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hersfelöerTageblatt

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hersfeSSer Kreisblatt sM-MW-M-

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis kerskelS j Kunks Buchörlickerei in^yers^ MtMö des VVM

mit Vea BellaLen: Illustriertes Auterhaltongsblatt / Mach IeierabenS / Herd u«S Scholle / Auterbaltvug ouS Wisse« BeleLemm uuS Kmrweil / WirtschattMe TuaeSfragru.

Nr. 185

Freitag, den 9 August 1929

79. Jahrgang

Aeparationsbank und Welifinanz.

Die Konferenz im Haag ist verhältnismäßig schnell in das Arbeitsstadium getreten. Nach der weitschweifigen Einleitung hätte man erwarten können, daß die all­gemeine Aussprache über Wesen und Zweck des Noung- Planes sich noch längere Zeit hinziehen würde. Erfreu­licherweise hat man sich jedoch bald entschlossen, zwei Kommissionen einzusetzen, so daß die eigentliche Arbeit beginnen kann, womit allerdings noch nicht gesagt ist, daß sie dort schnell erledigt wird, da jetzt eigentlich erst das Wegräumen der Hindernisse beginnt.

Von Hause aus wollten die Pariser Sachverständigen seinerzeit ja nur nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten ihren Plan aufstellen. Aber es zeigte sich bald, daß bei der Liquidierung des Weltkrieges das politische Moment nicht ausgeschaltet werden kann, waren doch neben wirt­schaftlichen Beweggründen gerade die p o l i t i s ch e n mit die Hauptquellen seines Ausbruches. Deshalb ist es verständlich, wenn man jetzt neben einen wirtschaftlichen Ausschuß auch den politischen gesetzt hat. Das enge Jn- einandergreifen wird auch dadurch gekennzeichnet, daß beide nebeneinandertagen und nicht, wie zuerst vor­geschlagen war, der politische erst nach Beendigung der Arbeiten des wirtschaftlichen.

Über zwei Fragen, die auf der Pariser Sachver­ständigenkonferenz eine große Rolle gespielt haben, ist noch keine Entscheidung getroffen, wenigstens nicht über die Art der Behandlung auf der jetzigen Konferenz. Es sind dieses die Ausschüsse, die das Inkrafttreten des Noung-Planes vorzubereiten haben. Daneben steht dann das große Problem der internationalen Repara­tionsbank.

Man hat vielleicht mit Willen diese beiden Themen noch nicht offiziell angeschnitten, weil man nach Einigung über die wirtschaftlichen und politischen Themen keine allzu großen Schwierigkeiten mehr erwartet. Trotzdem dürfte die Frage der Reparationsbank doch auch nicht so ganz leicht zu lösen sein. Man braucht sich nur der Ver­handlungen zu erinnern und der Wmpfe, die in Paris man sich damals einig wurde. Es war gewissermaßen der neutrale Ort, an dem sich beide Partner zusammen­finden konnten, ohne sich gegenseitig vorher zu binden, zu­mal man ja damals die ganze Art der Ausführung ge­trost der Zukunft überlassen konnte.

Von welcher Bedeutung diese geplante Bank fern dürfte, das haben ja schon die Erörterungen gezeigt, bte sofort einsetzten, als man sich im Prinzip auf die Schaffung eines solchen Instituts geeinigt hatte. Es ist wohl noch er­innerlich, welchen Widerstand der Gedanke an sich nament­lich in amerikanischen Finanzkreisen fand wo man ver­mutlich fürchtete, daß diese Bank bei den ungeheuren Mit­teln, die ihr zuzuströmen haben und die fast die ganze Welt in ihren Bann ziehen, bald einen ungeahnten Ein­fluß auf die gesamte Weltfinanz ausüben könnte. Inzwischen scheint man sich in Amerika mit dem Gedanken etwas abgefunden zu haben. Aber es ist nicht unwahrscheinlich, daß diese Bedenken erneut wieder auf­tauchen, wenn man an die Umsetzung des Gedankens in die Tat herangeht.

Der Plan der Errichtung dieser Bank wurde m den bisherigen Debatten eigentlich nur englisch erseits gestreift. Der englische Redner erklärte, daß er mit allen seinen Landsleuten darüber einig fei, daß diefe Bank ihren Sitz in London haben müsse. Dieses Verlangen zeigt auf das deutlichste, welche Bedeutung man diesem Geld­institut zumißt. Wenn es auch noch nicht ausgesprochen wurde, so ersteht man doch aus dem englischen Wunsche, daß das Land, das den Sitz der Bank erhält, damit eine wichtige finanzpolitische Waffe bekommt. Zwischen New- york und London bestand, oder besteht noch, ein zäher Kampf um die Beherrschung des Weltgeldmarktes. Die Verhältnisse nach Beendigung des Weltkrieges haben es nun mit sich gebracht, daß London stark an die zweite Stelle rückte. Die internationale Reparationsbank kann bei ge­schickter Führung nun leicht London wieder in die alte Position bringen. Es ist zu erwarten, daß schon aus diesen! Grunde vielleicht von amerikanischer Seite starker Widerstand entgegengebracht wird, wenn auch nicht mehr gegen den Gedanken der Bank selbst, sondern nur gegen Tatsachen, die dazu beitragen können, ihr einen allzu großen Einfluß auf die Gestaltung der Weltfinanz ein- zuräumen. _______

Geringe Belebung des Arbettsmarktes.

