HersfelöerTageblatt
W^SW Hersfelder Kreisblatt
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Amtlicher Anzeiger für den Riete Reisfeld
mit den Beilagen: Illuskriekles Tlnterhaltungsblatt / Nach FeierabenS / SerS and Gcholle / Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Tasesfrasen.
MnferbaUtma asd Wissen
Nr. 166
Donnerstag, den 18. Juli 1929
7g. Jahrgang
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Gewollle Unklarheit.
Seit Tagen tobt in der Französischen Deputiertenkammer eine heftige Schlacht um die Frage, ob und wann man den Vertrag mit Amerika über die Abzahlung der Schulden Frankreichs ratifizieren soll oder nicht. Wird dieses Abkommen nicht angenommen, dann muß eine Summe von 400 Millionen Dollar am 1. August an Amerika gezahlt werden. Weniger diese Frage aber interessiert Deutschland, sondern vielmehr die Stellungnahme der französischen Kabinettsmitglieder zu den aktuellen Problemen des deutsch-französischen Verhältnisses, also zum Young-Plan und zur Rheinlandräumung. Hierüber kam es bereits zu einem erheblichen Krach zwischen Poincars und dem einen Führer der Opposition, Herriot, der alle möglichen, auch die peinlichsten Fragen an den Ministerpräsidenten richtete. Uns Deutsche interessiert an der Antwort Poin- carös lediglich die überaus eigenartige Behauptung, daß eine Revisionsmöglichkeit für den Uoung-Plan nur in dem Falle bestehe und auch dann nur in begrenztem Aus- maß möglich sei, wenn Amerika sich dazu bereit fände, seine Schuldenforderungen gegenüber den Alliierten her- abzusetzen. Es mnß denn doch festgestellt werden, daß im Voung-Plan nicht mit einem einzigen Wort von dieser Bedingung der Revisionsmöglichkeit die Rede ist, — aber leider hat Poincarö sinngemäß doch nicht so ganz unrecht; weil eben die deutschen Zahlungsverpflichtungen tatsächlich in engsten Zusammenhang mit den Summen gesetzt worden sind, die die Alliierten an Amerika schulden und zahlen sollen.
B r i a n d , der Außenminist^, schlug eine andere Taktik ein, als ihm durch den zwecken Führer der Opposition, den Sozialisten Löon Blum, gleichfalls einige sehr peinliche Fragen vorgelegt wurden, nämlich z. B. die, „ob die Räumung des Rheinlandes der Annahme des Uoung-Planes durch die Mächte sofort folgen werde". Denn „es gebe Gründe dafür", einige Zweifel zu äußern. Ebenso indiskret war die weitere Frage, ob die französische Regierung die Räumung des Rheinlandes nicht bloß von der Annahme des Boung-Plams, sondern auch von seiner Ausführung, das heißt von der Mobilisierung der deutschen Zahlungen, abhängig machen wolle. Dem Ersuchen Blums, eine klare und genaue Antwort darauf zu geben, hat Briand nicht Folge geleistet; er hat zwar viel geredet, ab er — nichts gesagt. Oder nur gesagt, was überaus vieldeutig ist, allen möglichen Auslegungen breitesten Raum gewährt. Das einzig Positive in der Antwort ist die Erklärung Briands, Frankreich habe „die Möglichkeit der Räumung der zweiten Besetzungszone bereits ins Auge gefaßt". Darauf wird man ihm deutscherseits erwidern, daß das überaus liebenswürdig von Frankreich sei, — denn schließlich rückt der 10. Januar 1930 immer näher heran, also der Termin, an dem Frankreich verpflichtet ist, die zweite Zone geräumt zu haben.
