Einzelbild herunterladen
 

hersfel-erTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Einstiger für öen Kreis Hersfelö mit Se« WellmM: Sllirstrieetes UntrrhalL«»gsbLaLt / Räch AeLerabevS / Serv Mtd Scholle / Auterbsttoog an& Wisse« BelehkMK «ob Kunwell / Wirtschaftliche Ässessrageu.

Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Neklamezeile 50 Pfennig. (Grunöschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. ❖ Kür die Schriftleitung verant­wortlich: Kranz Zunk in Hersfelö.» Kernsprecher Nr. S

N-. 184 Donnerstag, den S. August 1929 79. Jahrgang

Aeberfremdung.

Der Doung-Plan wird, falls er, trotz der großen Schwierigkeiten, die sich ihm anscheinend jetzt im Haag entgegenstellen, in Wirksamkeit treten wird, Wenn er "auch eine Herabsetzung unserer Jahreszahlungen von zweiein­halb auf zwei Milliarden Mark mit sich bringt, die eigene Kapitalbildung der deutschen Volkswirtschaft nicht aus­reichend genug stärken. Es wird schwer sein, die Last zu tragen. Deutschland, das noch anf Jahrzehnte hinaus an der Abtragung seiner Reparationslasten arbeiten muß, bedarf vor allem erweiterter und neuer Pro­duktionsmittel und Arbeitsmöglichkeiten. Arbeits­fähige und Arbeitswillige sind genug da; aber es fehlt an der finanziellen 'Kraft, welche die notwendige Be­schäftigung geben kann und Betätigung ermöglicht. Die erschütternden Ziffern unserer Arbeitslosigkeit reden davon eine eindringliche Sprache. Zur Schaffung von Fabrikationsstätten, die den Arbeitswilligen Produk­tionsmöglichkeiten und Mittel zur Verfügung stellen, zur Erkundung und Eröffnung neuer Absatzgebiete gehört neben dem Unternehmungsgeist und der Unternehmungs­lust Kapital, Kapital und noch einmal Kapital. Und an diesem gebricht es der deutschen Volkswirtschaft. Kriegs Inflation, Kapitalflucht und der ständige Aderlaß der Reparationszahlungen haben unsere Kapitalbildung so geschwächt, daß ihre Basis zu schmal geworden ist zum Aufbau der notwendigen Arbeitsvoraussetzung.

In diesem trostlosen Zustand bot sich uns fremde Hilfe an, die mit ausländischem Geld uns beizu- springen bereit war. Nicht um unserer schönen Augen willen tut man das, sondern nur weil und nur insoweit man durch eine Kapitalbeteiligung an deutschen Werken glaubte, hohe Verdienste erzielen zu können Neben den unzweifelhaften Vorzügen, die sich durch diese Speisung mit ausländischen Kavitalien für die deutsche Volkswirt­schaft ergab, lauern schwere Gefahren, wenn wir allzu kritiklos und mit der Gier des Hungrigen die dargebotenen Hände ergreifen wollen.

Solche Kapitalbeteiligung des Auslandes ist auf zweierlei Arten möglich: einmal

Dort? h <jji._L^.*4!riimii*MiHUy'ff(^ und

"Mvn dürw den Er wer b ganzer Werke oder von Aktien und Aktienpaketen. Während der ausländische Anleihe­geber mit der Hingabe nur die Rechte des Gläubi­gers erhält, das Geld ■ mit Zinsen wieder znrückzu- fordern, rückt der A kti e n e rw e r b e r in die viel mächtigere Position des Eigentümers ein, der nach Maßgabe der Größe seines Anteils über deutsches Gut in weitgehendstem Maße verfügen und mit ihm schalten und walten kann. Deswegen ist die immer mehr um sich greifende Vergrößerung ausländischen Kapitalbesitzes in Deutschland mit schwerer Sorge und scharfem Mißtrauen zu überwachen.

Die Überfremdung, d. h. die maßgebende Ein­flußnahme der Kapitalgeber auf die Geschäftsführung und die Schicksalsgestaltung deutscher Unternehmungen, ist das Schreckgespenst, das hinter dem ausländischen Geldgeber sich drohend ansreckt. Wenn bei der letzten großen Trans­aktion zwischen der „A. E. G." und dem amerikanischen Riesenkonzern der „General Electric" ausdrücklich betont wird, daß die erstere kapitalmäßig nicht überfremdet wird und deutsches Eigentum bleibt, so wird man die Er­wartung und Hoffnung aussprechen müssen, daß dies auch in Zukunft so bleibt. Denn der Auslandsbesitz von einem Dritte! des A.-E -G.-Kapitals bedeutet doch eine schwere Gefahr. Dieselbe Gefahr droht auch bei, den übrigen deutschen Gewerbezweigen, in denen ausländische Kapi­talien zwar befruchtenden, aber bedenklichen Einfluß ge­nommen haben, wie z. B bei der Margarineindustrie durch Holland, der Automobilindustrie, deren größtes Unternehmen, die Opelwerke, vor kurzem an die Ameri­kaner übergegangen ist, bei dem Kunstseidenkonzern und der Radiamdustrie ebenfalls durch Holland, im mittel­deutschen Braunkohlenbergbau durch die Tschechoslowakei, in der Papierindustrie durch England.

