Einzelbild herunterladen
 

HersfelöerTageblaü

L

kMfel-er Kreisblatt [ssb®W AU-»^ftSU^SSWg» flwtll<°LsÄnzeiger für den kreis Hersfelö &fc>*gfiS<wt

mit den Bellagea: Illostrierles A^ ^^Het-assblatt / Nach Feierabend / Herd und GLolle / Anterbsttung und Wissen

s* mittägig and Knrrweil / Wirtschaftliche LaaeSsragen.___

Nr. 167

ist

., .............................. ... In

Sommerarbeit für Mowa-P"

Eine Abnormität wäre es ja, wenn anMM'enzen der Balkanstaaten es einmal für längere ^»A cht nach Pulver riechen, man keine Gewehrschüss? ä 1 Bomben- krachen hören wurde. Die in Versailles, A"gte Grenz­ziehung sorgt ja automatisch dafür, daß k"'Flammen des gegenseitigen Völker- und NaüonalitäteM-asses nicht er­löschen. Auf Menschenleben ist's in diesem südöstlichen Europa niemals viel angekommen, kommt jetzt womöglich noch weniger an, nachdem die Kriegswelle über den Balkan hinwegschlug. Auf Menschenleben kommt's ebensowenig an wie auf Grenzverletzungen, die ohne weiteres statt- finden, wenn die Grenze nicht genügend mit bewaffneter Macht geschützt ist. Die offiziellen Noten der Regierungen in Belgrad, Sofia, Athen und Bukarest werden ja nirgends sehr ernst genommen und wenn man die Attentate, Morde, Grenzverletzungen usw. gegenseitig ausrechnet, so wird man einander nicht allzuviel mehr vorzuwerfen haben. Jetzt hat es wieder einmal fehr erheblich gekracht, hat man darob zwischen Sofia und Belgrad Noten gewechselt, ein etwas ungleiches Spiel angesichts der Tatsache, daß Bulgarien völlig wehrlos, ausgeplünd,- t und eines großen Teils jenes Gebietes beraubt ist, desi.m Bewohner Bul­garen sind. Jetzt wenigstens noch sind. Denn Serbien und Griechenland Pflegen ihre Nationalisierungspolitik dort mit etwas drastischeren Mitteln zu betreiben, als das in dem etwas menschlicheren Mittel- und Westeuropa ge­schieht. Das beste Entnationalisierungsmittel ist dort unten offenbar die Gewehrkugel, die jeder Widerspenstig­keit Herr wird. Namentlich dann, wenn der Gegner, der Bulgare also, sich nicht einmal wehren' kann.

*

Und damit die Diplomaten sogenannte Arbeit haben, sind von England, Frankreich, Italien wegen der bul­garisch-serbischen GrenzzwischenfälleSchritte unternom­men" worden. In Belgrad und in Sofia. Und der bul­garische Außenminister ist deswegen noch extra nach Paris gefahren. Wodurch sich sicherlich nicht ein einziger Komi­tatschi hüben wie drüben an der Grenze wird bewegen

wobei man allerdings nicht beurteilen kann, wieweit die Meldungen richtig sind. Denn hinter Meldungen über Grenzzwischenfüllc auf dem Balkan muß man erfahrungs­gemäß immer gleich ein paar Fragezeichen setzen. . Schuld ist nämlich immer der andere.

Aber man braucht gar nicht bis zum Balkan hinüber- zusehen, um ähnliches festzustellen. Auch an der p o l n i s ch- litanischen Grenze krachen öfters die Gewehre. Und der polnische Attentäter auf den litauischen Diktator Woldemaras ist auch rasch über die Grenze geflüchtet, an der man sich durchaus nicht immer mit Gewehr nur bei Fuß gegenübersteht. Jetzt hat sich Woldemaras über die polnische Agitation in Litauen beim Völkerbund beschwert, über Morde, die polnische Beauftragte auf litauischem Ge­biet verübt hätten, über die Besetzung einer zu Litauen gehörenden Insel im Memelfluß durch polnisches Militär. Natürlich wird bei der neuen Behandlung des litauisch­polnischen Gegensatzes durch den Völkerbund genau so viel herauskommen wie bisher: nämlich gar nichts, denn letzten Endes ist ja der Völkerbund selbst an diesen Gegen­satz mitschuldig, weil er es gebilligt hat, daß sich PKen mit Waffengewalt in den Besitz Wilnas setzte.

i *

Ja, der Völkerbund! Nun hat Rußland die diplomatischen Beziehungen zu China abgebrochen und die Grenze gegen die Mandschurei gesperrt. Man hat hüben wie drüben Truppen anfmar- fchieren lassen aber deswegen werden die europäischen, amerikanischen und japanischen Diplomaten ihre Sommer­ferien kaum unterbrechen. Vielleicht werden sie in den Stunden ihrer Muße den auch von Rußland und China unterschriebenen Kellogg-Pakt wieder einmal durchlesen, der dieAchtung" des Krieges ausspricht, woraus sich der alte Kriegsgott Mars allerdings überraschend wenig gemacht hat. Weil er weiß, daß trotz dieser Achtung sehr leicht ivkber einmal er es ist, derdie Stunde regiert".

