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Todesstitte um „H. 41".

Keine englischen U-Boot-Reubauten.

Alle Versuche, mit dem gesunkenen englischen U-Boot „H. 47" in Verbindung zu treten, sind bisher ohne Erfolg geblieben. Das rauhe Wetter erschwert die Bergungs­arbeiten außerordentlich. Sobald sich das Wetter ge­bessert haben wird, wird ein britischer Taucher versuchen, das gesunkene Unterseeboot „H. 47" zu erreichen. Er wird

Der deutsche Tiesseetauchapparat, der bet der Bergung des englischen U-Bootes „H. 47" Verwendung findet.

dabei den deutschen Tiesseetauchapparat be­nutzen, der bereits 1925 beim Untergang des Untersee­bootes „M. 1" verwendet wurde.

Die einzigen überlebenden von „H. 47" sind der Kommandant, ein Telegraphist und ein Unteroffizier, die K gerade aus dem Kommandoturm befanden und nach a Zusammenstoß in das Meer geschleudert wurden. Be­merkenswert ist die Rettung eines Unteroffiziers, der sich, als sich der Zusammenstoß ereignete, auf dem Wege zum Kommandoturm befand. Er wurde ins Wasser geschleu- dert und bekam im Wasser einDrahtseil am Bug des Unterseebootes „L. 12" zu fassen. Er hielt sich krampfhaft daran fest und wurde so mit „L. 12" in die Tiefe gerissen. Da es jedoch diesem Boot gelang, so­fort wieder an die Oberfläche zu kommen, wurde er in völlig erschöpftem Zustande gerettet.

Angesichts der schweren U-Boot-Katastrophe soll das Kabinett Macdonald beabsichtigen, das von den Konserva­tiven entworfene Flottenbauprogramm nicht voll auszu- führen. Es soll die Absicht bestehen, sechs Unterseeboot­neubauten und ein geplantes Unterseebootmutterschiff zu streichen. Dieser Schritt wird so gedeutet, daß die Regie­rung für vollständige Abschaffung der Unterseeboote fei,

Frankreichs Konferenzvertreier.

Paris. Die französische Regierung hat die Mitglieder ihrer Delegation für die bevorstehende internationale Kon­ferenz offiziell ernannt. Es sind Ministerpräsident Poincare, Außenminister Briand und Finanzminister Cheron. Außer­dem gehören der Delegation noch an der Gouverneur der Bank von Frankreich, Moreau, und der Generalsekretär des, Auswärtigen Amtes, Berthelot. 1

Die ZräMzeanWUr.

„Pfadfinder" in Rom gelandet.

Das Flugzeug „Pfadfinder", das bett Flug Amerika — Rom unternommen hatte, ist nach einer Zwischenlandung bei Santander Mittwoch abend in R o m gelandet.

Eine riesige Menschenmenge, darunter auch Vertreter der Behörden und ein Vertreter des amerikanischen Bot­schafters mit dem Personal der Botschaft, hatte sich bereits am Nachmittag auf dem Flugplatz eingefunden. Um 8 Uhr abends erschien auch M u s s o l i n i in Begleitung des Unterstaatssekretärs B a l b o. Da sich jedoch die An­kunft des Flugzeuges verzögerte, verließ der Minister­präsident den Flugplatz wieder und begab sich in die Villa Torlonia. Endlich, kurz vor ^10 Uhr abends, erschien das Flugzeug und landete nach einigen Schleifen über dem Flugplatz unter dem begeisterten Jubel der Zuschauer. Unterstaatssekretär B a l b o hieß die beiden Flieger W i l- l i a m s und H a n c e y willkommen und beglückwünschte sie zu ihrem Erfolg. Sodann wurden die Flieger von begeisterten Zuschauern auf die Schultern gehoben und zu den bereitstehenden Automobilen gebracht. Sie fuhren nach der Villa Torlonia, wo Mussolini sie herzlich emp­fing und sie gleichsalls beglückwünschte. Diesem Emp­fange wohnte auch der amerikanische Geschäftsträger bei.