Auch ein großer Teil der deutschen F i l m i n d u st r i e ist bereits überfremdet und wie es heißt, soll jetzt auch der Emelkakonzern in ausländischen Besitz übergehen. Wenn man bedenkt, daß bei diesem Unternehmen, das neben der Herstellung von Filmen auch eine große Anzahl von Theatern betreibt, neben geschäftlichen Belangen auch kulturelle auf dem Spiel stehen, so wird man hier eine ausländische Einflußnahme in doppelter Hinsicht kritisch betrachten müssen. Dazu kommt noch folgendes: Bekanntlich hat, als das Reich seinerzeit den unglück­seligen P h ö b u s k o n z e r n, für den Mittel der Steuer­zahler in reichem Maße verbraucht worden waren, über­nehmen mußte, es den Theaterbesitz daraus dem Emelka­konzern übergeben, mit dem ausdrücklichen Betonen, daß dies deswegen geschehe, weil Garantien dafür geboten kein, daß diese maßgebenden Lichtspielhäuser in deut­schem Besitz und unter deutschem Einfluß bleiben würden. Eine Begründung und eine Entschuldigung für eine derartige Investierung deutscher Reichsmittel kann auch nur darin gesucht werden, daß dieses Unter­nehmen im Dienste deutscher Interessen wirken und tn ideeller Beziehung das wieder einbringen soll, was es m a t e r i e l l gekostet hat. Je? soll dieser Zweck hin­fällig gemacht werden dadurch, daß ausländisches Kapital bestimmend und natürlich seinen eigenen Interessen dienemd eintreten^soll. _

Unfrieden im Haag

9er Zwist der Nonag-GlÄtbiger.

Wirtschaft vor Politik.

Man war darauf vorbereitet, daß auf der Haager Konferenz ein heftiger Streit entbrennen würde um die Q u o t e n v e r t e i l u n g der deutschen Reparations­leistungen, und wußte, daß das Abweichen der Sachver­ständigen von dem Verteilungsschlüssel von Spa viel böses Blut gemacht hatte. Daß aber die verschiedenen Meinungen gleich zu Beginn, in den ersten Sitzungen, so kraß au feinanderprallen würden, wie es geschehen ist, darauf war wohl niemand gefaßt. Der eng­lische Schatzkanzler S n o w d e n zog gleich in seiner An­trittsrede forsch vom Leder und schlug nach rechts und links aus.

Die Eröffnungssitzung.

unks Reichsautzenmtntster Dr. S1 r e s e m a n n, Reichs- finanzmimster" Dr. Hilferding, Reichswirtschafts­minister Dr. C u r t i u s, Reichsminister für die besetzten Gebiete Dr. W i r t h (2).

Auf dem Präsidentenstuhl (rechts) der holländische Außen­minister Joukheer Veelaerts van Blookland (1). Rechts neben ihm der englische Schatzkanzler S n o w d e n. Links der französische Ministerpräsident B r i a n d. Weiter

Zunächst richteten sich seine Ausführungen besonders gegen die Bevorzugung Frankreichs durch die Neuverteilung der Reparationen, dann wandle er sich gegen die Regelung der deutschen Sachlieferungen, auf deren Gefährlichkeit für England er hinwies im Hin­blick auf

die deutsche Konkurrenz auf dem Weltmarkt.

Der Stein war ins Rollen gebracht worden und nachdem England so offen und freimütig seine Wünsche erklärt hatte, folgten in der Dienstagsitzung die Rumänen, Portugiesen, Italiener, Franzosen, Grie­chen und Jugoslawen mit einer kurzen Skizzierung ihr^x Verteilungswünsche. Der Vertreter Deutschlands, Dr. S t r e s e m a n n, tat deshalb das, was zu tun für ihn in dieser Situation das einzig Gegebene war: er erklärte sich bei diesem Gläubigerstreit zunächst für u n b e t e i l i $ t und kündigte seine politischen Erörterungen für den Zeit­punkt an, in dem die Diskussionen wieder in das politische Fahrwasser geleitet sein würden.

Die Erklärung Dr. Gtrssemanns

hatte folgenden Wortlaut: In den verschiedenen Er- klärungen, die hier abgegeben worden sind, sind gegen­sätzliche Meinungen 31t wesentlichen Teilen des Noung- Planes zum Ausdruck gekommen. Es handelt sich um diejenigen Punkte des Noung-Planes, die in erster Linie das Verhältnis der Gläubiger regierungen untereinander angelst. Ich glaube daher, daß ich midj darauf beschränken kann, mich auf die seinerzeit von der Reichsregierung abgegebene Erklärung zu beziehen, nach der Deutschland bereit ist, auf der Grundlage des U 0 u n g - P l a u e s zur Lösung des Reparations- Problems zu gelangen.

