hersfelSerTageblatt
Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö mit Seo Dsklagea: Allsstriertes Anterhaltungsblatt / Nach FeierLbeuS / Herd and Schotts / Anterbattvna uuS Wissen BelchSMS rmb Kmrweil / Wistschattliche TageSfragen.
«♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦««♦♦♦♦♦♦«♦♦♦♦«♦♦♦«♦♦♦♦♦♦♦«♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦♦»♦♦♦«♦♦♦W4
♦ Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.50 ♦ ; Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für lsersfeld • 1 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustc!iu>:L, für Abholer : . 1.00 Reichg-Mark. :- druck und Verlag von Ludwig ♦ t §unks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des vdZV. ♦
Rnzelgenprels: die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, ♦ : die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grundschrist Korpus). :
Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- : Nachlaß gewährt. ❖ Zür die Schristleitung verant- ♦ wörtlich: Kranz Zank in Hersfelö. ❖ Kernsprecher Nr. 8 ;
, **»**•♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦•♦♦♦♦•♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦*■♦»♦♦♦
Nr. 183 Mittwoch, den t. August 1929 rg Sahrgang
Der Streit um die Beute.
Die Feierklänge der Festouvertüre zur Haager Konferenz 1929 sind verrauscht! Als Hauptinstrumente tönten, wie es in der Stadt des Friedenspalastes nicht anders zu erwarten war, der Friedensschalmeien liebliche Weisen von der Liquidierung des Krieges und der Konferenz als Wendepunkt zu einem goldenen Zeitalter. Aber im alten Friedenspalast war nicht Raum für das neue Diplomatentreffen und die Verhandlungen werden, so scheint es, in der Hauptsache nicht um den Frieden gehen, wie ihn die Völker erträumen, sondern um einen Frieden, wie ihn der „ordentliche Geschäftsmann" liebt: um die „Liquidierung", zahlenmäßig und rechnerisch nach Art eines korrekten Bücherrevisors. Trotz vieler überschwenglicher Worte am Beginn werden sich im weiteren Verlauf sehr trockene Erörterungen entspinnen und im Hintergrund aller politischen Erwägungen wird stets das nüchterne: „Was gibst du mir, damit ich dir etwas gebe?" stehen.
So gilt es denn dem Verlauf der Konferenz von deutscher Seite aus mit nüchternen, aber wachen Augen zu folgen. Bevor der goldene Federhalter zur Unterzeichnung bereitliegen wird, wird der Reche n - st i f t auf der Konferenztafel eine große Rolle spielen. Und aufmerksam werden Deutschlands Vertreter darauf zu achten haben, daß man sich nichts zu seinen Ungunsten errechnet.
Die Haager Konferenz ist bisher ein Schmerzenskind gewesen. Nachdem sie beschlossen worden war, erhob sich ein Streit um den Ort der Tagung, der in seinem wechsel- vollen Spiel der vorgeschlagenen und wieder verworfenen Orte nicht ohne Reiz war. Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß dieser schließlich etwas lächerlich anmutende Streit nur ein Versuch war und ein Vor- Wand, um die Konferenz hinauszuschieben, weil die Materie, die zur Beratung kommen sollte, doch noch nicht ganz reis für eine solche war. Es wetterleuchtet stark im Lager der Gläubiger und die Konferenz dürfte nicht ohne einige Gewitter abgehen. Die Sachverständigen haben zwar die Unanlastbarkeit des von ihnen ausgearbeiteten Zahlungsplans ausgesprochen unbJteUÄääjgjjiii keit ist ""ch na» h.-r r.^--^-»-EMriina anerkannt worden. Er kann daher nur als geschlossenes Ganzes entweder angenommen oder abgelehnt werden. Aber bei dem Streit um die Verteilung der Beute, der jetzt unter unseren Gläubigern beginnen wird, dürften mancherlei versteckte Fallgruben und Fangeisen für Deutschland gelegt sein. m .
