Hersfel-erTageblatt hersfel-er Kreisblatt : 1-SS K^^^ack^ei^ill^u^ Mho/er i Amtlicher MnZeiger für den Kreis Hersfel- i JunfaBi^örutoeHn0^^ :
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Nr. 186 (6rftes Malt)
Sonnabend, den 10. August 1999
79. Jahrgang
Berfaffungsfeier.
Nach langen und schwierigen Beratungen wurde die geltende „Verfassung des Deutschen Reiches" am 31. Juli 1919 won der nach dem Zusammenbruch der früheren Staatsform am 19. Januar des gleichen Jahres gewählten Nationalversammlung zu Weimar mit 261 gegen 75 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen und am 11. August 1919 verkündet. Die Gegner der neuen Verfassung waren damals die Deutschnationale Volkspartei, die Deutsche Volkspartei und die Unabhängigen Sozial- demokraten. Dem nicht allein für Deutschland, sondern für ganz Europa und die zivilisierte Welt ganz außerordentliche Bedeutung in sich tragenden Ereignis der Verfassungsgebung gelten die jetzigen Gedenkfeiern, die ein Jahrzehnt des Bestehens der gesetzlichen Richtlinien für das Leben der deutschen Nationalgemeinschaft abschließen.
Nicht ohne lauten und stillen Widerspruch gehen diese Feiern vor sich. Auch zehn Jahre haben nicht genügt, um alle Ablehnung, allen Zorn gegenüber der eine andere Epoche einleitenden Umwälzung auszutilgen. Aber eines kann kaum geleugnet werden: Als in der schwersten Stunde unserer nationalen Geschichte der tobende Orkan des feindlichen Vernichtungswillens und das innere Chaos unser tausendjähriges Gemeinschaftsbewußtsein zu verschlingen drohten, wurde die junge Verfassung ausgerichtet als ein Schutzwall, hinter dem sich die Staatsidee vor gänzlicher Zerstörung decken sollte. Das ist gelungen, gewiß nicht ohne schwere Einbußen an traditionellen und wirtschaftlichen Gütern infolge des Kriegsverlustes, nicht ohne bis jetzt anhaltende Beeinträchtigung und Einengung unserer Freiheit. Die fremde Besatzung im Rheinland und die Bedrückung des Saargebiets dauern immer noch an Doch ein überwältigendes Besitztum ist gerettet worden: das Reich s e l b st ist uns geblieben. Wir sind nicht zersplittert in eine Anzahl kleiner und kleinster Teile, jeder ohnmächtig unterworfen ausländischer Gewalt. Deutschland ist nicht zum geographischen Begriff herabgesunken, der nur mitzählt bei Zweckmäßigkeitsrechnungen .von .Diplomaten jenseits de-' Grenzen. Aus der Verfassung von Weimar ist nach einem kürzlichen Worte Professor Dr. O n ck e n s eine schirmende Verteidigungslinie für unsere Volksexistenz geworden. Die National- versammlung in Weimar hat eine historische Mission erfüllt, sie hat einen bis dahin nicht so klar erkennbaren tiefen Grund für den Deutschen Staat in deutliche Sichtnähe gebracht — die Notwendigkeit eines von sozialer Verantwortlichkeit erfüllten, zur Selbstbehauptung entschlossenen Gemeinwesens in demokratischer Schicksalsverbundenheit. Dieser Gedanke wird niedergelegt im Vorspruch zum Verfassungstext mit den Worten „Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern und zu festigen, dem inneren und äußeren Frieden zu dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern, hat sich diese Verfassung gegeben",
