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hersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

.................................... Amtlicher Anzeiger für den Kreis hersfelS

mit öea Bellaöm AnterhaltungSblatt / Nach SeierabmS / Snö anS Scholle / Unterhalt«»« vuö Wisse»

Belehrung vvö Kurzweil / Wletschastliche TogeSsrageu.

Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, Sie Reklamezeile 50 Pfennig. (GrunSschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. Zür die Schristleitung verant­wortlich : Kranz Kunk in Hersfeld. Kernsprecher Nr. S

MonatllcherVezugsprels: Durch die Post bezogen 1.50 Reichs-Mark, ausschließlich vestcllgeld, für HersselS 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für ftbhoier 1.00 Reichs-Mark. <- Druck unS Verlag von Luowig Kunks VuchSruckerei in Hersfelü, Mitglied 6es VSZV.

1.20 Reh

Rr. 176

Dienstag, den 30. Juli 1029

IMMsMNSmSSSLl-EMI«!«^

79. Jahrgang

Stimmen des Herzens.

Laute Zustimmung erregte es in Deutschland, als in der außenpolitischen Debatte im Reichstage Dr. Strese- mann auch die Saarfrage anschnitt, es als eine Selbstver­ständlichkeit erklärte, daß bei einer wirklichen Gesamt- liquidierung des Krieges auch endlich einmal die gerade­zu unmöglichen Bestimmungen des Versailler Diktats über das Saargebiet nun einer Revision unterzogen werden sollten. Trotz der Abweisung, die diese Anregung fran- zösischerseits erfahren hat, ist jetzt einmal die Saarfrage in die Debatte geworfen worden und wird Gegenstand der Debatte bleiben. Vor d'en Toren des Saargebietes, in Trier, hat nun der Reichsminister für die besetzten Ge­biete, Dr. Wirth, den Faden weitergesponnen; der Rhei­nische Handwerkertag bot ihm aus wirtschaftspolitischen Gründen eine besonders günstige Gelegenheit. Eine Ge­legenheit auch dafür, zu den brennenden Proble - menderRheinlandbesetzung, derKontroll- k o m m i s s i o n, die auf der kommenden Konferenz be­sprochen werden sollen, und über die Schwierigkeiten zu sprechen, die wirtschaftlich dem Rheinland aus all den Be­stimmungen erwachsen, die hinter den Festsetzungen des Versailler Diktats über die sogenannte entmilitarisier rung des Rheinlandes entstanden sind und ihre Verewi­gung erfahren werden, wenn franzrsischerseits nicht endlich mit diesen Hindernissen einer natürlichen wirtschaftlichen Entwicklung des Rheinlandes Ochluß gemacht, wird. Wenn wir vorwärtsschreiten wollen, so müssen wir nach der Bereinigung der politischen Atmosphäre ein Pro­gramm des Wiederaufbaus in wirtschaftlicher und politischer Beziehung aufstellen, das sich auf eine Dauer von mindestens zehn Jahren erstreckt und in dem systematisch und organisch alle Dinge zusammengefaßt werden, die einer Besserung im besetzten Gebiete be­dürfen." Es ist unerträglich, daß beispielsweise die Neu- anlegung von Eisenbahttstrecken, Brücken, ja sogar Er­weiterungen von Bahnhofsrampen erst der Zustimmung einer fremden Macht bedürfen, die natürlich nicht das geringste Interesse daran hat, die wirtschaftlichen Schwie-

Bevölkerung am Rhein, besonders des Handwerks, es erwarten darf, daß die übermäßigen Realsteuern, namentlich die Gewerbe- und die Hauszinssteuer, eine Sen­kung erfahren sollen, wenn es gelingt, von dem Dawes- Plan herunterzukommen; die herabgesetzten Zahlungen, wie sie der Young-Plau bestimmt, müssen ausgenutzt wer­den, um die übermäßige Steuerlast zu erleichtern.

