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Kersfel-erTageblatt

Mzelgenprels: Die einspaltige Vetitzelle 15 Pfennig, die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grunöschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. •:• Zur die Schristleitung verant- wortlich: Kranz Zank in hersfcld. ❖ Kernsprecher Nr. 8

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher/inzeiger für den Kreis Hersfelö mit den Beilage«: Illustrlerles Anterhalloagsblatl / Nach Feierabeav / Herd und Scholle / Aalerbattaug naß Missen Belehrung naß Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfrage«.

Rr. 17g

Freitag, Den 2. August 1929

79. Jahrgang

Ausfahrt.

Wir haben es wiederholt schon erlebt in den letzten Zähren, aber immer packt es uns von neuem, immer greift es uns von neuem aus Herz, dieses Schau- und Hörspiel, das in dem eine Welt bedeutenden Friedrichshafen seinen Anfang nimmt, über weite Wasserwüsten, aus denen nur spärliche puseln als Oasen auftauchen, hinwegführt und drüben, auf einem andern Kontinent, sein Ende findet — ein glückhaft Ende, wie wir alle hoffen und wünschen! Wieder fahrt er hinaus zu andern Usern, der Riese der Luft, der unser aller Stolz und Freude ist, der die offene und heimliche Bewunderung und ein klein wenig viel­leicht auch den Neid der andern Völker erregt, und wieder sind mit ihm nicht nur die, welche sich seinem starken Rtesenkorper anvertraut haben, daß er sie trage über Lander und Meere — nein, wieder sind mit ihm wir alle, die wir deutsch denken und fühlen und zu diesem genialen , Werke deutschen Erfindungsgeistes aufblicken als zu einer der größten und gewaltigsten schöpferischen Leistungen unserer an erhabenen Schöpfungen der Technik wahrlich nicht armen Zeit. Wieder begleiten unsere Ge­danken das Luftschiff vom Startplatz bis zum Ziele, wieder sind sie mit ihm aus jeder Etappe, bei jedem Teil­chen seines langen Weges, und in den Traum der Nächte, die zwischen Anfang und Ende der Fahrt durch den Äther liegen, dringt uns das Surren und Schnurren der Motoren, daß wir plötzlich auffahren, als wenn wir den Riesenvogel dicht über uns vorüberrauschen hörten.

, Wie haben wir uns gebangt, wie haben wir uns in Sorge verzehrt, als auf feiner. letzten Amerikafahrt der Zeppelin schon kurz nach dem Aufbruch wieder um- kehren mußte, flügellahm umkehren mußte, als über sein Schicksal viele, viele Stunden lang Ungewißheit herrschte, als wir nicht wußten, ob er noch zur rechten Zeit den schützenden Hafen erreichen würde, den Hafen, der in fremdem, uns noch immer nicht freundlich gesinntem Lande lag! Wie haben wir dann, als endlich die Kunde zu uns drang, daß er geborgen, daß er verletzt, aber nicht tod­wund sei, wie von einem bösen Alp befreit ausgeseufzt und aufgejauchzt, da wir uns jetzt erst inne wurden, was wir verloren hätten, wenn der Sturm, wenn der tobende Orkan ihn in Trümmer gewoxfan» hätte, wie es ein j. prmrMaL-seinen glorreichen VSttäüferrk^Ken ersten, be- l scheideneren Luftschiffen des himmelstürmenden Württem­bergischen Grafen, geschehen ist! Aber das Vertrauen, das wir in ihn und in seine Kraft fetzten und setzen, haben wir auch nicht einen Augenblick lang, haben wir auch in seinen größten Nöten nicht verloren, wir nicht und auch die nicht, deren Lande er jetzt wieder zustrebt; ja, wir dürfen sagen: selbst die nicht, die um uns wohnen, und die ihn in manchem vielleicht mit schärferen, kriti­scheren Augen mustern als wir, die wir auf Gedeih, und Verderb zu ihm gehören, die wir ihn lieben, weil er unser ist!