Das schwedische Flugzeug „Sverige" nach Grönland abgeflogen.

Nach einer Meldung aus Reykjavik auf Island sind die schwedischen Ozeanflieger Mittwoch nachmittag gegen 4 Uhr zum Weiterflug von Reykjavik nach Grönland gestartet. Etwa drei Stunden später gaben sie ihre Posi­tion mit 400 Kilometer westlich von Reykjanäs an.

Die schwedischen Flieger hatten bekanntlich wieder­holt Pech gehabt. Sie müßten kurz nach ihrem Abflug von Schweden auf Island notlanden und sind dann ein paarmal zum Weiterflug aufgestiegen. Da jedoch die Motoren ihres Flugzeuges versagten, mußten sie immer wieder umkehren.

Kopenhagen. Die schwedischen Ozeanslieger sind von Island kommend Donnerstag srüh in Jvigtul aus Grön­land gelandet.

*

Flugzeugunglück in Frankfurt am Main.

Mittwoch abend waren die Flieger Hauptmann Müller und M ö h l a u auf dem Flughafen in Frank­furt a. M. mit der Maschine des Fliegers Mariens zu einem kurzen Rundslug aufgestiegen. In geringer Höhe begann das Flugzeug zu trudeln und stürzte ab. Haupt­mann Müller war sofort tot, Möhlau hat einen schweren Schädelbruch und Knochenbrüche davongetragen.

beginn der Verhandlungen mit den edang. Kirchen.

Berlin. Der preußische Kultusminister Dr. Becker und der Staatssekretär im Kultusministerium Lammers empfingen den Präsidenten des Evangelischen Ober- kirchenrats, Kapler, den Vorsitzenden der Generalsynode, D. Winkler, und den Geheimen Konsistorialrat Karnatz zu Vorbesprechungen für die Aufnahme der Verhandlungen zwischen den evangelischen Kirchen und dem preußischen Staatsministerium, die das Ziel verfolgen, nach Erledi­gung des Konkordats zu paritätischen Vereinbarungen mit den evangelischen Kirchen zu gelangen. Es wurden zu­nächst nur technische Fragen besprochen itttFtw|Wwc?r ssoNo-l-s^ t>te vorgenannten Herren Verhandlungs- führer der evangelischen Kirchen sein sollen. Auf Grund der Parallelverhandlungen mit der katholischen Kirche ist zu erwarten, daß nunmehr von evangelischer Seite zu­nächst in der Art die Wünsche der Kirchen vorgetragen werden, wie es seinerzeit durch die Bischöfe für die katho­lische Kirche geschehen war. Darauf wird das preußische Kabinett, das am 13. August zur Unterzeichnung des Konkordats zum erstenmal wieder voll Zusammentritt, zu den Wünschen der evangelischen Kirchen Stellung nehm t und Richtlinien entwerfen.

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Deutsches Reich

Mehr steuerliche Hilfe bei Unwetterschäden. !

Im Landwirtschaftsausschuß des Preußischen Land­tages wurde eine Reihe von Anträgen über F r o st - schäden und Wetterkatastrophen angenom­men, wonach das Staatsministerium ersucht wird, in allen Fällen der unverschuldeten Daseinsgefährdung der land­wirtschaftlichen und gärtnerischen Betriebe staatliche Hilfe einzuleiten; weitestgehendes Entgegenkommen zu bezeugen bei Niederschlagung rückständiger und Stundung laufen­der Staatssteuern; Stundung der Notstandskredite tm Be­darfsfall möglichst zu gewähren; aus die Reichsregierung einzuwirken, daß dort die Richtlinien für das steuerliche Entgegenkommen bei Frostschäden geändert werden.

Verfassungsfeiern an den preußischen Hochschulen.

Eine Besprechung der Rektoren der preußischen Hoch­schulen beim Kultusminister hat zu dem Resultat geführt, daß beschlossen wurde, an den Universitäten und Hoch­schulen zum erstenmal in diesem Jahre Verfassungsfeiern noch vor Ende des Semesters zu veranstalten, so daß sich auch die Studenten an ihr beteiligen können.

