Einzelbild herunterladen
 

HersfelSerTageblatt

Mzelgenprels: bft einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grunöschrist Korpus). Bei Wiederholungen wirb ein entsprechender Preis» Nachlaß gewährt. ❖ Zur die Schristleitung verant­wortlich : Kranz Kunk in H ersfeld. ❖ Kernsprecher Nr. S

ßerssel-er Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfeld

MonatlicherBezugsprels: Durch die Post bezogen 1.50 Reichg-Mark, ausschließlich vestcllgelö, für tjersseld 1-20 Reichg-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1-00 Reichg-Mark. ❖ Druck und Verlag von Ludwig Kunks Luchdruckerei in Hersselö, Mitglied des VDZV.

mil den Bellaaea: Illustriertes AuterbaltungSblatt / Nach FeierabeoS / Herv und Scholle / Unterhaltene und Wissen Belehrung oud Kurrweil / Wirtschaftliche ÄageSfeageu.

Nr 191

Freitag, den 16. August 1929

79. Jahrgang

Abermals Genf

o bildeten diese Ver-

Zur bevorstehenden Tagung des Völkerbundes.

Roch ist die H a a g e r T a g u n g nicht zu Ende, und man beschäftigt sich schon sehr eifrig mit dem, was ver­mutlich auf der Anfang September in Genf beginnenden Vollversammlung des Völkerbundes geschehen wird. Bisher standen, wenigstens seitdem Deutschland im Völkerbünde ist, die Fragen dabei im Vordergründe des Interesses, die sich mit der endgültigen Liquidierung des Weltkrieges befassen. Trotzdem es sich dabei meistens um keine direkte, Angelegenheit des Völkerbundes selbst handelte, weil die Regelung zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern zu erfolgen hatte, fi .......; "

Handlungen doch immer das Kernstück der ganzen Tagung. Wenn es im Haag gelingt, den Aoung-Plan unter Dach und Fach zu bringen und damit für einige Zeit eine etwas ruhigere Atmosphäre in Europa und damit der ganzen Welt zu schaffen, dann dürfte über das Thema der Rheinlandräumung und der Repara - tionsfrage in Genf wohl kaum viel mehr geredet werden. Trotzdem bleibt aber noch eine ganze Reihe von Fragen zu erledigen, zumal die jetzt im Haag versuchte Regelung, wenn sie auch eine endgültige sein soll, eine ganze Reihe von Lücken aufweist.

Daß die bevorstehende Völkerbundtagung trotzdem für außerordentlich wichtig gehalten wird, geht Wohl schon daraus hervor, daß der neue englische Minister­präsident M a c d o n a l d die englische Delegation dies­mal selbst führen wird. Ob Reichskanzler Müller nach Genf fahren wird, läßt sich zurzeit noch nicht überblicken. Sein Gesundheitszustand hat sich ja sehr gebessert. Aber es ist immerhin möglich, daß die noch erforderliche Schonung es ihm verbietet, sich sofort wieder voll in das politische Getriebe zu begeben. Die Haager Tagung sollte ja auch schon in ihrer Bedeutung durch die Anwesenheit aller in Frage kommenden Ministerpräsidenten unterstrichen werden. Vermutlich will man jetzt versuchen, das für den Haag Versäumte nachzuholen. Für Frankreich ist die Sache insofern nicht

Sollten diesmal Reparations- und ähnliche Fragen aus der Völkerbundsdebatte ausscheiden, so bleibt doch unser Interesse an den Verhandlungen recht groß. Wir erwarten vor allen Dingen eine endgültige Lösung der Minderheitenfrage, in der man sich bekanntlich auf der Madrider Ratstagung vorläufig aus ein Provi­sorium einigte. Es ist anzunehmen, daß Herr Strese- m a n n diese ganze Frage in ihrem vollen Umfange auf- rollt und dabei noch einmal den deutschen Standpunkt unterstreicht, daß die Beschwerden der Minderheiten schnell erledigt und deshalb einem ständigen Minderheitenaus- schuß unterbreitet werden. Denn die bisherigen Beschlüsse lassen alles beim alten. Wie nötig aber gerade eine bal­dige restlose Regelung der Minderheitenfrage ist, zeigen die vielen Beschwerden der Deutschen, die noch immer,aus Polen und auch aus der Tschechoslowakei in Genf eingehen. Leider bietet sich keine Handhabe, auch für die deutsche Minderheit in S ü d t i r o l etwas zu tun. Aber vielleicht läßt es sich in diesem Zusammenhänge doch erreichen, daß Italien etwas ins Gewissen geredet wird. Denn es kann nicht dazu beitragen das Verhältnis zu Italien allzu freundschaftlich zu gestalten, wenn man sehen muß, wie ein so treudeutscher Stamm, die Südtiroler, trotzdem stets ihre loyale Gesinnung gegenüber Italien dokumentiert wird, um ihr Volkstum gebracht und damtt entwurzelt werden sollen. . v t

