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yersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Mzeiger für den Kreis hersfelS mit den Brilaaea: Illustriertes AnterhallungSblatt / Nach Feierabend / Herb und Scholle / Belehrung and Kurrwell / Wirtschaftliche Tsgesfragen.

Anleehattung und Wissen

Nr. 164

Dienstag, den 16. Juli 1929 MMMMMMMMM^ftM^ii^mMMMMBM IIII N»-»««SS«S>»»W>»»mMl^ i

79. Jahrgang

Kriegsgefahr im Jemen Osten

Russisches Mimatum an China.

Befristete Forderungen Moskaus.

Die Note, die die Sowjetregierung der chinesischen Regierung wegen der Vorgänge an der chinesischen Ost­bahn hat überreichen lassen, trägt einen stark ultimativen Charakter trotz der darin versicherten Friedensliebe Sowjetrußlands. Der Ton, in dem die Note abgefaßt ist, ist

außerordentlich scharf gehalten.

Es heißt in dem Schlußpassus: Trotz der schweren Sowjet­rußland angetanen Verletzung wolle die Sowjetregierung aber auch dieses Mal ihre Friedensliebe bekunden und erkläre sich bereit, mit China in Verhandlungen ein- zutreten. Die Note schlägt vor:

1. UnvWüglich eine Konferenz zur Regelung aller mit der Chinesischen Ostbahn zusammenhängenden Fragen einzuberufen.

2. Die chinesischen Behörden machen unverzüglich alle die von ihnen eigenmächtig vorgenommenen Handlungen rückgängig.

3. Alle sowjetrussischen Staatsbürger werden unver­züglich in Freiheit gesetzt und die chinesischen Be­hörden verzichten auf jegliche Eingriffe in die Freiheit sowjetrussischer Staatsbürger und des sowjetrussischen Staatsgesetzes an der Chinesischen OstbsHn.

Die Sowjetregierung macht die Mukdener Regierung und die Nationalregierung der Chinesischen Republik aus die ernsten Folgen aufmerksam, die eine Ablehnung dieser sowjetrussischen Vorschläge nach sich ziehen würde.

Die Sowjetregierung erwartet binnen drei Tagen eine Antwort auf ihre Vorschläge und wird, falls in dieser Frist keine befriedigende Antwort eintrifft, falls in dieser andere Mittel zum Schutz der vertraglichen Rechte der Sowjetunion zu ergreifen.

Empörung in China.

In chinesischen amtlichen Kreisen erN.'-J man, datz die Rote in gmrz Chma große E m p o t u n g hervorrusen werde. Schon der Ton der Note sei provozierend.

Das chinesische Außenministerium steht auf dem Standpunkt, daß die Nanking-Regierung nicht imstande sein werde, innerhalb dreier Tage Rußland eine Antwort zu geben. Die chinesische Regierung werde ohne Z u - st i m m u n g Rußlands die Frist für die Antwortnote um mehrere Tage verlängern, weil die chinesischen amt­lichen Stellen in Nanking erst mit Mulden in Verbin­dung treten müßten. Marschall Tschanghsueliang tele­graphierte der Nanking-Regierung, daß die Sowjetunion Truppen an der russisch-chinesischen Grenze zusammenzöge,

Das Ultimatum

Sowjetrußland hat an China ein b e f r l st e t e s Ultimatum gestellt anders läßt sich die Note nicht kennzeichnen, die die Moskauer Regierung dem Geschäfts­träger Chinas überreicht hat. Verbunden mit der Drohung,andere Mittel" zum Schutz der Rechte Ruß­lands zu ergreifen, wenn China nicht die Maßnahmen rückgängig macht, die es gegen die russische Verwaltung der ostmandschurischen Bahn getroffen hat. Also: Kriegs­gefahr im Fernen Osten.

Vielleicht. Vielleicht aber steckt die Sowjetregierung auch diese Absetzung der Russen von der Verwaltung, die Verhaftung von Beamten der Eisenbahn, die Haussuchung im Charbiner Generalkonsulat auch wieder zähne­knirschend ein. Moskau hat ja so vieles dulden müssen von der neuen chinesischen Nationalregierung, was ein anderer Staat längst mit offener Kriegserklärung beant­wortet hätte. Und auch jetzt wieder wird man es sich sehr reiflich überlegen, ob man den Worten auch entsprechende Taten wird folgen lassen. Der Wille dazu mag vielleicht da sein, aber von ihm ist ein weiter Weg bis zum Können. Ein Weg durch ganz Sibirien hindurch. Und ob Sowjet- rußland besser und schneller mit den Chinesen fertig wird als das zaristische Rußland mit den Japanern, wird den heutigen Machthabern im Moskauer Kreml zweifelhaft erscheinen. Mühe genug hat es schon gekostet, im Fernen Osten den Widerstand derweißrussischen", also gegen- revolutionären Elemente zu brechen, die jetzt überall in der Nordmandschurei sitzen, dicht vor den Toren Sibi­riens, und natürlich das sowjetfeindliche Vorgehen Chinas mit herzlicher Freude begrüßen, es auf das tat­kräftigste unterstützen werden.