„Vorschläge zur Revision des Verteilungsplanes" heißt ein Aktenstück, das sich in verschiedenen Diplomatenkoffern, die jetzt im Haag ausgepackt wurden, befand. Die englische Regierung hat bereits angekündigt, daß sie die von den Sachverständigen gemachten Konzessionen zugunsten Frankreichs und Italiens sich nicht zu eigen machen will. Andererseits glauben sich Rumänien und Griechenland durch die Beschlüsse der Sachverständigen in der Quoten- zuteilung benachteiligt und Polen und Jugoslawien haben auch ihre Beschwerden und Sonderwunsche. Ein anderer Zankapfel dürfte der Sitz der zukünftigen großen Reparationsbank werden und-vor allem, womöglich auch als kuhhändlerisches Tauschobjekt, die R h e i n l a n d r ä u m u n g. , „ L ,
Für Deutschland steht es vor allem fest, daß es hier kein Handeln und Abhandeln mehr gibt. Die Regierung hat wiederholt die Erklärung abgegeben, daß sie die Einsetzung jeder irgendwie gearteten Kontrollkommission nach Räumung des besetzten Gebietes, grundsätzlich ablehne. Und daß für den Fall von Meinungsverschiedenheiten die in der Abmachung von Locarno vorgesehene Kommission aus fünf Personen vollauf genüge. An diesem Standpunkt der Regierung muß um so mehr festgehalten werden, als der Houng-Plan nicht nur die endgültige Regelung der Reparationsfrage, sondern auch die völlige Bereinigung der politischen Krregs- folgen für nötwendig^rklärt hat. Auch die Forderung nach endgültiger Regelung der Saarfrage wird die Reichsregierung nicht fallen lassen, vielmehr an der Auffassung festhalten, daß das Saargebiet Reparationsgeblet ist und deshalb seine Freigabe unbedingt auf die Konferenz zur Liquidierung des Krieges gehört.
Diese beiden Punkte, die vor allem Deutschland, angehen, werden die ganze Konferenz aus der staubigen Atmosphäre trockener Geschäftsrechnungen und zahlenmäßiger Ausbalancierungen in den freien Werten Raum der geschichtlich wertvollen lebenswarmen Tatsachen rucken. Ihre Erfüllung muß für Deutschland auf dieser Konferenz dasA unddasO, der Anfang unddasEnde sein. -dt.
Bombenaiisniai in Agram.
Tote und Verwundete.
Dienstag nacht gegen ein Uhr wurde auf die Gen- darmeriekasernc in Agram (Kroatien) ein Bombenanschlag verübt. Man spricht von einem toten und acht verwundeten Gendarmen. Die Höllenmaschine war im Keller der Kaserne untergebracht. Die Explosion richtete an dem Gebäude erheblichen Schaden an. Es ist das Gerücht verbreitet von einem Terrorakt kommunistischer Organisationen.
Der Zugang zur Gendarmeriekaserne wurde durch Militär abgesperrt; auch die Bahnhöfe sind abgesperrt.
Ouvertüre im Haag
die Folgerung der Londoner Konferenz vom Jahre 1921 bilden. Damals sei es aber bei dem ersten Versuch geblieben, eine wirtschaftliche Liquidierung des Krieges herbeizuführen.
......... ~ .....''W^«?WgK^ Feierliche Eröffnung
der Haager Konferenz.
Stresemann spricht '«WUMWI
In dem im Flaggenschmuck prangenden Haag wurde am Dienstag vormittag um 11 Uhr durch den niederländischen Außenminister die große Regie- rungskonferenz feierlich eröffnet. „^^.^
Der Konferenzsaal
war bereits 20 Minuten vor Beginn der Sitzung bis auf den letzten Platz gefüllt. Der stimmungsvoll in Dunkelgrün gehaltene Saal mit brauner und goldener Holzverbrämung hatte für diese Sitzung eine bedeutende Veränderung erfahren. Ein großer Teil der Senatssitze war entfernt worden und an ihre Stelle ein riesiger ovaler Tisch, an dem die Delegierten Platz nehmen sollten, aufgestellt. Schon lange vor Beginn der Sitzung herrschte auch hier lebhaftes Treiben. Die Delegierten standen, teils hinter ihren Sitzen, teils in Gruppen lebhaft plaudernd, herum. An dem ovalen Konferenztisch, hinter dem das lebensgroße Bild König Wilhelms II. von Holland hängt, stehen die Delegierten in Gruppen herum.