Auch Dr. Wirth kam auf die Kontrollkommission am Rhein zu sprechen, die Frankreich auf der kommenden Konferenz fordern will. Auch er, an den ja bekanntlich der Vorsitzende seiner Partei, Dr. Kaas, in dieser Frage eine Mahnung gerichtet hat, steht selbstverständlich auf dem gleichen Standpunkt, wie er durch besondere Verlaut­barungen des Reichsaußcnministcrs und dann des Reichs­kanzlers zum Ausdruck kam: Die französische Forderung ist psychologisch und politisch unmöglich; keine der deut­schen politischen Parteien werde sich für eine solche Kom­mission aussprechen können, ohne sich selbst aufzugeben. Ganz unvereinbar sei eine solche Kontrollkommission mit dem Gedanken der europäischen Loyalität, mit einem Paneuropa, wovon Briand gesprochen habe.Der Rhein ist deutsch und er muß frei werden!"

Man arbeitet französischerseits sehr viel mit dem Argument, daß die wirtschaftlichen Interessen des Saar- gebietes durch den bisherigen Zustand, also ungehinderter Absatz der saarländischen Erzeugnisse in Frankreich und ihre zollpolitische Bevorzugung in Deutschland, eine wirt­schaftliche Blüte hervorgerufen haben. Der Vorsitzende der Saarbrücker Handelskammer, also eine wirtschaftlich maßgebende Persönlichkeit, verweist demgegenüber darauf, daß diese französische Behauptung den Tatsachen nicht entspreche. Nicht das Saargebiet, sondern Elsatz- Lothringensei es, wo man von einer wirklichen Konkurrenz gegenüber der rheinischen Wirtschaft sprechen könne. Das Saargebiet hingegen wachse alljähr­lich wieder wirtschaftlich fester zusammen m i t D e u t s ch l a n d , -aber stärker als alle wirtschaft­lichen Bindungen sind die Stimmen des Blutes und des Herzens; wir sind gleicher Herkunft, wir haben eine Kulturgemeinschaft, wir haben die gleiche Sprache, die gleichen Leiden und Freuden. Wir kennen nur ein Vaterland, das heißt Deutschland". Das ist die Stimme des Saargebiets heute und gestern, nicht jene angebliche Denkschrift der 150 000 Einwohner des Saar­gebiets mit denen 1919 Clemenceau in Versailles ope­rierte, um die Abtrennung dieses Stückes deutschen Ge- bietcs herbeizuführen. I

Ein Riesenarbeiisstreii in England.

Eine halbe Million Arbeiter feiern. Zwanzig Millionen Wochenlohnausfall.

Im Baumwollgebiet von Lancashire ist die Aussperrung fast der gesamten Belegschaft in Kraft ge­treten. Von insgesamt 1800 Betrieben werden 1500 ge­schlossen und etwa 500 000 Arbeiter feiern. Der Lohnausfall beträgt wöchentlich rund 20 Millionen Mark. Bei längerer Dauer der Aussperrung werden mindestens 100 000 Arbeiter verwandter Industriezweige betroffen werden. Trotz des wenia ermutigenden Ver-

KMM $oM ohne Kimm

Das französische Kabinett gebildet.

Unter Führung Briand s.

Ministerpräsident Briand.

laufes der Ausgleichsverhandlungen der letzten vierzehn Tage hofft man, daß es schließlich doch noch zu irgend­einem Ausgleich kommen wird.

Der Arbeitsstreit, der größte seit dem Gene­ral streik im Jabre k92a. .verursach! in allen polrtrschm Kreisen starke Besorgnis. DerDaily Herald" als Re­gierungsblatt richtet in einem fast beschwörenden Artikel an die Arbeitgeberschaft in Lancashire die dringende Auf­forderung, das einzig mögliche und wirksame Abhilfs- mittel für die Notlage der Industrie, nämlich die g r ü n d- l i ch e Neuordnung, nicht länger hinauszuschieben.

Gesangenenmevlerci in einem amerikanischen Zuchthaus.

Die Sträflinge stecken das Haus in Brand.