Von besonderer Bedeutung dürfte dre Volkerbunds­tagung auch dadurch werden, daß endlich das Verhältnis zu' den s tt d a m e r i k a n i s ch e n Staaten wreder ge­regelt wird. Ein Teil von ihnen steht noch immer grollend abseits. In Argentinien ist zwar beschlossen worden, sich wieder dem Völkerbünde anzuschließen, oder, besser gesagt, die Mitarbeit wiederaufzunehmen. Praktische Schritte in dieser Hinsicht sind jedoch noch nicht von Buenos-Aires aus unternommen worden. Einzig Peru , hat fernen Wiederanschluß feierlich bekundet und gleichzeitig bekannt- gegeben, daß es seinen Pariser Gesandten zum Völker- bundskommissar ernennen wird. Es ist möglich, daß dieses Beispiel auf die anderen südamerikanischen Staaten nicht ohne Eindruck bleibt. Diese haben übrigens auch »in Interesse daran, diesmal ziemlich zahlreich vertreten zu sein, steht doch eine Reihe von Wahlen für nichtständige Ratsmitglieder bevor, bei denen Lateinamerika, wenn es bei seiner bisherigen Haltung bliebe, leicht zu kurz kommen könnte. Deutschland hat den Wunsch, day der sudameri- kanische Einfluß im Völkerbund gestärkt wird, und wurde es begrüßen, bald wieder ganz Sudamerika in Genf ver­treten zu sehen.

Protestversammlungen in Rußland.

Moskau. In einer Reihe von Städten der Son-, ,uuion N^i". .Pr°testversammlungen gegen die Versorgung von

™ ^.^ Mandschurei und gegen die Gewalttaten ^r chmestschen Behörden und der Weißgardisten im Grenz- ?Ä!^ statt. Die in den Versammlungen angenommenen Ent- !w^^"^t!en verlangen von der Sowjetregierung entschiedene «Änbra aasa* ®* * -« -«»s

Das Luftschiff aufderWeltfahrt

„Graf Zeppelin" fliegt nach Tokio.

Dr. Eckener über den Weg desLuftschiffes.

Donnerstag früh um 4 Uhr 35 ist der „Graf Zeppelin" in Friedrichshafen zu seiner Fahrt nach Tokio glatt ge­startet. Das Luftschiff schlug sofort die nördliche Richtung ein und flog über Nürnberg, Bayreuth, Hof, Gera, Leipzig, Wittenberg, Potsdam, Berlin, Stettin nach Ostpreußen, überall, wo er sich zeigte, wurde der auf der Wettfahrt be­griffene „Graf Zeppelin" stürmisch begrüßt, mit besonderer Herzlichkeit in Berlin, wo Zehntausende auf den großen Plätzen und an den Straßenkreuzungen, auf den Dächern und an den Fenstern standen, um ihm zuzuwinken.