Protest gegen die amerikanischen Schutzzölle.

Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, hat die deutsche Regierung beschlossen, schon in allernächster Zeit ihre Einwendungen und Bedenken gegen die neue ameri­kanische Zolltarifvorlage in Washington auch schriftlich zu wiederholen, nachdem die deutsche Ansicht in Washington mündlich bereits zu Ausdruck gebracht worden sei. Da­mit hat sich Deutschland den 38 in Washington bereits vor­liegenden Protesten hauptsächlich aus Europa und Süd­amerika angeschlossen.

Großbritannien.

Keine Zulassung ausländischer Arbeiter nach England.

Der Parlamentssekretär des Ministers für öffent­liche Arbeiten bejahte die Anfrage eines Unterhausmit- gliedes, ob der Arbeitsminister beabsichtige, die PoliliI der vorigen Regierung fortzusetzen, wonach ausländische Arbeiter mit geringen Ausnahmen nicht nach England kommen dürfen, um Arbeit anzunehmen, die durch eng­lische Arbeiter ausgeführt werden kann.

Aus In- und Ausland

Berlin. Der ncueingesetzie Untersuchungsausschuß zm Nachprüfung der Kreditgewährung der Preusieicküsse au du Landbund- und Raiffeisengenossenschaften hielt feiste W ^ stituierende Sitzung ab. Zum Vorsitzenden wurde Abgeord­neter Dr. Deerburg (Dtn.), zum Berichterstatter Abgeordneten y Kuttner (Soz.) bestimmt. " - /

Berlin. Die Rektoren der Berliner Universität und bei Berliner Technischen Hochschule haben an den Kultusministei ein Protestschreiben gerichtet, in dem sie gegen die Unter sagung der Veranstaltung anläßlich des Tages von Versailles Verwahrung einlegen.

Berlin. Gegen den Betrag der Hastentschädigung für der Fabrikanten Haas aus Magdeburg, der 70000 Mark sm nicht ganz sieben Wochen unschuldig erlittener Untersuchungs­haft erhalten soll, protestiert die deutschnationale Fraktion des Preußischen Landtages in einer kleinen Anfrage.

Hagen. Der aus der Heimreise befindliche Reichstags- abgeordnete der Wirtschaftspartei Wilhelm Lünenschloß aui Haspe wurde auf der Strecke zwischen Hamm ujiKMMeoUn. ------- Eisenbahnabteil'

Elsenbahnlatastrophe in Amerika.

Newyork. Bei Corning im Staate Newyorl ereignete sich ein furchtbares Eisenbahnunglück. Ein Güterzug entgleiste, als auf dem Nebengleis ein in voller Geschwindigkeit fahren­der Personenzug heranbrauste. Die aus den Schienen ge­worfenen Güterwagen stürzten gegen die Personenwagen. Die Lokomotive und drei Wagen schlugen um und gerieten in Brand. Nach den bisherigen Feststellungen sind fünf Eisenbahnbeamte getötet und zahlreiche Fahrgäste verletzt worden. Die ausbrechende Panik wurde dadurch er­höht, daß es ungeheure Schwierigkeiten machte, die Ver­unglückten aus den brennenden Wagen herauszuholen.

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ROMAN

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JB:^ (g. Fortsetzung.) :

* „Was du nicht sagst? Anita — Kersts Braut, also. Und das empfindest du als in deinen Kreisen üblich, wenn sich ein Mädchen zuerst einem sozusagen an den Hals hängt und dann, noch ehe es von diesem frei ist, zu dem andern über­setzt . .

„Anita ist natürlich immer noch in die famose Figur ihres Jürgen verliebt — und stolz auf seine hervorragenden sport­lichen Leistungen..

„Aber denn, zum Donnerwetter, ein „Aber" muß doch dabei sein . . ."

Sie ließ seinen Zornesausbruch ungerügt. Ihr lag daran, ihn für ihre neuesten Pläne günstig zu stimmen.

„Ganz recht. Das hast du richtig empfunden. . . aber ... sie hat allmählich erkennen müssen, wieviel sie trotzdem in ihrer Verlobungszeit entbehren mußte. Das genügt vorerst." „ Er sah sie scharf an.