Sonst bleibt alles unklar, was Briand sagt. Er spricht davon, bemüht gewesen zu sein, das Rheinland- Problem „im Rahmen des Friedensvertrages zu prüfen"; ebenso unklar und auslegungsfähig bleibt ein zweiter Satz in der Rede Briands, die Regierung habe schon „alle Möglichkeiten für die Räumung geprüft", wolle auch keineswegs irgendwelche Listen anwenden, „jedoch nur unter der Bedingung, daß sie sich einem Lande gegenüber befinde, das entschlossen sei, dieselbeGestedes guten Willens zu machen". Wenn man will, kann man darunter die französische Forderung verstehen, daß Deutschland die Gesamträumung durch ein Zugeständnis erkaufen, also die Bildung der berühmten „Feststellungskommission" im Rheinland zulassen soll.
Die deutschen Regierungsmitglieder, in jüngster Zeit auch der Reichskanzler, haben ausdrücklich erklärt, daß irgendwelche Kontrolleinrichtungen sogenannter internationaler Art im Rheinland nach 1935 nicht bestehen dürfen, aber die ständige Betonung der Ablehnung einer D a u e r kontrolle läßt die Annahme offen, ob auf der kommenden Konferenz nicht die deutschen Vertreter die Schaffung einer „Feststellungskommission" — and) außerhalb der Bestimmungen des Locarnoabkommens — zugestehen werden, die dann ihre Tätigkeit bis zum 10. Januar 1935 ausüben dürfte. Der Reichskanzler Müller verweist übrigens in seiner Erklärung auch darauf, daß auf der Septembertagung in Genf 1928 keine Einigung darüber habe erzielt werden können, welche Dauer für die Kommission festgesetzt werden solle; das zeige deutlich der Wortlaut der damaligen Sechs-Mächte-Erklärung.
Man hatte erwartet, daß nach den bekannten Vorkommnissen in Deutschland — Briefwechsel Dr. Kaas— Dr. Wirth, Interview Dr. Stresemann — nun aus der ersten Antwort der für die Politik Frankreichs Verant- wörtlichen etwas Genaueres über den Gang der Dinge herausgelesen werden könnte. Das ist nicht möglich; irgend etwas anzudeuten, wird vom französischen Kabinett auch wohl vermieden werden. Alles bleibt offen, bis die Konferenz Zusammentritt. $
Die Französische Kammer hat in der & bett- über die l Ratifizierung der Schuldenabkommen den Antrag des sozialistischen Abgeordneten Löon Blum, in dem die Regierung aufgefordert wird, zunächst eine Politik der wirklichen Befriedung und der Abrüstung zu betreiben, mit 350 gegen 238 Stimmen abgelehnt, nachd. n di <'> Qierung . die Vertrauensirr.ge gestellt hatte.
Sturm über Asien
Chinas Antwort auf Rußlands Srohnote.
Japan soll helfen.
Der chinesische Geschäftsträger in Moskau hat dem Außenkommissariat der Sowjetunion eine Note des chinesischen Außenministers Dr. Wang zugestellt, in der dieser erklärt, daß die Nankingregierung
keinerlei Angrisfsabsichten auf die Sowjetunion hege. Die chinesische Regierung habe den Wunsch, gute Beziehungen zum russischen Volke
bhuresisch« Infanterie auf dem Marsch.
zu unterhalten. China hoffe, daß die letzten Streitigkeiten durch guten Willen auf beiden Seiten geregelt werden könnten. Die Note kündigt on, daß der neue chine- jfür Movlüti in allernächster Zeit dorthin abreisen werde, um persönlich die Verhandlungen mit der Sowjetregierung zu leiten.
Zu den letzten Vorgängen in der Nordmandschurei
Eine iolte Tendenznachrichi.
„Erzwungene Spenden zum Bau von Panzerkreuzern."