über die Route, die der „Graf Zeppelin" auf der Fahrt nach Tokio einzuschlagen gedenkt, sowie über die Wetterlage, die das Schiff antreffen dürfte, äußerte sich Dr. Eckener kurz vor dem Abflug von Friedrichshafen folgendermaßen:

Für den ersten Tei? der Fahrt bis nach Rußland hin­ein sind die Wetteraussichten dergestalt, daß das Luftschiff wahrscheinlich immer mit sehr günstigem Schiebewind zu rechnen haben wird. Nach dem Passieren Berlins wird das Luftschiff seinen Weg über Danzig und Königsberg nehmen, dann die russische Grenze überfliegen und in

Richtung auf Dünaburg

weiterfahrens Von diesem Punkt aus ist die weitere Route noch nicht klar zu übersehen, da im Norden in der Gegend des Weißen Meeres eine kleine Depression steht, die es vorteilhaft erscheinen läßt, nach Süden auszubiegen. Wie weit das Schiff nach Süden hinuntergehen muß, hängt von der Entwicklung dieses Tiefdruckgebietes ab. Bei der Fahrt über Rußland will Dr. Eckener nach Möglichkeit den Wunsch der russischen Regierung erfüllen und

Moskau zu überfliegen suchen. Sollte diese Absicht aber aus navigatorischen Gründen nicht verwirklicht werden können, sa rnh-h S«a M^stscht« entweder den südlicheren Kurs überTomsk— Irkutsk oder, was wahrscheinlicher ist, den nördlichen Kurs über Jakutsk—Ochotsk wählen. Der Ural dürfte etwa in der Mitte überflogen werden. Die weitere Fahrtroute hängt von der Wetterlage ab, wie sie sich im Laufe des Freitags darstellen wird. Dr. Eckener rechnet bei günstigen Winden mit einer

Fahrtdauer von etwa 4% bis 5 Tagen.

An Betriebsstoff befinden sich 9000 Kilogramm Benzin, 25 000 Kubikmeter Triebgas und 1500 Kilogramm 01 an Bord. Die Traggaszellen des Luftschiffes sind mit etwa 70 000 Kubikmeter Wasserstoffgas gefüllt. Für die Sicher­heit der Fahrgäste auf der wetten Reise ist auf das ge­wissenhafteste durch Mitnahme von verschiedenen Ret­tungsgeräten Vorsorge getroffen worden.

20 Passagiere an Bord.

Die Zahl der Passagiere für den Flug nach Tokio ist auf 20 beschränkt geblieben, da die Bemühungen der Japanerin Kitamur a, mitgenommen zu werden, ergebnislos geblieben sind. Lady Drummond- H a y s Ruhm, als einzige Dame die Wettfahrt mitzu- machen, ist also nicht geschmälert worden. Der bisher ungenannte 20. Passagier des Luftschiffes ist ein Schwei­zer und zwar der ehemalige Generalstäbler und Groß- kaufmann I s e l i n - Z ü r i ch. Er ist bereits 60 Jahre alt und somit der älteste Fahrgast auf der Wettfahrt. Er ist einer der wenigen Fahrgäste, die rein aus per­sönlichem Interesse die Fahrt mitmachen.

Der Wettreklameksngreß

begrüßt den „Graf Zeppelin".

Mit lebhaftem Beifall wurde während der Donners­tagsitzung des Weltreklamekongresses die Mitteilung aus­genommen, daß an Dr. Eckener folgender Funkspruch ergangen sei:

„Die Schlußsitzung des Weltreklamekongresses Berlin 1929 erfuhr eine Unterbrechung, köstlich für alle Teil­nehmer, als das deutsche Luftschiff „Graf Zeppelin" im Strahlenglanz seiner Schönheit über uns hinzog. Wir grüßen den „Graf Zeppelin" und das Werk seines Füh­rers, das einer Teil der gleichen weltumfassenden Arbeit leistet, von der auch wir einen Teil leisten, die Arbeit zur Vertiefung des Verständtiisses unter allen Völkern der Erde. Wir grüßen den „Graf Zeppelin" als einen Bot­schafter des guten Willens über die ganze Erde hin und wünschen von Herren gute Fahrt dem erprobten Schiff, seinem Führer, seinen Offizieren, Mannschaften und allen Mitreisenden. Der Jubiläumskongretz."

„Graf Zeppelin" über Königsberg.

Königsberg. T

Luftschiff „Graf Zep Königsberg und flöt. _ T. „ „______, große Schleife über der Stadt. Oberbürgermeister Dr. Loh- meyer begrüßte das Luftschiff namens der Stadt mit einem kurzen herzlichen Funkspruch.