„Kannst du nur einmal ganz ehrlich sein, Adelheid? Dir selbst nichts vorgaukeln. Denn mir, das gehört sich siber- Kfür einen derartig emporgezogenen Kerl, wie ich einer icht anders. Hast du es bei dir bereits beschlossen, daß um dieses spanischen Grafen willen der Baron abgeschafft wird?"

| „Ja," sagte sie laut und knapp.

„So ...! Na, alsdann danke ich dir für die Gewährung dieser Unterredung. Solltest du selbst davon überzeugt sein, daß du mit Anita leicht fertig wirst ... mit mir wird der Kampf diesmal ein ziemlich schwerer werden. Wenn du dir das mal im Laufe dieses Tages recht klar machen wolltest."

Als der Fabrikbesitzer Krumbholz ohne die erwartete Nach­richt von Kerst, eine halbe Stunde später seinen Kraftwagen, wie an jedem Morgen neben dem — wie auch jeden Morgen — ironisch lächelnden Chauffeur sitzend — steuerte, dachte er an nichts Geschäftliches. Seine Gedanken umkreisten einzig die traurige Episode seiner Jugendzeit, von welcher seine Frau nichts ahnte. Mit dem Gefühl uferloser Dankbarkeit erinnerte er sich dabei an Kersts Vater. Ehrlich ge­sprochen, stand aber auch der lebhafte Wunsch, sobald als tun- lich den alten verlorenen Herrensitz zurückzuerwerben und sich auf derselben Scholle, die seinen Fehltritt gesehen, als Herr zu beweisen und feine Kindeskinder als freie, starke

Herren hinzustellen, im Unterbewußtsein. Im geheimsten hatte ihn der heiße Wunsch getrieben, dem Sohn seines einstigen Wohltäters etwas Gutes zu tun. Niemals in den verflossenen Jahren hatte er Jürgen von Kerst aus den Augen verloren. Wußte genau über seine tollen Streiche in dem alten Garderegiment,' dem auch dessen Vater und Groß­vater angehörte, Bescheid. Erfuhr durch gutbezahlte Späher, als der Krieg aus war, um feine Not und sprang im letzten Augenblick, als der junge Baron tatsächlich keinen Rat mehr wußte, für ihn ein.

Auf ernstlichen Widerstand war er freilich nicht vorbereitet gewesen. Alles schien ja auch einigermaßen leidlich zu gehen — sich einrenken und einleiern zu wollen ... bis eben diese Reise kam.

Bis dahin hoffte P. A. Krumbholz unverzagt, daß die Arbeit, die er selbst unbeschreiblich liebte, auch bei Kerst ihr großes erzieherisches Werk tun werde. — Allein, in diesem Punkt schien er sich verrechnet zu haben! Der Rausch, den die Arbeit schenkt — die köstlichste Lethe, die er selbst jahrzehntelang — oft bis zur völligen Erschlaffung aller Kräfte gesucht und gefunden hatte — ließ sich scheinbar weder lehren noch vermitteln. Als P. A. Krumbholz an diesem Frühlingsmorgen an die zahllosen durcharbeiteten Tage und Nächte — an die Wochen, in denen er lediglich das für die Erhaltung seines Körpers Allernötigfte zu sich genommen hatte, zurückdachte — schmeckte er von neuem die überwäl­tigende Süße solcher freiwillig geleisteten Arbeit — und wurde heißhungrig nach Genuß und Rausch wie ehedem.

