Waffengebrauchsrecht der Polizeibeamten für bestimmte Fälle ihrer Verwendung, z. B. im Gefängnisdienst, bei Gefangenentransporten und im Grenzaufsichtsdienst regeln. Wie hierzu verlautet, handelt es sich nicht um eine Neuregelung, sondern um eine ANgleichung der Waffengebrauchsbestimmungen der Polizei an die Bestimmungen, die für die Beamten glei­cher Verwendungsart innerhalb anderer Ressorts (z. B. die Strafanstaltsbeamten der Justizverwaltung, die Zoll­beamten der Reichsfinanzverwaltung) schon seit längerer Zeit bestehen.

Tommy stellt sich auf das Wühna- zu Ms.

Englische Geistliche in Berlin.

In Berlin traf eine Abordnung von 20 führenden englischen Geistlichen und Kirchenmännern ein, die einer Einladung der. Deutschen Vereinigung des Weltbundes für kirchliche Freundschaftsarbeit gefolgt sind. Canon Guy Rogers (Birmingham) gab dem Wunsche Ausdruck, daß die beiden Länder Deutschland unb England seelisch einander näherkommen möchten. In diesem Zusammen­hang sprach er unter allgemeinem starken Beifall die Hoffnung aus, daß die englischen Truppen am Rhein das kommende Weihnachtsfest in ihrer Heimat feiern möchten. Die englischen Geistlichen werden fünf Tage in der Reichs- Hauptstadt bleiben, um hier kirchliche und soziale Ein­richtungen zu besichtigen. Hierauf erfolgt die Weiterreise nach den . Her-Städten Wittenberg und Eisenach.

Am die Arbeiislosenversicherung.

Wille zur Einigung.

In der Reichskanzlei zu Berlin fand Donnerstag die Besprechung zwischen den in Berlin anwesenden Kabi- uettsmitgliedern und den Führern der Regierungsparteien über die Arbeitslosenversicherungsreform statt. Die Ver­handlungen wurden geleitet von Reichsarbeitsminister Wissest. Die Sozialdemokraten waren vertreten durch die Abgeordneten Wels, Dittmann und Dr. Herz. Das Zen- trmn hatte die Abgeordneten Dr. Perlitius, Dr. Brüning, Esser und Frau Teusch entsandt. Die Volkspartei ver­traten die Abgeordneten Dr. Scholz und Dr. Pfeiffer. Die Demokraten ließen sich durch die Abgeordneten Schneider imb Frau Dr. Bäumer vertreten. Für die Bayerische Volkspartei war der Abgeordnete Prälat Leicht erschienen. Die Verhandlungen waren nur von kurzer Dauer. Es wurde nicht in eine Besprechung über den Inhalt des Ge­setzentwurfes eingetreten; dies wurde vielmehr den inter­fraktionellen Besprechungen vorbehalten, die Freitag be­ginnen sollen. Die Regierung will alsbald einen Gesetz­entwurf vorlegen.

Die Arbeiten des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstages begannen ebenfalls Donnerstag. Ihnen liegt zunächst die Denkschrift des Reichsarbeitsministeriums über das Sachverständigengutachten zugrunde. Der Vor­stand der Zentrumsfraktion hat inzwischen über die Ar­beitslosenversicherung beraten. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, doch verlautet, daß das Zentrum sich auf den Boden der Sachverständigenvorschläge stellen wird. Vor allem wird es der Forderung widersprechen, die Beiträge über das von oen SuuMNsttMVMn ooiMschtugeue halk^-Pro- zent hinaus 31t erhöhen.

Die Meinungsverschiedenheiten im Kabinett.

Zur Reform der Arbeitslosenversicherung.

Im sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages er­klärte bei der Beratung der Reform der Arbeitslosen­versicherung Reichsarbeitsminister W i s s e l l, die Reichs­regierung sei leider nicht in der Lage, den Ausschuß schon

schreien und springen also fremde Menschen. Von einer Unterhaltung könnte nicht die Rede sein. Bälle zischen, Lungen keuchen, Flüche werden mit Anstrengung unter­drückt."

*Sie scheinen mir ein außerordentlich passionierter Spieler zu sein!" neckte sie.

Vor fünf Jahren spielte ich das gestand er beschämt ein.

Und vorher?"

Höchstens drei- oder viermal. Versuche?^s. Ohne inneren Drang und daher ohne Hoffnung, mich ; : is zu einer Leuchte zu entwickeln."

Nun mußte sie hell auflachen.

