HersfelöerTageblatt
Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
mit den Geilagea: AlluAriertts Anterhattungsblatt / Nach Feierabend / Herb «ub Scholle / Anlerbattuna und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfragen.
: Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.50 ; : Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Uersseld : : 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellm-zz, für Abholer : : 1.00 Reichs-Mark. * druck und Verlag von Ludwig ; ♦ §unks Buchöruckerei in Hersfelö, Mitglied des vdZV. :
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Rr. 180 M« Blatt)Sonnabend, den 3. August 1029 79. Jahrgang
Schreckgespenster.
Blinder Lärm. — Ruhiges Blut, — „Geschäft wie gewöhnlich." — 500 000 Arbeiter auf der Straße. —
Die Parteien streiten.
Man sollte sich eigentlich, auch in der deutschen Öffentlichkeit, an den Gebrauch starker, furchterregender Worte schon längst gewöhnt haben. Namentlich seitdem gewisse Vorbilder maßgeblich geworden sind. Die mit großem Getöse angekündigten Ä n t i k r i e g s k u n d g e b u n g e n der ersten Augusttage sollten der ganzen Welt Angst und Schrecken einjagen, den Sturz der bürgerlichen Gesellschaft als solcher und des von ihr angeblich getragenen imperialistischen Herrschaftswillens vorbereiten. Die französische Regierung hat diese Drohungen buchstäblich ernst genommen und ihnen ein gewaltiges militärisches Aufgebot entgegengestellt. Daß nun auch in Paris alles ruhig geblieben ist, wird Herr Tardieu, der französische Polizeiminister, wahrscheinlich in der Hauptsache als einen Erfolg seiner vorbeugenden Kriegsmaßnahmen ansehen.
In Deutschland sind die Behörden wesentlich zurückhaltender geblieben. Sie haben damit die Sache richtig als blinden Lärm eingeschätzt. Es sind nirgends Barrikaden gebaut worden, so daß auch nirgends wieder Maschinengewehre in Tätigkeit zu treten brauchten. Schlachtengetümmel hat es nur in den Spalten gewisser Zeitungen gegeben, während die „Massen", die sich in den Straßen zeigten, einen recht harmlosen Eindruck hinterließen. Das soll man sich nun auch für die Zukunft merken. Aufpassen — gewiß, und für alle Fälle soll man immer vorbereitet fein, aber in der Regel wird es schon genügen, aufgeregtem Geschrei mit dem ruhigen Blut eines guten Gewissens zu begegnen. Die Welt wird sich nicht sobald wieder in Tod und Verdammnis stürzen; vorläufig hat sie alle Veranlassung, sich um den Aufbau
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Wgiffliffinnr^ wieder auf UMmerigkeiten. Am meisten dort, wo man sich in den Hoffnungen auf Kriegsnutzen am schwersten und bittersten getäuscht hat. Wir haben noch nicht vergessen, wie der britische Außenminister der ersten Kriegsjahre die ängstlich gewordene Londoner City mit dem berühmten Aus- spruch zu beruhigen suchte: „Business as usual," wollte sagen: die Kaufleute brauchten sich keine Sorge zu machen, das Geschäft werde im Kriege, nach dem Kriege wetter- gehen wie gewöhnlich, ihren geliebten Profit würden sie also schon nicht verlieren. Es ist, gerade für England, anders gekommen, ganz anders. Schon lange bevor bei uns in Deutschland das Problem der Arbeitslosigkert eine so große Rolle spielte wie feit 1926, mußte man drüben in England für diesen Zweck ganz ungeheure Summen aufwenden, und die jetzt zur Herrschaft gelangte Arberter- partei verdankt dem nngeschwächten Fortbestehen Dieses nationalen Unglücks mit in erster Reihe ihren großen
^Sun sind plötzlich im Bereich der englischen Baum- Wollindustrie 5 0 0 000 A r b ei te r au s d te St raß e gesetzt worden, eine Zahl, die sich sehr bald infolge der unausbleiblichen Auswirkungen der Aussperrungsmaß- nahmen auf die verarbeitende Industrie um wertere Plinsende oder Hunberttaufenbe von Händen orhogen muß. Der Kamps geht nicht, wie zumeist bei uns, um Ablehnung oder Bewilligung von Forderungen der Arbeitnehmer, sondern es handelt sich um die Dnrwsetzung eurer Lohnherabsetzung von 12,5 Prozent, die von den Arbeitgebern für notwendig erklärt wird, wenn anders die Baumwollindustrie am Leben bleiben solle. Dre Parteren streiten natürlich darüber, ob diese Behauptung zu halten oder ob nicht andere, weniger empfindliche und doch wrrkfamere Mittel zu finden seien, um den in ihrer Existenz bedrohten Baumtvollindustriellen zu Hilfe zu kommen, -as ist erne Frage, welche die Engländer unter sich "uszumachen haben. Wir Deutsche können uns daraus beschranken, den Verlauf des Kampfes aufmerksam zu beobachten auch wenn wir von ihm nicht dre gleichen vorteilhaften Auswirkungen für unsere eigene Volkswirtschaft erwarten können, wie sie der große Bergarbeiterausstand vor drei Jahren für unsere Kohlenindustrie gezeitigt hat. Für England aber ist mit diesem gewaltigen Ringen etn neues Schreckgespenst sichtbar geworden: der Ausbruch eurer heimischen Krisis von ganz unübersehbarer Wirtschafts- politischer Tragweite. Dr. Sy.