Daß dieses Vorgehen gegen die russische Verwaltung der Bahn, die über mandschurisches, also chinesisches Ge­biet hinweg zu dem einzigen sibirischen Hafen Wladiwostok führt, nichts anderes als ein glatter Verstoß gegen vertragliche Vereinbarun­gen zwischen Rußland und China ist, be- rührt die Regierung in Nanking sehr wenig, über der- »artige international selbstverständlicheHemmungen" ist »man dort schon längst hinaus, seitdem mit aller Kraft und . jedem als zweckmäßig erscheinenden Mittel der russische Einfluß und die bolschewistische Agitation in China be- t kämpft wird. Die Meldungen aus Moskau, daß die Nankinger Regierung zur Stützung ihres Vorgehens Truppen in der Nordmandschurei bereitgestellt habe, mögen richtig sein. Ebenso, daß Japan, das auf die Verwaltung der bei Charbin abzweigenden südmandschu-

rtschen Bahn maßgebenden Einfluß besitzt, seine Hände m i t i in S p ie l h a t, und zwar auf feiten Chinas. Bei der gleichfalls sehr scharf antibolschewistischen EinsteMna

Gescheiterte Greanslüge

Die Katastrophe desKarschall

Mißerfolge der französischen Flieger

^., und derU n f i n Bowler".

Der geplante Amerilaflug der polnischen Flieger Jdzikowski und K u b a l a hat schon wenige Stunden nach dem Abflug der Flieger ein tragisches Ende genom­men. Ihr FlugzeugMa r s ch a l l P i l s u d s k i" er­reichte Sonnabend gegen 7 Uhr die Azoreninsel Graciös«, die man ihnen auf ihren S.-O.-S.-Ruk nur Landuna emv-

Die verunglückten polnischen Flieger

Jdzikowski (rechts), Der bei dem linkes das Leben ein- büßte, Kubala (linkst. der tcwu m-.m pl wurde.

fohlen hatte. Die Flieger beschlossen, nlederzugehen, trotz­dem sie das Gelände für sehr gefährlich hielten. Das Flug­zeug überschlug sich aber bei der Landung und fing in­folge einer Benzinexplosion Feuer. Aus den rauchenden Trümmern zog man den tödlich verletzten Jdzi­kowski hervor, während Kubala nur leichte Verletzungen erlitten hatte. Beide wurden in ein Krankenhaus über­geführt, wo Jdzikowski gleich nach seiner Einlieferung st a r b.

Die portugiesischen Behörden beschlossen, dem verun­glückten polnischen Flieger ein feierliches Begräbnis zu bereiten. Dieses fand Sonntag nachmittag unter -großer Teilnahme der Bevölkerung statt.

Jdzikowski war polnischer Major. Kubala war während des Krieges österreichischer Offizier.

Warum die französischen Ozeanflieger ausgaben.

Der französische Flieger C oft es erklärte nach der Landung desFragezeichen", das in Le Bourget zum Transozeanflug gestartet war, aber vor Erreichung der Azoren wieder umkehrte, er habe sich ini Einverständnis mit seinem Kameraden zur Umkehr entschlossen, da die Wetterbedingungen ungünstig waren und starker Wind den Benzinverbrauch wesentlich erhöhte. Das Flugzeug habe infolge der heftigen Gegenwinde oft nur eine Stundengeschwindigkeit von 80 Kilometern gehabt. Es hatte nach der Landung noch etwa 3000 Liter Brennstoff an Bord. Ein Vertreter Doumergues hat die Flieger zu ihrer Rückkehr beglückwünscht.

tftttin Bowler" aufs offene Meer getrieben.

Aus Port Burwell wird gemeldet, daß das Flugzeug Untin Bowler" auf einer losaelösten Eisscholle fort-

tapan und

'churei Hin-

Japäns ist nicht einmal die Meldung von einem japanisch- chinesischen Geheimabkommen militärischer Art sehr un­wahrscheinlich.

Das würde natürlich die Lage der Sowjetregierung dem chinesischen Vorgehen gegenüber noch hoffnungsloser machen, als sie schon jetzt ist. Aber nicht nur die russische Bahnverwaltung ist entfernt worden, sondern die chine­sische Regierung hat alles, was sonst noch an wirtschaft­lichen Einrichtungen Rußlands in der Mandschurei be­steht, einfach beseitigt, hat die russischen Handelsfilialen geschlossen, die Agenten verhaftet kurz, dort den ge­samten russischen Einfluß radikal vom Tisch gefegt. Hat Rußland weit hinter die Lage von 1895 zurückgeworfen, als der Friede von Schimonoseki zwischen Ji China dem russischen Vordringen in die Mandsö, ein die Wege ebnete, ein Vordringen, dem ja erst zehn Jahre später Japan eine Grenze ziehen konnte.