Im Zuchthaus von Auburn im Staate Newyork meuterten die Gefangenen. Sie überwältigten die Auf­seher und steckten das Zuchthaus in Brand. Zwölf Ge­fangene entkamen daraus, während sich viele andere be­waffnet in verschiedenen Teilen des Hauses versteckten. Die Meuterei, eine der schlimmsten, die sich jemals im Newyorker Staatsgefängnis zugetragen haben, dauerte die ganze Nacht. , _ ~ .

Das Zuchthaus von Auburn ist die älteste Straf­anstalt im Staate Newyork. Es war mit insgesamt 1700 Sträflingen besetzt. Der Aufstand brach aus, als sich die Gefangenen auf dem Hofe des Zuchthauses befanden. Nachdem die Wärter überwältigt waren,

stürmten die Sträflinge die Wasfenkammer und versahen sich mit Gewehren und Revolvern. Mehrere Gebäude wurden von den Ausbrechern mit Hilfe von Petroleum in Brand gesteckt. Vier Wächter wurden niedergeschossen, bevor die ersten Verstärkungen der Wachtmannschaften herankamen. Es entspann sich dann ein dreistündiger schwerer Kamps zwischen der Polizei und den Gefangenen, der den letzteren große Verluste brächte. Zwei Sträflinge wurden erschossen, elf Gefangene hingen, zum größten Teil schwer verletzt, tn den Stacheldrähten auf den Mauersimsen. Inzwischen hatte die Zuchthausleitung

Truppen zur Unterstützung

angefordert. Als diese anmarschierten, besetzten etwa 40 Gefangene die Mauern und eröffneten sofort das Feuer. Im Sturm konnte die Mauer schließlich genommen wer­den Die Meuterer mußten sich ergeben. Die zur Löschung des Feuers herbeigeeilte Feuerwehr hatte gleichfalls einen außerordentlich schweren Stand, da die Gefangenen die Schläuche mehrfach mit Messern zer­schnitten Die Zahl der verwundeten Gefangenen belauft sich auf insgesamt 30. Das Verhalten der Gefan­genen läßt den Schluß zu, daß der Ausbruchsversuch sehr sorgfältig vorbereitet worden war. ....... 4

Rene IeuiWenvcrsolgmM M Polen. Strafverfahren gegen Mitglieder des ehemaligen Deutschtumbundes.

In Polen haben wieder einmal Deutschenver­folg u n g e n eingesetzt. Diesmal hat der Staatsanwalt des Appellationsgerichts in T h o r n die Wiederaufnahme eines Strafverfahrens gegen den ehemaligen Deutsch- t u m b u n d in B r o m b e r g angeordnet, der im Jahre 1923 von der polnischen Regierung aufgelöst wurde. . Die

Das neue französische Kabinett ist gebildet. Außen­minister Briand erklärte der versammelten Presse, daß nach der Absage der Radikalsozialisten seine Aufgabe sehr vereinfacht sei. Das alte Kabinett werde im Amte bleiben, mit dem einzigen Unterschied, daß er an die Stelle Poincarss trete. Somit ist der Regierungs­antritt des neuen Kabinetts nur noch eine Formsache und wird erfolgen, nachdem Briand die Liste der alten Mit­arbeiter Poincarös dem Präsidenten der Republik zur Be­stätigung vorgelegt hat.

Der Wunsch Briands, sein Kabinett möglichst stark n a ch l i n k s zu erweitern, ist an der Absage der radikal- sozialistischen Gruppe, die aufgefordert worden war, H e r r i o t als Minister ohne Portefeuille ins Kabinett zu entsenden, gescheitert. Die Erwartungen auf einen entscheidenden Kurswechsel der französischen Politik dürften demnach kaum in Erfüllung gehen. Briand wird aller Voraussicht nach in die Fußtapfen Poincarss treten und die Politik dernationalen Einheit" fortführen. Er scheint sich aber, wie aus seiner letzten programmatischen Rede hervorgeht, die er kurz vor Aus- bruch der Krise im Senat gehalten hat, bewußt zu sein, daß sein Kabinett nur ein libergangsministe- r i u m sein kann, dessen Aufgabe mit dem Abschluß der Konferenz im Haag und der Lösung der dort zu behan­delnden internationalen Fragen ihr Ende erreichen dürste.