O, das hätte ich früher wissen sollen."

Sein Gesicht nahm einen ängstlichen Ausdruck an.

Hätte das etwas an Ihrer Sympathie ändern können?" Das klang ehrlich naiv.

So etwas sagt ein gewöhnlich sterblicher Kavalier selbst dann nicht zu seiner Angebeteten, wenn er sicher ist, auf sie Eindruck gemacht zu haben. Dann fiel ihr zum Glück ein, daß sie ja bisher auch noch niemals mit einer Durchlaucht in engeren Beziehungen gestanden und deshalb doppelt vor­sichtig sein müsse. Geflissentlich überhörte sie deshalb seine letzten Worte.

Wenigstens hätten Sie mir das unkleidsame Tennisdreß sparen sollen," schmollte sie.

Prüfend glitt sein Blick über die hauchdünne Seide ihrer modernen Westenbluse. Das fröhliche Lächeln machte sein Gesicht knabenhaft jung. Seine Augen verloren das Träu­merische und strahlten in Heller Verwunderung.

Sie sehen darin aber noch reizender aus als heute, gestern und vorgestern am Brunnen," stellte er fest.

Vorgestern haben Sie sich noch gar nicht um mich bekümmert."

Nur scheinbar nicht. Ich bin nämlich gräßlich schüchtern. Lachen Sie jetzt nicht, so allerliebst es Ihnen steht. Die Stadt und die vielen geputzten Menschen beengen mich. Ich ent­stamme der ländlichen Einsamkeit, die ich nur verlasse, um immer wieder, und jedesmal mit erneuter Dankbarkeit, dorthin zurückzukehren."

Natürlich," dachte sie,die Einsamkeit auf solchem Herren­sitz, wo man reiten, jagen, segeln und spazierengehen kann, Cercle abhalten, Besuche befehlen darf, ei ja, die mag sich wohl durch nichts anderes ersetzen lassen."

Laut entgegnete sie, obschon sie noch niemals auf dem Lande gelebt hatte:

Ach jat das muß herrlich fein!"

jetzt eine fertige Vorlage unterbreiten, weil noch in einigen wesentlichen Fragen Meinungsverschie­denheiten im Kabinett beständen.

Darauf berichtete Ministerialdirektor Dr. Weigert über die Arbeiten der Sachverständigenkommission. Da das umfangreiche Material von den Mitgliedern des Aus­schusses erst durchgeprüft werden muß, vertagte sich der Ausschuß auf Dienstag.

Wie verlautet, besteht bei den Länderregierun­gen der Wunsch, noch einmal zu der Reform der Arbeits- losenversicherung Stellung zu nehmen. Zu diesem Zweck soll am Dienstag vor der Sitzung des sozialpolitischen Ausschusses eine Länderkonferenz zusammentreten. In p a r l a m e n t a r i f ch e n Kreisen wurde nach der Aus- schrchsitzung die Aussicht auf eine Verständigung über die Reform noch immer ziemlich ungünstig beurteilt.

Der deutsche DampferSaite".

Zum Putsch in Venezuela.

Aus Trinidad melden amerikanische Zeitungen, der bei dem Putschversuch in Venezuela genannte deutsche DampferFalke" sei in Port of Spam gelandet. Die Schiffsoffiziere erzählten angeblich folgendes:Falke" fuhr von Hamburg nach einem polnischen Hafen Gdingen, wo 125 venezolanische Aufständische an Bord genommen wurden. Von dort fuhr der Dampfer an die venezolanische Küste, wo weitere 200 Aufständische ein- trafen. Die Offiziere und Mannschaften desFalke" wur­den mit vorgehaltenem Revolver gezwungen, die Auf­ständischen bei Eumana an Land zu setzen, wobei diese von Regierungstruppen angegriffen wurden. Der dritte Offizier desFalke" wurde in dem Gefecht getötet.

Der Newyorker venezolanische Konsul erhielt von dem Minister des Äußern Dr. Jtriago Chacin in Telegramm, in dem der Angriff auf Eumana als der verwegenste Ein­fall bezeichnet wird, der je in venezolanisches Gebiet unter­nommen wurde. In dem Telegramm heißt es weiter, daß die Rebellen vollständig in die Flucht geschlagen worden seien, General Delgada Chalbaud gefallen sei, und der größte Teil der Rebellen gefangengenommen worden sei. Nach Berichten, die in Port of Spam eingetroffen sind, haben die venezolanischen Regierungstruppen bei dem Kampf um Eumana mehr als 200 Mann verloren. Im Süden Venezuelas, längs der Grenze Kolumbiens, und an mehreren Punkten des Inlandes dauern die Kämpfe mit den Aufständischen an. In Caracas sind, wie es heißt, zahlreiche Zivilisten, die mit den Aufständischen sympathi­sieren, verhaftet worden.

