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hersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfelö mit den Beilagen: Illustriertes AnterhattungSblatt / Nach Feierabend / Herb naS Gcholle / Unterhaltung und Wissen Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tagessragen.

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Nachlaß gewährt. Ztir die Schriftleitung verant­wortlich : Zranz $unF in Hersselö.» Zernfprecher Nr. S

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; Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.50 : Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Persfeld r 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Mbholer : 1.00 Reichs-Mark.: Druck und Verlag von Ludwig : Zunks Buchöruckcrei in Hersfeld, Mitglied des VDM. ♦♦**♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦*♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦****************»**

Übboier Ludwig

Nr. 171

Mittwoch, bett 24 Juli 1929 79. Jahrgang

Prüfstein des Könnens.

Man nahm uns dieVaterland", dieBismarck", nahm uns fast die gesamte deutsche Handelsflotte trotz feierlichster Versprechungen aber was man Deutschland nicht nehmen konnte, war der Wille zum Wieder- a u f b a u, die Energie, wieder die Lücken auszufüllen, die der Feinde Neid und Eifersucht gerissen hatte. Und diese Lücken nicht bloß notdürftig zu stopfen, sondern sie mit Besserem auszufüllen.

Zeppelin die deutschen Flieger jetzt die Bremen". Man hatte die deutsche Flagge hinweggefegt vom Ozean jetzt ist er ganz für sie zurückerobert. Und dieBremen" darf jetzt dasblaue Band des Ozeans" an ihre Wimpel heften, nachdem die Mauretania", ein englischer Dampfer, 21 Jahre hindurch den Rekord der schnellsten Fahrt über den Atlantik ver­teidigt hatte. Fast acht Stunden eher als dieMaure­tania" das je erreichen konnte, traf dieBremen" am amerikanischen Leuchtschiff im Ambrosekanal ein. Um schließlich sich unter dem tollen Geheul aller Schiffssireneu im Newyorker Hafen, unter dem Jubel Tausender lang­sam heranzuschieben an den Hobokenkai des Norddeut­schen Lloyds.

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KeineWettfahrt", kein Rennen um den Rekord sollte die erste Fahrt derBremen" über den Atlantischen Ozean sein.Safety first",zu allererst Sicherheit für Schiff, Passagiere und Gut" ist alte deutsche Seemanns­regel. Und darum blieb gerade die deutsche Handels- und Personenschiffahrt fast völlig bewahrt vor schweren Katastrophen, gar vor einer solchen mit den Ausmaßen wie bei derTitanic". Und auch dann, wenn das Meer ein deutsches Schiff sich zum Opfer erkor, waren infolge guter Organisation meist nur sehr wenige Menschenleben zu beklagen. Nicht nur die Güte des Baumaterials oder die strenge Kontrolle spricht hierbei mit, sondern auch die F a h r k u n st und das Verantwortungsbewußtsein der Schiffsführung. Noch schneller hätte dieBremen" den Ozean überqueren können, wenn nämlich der Kapitän die ^LÜMKe,ijta im Wimuer. WLLLY . gesöhr-

lichere Nordroute gewählt hätte. Noch eher wäre er in Newyork eingetroffen, wenn er alles, das Letzte aus den Maschinen herausgeholt hätte aber er tat es nicht. Hm Menschen und Schiff nicht in Gefahr oder doch zum mindesten in eine unangenehme Lage zu bringen. Die Nichtbeachtung aller dieser für deutsche Schiffsführung selbstverständlichen Dinge war es gewesen, die mit schuld waren an der Katastrophe derTitanic".

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Kein Rennen über den Ozean aus Rekordsucht, um des Sportes willen. Sondern nur der Beweis, daß Deutschlands Handelsschiffban sich von den tiefen Wunden erholt hat, die Krieg und namentlich die schwere Nachkriegszeit ihm schlugen. Sogar mehr als erholt hat. Daß es hierin den Wettkampf mit den anderen vielfach begünstigteren Nationen in aller Zu- versichtlichkeit aufnehmen darf. Hierfür ist die sieghafte Fahrt derBremen" augenfälligster Beweis.