Die deutsche Abordnung ^d-.
hat in der Mitte des Tisches ihren Platz erhalten. Neben Stresemann sitzt auf der linken Seite der belgische Finanzminister Houtard, auf der anderen Seite Hi..... Curtius und Wirth. Hinter dem Sitz des Pr< . sind die Plätze der Dolmetscher, die vom Völkerbundsekretariat zur Verfügung gestellt worden sind.
ording, identen
Ungefähr zehn Minuten nach 11 Uhr gibt der niederländische Außenminister, nachdem alle Delegierten Platz genommen haben, mit ■ ■
das Zeichen zur Ruhe, und lautlose Stille tritt ein. Hierauf erhebt sich Minister BeelaertsvanBlookland zu seiner .
Begrüßungsrede, s
Der Minister wünschte nicht nur im Namen seiner holländischen Landsleute, sondern eines jeden friedliebenden Staates den Verhandlungen besten Erfolg. Nach den Begrüßungsworten des holländischen Außenministers ergriff
als erster Briand
werde eine
das Wort. Er führte u. a. folgendes aus: Die Konferenz schwierige Aufgabe zu erfüllen haben, die nur Willen zu lösen sei. Der Erfolg der Konferenz
mit gutem 5________„ ..... .... . , „
werde nicht nur für die Interessen der beteiligten Länder,
sondern
für die ganze Menschheit von entscheidender Bedeutung sein. Der Haag sei e i n S y m b o l d e s F r i e d e n s. Er sei überzeugt, daß der Abschluß der Konferenz ein aroßer
Die Ankunft der deutschen Delegation, die auf dem Bahnhof von dem holländischen Außenminister Jonkheer Beelaerts van Blookland begrüßt wurde. 1. Staatssekretär v. Schubert — 2. Reichsaußenminister Dr. Stresemann — 3. Dr. Wirth, Reichsminister für die besetzten Gebiete ^ 4. der holländische Außenminister. Schritt vorwDU auf dem Wege des Friedens sein werde, und er wünsche dringend, daß dieser ein entscheidender Schritt sei. Alle Völker seien an der Lösung dieser Fragen interessiert. Der unlösliche Zusammenhang zwischen allen Völkern wachse heute im Bewußtsein der Öffentlichkeit. Nach Briand sprach der deutsche
Reichsaußenminister Dr. Stresemann.
Er führte ungefähr folgendes aus: Der Erfolg der Konferenz würde wesentlich von dem Echo abhängen, das die Verhandlungen bei den Völkern finden würden.. Zwar würden die kommenden Beratungen von nüchternen wirt
von dem Echo abhängen, das die Völkern finden würden. . Zwar
schaftlichen und finanziellen Erwägungen ausgeben und
Unsere heutigen Beratungen, führte Stresemann aus, werden auf der Arbeit der Sachverständigen beruhen. Aber es ist klar, daß die wirtschaftlichen und finanziellen Ergebnisse nicht die einzigen dieser Konferenz sein werden. Ich sehe eine neue Weltwirt- schaftskonferenz voraus, welche sich damit beschäftigen wird, den internationalen Handel aus eine größere Grundlage zu stellen. Um zu arbeiten und zu produzieren, brauchen aber die Völker Freude an der Arbeit und Befriedung. Das ist eine der Unwägbarkeiten, die von dem größten deutschen Staatsmann der deutschen Nation empfohlen wurden. Auch in dieser Hinsicht hoffe ich auf ein gutes Ergebnis der Konferenz. Sie soll zu einer freudigen Zusammenarbeit auf der Grundlage völliger Gleichberechtigung und staatlicher Freiheit zwischen den Nationen führen, die an dem Krieg teilgenom- inen haben.