Mehr als einmal hat man ihn äks- ein Sinnbild der Völkerverbindung, der Völkervereinigung, der Völkerver­brüderung gepriesen, den Zeppelin Wenn es keine Ent­fernungen mehr gibt, die zurückzulegen man sich scheuen müßte, werden die Völker von selbst einander näher ge­rückt, lernen die Völker einander besser kennen und schätzen, und das ist der erste Schritt zu einem wahren, durch nichts mehr zu zerstörenden Pölkerfrieden! So sagte man sich mehr als einmal, und so sagte man sich mit Recht. Und es dünkt uns besonders glückverheißend, daß das Schiff der Lüfte auf seinen bisherigen Fahrten nicht nur zwei Völker, die ihrem ganzen Wes^n nach einander zu verstehen und zu achten berufen sind, zueinander geführt hat, son­dern gleich zwei Welten. Vieles in Art und Ge­sinnung und Lebensauffassung mag uns trennen und schei­den von denen jenseits des großen Wassers, die noch vor einem Jahrzehnt unsere Gegner waren, aber es ist da­neben vieles, was Sympathie erwecken muß, in ihnen für uns, in uns für sie. Und daß eine unsichtbare Brücke ge­schlagen wird, wenn auch vielleicht nicht von Herz zu Herz, so doch von gesundem Menschenverstand zu gesundem Menschenverstand, das ist nicht zuletzt das Verdienst der Zeppeline, die den Amerikanern zu sagen scheinen: „Seht hin, auch unser Deutschland bedeutet etwas in der Welt — trotz alledem, trotz Leid und Not und Tod!" Und die ihnen damit imponieren . . .

Und wenn in wenigen Tagen der „Graf Zeppelin" an die Amerikafahrt seine Weltfahrt knüpfen wird, werden nach und nach auch andere Völker noch in den Kreis derer treten, welche vor unserem aufrichtigen Wollen und unserem Können Respekt zeigen und uns mit andern Augen ansehen werden als nach dem völkerverhetzenden Kriege Und dann wird kommen der Tag, da Orient und Okzident wirklich nicht mehr zu streunen sein werden!

Verhandlung zwischen Rußland und China gesichert?

Die Stimmung in China optimistisch.

Nach einem Telegramm aus Schanghai sind die Ver­handlungen zwischen Sowjetrußland und China endgültig gesichert. Die gegenwärtigen V o r b esp r e ch un - g e n in Mandschuli betreffen folgende Punkte: Festsetzung der Zeit und des Ortes der offiziellen Verhandlungen; Einstellung der militärischen Handlungen im Grenzgebiet; Festsetzung, daß das Abkommen von 1924 die Grundlage der Verhandlungen bilden soll, sowie als dringendsten Punkt die baldigste Wiederaufnahme des transsibirischen Durchgangsverkehrs, dessen Unterbrechung im ganzen Osten aufs schwerste empfunden wird. Die Stimmung in chinesischen Kreisen fei durchaus optimistisch.

9k deutschen Luftschiffes werikusu-rt

Der Start des „Graf Zeppelin".

Nachrichten von unterwegs.

Das Luftschiff „Gras Zeppelin" ist Donnerstag früh 3 Uhr 29 mit 18 Paffagieren an Bord unterFührung Dr. Eckeners zur Fahrt nach Amerika ausgestiegen. Der Aufstieg ging glatt und vorzüglich vonstatten. Das Luftschiff nahm sofort Kurs in Richtung Konstanz—Basel.

Ein sternenbesäter Nachthimmel wölbte sich über Friedrichshafen, als um 2 Uhr 15 die Amerikafahrer den am Hotel bereitstehenden Omnibus bestiegen und sich zur Werst begaben, vor deren Toren sich zahlreiche Neugierige angesammelt hatten. Die Passagiere waren guter Dinge und wechselten die letzten Abschiedsgrüße mit den An­gehörigen und Freunden. Um 2 Uhr 45 ertönte das Kom­mando

„Besatzung ins Schiff!"

Nachdem der Ballast teilweise entleert war, gingen auch die Passagiere an Bord. Das letzte Gepäck wurde hinauf­gereicht. Kapitän von Schiller hatte sich vor der Treppe aufgestellt, damit niemand ohne Fahrschein in das Schiff gelange. Gegen 3 Uhr wurden die letzten Ballastsäcke entleert und das Schiff ausgewogen. Es mußte noch viel Wasser abgegeben werden. Dr. Eckener hatte sich bereits in der Halle eingefunden und ging mit vergnügter Miene in Begleitung seiner Gattin am Schiffe auf und ab. Auch Kapitän Lehmann tauchte auf. Bei der zwischen Passagieren und Zuschauern hin- und herfluten­den Unterhaltung überwogen die amerikanischen Laute.

Wieder ein blinder Passagier?