Aber nur ein solcher sichtbarer Beweis ist für die Welt eigentlichster P r ü f st e i n d e s K ö n n e n s. Schwer genug hat die deutsche Seeschiffahrt, hat der deutsche Schiffbau zu ringen mit der Konkurrenz der anderen. Darum freut man sich auch aus wirtschaftlichen Gründen, daß ein solches Werk deutschen Geistes und deutscher Arbeit Zeugnis ablegen durste vor aller Welt. Der Ein­druck hiervon verweht nicht so schnell, auch wenn über kurz oder lang eine andere Nation dieBremen" über­holt. Diesen Wettkampf mit den anderen braucht deutsches Können nicht zu scheuen trotz der großen Schwierigkeiten, die hier wie in so vielem andern nur auf Deutschland lasten.

Und die Erinnerung taucht auf an ein anderes sieg­haft Schiff, das von Bremen abfuhr hinüber nach Amerika, den Ring der Feinde siegreich durchbrechend. Aber unter dem Meer. Es war das U-BootDeutschland" unter Kapitän Königs Führung. Damals waren die ge­kreuzten Bremer Schlüssel, die der Norddeutsche Lloyd in seiner Flagge führt, nicht mehr zu sehen über den Wellen der Weltmeere. Jetzt flattern sie hoch an den Masten des schnellsten Schiffes, das dieselben Wogen des Ozeans durchfurcht. ____________

Der Kellogg-Yalt soll gehalten werden.

Die russisch-chinesischen Rüstungen sind Vorbeugungsmittel.

Die russische und die chinesische Regierung haben sich auf das Eingreifen Amerikas hin formell ver­pflichtet, den Kellogg - Paktstrikte zu b e f o l g e n. über die weitere Behandlung des Konfliktes sind irgend­welche Entschlüsse noch nicht gefaßt. Man scheint zunächst abwarten zu wollen, was die beiden feindlichen Re­gierungen selbst zu tun gedenken, ehe ein anderer Staat L Schritte unternimmt, die deswegen schwierig sind, weil lauf allen Seiten eine erklärliche Abneigung besteht, sich in 'ausländische Verwicklungen zu mischen

Der amerikanische Staatssekretär Stimson ist durch den japanischen Botschafter verständigt worden, daß die japanische Regierung einen ähnlichen Ver- m i t 1 l u n g s s ch r i t t eingeleitet hat, wie er in Nanking durch die amerikanische und in Moskau durch die fran­zösische Regierung unternommen worden ist. Japan lenkte die Aufmerksamkeit sowohl der chinesischen wie der ruf.

Sie -eiltsihe

Die Rekordfahrt derZremen".

Stadt Bremen im F l a g g e n s ch m u ck.

Die amerikanischen Blätter feiern die Rekordfahrt der Bremen", derdeutschen Königin der Meere", wie die Amerikauer das Schiff nach seiner Ankunft in Newyork genannt haben, als ein epochemachendes Ereignis in der Schiffahrtsgeschichte. Ein hervorragender Vertreter der eikglischen Schiffahrt erklärte, der Rekord derMaure­tania" sei in ehrlicher und redlicher Weise geschlagen worden. Die Deutschen hätten eine großartige Leistung mit einem wunderbaren Schiff erzielt. Als echte Sports­männer hätten sie englische Schiffahrtsiuteresseuten in S o u t h a m P t o n zur Besichtigung des Dampfers ein- geladen.

Am Brooklyner Pier wurde dieBremen" von Ver­tretern der Brooklyner Handelskammer unb anderer Or­ganisationen empfangen. Unter den Zuschauermassen er­tönten laute Ausrufe der Bewunderung, als das pracht­volle Schiff in Sicht kam. Die Passagiere derBremen" äußerten sich begeistert über die Fahrt. Sie erklärten, See­krankheit sei ihnen unbetannt gewesen, und besonders be- merkeirswert sei es, daß man die Maschinen, die in Cher- bourg auf Vollkraft gesetzt worden seien, erst auf der Höhe von Fire Island etwas gestoppt habe, um das Postslug­zeug abzulassen.

DieMauretania" gratuliert.