Meuterei in einem polnischen Gefängnis.

Zwölf Beamte verletzt.

Im Gefängnis in Kielce in Polen kam es zu einer schweren Meuterei, an der etwa 130 Gefangene teilnahmen. Die Meuterer zertrümmerten ihre Zellentüren und stürzten sich, mit Holzteilen von ihren Pritschen bewaffnet, auf die Wachmannschaft, wobei zwölf Beamte verletzt wurden. Die Wachmannschaft beantwortete den Überfall mit einer Salve, die einen politischen Gefangenen tot niederstreckte und zwei verwundete.

Auch die Leprakranken meutern.

In einem Asyl für Leprakranke in der beßarabischen -Skerdt -JsmaiETmDönaudelta brach ein Aufruhr unter den Pfleglingen aus. Sie waren mit der Behandlung und der Kost unzufrieden unb beschlossen, sich mit einer Be­schwerde an den Präsekten zu wenden. Zwanzig Lepra­kranke verließen das Asyl und begaben sich in die Stadt zum Präfekten, um ihm ihre Beschwerden vorzutragen. Es wurden Gendarmen aufgeboten, die die Leprakranken überwältigten und in das Asyl zurückbraMen. Das Auf­tauchen der Kranken rief begreiflicherm'^? in d-r Stadt Schrecken unb AuücgWg hervor.

Das gestehen Sie mir zu und wollten trotzdem In dieser heißen, staubigen Luft neben völlig fremden Leuten ein oder gar zwei Stunden der köstlichen Zeit verlieren."

Vielleicht mußte ein Fürst so empfinden und handeln, wie er es tat

Gut, dann will ich nachgeben!"

Mit einem kleinen Jubelruf lief er zum Wagen und hob einen federleichten Pelz in die Höhe.

Daß er nicht für Damen bestimmt ist, müssen Sie ihm schon verzeihen. Erlauben Sie mir . . ." Und er hüllte sie in die herrlichen Felle des australischen Maulwurfs ein. Zuerst war sie entsetzt, obschon der richtig abgeschätzte Wert sie berauschte.

Bei einer Temperatur von nun, ich denke, es werden wohl dreißig Grad Celsius sein? Wofür halten Sie mich nur?"

Für eine sorgsam zu behütende Köstlichkeit", flüsterte er und hob sie in den Wagen.

Wohin soll denn unsere Fahrt gehen?" konnte sie noch gerade fragen. Seine Antwort zerriß schon das fauchende Zischen des Motors.

Unterwegs verharrten sie in tiefstem Schweigen. Die Sonne spiegelte sich wohlgefällig im blitzenden Steu rrad. Weinberge hüpften an ihnen vorüber. Das Gesicht des Fahrers gemahnte, streng eingerahmt von der Kappe, an das eines jungen Ritters. Kurz erwog Anita Krumbholz, ob diese Fahrt am Ende doch ein Wagnis wäre.

An denHohen Wurzel" stolperte der Wagen.

Den Aussichtsturm müssen wir unbedingt besteigen," befahl er demütig und sprang bereits ab.

618 Meter von allem, wasWelt" genannt wird, entfernt, schauten sie Schulter an Schulter in das flache Land hinab. Glühend heiß empfanden sie es auf der Höhe. Aber es war der Strom der Jugend, der durch ihre Körper kreiste und sie erhitzte.

In der Ferne rauschte geahnt nur und dennoch ganz nahe der Rhein. Der deutsche Rhein, um dessentwillen die lange, schwere Schlacht mit den leichten Papierscheinen, die man damals auch nochGeld" hieß, verloren ging Eins rötliche Wolke stand dort, wo der Taunus ragte. Herztränen am Rhein, Main und Neckar in diesen letzten Jahren aus deutschen Augen geweint.

Fühlte sich Anita Krumbholz von alledem ergriffen? Ihr Gesicht war blasser als sonst. Aber sie dachte nur an das eine: ob der Mann sie jetzt in die Arme reißen und küssen werde, wie es wohl jeder andere an seiner Stelle getan hätte, und ob sie sich ihm alsdann ergeben sollte oder nicht. , (Fortjetzung folgt.) j