Um 3 Uhr 11 begab sich Dr. Eckener in das Schiff. Vier Minuten später schon wurde der „Graf Zeppelin" mit dem Heck voraus durch das Westtor in die kühle Nacht hin- ausgeschleppt. Plötzlich tauchte, als das Schiff schon halb die Halle verlassen hatte, b< 3 Gerücht ans voll der. Ausfutzrl ein Mmnnmom Dach der Halle ailfdas in Be- wegung befindliche Luftschiff gesprungen sei. Bald wurde diese Nachricht auch von einem Beamten, der die Kontrolle im obersten Laufgang der Halle hatte, bestätigt. Der un­gebetene Gast hatte sich, wie sich herausstellte, an einem kurzen Strick vorn Hallendach hinuntergelasse» und war dann auf die Hülle des Luftschiffes gesprungen. Wie ver­lautet, soll es sich um einen erst kürzlich ent­lassenen Arbeiter der Werft handeln. Kapitän Flemming ordnete sofort an, daß das Schiff durchsucht werde. Währenddessen wurde der von zahlreichen Schein­werfern umspielte Schiffskörper mit dem Heck nach Süden gedreht. Man suchte immer noch nach dem ungebetenen

„Haager Konferenz 1929/'

Stresemann berichtet Hindenburg.

Die bevorstehende Konferenz der Regierungen im Haag hat retzt, um sie von den übrigen 32 Konferenzen, die seit dem Versailler Friedensvertrag getagt haben zu unterscheiden, von dem holländischen Auswärtigen Amt den offiziellen Titel

„Haager Konferenz 1929"

erhalten. Unter diesem Namen wird sie mit ihren Resul­taten in der Geschichte weiterleben.

Hier wird die Konferenz tagen.

Das Gebäude der Zweiten Niederländischen Kammer im Haag, in dem die Vertreter der Regierungen zur Ver­handlung über die politischen Auswirkungen des Pariser Reparationsabkommens am 6. August zusammentreten werden.

Von den D e l e g a t i o n e n der verschiedenen Länder wird die d e u 1 s ch e die größte sein. Sie wird aus 91 Personen bestehen; die zweitgrößte Delegation ist die englische mit 65 Teilnehmern.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat sich so­fort nach seiner Rückkehr von dem Erholungsurlaub als Stellvertreter des erkrankten Reichskanzlers Müller zu Reichspräsident v. Hindenburg begeben und ihn über die Vorbereitungen unterrichtet, die zur Haager Konfe­renz notwendig waren. Bei dieser Unterredung hat es sich, wie zuverlässig verlautet, ergeben, daß zwischen dem Reichspräsidenten und der Reichsregierung über die Marschroute, die die deutsche Delegation auf der Konfe­renz einschlagen soll,

völlige Übereinstimmung besteht.

Insbesondere haben beide Teile keinerlei Zweifel darüber.

Passagier, konnte ihn in der Dunkelheit aber nicht finden. Die Zurückbleibenden verabschiedeten sich nochmals von den Insassen des Luftschiffes. Alles blickte gespannt auf die Gondeltür, um den blinden Passagier zu sehen. Er er­schien aber nicht. Um keine kostbare Zeit zu verlieren, ent­schloß sich die Schiffsleitung, die Fahrt zu beginnen.

Um 3.29 Uhr erschallte das Kommando „Luftschiff h o ch !" Unter unaufhörlichen Hoch- und Heilrufen hob sich „Graf Zeppelin" rasch von der Erde ab und gewann langsam an Höhe. Die Maschinisten winkten mit ihren Taschenlampen die letzten Grüße zur Erde hinab. Zunächst steuerte das Schiff in nordwestlicher Richtung, drehte aber bald ganz nach Westen ab und verschwand mit dem Kurs auf Basel.

Im Laufe des Donnerstags trafen dann aus all den Orten und Gegenden, die das Luftschiff überflog, Nach­richten ein, vor allem aus Frankreich. Konstanz, Basel, Belsort, Besanyon, Lyon, Valence meldeten, daß sie den „Gras Zeppelin" gesehen hätten.

über dem Rhonctal.