Da, wie der Präsident betont hat, unsere General­aussprache sich lediglich auf den N 0 u n g - P l a n, nicht aber auf p 0 l i t i s ch e Fragen bezicht, kann ich davon ab­sehen, darauf hinzuweisen, welche politischen Fragen nach Auffassung der deutschen Reichsregierung mit der Regelung der Reparationsfrage im Zusammenhang stehen. Ich behalte mir vor, auf diese Fragen zurückzu- kommen, fobald der wirtschaftliche und der politische Aus­schuß der Konferenz gebildet sind, die ihre Arbeiten gleich­zeitig aufnehmen werden.

Was die Regelung des Young-Planes an­belangt, so möchte ich der dringenden Hoffnung Ausdruck geben, daß es dem Finanzausschuß der Konferenz gelingen wird, darüber eine Einigung unter den beteiligten Re­gierungen zu erzielen. Die deutsche Regierung wird mit allen Kräften dahin wirken eine RcgetunazumAb-

schluß zu führen, die, wie der französische Finanz- mrmster Chsron sagte, die Vergangenheit liquidiert und die Grundlage eines dauerhaften guten Verhältnisses zwischen den beteiligten Regierungen bilden kann

Schluß der Generaldislusfion fm Haag.

Bi l d u N g eines finanziellen und eines politischen Ausschusses.

Mittwoch nachmittag ist im Haag die allgemeine Aus­sprache über den Houng-Plan fortgesetzt worden, nachdem eine Privatbesprechung der Vertreter der sechs einladenden Mächte stattgefunden hatte.

Die Sitzung, die den Abschluß der allgemeinen Aus­sprache brächte, wurde vom belgischen Außenminister H y m a n s mit einer Erklärung eröffnet, in der er seine Anerkennung für die Leistungen der Sachverständigen

aüsfprach. Er wies darauf hin, daß das ganze Werk ein Kompromiß darstelle. Die belgische Regierung habe den Noung-Plan als Ganzes angenommen. Er hob her­vor, daß darum aus diesem Plane nichts herausgerissen werden könne. Wenn man über Einzelheiten verhandeln wolle, müßte man vielleicht auch einen neuen Sachver­ständigenausschuß einberufen. Hymans kam zu der mit großem Nachdruck ausgesprochenen Schlußfolgerung, daß

der Plan als Ganzes angenommen

werden müßte. Hierauf sprach A d a t s ch i - Japan, der zunächst die „schweren Opfer" Japans erwähnte und so­dann die Erklärung abgab, daß die japanische Regierung den Noung-Plan als Basis für die endgültige Re­gelung angesehen haben wolle.

Der amerikanische Vertreter W i l s 0 n, der der Sitzung als Beobachter beiwohnte, behielt sich seine im Namen der amerikanischen Regierung abzugebenden Be­merkungen für die finanzielle Kommission vor.

Hierauf wurde die Generaldiskussion geschlossen.

Es folgten dann die geschäftsordnungsmäßigen Vor­schläge Jaspars. Es wurden

ein finanzieller und ein politischer Ausschuß gebildet. Im finanziellen Ausschuß sollen alle Mächte durch je zwei Delegierte vertreten sein. Die finanziellen Probleme, die nur die einladenden Mächte be­treffen, sollen von deren Vertretern allein behandelt wer­den. T i t u l e s c u, durch Marinkowitsch unterstützt, verlangte Klarstellung, ob die sechs einladenden Mächte gegebenenfalls einen besonderen Ausschuß bilden wollten, worauf festgestellt wurde, daß nur ein Ausschuß gebildet werden folle, bei dessen Arbeiten die Materie nach Inter­essen geteilt werden foll. An den Beratungen, die nur die Interessen der einladenden Mächte berühren, sollen d i e sechs eingeladenen Mächte nicht teil- nehmen. Die politische Kommission besteht gleichfalls aus je zwei Delegierten, jedoch nur der ein­ladenden Mächte. Unterausschüsse für beide Kommissionen sind nach Bedarf vorausgefehen.

Sn 0 wdeN - England schlug unter allgemeiner Zu­stimmung für den Finanzausschuß den belgischen Finanz­minister Baron H 0 u t a r t als Vorsitzenden vor; er nahm die Wahl dankend a». Für die politische Kommission wurde von BriandHendersonals Vorsitzender vor­geschlagen. Auch dieser Vorschlag wurde angenommen.

Dem Generalsekretär Sir Maurice H a n k e y sollen möglichst bald die Namen der von den einzelnen Mächten zu ernennenden Delegierten bekanntgegeben werden. Die Vorsitzenden der beiden Ausschüsse zählen als Delegierte nicht mit. Die erste Sitzung der beiden Ausschüsse ift auf Donnerstag nachmittag vier Uhr anberaumt worden.