Energisch hat die Ranking-Regierung die von rus­sischen Agitatoren angezettelten Volschewistenaufstände in Kanton, Schanghai und anderen Orten niedergeschlagen und offiziell steht auf ihrer Seite sozusagen die ganze antibolschewistisch gesinnte Welt. Rußland ist nicht, wie China, Mitglied des Völkerbundes, vermag also nicht ein­mal den sicherlich auch hoffnungslos bleibenden Versuch machen, sich in Genfzu beklagen. Ein Aufeinander­prallen machtpolitischer Gegensätze nichts anders ist das, was sich im Fernen Osten abspielt. Und abspielen wird, wenn wirklich Sowjctrußland zu Gegenmaßnahmen kriegerischer Art greifen sollte, wie es jetzt gedroht hat.

Vermutlich wird man aber in Moskau auch diese schwere Niederlage schweigend hinnehmen müssen.

I geschwemmt worden und im Meere versunken ist. Als die | Flieger in der Nähe der Landungsstelle an neuen Ersatz­

teilen für das Untergestell des Muazeunes. arbeiteten, lyijuiyäU^_4SMU_£in, .D»c EMMM-, Die das Flugzeug bewachten, kamen herbeigelaufen, um den Fliegern mitzuteilen, daß das Flugzeug auf einer Eisscholle f o r t s ch w i m m e. Die Flieger sahen das Flugzeug in weiter Entfernung, umgeben von Eis- massen. Gleich darauf verschwand es im Meere. Die Flieger hatten seit einigen Tagen an der Ausbesserung der Untin Bowler" gearbeitet, um den Flug nach Berlin fortsetzen zu können.

Auch die Schwedenflieger haben Pech.

Das schwedische FlugzeugSverige", mit dem Kapitän Ahrenberg von J v i g t u t auf Grönland nach Amerika zu fliegen gedenkt, wurde am Sonntag nach­mittag um 3 Uhr zu Wasser gebracht. Da es sich aber herausstellte, daß der eine Schwimmer leck war, erfolgte wieder kein Start. Dieser schwedische Amerikaflug wird schon seit mehreren Wochen ständig von neuemunter­nommen".

paihfinder^ aZsr läßt sich feiern.

Mussolini hat den amerikanischen Fliegern Wil­li ams und Jankey, die von Amerika, mit einer kurzen Zwischenlandung in Spanien, nach Rom ge­flogen sind, goldene Medaillen verliehen. Die beiden Flieger desP a t h f i n d e r" wurden am Sonntag vom Papst in Privataudienz empfang e n. Williams überreichte dem Papst ein Glückwunschschreiben des Erz­bischofs von Boston zu seinem Priesterjubiläum. Der Papst beglückwünschte die beiden Flieger zu ihrem ge- lungendn Unternehmen und zeichnete sie mit der zu seinem Priesterjubiläum gestifteten silbernen Jubiläumsmedaille aus. Der amerikanische Botschafter in Rom ist bereits mit einer Reihe zuständiger Stellen in Verbindung ge­treten, um die Erlaubnis für einen Rundflug desPath- findcvL-zu erwirken. Wie man hört, soll der Flug auch nach Deutschland führen.

*

Neuer erfolgreicher Start desDo. X".

Von der Dornier-Werft in Altenrhein aus wurden Montag vormittag die Versuche mit dem FlugschiffDo. X" erfolgreich fortgesetzt. In Abänderung der ursprünglichen Dispositionen wurde nicht sofort ein längerer Probeslug unternommen, sondern man wollte erst versuchen, wie sich die riesige Maschine auf dem Wasser und beim Start mit verringerter Motorenkraft verhielte. Gegen 9 Uhr begannen am schweizerischen Ufer des Boden­sees und schließlich auch nach der Mitte des Seegebietes zu Rollversuche mit nur acht Motoren, wobei es sich zeigte, daß derDo. X" auch mit nur zwei Drittel Maschinenkraft exakt und sicher manövrieren kann. Um 9.30 Uhr ließ Dr. Dornier mit dieser verringerten Maschinenkraft das Flugschiff starten. Zur allgemeinen Überraschung aller Beteiligten konnte Chefpilot Wagner denDo. X" schon nach 28 Sekunden glatt vom Wasser abheben, brauchte also zwei Sekunden weniger als bei den letzthin mit allen zwölf Motoren vorgenommenen Startversuchen.

Zwei Tote bei einem Betriebsunfall.

Bochum. Auf Schacht 6 bis 7 der Zeche Konstantin er­eignete sich ein schwerer Betriebsunfall. Zwei Arbeiter, die am Kohlenbunker beschäftigt waren, stürzten bei Ausführung ihrer Arbeit aus einer Höhe von etwa 20 Metern in die Tiefe. Beide erlitten so schwere Verletzungen, daß der Tod alsbald eintrat.