Von überall her liefen Glückwunschtelegramme an Bord derBremen" ein. Dem Norddeutschen Lloyd sandte der Reichspräsident herzliche Glückwünsche. Der Kapitän der augenblicklich im Newyorker Hafen liegen­denM a u r e t a n i a" telegraphierte:Kapitän, Offi­ziere und Gesellschaft 88Mauretania" beglückwünschen Sie herzlich zu Ihrem Fahrw kord und wünschen Ihnen jeden Erfolg." Ferner haben die Direktionen der C u n a r d - L i n i e und des N o r d d e u t s ch e n L l o y d Glückwunschtelegramme gewechselt. Man glaubt aber, daß dieMauretania" versuchen werde, neu lyjeaiHümu wieder an sich zu bringen.

Ein neuer Rekord möglich.

Der Kapitän derBremen", Ziegenbein, erklärte, hab»? das Schiff nicht überanstrengen wollen. Es sei :r möglich, noch mehr aus den Maschinen Herauszu- Holen, und er hoffe, noch einen besseren Rekord a u f st e l l e n u n d 3 0 K n o t e n e r r e i ch e n zu können. DieBremen" schlug auf ihrer Überfahrt den sogenannten Mittelkurs ein, der 49 Meilen länger ist als die von der Mauretania" bei ihrer Rekordfahrt benutzte nördliche Route. Die Passagiere des Schiffes weisen in ihren Schilderungen auf das Fehlen jedes Vibrierens im vorderen Teil derBremen" hin. Nur auf dem Hinter­schiff habe sich das übliche Vibrieren eines großen Ozeandampfers bemerkbar gemacht. Man hofft aber, daß auch dieses Vibrieren zu beseitigen sein wird. Ferner sollen die Schornsteine des Dampfers um etwa 1 20 Meter

er

aber möglich, noch

fischen Regierung aus die Unterzeichnung des Kellogg Paktes. Gleichzeitig wurde Staatssekretär Stimson amt­lich unterrichtet, daß bisher keinerlei Zusammen­stöße zwischen chinesischen und russischen Truppen statt gefunden hätten und die Truppenbewegungen auf beide" Seiten rein vorbereitender und vorbeugender Ar'.

seien.

Teekrieg in Ostasien.

Wie der Russische Zentralgenossenschaftsverband mit. teilt, werden die T e e k ä u f c der Sowjetunion in China angesichts des Abbruches der sowjetrussisch chinesischen Be Ziehungen nunmehr eingestellt und naw anderen Länder» verlegt. Die Teelanfc Rußlands in China erreichten bis­her den Wert von 15 Millionen Rubel im Fahr.

Das Befinden des Reichskanzlers.

Gebessert, aber noch kritisch.

Zum Befinden des Reichskanzlers teilt die Chirur­gische Universitätsklinik in Heidelberg mit, daß die Krank- Heitsentwicklung einen regelmäßigen Verlauf nehme. Die Herztätigkeit sei b e s r i e b i g e n b. Die behandelnden Arzte seien mit dem bisherigen Krankheitsbild zufrieden. Die kritischen Tage feien allerdings noch nicht vorüber. Über den Ausgang der Krankheit lasse sich auch weiterhin noch nichts sagen. .

Ständig laufen Anfragen über das Befinden des schwererkrankten Kanzlers ein. Unter den Telegrammen befinden sich solche des Nuntius P a c e l l i, des i t a l te­il i s ch e n und des japanischen Botschafters. Im Auftrage des badischen Staatsministeriums über- brachte der Landrat von Heidelberg dem Reichskanzler einen Blumenstrauß mit den besten Wünschen für baldige Wiederherstellung. Der Reichskanzler hat alle guten Wünsche mit großer Freude entsegengenommen.

Zum chinesisch-russischen Strestsüll.

Eine Erklärung zum Vermittlungsschritt Frankreichs.

Zu dem Telegramm, daß die Sowjetregierung die Vermittlung Frankreichs im chinesisch-russischen Streifall abaelebnt habe, wird in einer halbamtlichen Erklärung des

der Meere

erhöht werden, da der Rauch zuweilen das Deck ve- strichen hat.

Die Hansestadt flaggt.