Die Zusammenstöße in Giuiigark.

! Reichstagsabgeordneter Vogt festgenommen.

Bei der von der Kommunistischen Partei auf dem Marktplatz in Stuttgart veranstalteten Kundgebung wurde ein in der Uniform des Rotfrontkämpferbundes er­schienener Mann festgenommen. Der kommunistische Reichstagsabgeordnete Vogt versuchte, die Vorführung des Rotfrontkämpfers zu verhindern. Er wurde darauf­hin von den Beamten wegen Widerstandes festgenommen und zusammen mit dem Rotfrontkämpfer zur Wache ge- bracht, wo beide nach Feststellung des Sachverhaltes und ; der Personalien wieder entlassen wurden.

$ Als die Polizei die Lärmenden, die sich vor der Polizeiwache angesammelt hatten, zum Auseinandergehen aufforderte, schoß ein Mann aus der Menge auf die Polizeibeamten. Er traf jedoch einen der Demonstranten. Als ein weiterer Schutz versagte, schlug er nach einem Be- Mten mit dem Revolver und brächte ihm eine Verletzung ^ber dem linken Auge bei. Die Polizei hat von der Schuß­waffe keinen Gebrauch gemacht.

Arbe-----------------------------------------------" ^Freitag, den 1g Juli 1929

........................... I

Erste Belastungsprobe

Rußland bricht die Reziehnngen zu Ma ab.

Es wird fieberhaft gerüstet.

Das Außenkommissariat der Sowjetunion hat dem chinesischen Geschäftsträger in Moskau eine Note zugestellt, die erklärt, die Sowjetrcgierung halte die Antwort der chinesischen Regierung, die die Forderungen Rußlands ablehnt, ihrem Inhalt nach für gänzlich unbe­friedigend und ihrem Ton nach für h e u ch l e r i s ch. Die Sowjetregierung stellt fest, daß bereits alle Mittel zur Regelung der von den chinesischen Behörden hervor- gerufenen und durch die Note der chinesischen Reaieruna

vom 17. Juli verschärften Streitfragen und Konflikte wegen der Ostchinabahn auf dem Wege der Verständigung erschöpft seien. Deshalb sehe sich die Sowjetregierung gezwungen, folgende Maßnahmen zu treffen, wobei sie die gesamte Verantwortung für die Folgen der chinesischen Regierung auferlege:

1. Sämtliche diplomatischen, Konsular - undHandelsvertreterder Sowjetunion in China abzuberufen;

2. sämtlich? von der Sowjetregierung an der O st - ch i n a b a h n ernannten Personen abzuberufen;

3. jegliche Eisenbahnverbindung zwischen China und der Sowjetunion e i n z u st e l l e n ;

4. die diplomatischen und konsularischen Vertreter Chinas auszufordern, die Sowjetunion unverzüglich zu verlassen.

Gleichzeitig erklärt die Sowjetregierung, daß sie sich sämtliche aus dem Pekinger und Muldener Vertrag von 1924 hervorgehenden Rechte vorbehält.

Der Aufmarsch im Osten.

Nach einem Telegramm aus Charbin treffen die Chinesen unablässig militärische Vorbereitungen. Truppe nzüge sind nach der Grenze abgegangen. Es wird angenommen, daß der Verkehr nach Europa gesperrt werden wird. Das Mukdener Arsenal arbeitet fieberhaft anderHerstellungvonMunition.

In der Sitzung des japanischen Kabinetts erklärte der Kriegsminister, daß nach amtlichen Mitteilungen des japa­nischen Außenministeriums die S o w j e t r e g i e r u n g an der russisch-chinesischen Grenze 80 000 Mann gutbewaff­neter Truppen zur Verfügung habe. Die chinesische Regierung besitze gegenwärtig an der Ostbahn 150 000 Mann kampfbereiter Truppen. Der Kriegsminister schil­derte die Lage in der Nordmandschurei als sehr bedrohlich

Aman ilttahs Erzählungen.

Die Karawane des Exkönigs.