seinerzeit eingeleiteten istrasversayren gegen Mitglieder dieses Bundes wurden nicht weiter durchgeführt, obwohl dies deutscherseits gefordert wurde, da der Deutschtum­bund keinerlei staatsfeindliche Ziele verfolgt hat. Bisher wurdeg,aber weder.die..Strafverfahren bxwfrsefü^ das Verbot des Bundes aufgehoben.

Das jetzt gegen elf frühere Mitglieder des Deutsch­tumbundes eingeleitete Untersuchungsverfahren wirst sieben Beschuldigten vor, Spionage zugunsten Deutschlands getrieben zu haben. Der Geschäfts­führer des Deutschen Bureaus in Bromberg, Studien­rat Heidel, wurde drei Stunden lang vernommen und unttr Polizeiaufsicht gestellt.,.Ä^

Kür Beschleunigung der Aegierungskonferenz.

Zweiteilung der Konferenzarbeiten. I

Von amtlicher britischer Seite verlautet, es stehe jetzt zwar endgültig fest, daß die Reparationskonserenz im Haag stattfinden wird. Der Zeitpunkt sei jedoch nicht offiziell festgesetzt worden. Großbritannien sei be­strebt, keine Verschiebung des Zeitpunktes ein­treten zu lassen, da es die Aufgaben der Konferenz mit möglichster Beschleunigung erledigt wissen wolle. Es be­steht, den Informationen von amtlicher britischer Seite zu­folge, die Absicht, die Konferenz in zwei Teile zu teilen, und zwar einen finanzieller Art, der sich mit dem Aoung-Bericht und der gesamten Frage der Repa­rat i o n befaßt, und den anderen politischer Natur, der Fragen für die Räumung des Rheinlandes und die Frage der Ernennung des F e st st e l l u n g s a u s - schusses behandelt. i

Der SersaffmgStag und das Rheinland

Ein Ausruf zum 11. August.

Im Rheinland wird zum Versassungstag ein Aufruf verbreitet, der darauf hinweist, daß trotz der Ent­behrungen und Schmerzen, an denen es den Werdejahren der Deutschen Republik nicht gefehlt hat, und trotz der dunk­len Wolken, die noch am Horizont drohen, es undankbar wäre, nicht auch das Errungene der Wiederaufbauenden Arbeit anzuerkennen. Der Aufruf fordert dazu auf, das Trennende beiseite zu setzen, die geplanten Veranstaltun- gen zahlreich zu besuchen und den zehnten Geburtstag des deutschen Volksstaates an allen Orten in einmütiger, vaterländischer Gesinnung zu begehen.

Der Aufruf trägt die folgenden Unterschriften: Dr. h. c. Adenauer, Präsident des Preußischen Staatsrates. Dr. v o n B r a n d t, Präsident des Landesfinanzamtes. Elfgen, Regierungspräsident. Groß, Präsident des Strafvollzugsamtes. von GuSrard, Präsident der Reichsbahndirektion. Hepke, Generalstaatsanwalt. Kraiger, Präsident der Oberpostdirektion. Missong, Präsident des Landesarbeitsamtes Rhein­land. Reichart, Präsident des Oberlandesgerichts., Schulze-Schuchardt, Reichsbankdirektor.

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Beim Tauerflug avgcstürzt.

Minneapolis. Das FlugzeugMinnesota", das sich auf einem Dauerflug befand, stürzte nach 154 Flugstunden wäh­rend der Vorbereitungen zu einer weiteren Brennstoff­ergänzung plötzlich aus einer Höhe von 61 Metern ab und fiel auf die Autorennbahn. Ein Pilot wurde getötet, der andere schwer verletzt,