Absichtslos beschleunigte er das Tempo, wie ein feuriger Liebhaber, der gar nicht früh genug zu seiner Angebeteten kommen kann. — Und sein Gesicht — vor kurzem noch grob­geschnitzt und unfertig erscheinend — vollendete sich unter der Macht dieser Sehnsucht. Er war nicht länger der In­haber des großen Stahlwerkes, griff nicht mehr in die Regionen dünner, kalter, von Hochmut verblendeter Eitel­keit — dachte nicht daran, daß durch seine Frau, geborene Gräfin Remscheit, verwitwete Freifrau von Alvensbrink seine Vergangenheit — von der Schneiderstube seines dörflichen Vaters bis zum Drehschemel auf Rittergut Hohenkliz beim Baron Kerst — ausgelöscht und vergessen sein und bleiben mußte . .. dachte nur an das eine, daß ihn Hunderte erwar­teten, denen er Arbeit und Brot schaffen und erhalten sollte und wollte, indem er selbst unermüdlich, riesenstark und opfer­bereit arbeitete und immer nur dies! . . . Bis der süße, ge­segnete Rausch endlich wieder über ihn kam und ihn füllte und erfüllte ... bis endlich das Ekelhafte und dennoch in der fürchterlichen Ernüchterung zäh von ihm Erstrebte — Geld , und Anerkennung —- davon gemordet fein würde .,. „».u

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3.

Als Ruth von Alvensbrink, Frau Adelheid Krumbhoh Tochter aus deren erster Ehe, nach kurzem Zögern eine der zahlreichen Türen im Erdgeschoß des Krumbholzschen Eigen­hauses öffnete, um die lange hinausgeschobene, nunmehr un­abwendbar gewordene Auseinandersetzung mit der Stief­schwester herbeizuführen, prallte sie zurück. In dicken, beißen­den Wolken fegte ihr der scharfe Qualm schwerer Zigaretten ins Gesicht. Sie nahm nicht das Geringste von der Ein­richtung des Zimmers oder von dessen Bewohnerin wahr. Der schwebende Vorhang schloß alles vor ihren Blicken ab.

„Wie kannst du es nur in dieser Luft ertragen, Anita." rief sie auf gut Glück in jene Ecke, wo sie das Ruhebett wußte. Dann schob sie sich entschlossen zu den eng beieinander liegen­den Fenstern vor, von denen mit einem kurzen Sprung die Herrlichkeit eines kleinen, jetzt im ersten Frühlingsblühen zauberhaft prangenden Ziergartens zu erreichen gewesen wäre, und öffnete. Unbehindert strömte die silbermatte, traumgeschwängerte Luft herein und vertrieb alles Beißende und Verhüllende. Vom Ruhebett unter dem kostbaren Fell eines an Heimweh verendeten Eisbären erhob sich ein iein- geformtes Köpfchen mit rotblonden, kurzgeschnittenei und sehr glatt zurückgestrichenen Haaren. Zwei lebhafte dunkle Augen, in der Farbe an unruhig getupften bräunlichen Samt gemahnend — im Ausdruck an einen hefte'V -nen Raubvogel erinnernd, der dauernd auf der Suche nach einem Leckerbissen ist, richteten sich mit gehässigem Ausdruck aus die Stiefschwester. Sie kam auch deren Anrede mit einem leicht spöttischen Geplauder zuvor.

„Nun . Herr Magister, was verschafft mir die seltene Ehre deines Besuches zu einer Stunde, die dich wahrhaftig im Laboratorium oder in einem der verschieden bezeichneten Krankenzimmer deiner segensreichen III. Medizinischen sehen sollte?

Ruth von Alvensbrink gab den spähenden Blick ruhig und fest zurück. In ihr klassisch geschnittenes Gesicht, auf dessen sehr weißer, hoher Stirn sich die vollen, aschblonden Scheitel zu natürlichen Locken kräuselten, stieg eine feine Röte, die den Ausdruck geschlossener Strenge und Herbheit, den es bis­her getragen, in etwas rührend Mädchenhaftes verwandelte.

„Ich hoffe, du weißt, was mich hergetrieben hat," sagte sie mit tiefer, weicher Stimme.

„Keine blasse Ahnung, Ruth. Nichts weiß Ich. als daß ich zurzeit todmüde bin und doch nachmittags präzise sechs Uhr im Tennisturnier zum Damen-Doppelspiel am Roseneck an- zutreten habe."

„Es gibt Dinge, die wichtiger sind als dieser Klub, der seit zwei Jahren dein Leben restlos ausfüllt." (Forts. folgt.)