Eine in Kattowitz erscheinende polnische Zeitung brächte unter der Überschrift „DieUnverschämtheit der Deutschen kennt keine Grenzen. Erzwungene Spenden zum Bau von Panzerkreuzern!" eine Meldung, in der es hieß, daß die preußischen Behörden in Pommern eine intensive Aktion zur Sammlung von Spenden zum Bau eines neuenPanzerkreuzers entfalteten. In der Presse und auf Plakaten ließen sich die Deutschen über hohe Spenden und Beiträge aus, die freiwillig für den Bausands übersandt worden seien. In Wirklichkeit aber, so klärte das Blatt seine Leser auf, verhalte sich die Sache ganz anders: Alle staatlichen und kommunalen Ämter in Pommern hätten geheime Direktiven erhalten, keine Angelegenheit eines Petenten zu erledigen, wenn dieser nicht vorher eine b e st i m m t e Spende für den Panzerkreuzerban geleistet habe.
Soweit die „Information" des polnischen Blattes, zu der der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Die Nachricht ist so unsinnig und trägt den Stempel der freien Erfindung so ausgeprägt an der Stirn, daß man eigentlich darauf verzichten könnte, auf sie sachlich einzugehen und ihre vollkommene Sinnlosigkeit ausdrücklich zu betonen. Wenn dies jedoch trotzdem geschieht, so nur zu dem Zwecke, um insbesondere die polnischen Leser dieses Blattes zu der Frage anzuregen, ob durch die Verbreitung derartig phantastischer Nachrichten, an die der Redakteur, der sie verbreitet hat, doch selbst im Ernst nicht glauben kann, der V e r st ä n d i g u n g der beiden Völker gedient ist, die von gewissenhaften Politikern immer erneut angestrebt wird, auch wenn diese Bemühungen durch derartige in ernster Diskussion nicht zu erörternde Tend-nz- nachrichten nicht ganz erleichert werden.
Zunahme der Sonderzüge.
Die Deutsche Reichsbahn im Juni.
Nach dem Junibericht der Deutschen Reichsbahn hielt sich der G ü 1 e r v e r k e h r im Juni fast auf der Höhe des Vormonats. Der K o h l e n v e r s a n d hat sich im Juni gegen den Vormonat und gegenüber Jnni im Vorjahre gehoben.
Der Personenverkehr nahm der Jahreszeit entsprechend allgemein zu. Insgesamt wurden 6079 überplanmäßige Züge gefahren gegen 8711 im Mai einschließlich des Pfingstverkehrs und 5920 im Juni 1928.
Die Länge der R e i ch s b a h n st r e ck e n betrug Ende Mai 1929 53 824,86 Kilometer.
Die Betriebsergebnisse stellten sich im Mai 1929 wie folgt (in Millionen Mark): Einnahmen 451,53, davon aus Personen- und Gepäckverkehr 136,65, aus Güterverkehr 282,80, und sonstige Einnahmen 32,08. Die Au sgaben betrugen insgesamt 446,83.
Wenn auch der Berichtsmonat mit einem Überschuß abschließt, so kann daraus noch keine Scblutzfolae-
erklärt die Note, daß die dortigen Sowjetbeamten gegen das russisch-chinesische Abkommen vom Jahre 1924 schwer verstoßen hätten. Kommunistische Werber hätten unter dem Deckmantel der Sowjetdiplomatie versucht,
eine kommunistische Republik in China
zu errichten. Die Nankingregierung sei daher gezwungen gewesen, gegen die kommunistische Wühlarbeit in China scharf vorzugehen und auch eine Haussuchung im russischen Generalkonsulat in Charbin vorzunehmen. Die Nankingregierung könne die Einmischung einer fremden Macht in innenchinesische Angelegenheiten nicht dulden. Sie verlange ferner, daß die in der Sowjetunion verhafteten Staatsangehörigen freigelassen werden und nach China zurückkehren können. Außerdem müßten die in Rußland wohnenden chinesischen Staatsangehörigen gleichberechtigt mit anderen Ausländern behandelt werden.