Es scheint mir, daß die Versöhnungs- und Verständigungsarbeit in der letzten Zeit langsamer fortschreitet, als wir dies erwarten durften. Nichts ist schwerer zu ertragen als enttäuschte Hoffnungen, und deshalb hoffe ich, daß diese Konferenz dazu beitragen wird, das Werk der Versöhnung und Zusammenarbeit wieder in
e n a r b e i t wieder in
dem gleichen raschen Tempo fortzusetzen, wie dies vor einiger Zeit der Fall war. Ich bin mir der Schwierigkeiten, die noch zu überwinden sein werden, voll bewußt, aber die Führer von Völkern dürfen nicht warten, bis 99 Prozent hinter ihnen stehen. Wir müssen an der Spitze gehen.
Nach den Ausführungen Dr. Stresemanns gab der -ffbötttzw der Konferenz würden von größter Bedeutung
umg ge-
für alle Völker sein. Der englische Finanzminister bat sodann, sich unmittelbar an Dr. Stresemann wendend, seine besten Wünsche dem Reichskanzler Hermann Müller für seine baldige Genesung und die Wiederaufnahme der Arbeit zu übermitteln. Er fügte hinzu, daß auch ein anderer Staatsminister, Poincar 6, aus Krankheits- gründen verhindert sei, an der Konferenz teilzunehmen.
Damit war die öffentliche Eröffnungssitzung geschlossen.
Allgemein ist ausgefallen, daß die Ausführungen B r i a n d s, des holländischen Außenministers und auch des englischen Finanzministers von der Konferenz mit dem üblichen Beifall ausgenommen wurden, während die langen und für die Arbeiten der Konferenz bei weitem bedeutungsvollsten Ausführungen Dr. Stresemanns von den anwesenden Abgesandten mit Schweigen ausgenommen wurden.
Snowdens erste Hebe aus her Haager Konferenz.
Gegen die Quotenverteilung des Uoung-Planes.
In der Geheimsitzung der Haager Konferenz, die Dienstag nachmittag stattfand, hielt, wie verlautet, der englische Schatzminister Snowden eine überaus scharfe Rede.
Er betonte, daß die im Sachverständigenplay vorgesehene Neuregelung der Reparationsverteilung unter die Gläubiger unverantwortlich sei. Der Minister stellte die Einheitsfront zwischen England und den kleinen Gläubigern Deutschlands, die sich ebenfalls geschädigt fühlten, fest und ließ keinen Zweifel daran auskommen, daß der Quotenkampf außerordentlich scharf entbrennen und sich vermutlich sehr in die Länge ziehen werde.
Nach der jetzt fertiggestellten provisorischen Liste der zur Haager Konferenz entsandten Regierungsvertreter sind vierzehn Staaten mit ungefähr 160 Mitgliedern vertreten. Die belgische Delegation zählt 15 Teilnehmer, die englische 27, d i e deutsche 4 0 (sie ist die an Zahl stärkste), die französische 19, die italienische 20, die polnische 9, die rumänische gleichfalls 9, die südslawische 8, die tschechoslowakische 5.
Sr.Stresemmms Aasfiihnmgen im Haag.
Sie werden stark beachtet.
Die Ausführungen Dr. Stresemanns in der Erösf- nungssttzung der Haager Konferenz haben in Konferenz- kreisen einen starken Eindruck hervorgerufen, da Dr. Stresemann als einziger bereits sachlich zu den Konferenz- ^beiten Stellung genommen und die großen Richtlinien der Konferenzarberten dargelegt hat. Den Erklärungen Dr. Stresemanns wird um so größere Bedeutung beige- messen, als er ausdrücklich hervorhob, daß das Ergebnis Völker^n ^renZ eine Zusammenarbeit der europäischen
auf der Basis völliger Gleichberechtigung und uneingeschränkter Souveränität sein müsse. Dieser offenkundige Hinweis aus eine bedingungslose Räumung. deL R h e i n g e b i e i e s gleich zu Beginn der Konferenz ist naturgemäß nicht ohne starken Eindruck geblieben. Weiter wird darauf hingewiesen, daß Dr. Strese-