Als Vater der Verfassungsurkunde ist der zu jener Zeit mit der Leitung des Reichsamts des Innern betraute spätere Neichsminister des Innern, Dr. P r e u ß, anzusprechen. Keine Verfassung ist eine Offenbarung, ein unerschütterliches Dogma, das unabänderlich festzustehen hat. In der ersten Verfassung des Reiches vom 6. April 1871 hieß es „Das Reich stellt einen ewigen Bund der deutschen Staaten dar, geschlossen von den Herrschern Preußens, Bayerns, Württembergs, Badens und Hessens." Der Wandel der Zeiten wandelt die Anschauungen und Bedürfnisse. Die Herrscher mußten weichen, der Wille zum „ewigen Bund der Deutschen" ist geblieben und wird durch das Dokument der Volkssouveränität bekräftigt. Das ist das Wesentliche und aus diesem Gesichtswinkel heraus betrachtet, läßt sich die Berechtigung der heutigen Feierlichkeiten auch von demjenigen verstehen, der auf anderem Wege das gewünschte Ziel erreichen will — eine glückliche und ehrenvolle Stellung des deutschen Volkes im Zusammenwirken mit den anderen Nationen. Das ist der springende Punkt, zu dem wir alle, ohne Unterschied der politischen Farbe, des Bekenntnisses und der Stammeseigenart, hinstreben sollen und müssen. Die Vergangenheit in Ehren, das ist selbstverständlich. Gleichberechtigt daneben stehen die Gegenwartsauf- q a b e n und die Z u k u n f t s z i e l e. Können wir diesen Zielen mit der Verfassung von 1919 nicht näher kommen, so mag sie verbessert werden. Einstweilen ist sie anzu- sehen als ein Band, auf dem Starrheit, Verständnislosig- keit und Verbitterung der Kinder einer Mutter untereinander nicht geschrieben sind, sondern einträchtiges Mühen um Glück und Größe des Vaterlandes. So sollten die Versassungsfeiern aufgefaßt werden. —es.
Luftpost? sinst für den Dampfer„Sremen".
Per Flugzeug von Köln nach C h e r b o u r g.
Im Einvernehmen mit dem Reichspostministerium wird die Deutsche Lufthansa bei der zweiten Amerikafahrt der „Bremen" einen Luftpostdienst zwischen Köln und Eherbourg, das als letzter europäischer Hafen von der „Bremen" angelaufen wird, einrichten. Die französische Regierung hat hierzu ihre Genehmigung gegeben. Für das überfliegen des besetzten Gebiets liegt die Genehmigung der Rheinlandkommission gleichfalls vor. Die „Bremen" wird am 15. August nachmittags in Eherbourg eintreffen. Hier landet das Postflugzeug, das am 15. August
Konferenztrise
Englisch-französische Spannung im Haag.
Rededuell Stresemann — Briand.
Bei den finanziellen Verhandlungen der Hanger Konferenz ist man ohne lange beschönigende Vorrede gleich mitten in den Kern der Sache gestoßen und der Krach zwischen den ehemals Verbündeten ist da. Es ist hier im Völkerleben genau so wie im privaten: erst dicke Freundschaft; wenn es aber ans Bezahlen geht, geht die Harmonie in die Brüche)
Die zweite große Rede des englischen Schatzkanzlers brächte erneute und
verschärfte Angriffe gegen den Young-Plan.
Nachdem Portugal, Rumänien und Jugoslawien wieder in beweglichen Worten ihre großen Kriegsopfer geschildert hatten, betonte Snowden von neuem in sehr scharfen Worten die Unmöglichkeit für die britische Regierung, den Sachverständigenbericht anzu- nehmen, bevor er nicht mit Bezug auf die Verteilung der Annuitäten abgeändert sein würde. Er legte Nachdruck auf die Bedeutung, die der Frage der Sach- l i e f e r u n g e n für Großbritannien als Ausfuhrland zukomme, und schlug vor, ein Unterkomitee von Sachverständigen zu schaffen, das unter anderem die Nachprüfung der Verteilungsgrundlagen vorzunehmen hätte, um sie mit dem bereits bestehenden Abkommen in Einklang zu bringen. Der französische Vertreter C h 6 r o n stellte fest, daß es für die französische Delegation unmöglich sei, Snowdens Vorschlag anzunehmen. Die Sachverständigen seien im Einklang mit dem Genfer Protokoll eingesetzt worden und fünf Regierungen von sechs hätten ihren Vorschlag gebilligt. Alle Anregungen könnten geprüft werden die den Mechanismus des Planes nicht berÄhreü. v^n mau könne nicht daran denken, den Anteil, der Frankreich zulommt, in Frage zu ziehen. Das sei seine klare Stellungnahme, von der sich die Delegation nicht entfernen könnte.