Stolz und Freude beherrscht natürlich die Patenstadt des Ozeanschnelldampfers. Die Stadt Bremen prangte Dienstag in reichem Flaggenschmuck. In den Straßen herrschte ein überaus reges Leben und Treiben und die Überfahrt derBremen" bildete überall das Tages­gespräch.

Der Kampf um dasBlaue Band^.

Durch die erste Fahrt derBremen" ist der Kampf um dasBlaue Band" des Ozeans erneut in den Vordergrund des Interesses gerückt worden. Die Strecke, die ein Schisf am schnellsten durchfahren muß, um dasBlaue Band" zu erringen, umfaßt die Linie Cherbourg bis zum Ambrosleucht- turm vor Rewvork. Von 1884 bis 1891 hielt das -Blaue

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Kapitän Ziegenbein, der Führer derBremen".

Band" die erste Schnelldampferklasse des Norddeutschen Lloyds, Aller",Trave" undSaale", mit einer Geschwindigkeit von 17 Seemeilen. Darauf Holle sich den Rekord der Dampfer Fürst Bismarck" von der Hapag, der ihn von 1891 bis 1893 mit 19 Seemeilen Geschwindigkeit innehatte. Hieraus folgte der DampferLucabia" von der Cunardlinie mit 22 See­meilen für die Jahre 1893 bis 1897. Sodann ging dasBlaue Band" wieder in den Besitz des Norddeutschen Lloyds mit seiner SchnelldampferklasseKaiser Wilhelm der Große" über, und zwar mit 23 Seemeilen von 1897 bis 1900. Von 1900 bis 1902 hielt den Rekord mit 23,5 Seemeilen dieDeutschland" der Hapag. Hierauf folgte wieder ein Dampfer des Nord­deutschen Lloyds, nämlichKaiser Wilhelm II." mit 23,6 See­meilen von 1902 bis 1909, woraus dann dieMauretania" der Cunardlinie mit 26,7 Seemeilen den Rekord bis jetzt halten konnte.

französischen Außenministeriums festgestellt, daß diese Nachricht den tatsächlichen Ereignissen nicht entspreche. Briand habe nicht vermittelt, sondern den Vertretern der beiden in Frage kommenden Länder nur Ratschläge zur Mäßigung erteilt und dabei hervorgehoben, daß jede mili­tärische Handlung den internationalen Verpflichtungen, die die Länder untereinander verbinde, insbesondere dem Kellogg-,Pakt, zuwidMausen würde. ^^^^^

Zum Ausgleich von

Konjunkturschwankungen.

Die Vergebung von 8 Milliarden öffentlicher Aufträge.

Der Reichsarbeitsminister hat im Einvernehmen mit dem Reichswirtschaftsminister die Reichsanstalt für Arbeits- vermiitlung und Arbeitslosenversicherung beauftragt, durch die Präsidenten der Landesarbeitsämter auf eine zweck­mäßige Verteilung der öffentlichen Aufträge im Sinne des Ausgleiches der Konjunktur- und Saison­schwankungen hinzuwirken. Zur Durchführung des Auf­trages werden die Landesarbeitsämter durch einen Erlaß des Präsidenten der Reichsanstalt vom 20. d. M. ersucht, mit'ben in ihrem Bezirk ansässigen Beschaffungs­stellen regelmäßige Zusammenkünfte zu pflegen und hierbei mit ihnen alle zweckdienlichen Mitteilungen über die Lage des Arbeitsmarktes, die beabsichtigten Arbeiten und Aufträge und die geplanten Notstands­arbeiten auszutauschen. In Frage kommen hierfür vor allem die Reichsbahndirektionen, die Oberpostdirektionen, die Wasserbauämter, die Landesfinanz- und Finanzämter, die Landes- und Provinzialverwaltungen und die Kreise und die größeren Städte. Besondere Aufmerksamkeit soll dem Baumarkt gewidmet werden, der einerseits einen großen Teil der öffentlichen Mittel aufnimmt, anderer­seits besonders heftigen jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt. Doch ist auch für fast alle anderen Gewerbe­zweige die geplante Regelung mehr oder weniger praktisch bedeutsam; wird doch die Gesamtsumme der Aufträge der öffentlichen Hand auf 7 bis 8 Milliarden Mark jährlich geschätzt.