Donnerstag gegen 16,15 Uhr erschien das eppelin" aus Richtung Pillau kommend, über 'ig, von mehreren Flugzeugen begleitet, eine c der Stadt. Oberbilcgermeister Dr. Lob-

„Graf Zeppelin" über Tilsit.

Tilsit. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" kam in Tilsit um 17 Uhr in Sicht und flog in langsamer Fahrt über die Stadt, die es in östlicher Richtung wieder verließ, um nach dein Memelland zu fliegen. Auf Dächern und Plätzen hatten sich die Menschen angesammelt, die dem Luftschiff begeistert zu- jubelten. Von sämtlichen Kirchtürmen läuteten die Glocken, während die Dampfsirenen heulten.

Graf Zeppelin über Litauen.

Kowno, 15. Aug. Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometer überflog heute der Graf Zeppelin Litauen in nordöstlicher Richtung. Die Fahrt wurde durch den Wind begünstigt. Um 18 Uhr befand sich das Luftschiff über Seredziai, wo drei litauische Militärflugzeuge dem Lustschiff Geleit bis Dotnuva gaben.

Graf Zeppelin überfliegt die lettisch-russische Grenze.

Riga, 15. Aug. Das Luftschiff Graf Zeppelin überflog heute abend 8 Uhr die etwa 40 km östlich Dünaburg an der Düna gelegene Stadt Kreslawska und befand sich 10 Minuten später über der lettisch- russischen Grenze.

Graf Zeppelin über polozh.

Hamburg, 15. Aug. Die Hamburg-Amerika- Linie teilt mit, Graf Zeppelin befand sich um 21 Uhr nördlich von Polozk an der Düna im Gouvernement Wirebsk.

Der Gedächtniskranz auf dem „Graf Zeppelin". H

Zu Ehren der in russischer Erde ruhenden Deutschen wird vom „Graf Zeppelin" aus über einem sibirischen Kriegs» aefangenenfricdhof ein Kranz abgeworfeii werden, dessen Schleife in deutscher und in russischer Sprache die Auf- schrist trägt: „Unsern in russischer Erde ruhenden Kame­raden. Vereinigung einmaliger Kriegsgefangener in

Sibirien. — Breslau." „^

V

Das Zeppelinluftschiss in Amerika patentiert.

Das amerikanische Patentamt genehmigte den im November 1 922 eingereichten Antrag Dr. Eckeners auf Erteilung eines Patents an den Luftschiffbau Zeppelin G. m. b. H. für ein starres Luftschiffs mit ge­trennten Gaszellen.

Der russisch-chinesische Konflikt.

Unklare Lage.

Wie aus Tokio gemeldet wird, ist man dort auf Grund der aus der Mandschurei eingetroffenen Berichte der Ansicht, daß die Nachrichten über den Beginn der russisch-chinesischen Feindseligkeiten unbegründet sind. Auch von Moskau werden die Gerüchte über die Er­öffnung der Feindseligkeiten an der russisch-chinesischen Grenze durch russische Truppen amtlich in Abrede ge­stellt. Es handele sich nur um die Verfolgung von Ban­den, die die Grenze wiederholt überschritten hätten. Am 8. und 9. August hätten chinesische Banden die Grenze überschritten, seien aber von der russischen Grenzwache zurückgeschlagen und verfolgt worden. Die chinesischen Grenztruppen wurden von diesem Vorgehen russischerseits rechtzeitig in Kenntnis gesetzt.

Der Gouverneur der Provinz Kirin dagegen hat dem Gouverneur der Mandschurei, Tschanghsüliang, berichtet, daß die Rüsten die Feindseligkeiten eröffnet hatten. An der Ostfront seien am Sungarifluß von Kanonenbooten 300 russische Seesoldaten gelandet worden, die, von zwer Flugzeugen unterstützt, zwei kleine Städte besetzt hatten. An der Westfront sei Nordun unweit von Mandschulr ebenfalls besetzt worden. ।

——--—- •

Urlaubsantritt des preußischen Ministerpräsidenten.

Berlin. Der preußische Ministerpräsident Dr. Braun hat seinen Urlaub angetreten. Staatssekretär Dr. Weitzmann ist aus dem Urlaub zurückgekehrt und hat die Amtsgeschäfte übere nommen. .......4