Italien und Belgien schloffen sich diesen Ausführungen des französischen Vertreters an und wiesen auf die Einheitlichkeit und Vollständigkeit des Voung-Planes hin und auf die Unmöglichkeit, dieses" Werk von neuem durchzuprüfen, ohne es in seinen Grundlagen zu erschüttern.
Wie man sieht, scheiden sich deutlich die Geister und Bestrebungen. Auf der einen Seite Frankreich, Italien,Belgien und die klcineren Staaten , die für die Annahme des Young-Planes als Ganzes sind, und auf der anderen Seite England, das seine Forderungen auf Abänderung in bezug auf den Verteilungsschlüssel und die Sachlieferungen energisch geltend macht.
In der Deutschland hauptsächlich interessierenden Frage der R h e i n l a u d r ä u m u n g hat sich England zunächst für uninteressiert erklärt. Es wird, wie verlautet, jedem Abkommen, das zwischen Deutschland und Frankreich geschlossen werden sollte, beitreten. In der politischen Kommission hat Dr. Stresemann Frankreich gegenüber mit Nachdruck betont, das? das Anrecht Deutschlands aus Räumung des Rheinlandes nach Artikel 431 des Versailler Vertrages von den alliierten Regierungen bereits vor zwei Jahren anerkannt worden sei, da Deutschland völlig abgerüstet sei und die militärische Kontrolle aufgehoben würde. Die Besetzthaltung des Rheinlandes fei keineswegs als eine Bürgschaft für die Leistungen der deutschen Tributzahlung anzusehen. Deutschland habe, nur um seinen guten Willen zu beweisen, sich im September vorigen Jahres bereit erklärt, gleichzeitig mit der Reparationssrage auch über die Frage der Räumung zu verhandeln.
Briand wiederholte darauf seine bekannten, schon. oft widerlegten Einwände, daß Deutschland zwar m a t e- riell abgerüstet sei, aber noch lange nicht in moralischer Hinsicht. Aus diesem Grunde habe er in Genf
um 10 Uhr, siebzehn Stunden nacy den: Auslaufen oer „Bremen" von Premerhaven, in Köln startet, um 3 Uhr nachmittags. Aus diese Weise kann Post mit erheblicher Zeitersparnis die „Bremen" noch erreichen. Die Sendungen, für die der übliche Luftpostzuschlag zu entrichten ist, müssen den Vermerk: „Mit Luftpost ab Köln zum Dampfer Bremen" tragen.
Die Führt des Zeppelin.
Eckeners Antwort auf die Berliner Einladung.
Den letzten Berichten zufolge nimmt man in N c W - york an, daß „Graf Zeppelin" inRichtungausdie Azoren fliegt. Nach Ansicht des Newyorker Sachverständigen Kimball wird der Zeppelin vorübergehend eine Nebel- und Regenzone durchstiegen müssen, dann aber wieder auf besseres Wetter treffen.
Auf die Einladung des Reichsverkehrsministeriums an Dr. Eckener, am Verfassungstage mit dem Luftschiff „Graf Zeppelin" nach Berlin zu kommen, ist von Dr. Eckener folgende Antwort eingetroffen: „Herzlichen Dank
die/ Einsetzung eines Feststellungs- und Vergleichsaus- schuffes für die Rheinlande gefordert und aus diesem Grunde könne das Rheinland
nur etappenweise geräumt werden entsprechend der Annahme und der Durchführung des Uoung-Planes und der Einsetzung des Vergleichsausschusses.
Trotz des nach diesem Rededuell noch bestehenden deutsch-französischen Gegensatzes wird die Atmosphäre in der politischen Kommission für weit versöhnlicher angesehen, als in der finanziellen. Auf finanziellem Gebiet ist Frankreich anscheinend in Amerika von außen her ein starker Bundesgenosse entstanden.