Immer noch 715 000 Unterstützungsempfänger.

In der Woche vom 29. Juli bis 3. August setzte sich nach dem Bericht der Reichsanstalt auf dem Arbeitsmarkt eine geringe Belebung durch. In den einzelnen Bezirken war die Entwicklung uneinheitlich. Eine nennenswerte Entspannung haben nur drei Bezirke er­fahren, und zwar Brandenburg, Schlesien und Sachsen.

Am 1 August lag die Arbeitslosigkeit immer noch nahe an 715 000 Unterstützungsempfänger; die Arbeits- losigkeii bleib« mit einer dem Vorjahrsbestand um rund 150 000 Mensche«« Zerstechenden Ziffer noch recht hoch.

Meits-lN der Nager Werten

Die Zweiteilung der Reparations- konfereoz.

Gesonderte Behandlung der Räumungsfrage.

Über den Beschluß der Haager Konferenz, getrennt in einem finanziellen und einem politischen Ausschuß zu verhandeln und den Beratungsstoff dem­gemäß zu verteilen, ist man in französischen, besonders militärischen Kreisen nicht sehr erbaut. Mau be­fürchtet, daß der politische Ausschuß unabhängig von den Beschlüssen über den Uoung-Plan zu einer Entschließung über die Rheinlandräumung kommen könnte, und erklärt, die Rheinlandräumung hätte erst zur Beratung gestellt werden dürfen, nachdem alle notwendigen Maß­nahmen getroffen worden waren, um den Uoung-Plan in Kraft treten zu lassen. Wahrend also diese französischen Kreise auf dem Standpunkt stehen: Erst Erledigung des Noung-Planes, dann Rheinlandräumung, wobei wahr­scheinlich die stille Hoffnung auf ein Scheitern des Uoung-Projeltes mitspielt, lauten bekanntlich die deut­schen Forderungen dahin, daß diese beiden Punkte g e sondert bearbeitet werden müssen, weil

die Rheinlandräumung eine der Voraussetzungen für die Annahme des Noung-Planes durch Deutschland bildet.

Dieser deutschen Ansicht scheint sich auch die Mehr­heit der Konferenzteilnehmer mit Briand an der Spitze angeschlossen zu haben. Die Zweiteilung des Konferenz-

Das Hotel Oranje in Scheveningen, in dem die deutsche Delegation für die Haager Konferenz Wohnung genommen hat. Vor dem Hotel stehen die Automobile der Deutschen.

stosfes ist ein erstes Zeichen dafür, daß man die politischen und die wirtschaftlichen Fragen getrennt voneinander zu behandeln gedenkt, um eine Verquickung, die zu unnötigen Schwierigkeiten und zur Verlängerung der Debatten führen könnte, zu vermeiden.

Die bisherigen Besprechungen gingen in der Haupt­sache nur über die Art des Vorgehens. Aber aus dem beabsichtigtenWie" kann man unschwer schon das Was" der einzelnen Bestrebungen ersehen, wober freilich die Frage nach dem schließlichen Resultat noch gänzlich offen bleibt.

An den Arbeiten des politischen Ausschusses werden die Amerikaner wahrscheinlich nicht teilnehmen, weil die Regierung der Vereinigten Staaten bisher bekanntlich den Standpunkt eingenommen hat, daß die politischen Fragen dieser Konferenz, wie Rheinlandräumung, Ver­gleichskommission und Saarfrage,

rein europäische Angelegenheiten

seien, an denen Amerika nicht interessiert ist.

Dr. Schacht beim Deutschen Gewerkschasisbunö.

Young-Plan, Rheinlandräumung und Saarfrage.

Im Städtischen Saalbau zu Essen fand eine stark besuchte Vertreterversammlung des Bezirkes Rheinland- Westfalen des Deutschen Gewerkschaftsbundes statt, die sich mit den wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Young- Planes beschäftigte. In der Ansprache ergriff auch

Reichsbankpräsident Dr. Schacht

das Wort. Er erläuterte die Bedeutung des Young- Planes im Rahmen der Gesamtentwicklung des Repara­tionsproblems und wies vor allem auf die Wichtigkeit der Beseitigung der ausländischen Kontrolle im Hinblick auf die soziale Entwicklung in Deutschland hin. In der Nach­mittagssitzung beschäftigte sich die Versammlung mit der

Rheinlandräumung und der Saarfrage.