Der chinesische Gesandte in Tokio hat dem japanischen Außenminister Baron Schidehara amtlich den Abschluß eines
Freundschaftsvertrages zwischen China und Japan vorgeschlagen. Die Nankinger Regierung legt großen Wert auf möglichst beschleunigten Abschluß dieses Vertrages, selbst wenn die anderen wirtschaftlichen und politischen Fragen zwischen beiden Ländern noch nicht gelöst sind.
Rußland erhält seine Drohungen aufrecht.
Wie aus Moskau gemeldet wird, wird die Mitteilung des chinesischen Geschäftsträgers in Moskau in Regierungskreisen der Sowjetunion nicht als eine Antwortnote auf die letzte sowjetrufsische Note betrachtet.
Die Sowjetregierung erklärt, daß sie sofort eine befriedigende Antwort auf das Ultimatum vom 13. Juli verlangt und daß die Drohungen, die in der Note enthalten waren, auch weiter aufrechterhalten bleiben. .Dir ^SswjMetzbrrrra.S wird auf We Per- schleppungsmauöver der Nankingregierung nicht hinein- fallen und verlangt eine klare Antwort aus die gestellten Kraaen.
rung gezogen werden, daß alle planmäßigen Arbeiten an den Anlagen und Fahrzeugen bisher ausgeführt sind. Infolge des starken Frostes im ersten Viertel des Geschäftsjahres mußten auf dem Gebiete der Unterhaltung und der Erneuerung zunächst zahlreiche Ausführungen unterbleiben, die noch in den folgenden Monaten nachgeholt werden müssen. Auch hat die allgemeine Lage eine außerordentliche Einschränkung des Ausgabenprogramms im ganzen erforderlich gemacht. Der Personalbe st a n i> betrug Ende Mai 728 494 Köpfe gegen 715 110 Ende April.
Das MichskahmeSi auf Urlaub. 1
Die Ministerien arbeiten fleißig weiter.
Bei der Reichsregierung haben nunmehr die g r o ß e n Ferien begonnen. Augenblicklich befinden sich alle Minister auf Urlaub. Nur Reichswehrminister Gröner weilt noch in Berlin und wird erst in einigen Tagen seinen Urlaub antreten. Zwei von den Ministern machen Dienstreisen, wie Dr. Wirth und Severing, die erst im Anschluß daran sich erholen werden.
Indessen wird in den Ministerien fleißig weiter gearbeitet. So wird u. a. im Rcichsinnenministerium der Entwurf zym neuen Republikschutzgesetz fertiggestellt und im Reichsarbeitsministerium werden die Vorschläge für die Reform der Arbeitslosenversicherung ausgearbeitet. u i
Der proieffanienverein zum Konkordat.
Erhaltung des Wesens des deutschen Protestantismus'.
Der Deutsche Protestantenverein bedauert in einer Kundgebung „auf tiefste, daß das Konkordat vom Preußischen Landtage unter Hintansetzung aller schweren sachlichen Bedenken aus Gründen parteipolitischer Taktik angenommen worden ist. Bei dem nunmehr notwendigen Abschluß eines Staatsvertragesmitderevan- gelischen Kirche müssen wir fordern, daß das römische Vorbild nicht Wesen und Eigenart des deutschen Protestantismus gefährdet".
Kriegsminister und Arbeiiersekreiar.
Aus Englands Arbeitskabinett.
Der englische Kriegsmini st er Tom Shaw nahm in seiner Eigenschaft als Sekretär des Internationalen Textilarbeiterverbandes an einer Vorstandssitzung dieser Organisation in Warschau teil. Auf Antrag der deutschen Textilarbeiter wurde entgegen seinem Vorschlag beschlossen, ihn nicht von seinem Amt zu entbinden, sondern nur auf ein Jahr zu beurlauben. ,
Zusammenstoß von Eisenbahn und Automobil.
Niagara Falls. Ein Automobil, das einen Bahnübergang in der Nähe von Cambria überqueren wollte, wurde von einem Zuge erfaßt, wobei zwei Männer und zwei Frauen getötet und ein Mädchen anscheinend tödlich verletzt wurde, j