Aman Ullah, gewesener König von Afghanistan, er­zählte in R o m , wo er mit seiner ganzen Familie und mit seinen Getreuen weilt, einigen Vertretern der Presse die Geschichte seiner Flucht. Die ganze Schuld an seinem Unglück gab er den afghanischen Priestern, die das un­wissende Volk gegen ihn aufgehetzt und die unglaublichsten Dinge über seine Reformen berichtet hätten. So habe man z. B. verbreitet, daß die von ihm eingeführten Ackerbau­maschinen und Lokomotiven

Leichenverbrennungsmaschmen

seien. Es sei auch nicht wahr, daß er die afghanischen Frauen habe zwingen wollen, den S ch l e i c r abzulegen er habe ihnen das nur freigestellt. Ebenso unsinnig sei das Gerücht, ' daß er alle Männer genötigt habe, sich d i e Bärte abnehmen zu lassen. Von ganz besonderem Interesse war, was der König über seine Flucht durch das von den Feinden besetzte,Gebiet erzählte. Seine K a r a - w a n e aus der Flucht bestand aus

zwanzig Privatautomobilen

und aus einem großen Autobus, ^lus diesen Vehikeln

/

79. Jahrgang

der Sritteuettröge

und betonte, daß Japan nunmehr vor die Notwendigkeit ge­stellt sei, zum russisch-chinesischen Streit Stellung zu n e h m e n.

Demonstration vor der chinesischen diplomatischen Vertretung in Moskau.

Die ersten Schüsse?

In Peking wird von chinesischer Seite ein Bericht ver­breitet, wonach Sowjettruppen.den Versuch machten, den Amursluß in der nördlichen Mandschurei zu überqueren. Die Russen seien zurückgeschlagen worden.

Von japanischer Seite in Peking verlautet, daß die russischen Truppen mit beträchtlichen Mengen von Flug­zeugen und chemischen Kriegsmitteln ausgerüstet wurden.

Die Truppenbewegungen in der Mongolei umfassen vor allem Kavallerie. Rein zahlenmäßig sind die an der Grenze zusammengezogenen chinesischen Truppen weit stärker, doch ist ihre, Ausrüstung nicht nnnjihernd so &ut als die der russischen Truppen.

Die Eisenbahnverbindung zwischen der Mandschurei und Sibirien ist nach Charbmer Meldungen unterbrochen worden.

*

Kurz vor Inkrafttreten des Kellogg-Paktes scheint es so, als ob seine Wirksamkeit gleich zu Beginn auf eine ernste Probe gestellt werden sollte. Rußland hat die diplomatischen Beziehungen zu China abge­brochen, seine Vertretungen aus China abberufen und dem chinesischen Geschäftsträger in Moskau die Pässe zu­gestellt. Aus Grund des Kellogg-Paktes, den Rußland und China unterzeichnet haben, wären die Großmächte ge­zwungen, einen vermittelnden Schritt in dem Konflikt zu unternehmen. Die zweite Möglichkeit zu einer friedlichen Beilegung des Streites wäre durch ein Ein­schreiten des Völkerbundes gegeben. Hierzu muß aber von irgendeinem Mitgliedsstaate ein Ersuchen an den Völkerbund gerichtet werden. Jedenfalls stehen jetzt sowohl Kellogg-Pakt wie Völkerbund vor einer unmittel­baren großen Verantwortung, der sie sich nicht entziehen können. In politischen Kreisen besteht allgemein der Ein­druck, daß man nunmehr im Fernen Osten vor außer­ordentlich w e i t t r a g e n d e n Ereignissen steht.

Deutschland

soll Rußland und China vertreten.

Die S o w j e t r e g i e r u n g hat die Reichsregierung gebeten, während der Dauer des Abbruchs der Beziehun­gen zwischen Rußland und China die Wahrnehmung der russischen Interessen in China zu übernehmen. Auch der Berliner chinesische Gesandte hat beim Auswärtigen Amt einen Schritt unternommen mit der Bitte, die Wahr­nehmung der chinesischen Interessen in Rußland zu über­nehmen.

waren außer der königlichen Familie 2 5 Kiste n in i t indischen Goldrupien untergebracht. Verloren gingen auf der abenteuerliche:! Flucht nur drei Automobile, die mit ihrer Fracht von Wäsche, Kleidern und Hausrat von den Rebellen geraubt wurden.

Statistische Erhebungen über Bilchproduktion.

Berlin. Das Fehlen von zuverlässigem statistischen Mate­rial über Produktions- und Absatzverhältnisse in der deutschen Milchwirtschaft wird seit langem unliebsam empfunden. Um diese Lücke auszufülleu, werden auf Veranlassung des Reichs- ministers für Ernährung und Landwirtschaft zurzeit vom Statistischen Reichsamt im Benehmen mit den statistischen Landesämtern Erhebungen über die deutsche Milchproduktion angestellt. Die Ergebnisse der Ermittlungen liegen bereits bis auf wenige Landesteile im Statistischen Reichsamt vor. Es kann damit gerechnet werden, daß das vorhandene Material in Bälde verarbeitet sein wird und alsdann zuverlässige Unter­lagen zur Verfügung stehen. In gleicher Weise sind zurzeit Vorarbeiten zur Einführung einer Molkereistatistik, die Material über die Verhältnisse auf dem Gebiete der Milch­bearbeitung und -Verarbeitung liefern soll, in Angriff genom­men worden.