Die plötzliche Newyorker Diskonterhöhung ist aus rein wirtschaftlichen Gründen nur schwer zu erklären und man wird sie als eine politische Maßnahme mit der Spitze gegen England werten müssen. Die Bank von England, der in der letzten Zeit bereits durch Frankreich hohe Goldbeträge entzogen worden sind, läuft jetzt Gefahr, durch neue große Goldabflüsse weiter geschwächt zu werden. Sie wird gezwungen sein, ihren Diskontsatz sofort kräftig heraufzusetzen, was natürlich für die englische Wirtschaft eine starke Beeinträchtigung bedeutet.
Amerika hat anscheinend England zeigen wollen, daß man gegenüber seinem Verlangen nach anderweitiger Regelung der Reparationszahlungen sch w e r st e s Geschütz aufzufahren bereit ist.
Vermittlungsversuche.
Der Verhandlungsfreie Vormittag am Freitag wurde zu Aussprachen der einzelnen Delegierten untereinander benutzt, die natürlich wenigstens zum Teil einer Ausgleichung der französisch-englischen grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten dienen sollten. Reichsaußenminister Dr. Stresemann empfing zunächst, den Besuch des griechischen Ministerpräsidenien V e n i s e l o s , etwas später den des Außenministers Henderson, der seinerseits auch ein Gespräch mit Briand hatte. Snowden hält sich von diesen Besprechungen fern. Inzwischen wird begreiflicherweise von beiden Seiten stark mit Stimmungsmache gearbeitet, die aber nicht verkennen läßt, daß man sich der Verantwortung bewußt ist, ein so großzügig angelegtes Unternehmen wie die Haager Konferenz nicht von vornherein durch ein formelles Aufstellen und Festhalten unerschütterlicher Prinzipien zu gefährden.
Die Freiiagsitzzmg der pMiischen Kommission im Haag.
Bildung einer Feststellungskommission für das Rheinland.
Das amtliche Kommunique über die Freitagsitzung der politischen Kommission im Haag lautet wie folgt:
Die politische Kommission trat um vier Uhr nachmittags zusammen. Henderson eröffnete die Sitzung, indem er seine Befriedigung über den Eindruck bekannt gab, den er von der Unterhaltung mit seinen Kollegen bei der vorhergegngenen Sitzung bezüglich des Fortschrei- tens gehabt habe. Briand gab der Kommission die Versicherung des guten Willens der französischen Delegation und erinnerte daran, daß das Endresultat im Zusammenhang stehe mit dem Arbeitserfolg der Finanzkommission. Eine allgemeine Diskussion, an der die Vertreter der vcr- schiede»en Delegationen teilnahmen, ergab sich bezüglich der B i l d u n g einer F e st st e l l u n g s - u n d V c r- gleichskomMission für das Rheinland.
Man beschloß ein Unterkomitee von Juristen zu bilden, das beauftragt wird, die rechtliche sich aus dem Vertrag ergebende Lage zu prüfen, und die Angelegenheit wieder in der Kommission zu erörtern, sobald der Bericht der Juristen vorliegt.
Die Kommission wird am Montag nachmittag vier Uhr wieder zusämmentreten.
für Einladung. Luftschiff wird aber voraussichtum schon am 1 0. in Friedrichshafen sein."
Rückbeförderung des blinden Passagiers.
Der 18 Jahre alte Bäckerlehrling Albert Bo s ch k e, der als blinder Passagier die Zeppelinfahrt nach Amerika mitgemacht hatte, wurde mit dem Dampfer „Thuringia" nach Deutschland zurückgeschickt. Er Würbe in einer Kabine des Schiffes eingeschlossen und wird in Hamburg den Behörden übergeben werden. Berichterstattern und Photographen wurde kein Zutritt zu der Kabine gestattet.
Neuer Atlantikflug.
Der schweizerische Pilot K ä f e r s ist von Le Bourget mit seinem 230=PS=@iubeder nach Lissabon gestartet, von wo aus er seinen Flug nach Newyork antreten will. Er wird von einem Beobachter und einem Mechaniker, die gleichfalls Schweizer sind, begleitet sein.
Weitste Vesserung im Vesinden des Reichskanzlers.
Berlin. Über den Gesundheitszustand des Reichskanzlers wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß es dem Kanzler besser gehe, so daß mit einem weiteren günstigen Verlauf der Krankheit zu rechnen sei.