Besonders ausführlich waren die Meldungen aus dem Rhonetal. Das Luftschiff befand sich beim überfliegen der Stadt Lyon in einer Höhe von etwa 300 Metern und hatte eine Stundengeschwindigkeit von ungefähr 80 Kilometern. Es wurde von einem Flugzeug begleitet, das es in weiten Bogen umkreiste. Als das starke Surren der Motoren gehört wurde, stürzten die Bewohner an die Fenster, um das Schiff, das über der linken Seite des Rhonetales flog, zu sehen. Eine große Menschenmenge sammelte sich am Ufer der Rhone an, von wo aus das sonnenbeglänzte Luftschiff mit allen Einzelheiten an Bord am besten zu sehen war. Nach Passieren der Saonemün- dung bog das Luftschiff nach Osten ab, um dem Laufe der Rhone über dem rechten Ufer zu folgen.

Amerika in Erwartung.

Die NewÄorker Mäkler brachten. du- ^UU;. u«^. '^Gräf" Zeppelin" in großer Aufmachung.Auf der Rück- fahrt nach Deutschland wird das Luftschiff eine große amerikanische Warensammlung mitnehmen, außerdem einige Kegelkugeln, ein

Geschenk an den Reichspräsidenten von Hindenburg.

In Philadelphia werden im Marinehafen 130 Mann zur Verstärkung bereit gehalten, da die Mann­schaften in L a k e h u r st für den „Graf Zeppelin" nicht ausreichen. Die Hafenverwaltung hat 400 000 Kubikfuß Wasserstoffgas, 75 000 Kubikfuß Blaugas und 1000 000 Kubikfuß Ethongas bereitgestellt. Alle Funkstationen sind angewiesen, dem Zeppelin jede U-ü-r'^tz-n-g ange- deiben au lassen.

daß irgendwelche Konzessionen in der Frage der Rhein- landkontrolle nicht gemacht werden können.

Was die Einrichtung einer „Verständigungs­kommission" anbelangt, so ist eine solche, wie sie Frankreich sich denkt und wünscht, für Deutschland durchaus untragbar. Deutschland kann sich lediglich bereit erklären, über eine Kommission zu verhandeln, deren Be­fugnisse

bis zum Ablauf der Besetzungsfristen, also bis 1935, dauern würde.

Auch in allen übrigen Punkten, insbesondere über die Behandlung des S a a r p r o b l e m s auf der Konferenz, ist völlige Übereinstimmung zwischen dem Reichspräsi­denten und dem Reichskabinett erzielt worden.

Der Kabinettsrat,

der noch vor der Abreise der Delegation, nachdem jetzt alle Reichsminister wieder in Berlin eingetroffen sind, zu­sammentreten wird, wird noch einmal zusammenfassend sich mit allen auf der Konferenz zu behandelnden Fragen beschäftigen. Irgendwelche Differenzen in den Auf­fassungen der Lage dürften sich auch hier nicht ergeben, so daß die deutsche Delegation

mit völlig klaren und gebundenen Richtlinien

nach dem Haag gehen wird. Die Überzeugung, daß alles das, was an schwierigen Fragen an sie herantreten wird, durch die ihr mitgegebenen Richtlinien von vorherein einen festen Wegweiser gefunden hat, wird ihr die schwie­rige Arbeit, die ihrer wartet, erleichtern und den zu fassen­den Beschlüssen besonderen Nachdruck verleihen.

Das Touristenunglück auf dem Kleinglockner.

Innsbruck. Vor einigen Tagen wurde über den Absturz von vier Touristen auf dem Kleinglockner berichtet, bei dem eine bis jetzt unbekannte Person getötet und die anderen schwer verletzt wurden. Nun bringt der Tiroler Anzeiger Einzelheiten über das Unglück und den Namen des Toten. Nach dem Be­richt des Blattes hatten die Tour Erika Friedmann, Ope­rationsschwester Dresden, Hilda Henel aus Dresden, Wilhelm Rodeck, Tapezierer, und Johann Schetb, Bäcker, beide aus Kelkheim im Taunus, am Vormittag des 25. Juli führerlos ausgeführt und den Kleinglockner bestiegen. Auf dem Rückwege rutschte Scheid, der als letzter ging, aus, kam zu Fall und ritz die drei anderen am Seil befestigten Touristen mit in die Tiefe. Ein 19jähriger Student aus Bud- weis namens Neubauer, der unterhalb der genannten Touristen ging, wollte die Abstürzenden noch mit seinem Eispickel auf­halten, wurde aber m i 1 g e r i s s e n, so datz alle fünf Personen über den vereisten Steilabhang etwa 200 bis 250 Meter tief auf den Ködnitzgletscher abstürzten, wo sie i Gletscheripalte fielen. Der Tourist Scheid blieb mit Bruch der Schädelbasis tot liegen,

in eine : einem