Russisch-engiische Gparmzmg.
Verhandlungen abgebrochen.
In London fanden in der letzten Zeit Verhandlungen zwischen dem englischen Außenminister Henderson und dem Sowjetbotschafter Dowgalewski zur Beilegung der zwischen England und Rußland noch schwebenden Streitfragen statt. Diese Verhandlungen sind nun plötzlich abgebrochen worden, weil Henderson sich angeblich geweigert habe, die diplomatischen Beziehungen wieder aufzunehmen, bevor die strittigen Fragen über die gegenseitigen Forderungen gelöst seien. Der Sowletbotschafter Dowgalewski ist von London nach Paris zurmlgekehrt.
Die „Unterbrechung" der englisch-russischen Verhandlungen bildet das Hauptthema der Londoner Presse. „Daily Herold", das Arbeiterblatt, schreibt: Wir hoffen, daß sowohl in England. als auch in Rußland die Abreise
„Grus ZePelin"
Aas Lustschiff Sonntag in Amerika erwartet.
Lakehurst beginnt sich zu füllen.
Nach dem Dafürhalten des Sachverständigen des amerikanischen Marineamts für Luftfahrt wird der Zeppelin voraussichtlich am Sonntag in Lakehurst eintreffen. Da die Tagesstunden für eine Landung als wenig günstig angesehen werden, erwartet man, daß das Schiff, falls es schon Sonntag früh den amerikanischen Kontinent erreicht, über den Städten der Ostküste bis gegen Abend kreuzen wird. Nur das Herannahen einer Schicchtwetierzone könnte den „Graf Zeppelin" veranlassen, schon zur Mittagszeit zu landen. Eine Landung in der Sonnabendnacht wird nicht erwartet, da die Winde aus den Bermudas und den Azoren um diese Jahreszeit für einen Westflna unaünftia sind. Indessen rechnen die
Der Flugweg des Luftschiffes bis zum Morgen des 2. August. Die punktierte Linie zeigt die ungefähre Route des Weltfluges, der am 7. oder 8. August von Lakehurst aus angetreten werden und über Friedrichshafen, Ostpreußen, Rußland, Sibirien, Tokio, San Diego, Lakehurst nach Friedrichshafen zurück führen soll.
Marinefachleute mit der Möglichkeit, daß Eckener den ungünstigen Winden durch Kursnehmen über Madeira aus- iueiM so daß er später, ausgenommen die letzten 800 Kilometer, Rückenwind haben würde.
Die amerikanischen Rundfunkstationen waren der Überzeugung, daß sie durch besondere Empfangsapparate schon Freitag direkte Funksprüche vom Zeppelin erhalten würden. In L a k e h u r st wurde auf dem Flugfeld ein Tonverstärker aufgestellt, der die Passagiere während der Landungsmanöver unterhalten und den Offizieren des „Graf Zeppelin" die Landungsorientierung übermitteln soll.
Die ersten Neugierigen sind in Lakehurst bereits Freitag eingetroffen, um sich „einen Platz zu sichern". Insgesamt werden 50 000 Besucher erwartet. Die
Dowgalewskis und die zeitweilige Suspendierung der englisch-russischen Besprechungen ruhig ausgenommen und daß kein törichter Verdacht geäußert und keine törichte Anklage erhoben wird. Es scheint, daß entweder Dowgalewski Henderson mißverstanden hat oder daß das Auswärtige Amt in Moskau Dowgalewski mißverstanden hat. Die Arbeiterregierung wünscht nicht nur die Wieder- aufuahme der Beziehungen, sondern die Wiederaufnahme ist einer der Hauptpunkte ihres Programms, und sie wird in der Lage sein, die Beziehungen wrederaufzunehmen, wenn die Sowjetregierung ihrerseits in einem Geist der Freundschaft und des Vertrauens mriwirkt. — In amt- kidjen englischen Kreisen wird mit Nachdruck darauf hm- 'gewiesen, daß die englisch-russischen, Verhandlungen nicht abgebrochen, sondern nur vertagt seien.
Wieder Meuierei in einem amerikanischen Gefängnis.
Sieben Gefangene erschossen.