Es wurde einstimmig eine Entschließung ange­nommen, in der es u. a. heißt: Die Entschließungen der politischen Konferenz über die Rheinlandräumung werden von grundlegender Bedeutung für die Gestaltung der Ver­hältnisse in Europa für lange Zeit sein. Das Deutsche Reich braucht, um seine gewaltigen Verpflichtungen er­

Der englische Ministerpräsident Macdonald wird am Dienstag zur Teilnahme an den Arbeiten der Kon­ferenz im Haag eintreffen. Man kann neugierig darauf sein, inwieweit dann England seine

Forderungen zur Neuverteilung der Reparations­zahlungen,

die der englische Schatzkanzler Snowden am Anfang so energisch vertreten hat, weiter aufrechterhalten wird. Es ist nicht anzunehmen, daß England allzu hartnäckig auf seinem Standpunkt verharren wird, denn es würde dadurch die Hoffnungen auf eine Schlußregelung und die Liquidation der Vergangenheit, die der Noung-Plan hat entstehen lassen, vernichten. Es ist wenig wahrscheinlich, daß Macdonald und Snowden als Mitglieder eines Arbeiterkabinetts eine so schwere Verantwortung auf sich nehmen werden.

Besprechungen außerhalb des Konferenzsaales.

Der Donnerstagvormittag wurde zu privaten Be­sprechungen der verschiedenen Delegierten benutzt. Reichs­außenminister Dr. Stresemann suchte den fran­zösischen Ministerpräsidenten Briand im Hotel des Indes auf, wo etwa eine halbe Stunde später auch V e n i z e l o s eintraf. Die Besprechungen dauerten etwa eine Stunde Inzwischen hatte Reichsminister Dr. H i l f e r d i n g den belgischen Delegierten und früheren Finanzminister F r a n q u i empfangen, mit dem er etwa eine halbstündige Unterhaltung führte. Anschließend be- gab sich der Minister zum englischen Finanzminister Snowden. Ferner fanden verschiedene Besprechungen der Fachminister der Delegationen unter sich statt.

Die Beramngen im psSiiischen Ausschuß der Haager Konferenz.

Die Lage so ziemlich geklärt.

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ordnung: Rheinlandräumung und Frage der in Punkt 3 der Genfer Resolution vom 16. September 1928 behandelten Kommission. Der Vorsitzende Henderson hatte dieses Arbeitsprogramm vorgeschlagen.

Zum ersten Punkt der Tagesordnung sprach als erster Redner Briand, dem Dr. Stresemann antwortete. Briand erwiderte seinerseits, und Ausführungen des Reichsaußenministers bildeten den Beschluß dieser Aus­sprache. Das Ergebnis dieses Meinungsaustausches, der sich in freundlichen Formen abspielte, wurde zum Schluß von Henderson dahin gekennzeichnet, daß sich durch diese Debatte die Lage so ziemlich geklärt habe.

Für technische, mit der Rheinlandräumung zu­sammenhängende Fragen ist die Schaffung eines Unterausschusses in Aussicht genommen. Die Aussprache wird Freitag nachmittag um 4 Uhr im politi­schen Ausschuß weitergefübrt.

*

Die Behandlung des Saarprvdiems -m Haag.

Der Sonderberichterstatter des PariserJutransige- ant" im Haag will Reich s a u ß eninin ister Dr. Stresemann über das Saarproblem befragt und von ihm folgende Antwort erhalten haben:

Wenn die Konferenz eine allgemeine Liquidierung der Nachkriegsprobleme herbeiführen soll, dann kann man die Saarfrage nicht beiseite lassen. Diese sei ein Gegen­stand beständiger Reibung zwischen Frankreich und Deutschland. Man müsse davon sprechen, außerdem gebe es eine substantielle Verbindung zwischen der Reparation und der Saarfrage. Gewiß .«erbe man deutscher­seits im politischen Auskchuß davcn sprechen. Z

füllen zu können, die Möglichkeit einer freien Entfaltung seiner Kräfte ohne neue Einmischung von aussen. Eine solche unerträgliche neue Bindung würde aber in der Ver­wirklichung des Verlangens Frankreichs liegen, bte Deutschland rechtmäßig zustehende Rhein- landräumung nur gegen Einsetzung einer neuen Kontrollkommission durchzuführen. Die christliche Ar­beiter- und Angestelltenschaft des Rheinlandes erwartet von den deutschen Vertretern schärfsten Wider­stand gegen die Schaffung jeder irgendwie gearteten Rheinlandkontrolle über die Bestimmungen des Locarno- vertrages hinaus. Die Vertreterversammlung des D. G. B. erwartet von der Reichsregierung, daß sie alles daransetzt, bei den Verhandlungen im Haag die ©barfrage einer schnellen, dem einstimmigen Wunsch der Saarbevolkerunq entsprechenden Lösung zuzuführen.

Der Rekord derVremen" von der «-Muretania" nicht geschlagen.

N e w y o r k. Der CunarddampferMauretania" hat die Fahrt CherbourgNewyork in vier Tagen 23 Stunden zu­rückgelegt. Es ist dem Dampfer damit gelungen, seinen eigenen früheren Rekord um drei Stunden und 34 Minuten zu schlagen. Er ist jedoch noch um fünf Stunden und 18 Minuten hinter dem Rekord des LloyddampfersBremen" zurückgeblieben.