Im Bundesgefängnis von Leavenworth in Kansas, in dem fast 4000 Sträflinge untergebracht sind, brach ein Aufstand aus, als die Gefangenen in den Eßsaal geführt werden sollten. Das Gefängnis wurde sofort von starken Polizeikräften besetzt. Es gelang der Polizei und der Gefängniswache, den Aufstand nieder- z u s ch l n g e u Dabei traten auch Maschinengewehre in Tätigkeit. Sieben Gefangene sollen erschossen worden fetK. Der Ausbruchsversuch kam völlig unerwartet. Die Gefangenen, die mit Stuhlbeinen und Messern bewaffnet waren, fielen plötzlich über die Wärter her und fesselten sie. Daraus unternahmen sie den Versuch, eine der Gesangnismauern mit Dynamit zu sprengen. Anscheinend ist kein Gefangener entkommen.
Die im Newyorker Zuchthaus S i n g - S i n g geplant gewesene Meuterei wurde rechtzeitig entdeckt, so daß der Ausbruch verhindert werden konnte.
All dem Lzm
Polizei traf umfassende Vorbereitungen, um Vorkomm- I nisse, wie sie im letzten Herbst vorkamen, zu verhüten. Die Rewyorker Hafenbehörde gab Anweisungen, um den nach New Jersey flutenden Autoverkehr zu verteilen.
Das Wetter über dem Atlantik.
Das Newyorker Wetterbureau erklärte, daß eine Begegnung mit Stürmen auf so langer Flugstrecke kaum vermeidlich erscheine. Es sei jedoch wenig wahrscheinlich, daß „Graf Zeppelin" mit einem ernstlichen Unwetter Zusammentreffen werde. Auf der Strecke von Gibraltar nach den Azoren herrschte in der Unterschicht Westwind, in der Oberschicht leichter Nordwind. Jedenfalls hätten die Gegenwinde erheblich nachgelassen, seit der Zeppelin den europäischen Kontinent verlassen habe.
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Amerikaflug des Flugzeugs „Das Land der Sowjets".
Wie aus Moskau gemeldet wird, soll das russische Flugzeug „Das Land der Sowjets" am 6. Auausi nack
Amerika starten. An dem Fluge beteiligen sich vier Personen, und zwar die Flieger Schestakow und Polos- sow und zwei Mechaniker. Die gesamte Flugstrecke beträgt 18 700 Kilometer, von denen 7950 Kilometer über dem Meere liegen. Das Flugzeug wird in Chabarowsk die Räder gegen Kufen und in San Franzisko die Kufen wieder gegen Räder vertauschen. Die Strecke von Petro- pawlowsk bis zu den Aleuten wird zum ersten Male beflogen.
ZehntauseiSunckeuftW der Her^^ .nr < ^ford.
Die Herzogin von Bcdford ist vom Flugplatz Lympne in England zu einem Zehntausendmeilen'luge nach Indien (und zurück) abgeflogen. Der Flug soll eine Woche dauern.
Die „Bremsn" wieder zu Haufe.
Feierliche Begrüßung in BremerHaven.
Zur Begrüßung des nach glücklicher Fahrt heimgekehrten Llohddampfers „B r e m e n" hatten sich Vertreter der Reichsregierung und des Bremer Senats nach Bremerhaven begeben. Auf der Kommandobrücke des Schiffes waren Kapitän, Offiziere, Ingenieure und eine Deputation der Mannschaft der „Bremen" versammelt.
Präsident Dr. Carl vom Landesfinanzamt Unterweser sprach im Auftrage des Reichspräsidenten und der Reichsregierung allen Beteiligten, Werft, Reederei und Schisfssührung, die herzlichsten Wünsche aus und schloß mit den Worten: „Möge das glückhafte Ereignis, das seinen Kern und Urgrund hat in der Harmonie des Drei- klangs, der da heißt: „Deutsche Werft, deutsche Reederei und deutscher Seemanusgeist", möge dieser harmonische Dreiklang, der eine Welt aufhorchen ließ, den Auftakt bilden zu jener Einheit und Verbundenheit aller Kreise unseres deutschen Volkes, die erste Vorbedingung ist für die Vollendung des Aufstieges unseres geliebten Vaterlandes und die erfolgreiche Mitwirkung deutschen Geistes und deutscher Arbeit an den großen Problemen der Menschheit."
Im Namen und im Auftrage des Senats dankte Senator B ö m e r s für die hervorragende Leistung der „Bremen" auf ihrer Jungfernfahrt. Dem Kapitän überreichte er als Geschenk des Senats ein silbernes Teebrett. Namens der Besatzung brächte zum Schluß Kapitän Siegenbein den Dank für den freundlichen Empfang zum Ausdruck. In Bremen hatten die Gebäude der Reichs-, Staats- und städtischen Behörden sowie alle Kirchen und viele Privathäuser Flaggenschmuck angelegt.