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HersfelöerTageblaü

mit den Bellaaea: Illuffrierles Anterhaltungsblatt / Nach Aeierabeab / Herb tmß Scholle / AalerbalLnas MS Wissen Belehrang and Kurzweil / Wirtschaftliche TsgeSfragea.

Nr. 160

Donnerstag, den II Juli 1929

Zollmauern

Bisher hat man gerade in Deutschland recht schlechte Erfahrungen gemacht mit der Wirkung oder vielmehr der Wirkungslosigkeit internationaler Wirtschaftskonferenzen. Denn diese Wirkungslosigkeit trat selbst dann zutage, wenn es sich um die Beratungen der Welt wirtschafts- konferenzen handelte, wie sie unter der Ägide des Völker­bundes bereits mehrfach in Genf zusammengetreten sind. Es wurden dort ausgezeichnete Reden gehalten, es wurde betont" oderunterstrichen", wie notwendig es sei, im Interesse der Weltwirtschaft selbst endlich einmal dazu zu gelangen, daß die Zollmauern zwischen den einzelnen Ländern der Welt nicht immer nur erhöht, ' t werden. Bei

sondern weniger unüberwindbar gemacht

diesen Besprechungen und Entschließungen ist praktisch ebensowenig herausgekommen wie auf der letzten Tagung der internationalen Wirtschaftskonferenz, die jetzt wieder, und zwar in Amsterdam, zusammengetreten ist. Die Zoll-

mauern sind geblieben, gewachsen und breiter geworden und besonders die Pläne, die in den Vereinigten Staaten überdieVerschärfungderHochschutz- z o l l p o l i t t k bereits bis zu einem Gesetzentwurf ge­diehen sind, zeigen wieder aufs deutlichste, daß weniger die Wirtschaftsführer als die Regierungen der Länder von den Ser""....... - * - - > -

ctschaftssuyrer als die Neuerungen der Lander von Schlüssen internationaler Konferenzen über den der Zollpolitik nichts wissen wollen.

Deutschland nimmt infolge seiner Verpflichtung, den Dawes-Plan und vielleicht demnächst den Uoung-Plan auszuführen, eine besondere Stellung ein, auf die ebenso Dr. Schacht in Paris wie kürzlich Dr. Stresemann in Baden-Baden sehr scharf hinwies. Nur freie Betäti- gung des deutschen Exports ermöglicht es, unter weniger schweren volkswirtschaftlichen Verlusten für Deutschland die Ausführung des Nonng-Planes zu ver­suchen. Während auf der einen Seite ausländisches Kapital in breiten Wogen nach Deutschland hereinströms, verhindern überall hohe Zollmauern, daß die deutsche Wirtschaft durch Steigerung ihres Exports ihre wachsen­den Erzeugungsmöglichkeiten bis aufs letzte ausnutzt und dadurch das Einkommen der gesamten deutschen Volks­wirtschaft erheblich steigert, auf diese Weise damit wenig­stens die W^X,',J "«»»--" --n--» a^MuK.,.^

Abbau

.. .

pflichtungen an das Ausland zu einem größeren Teil aus wirklichen Überschüssen seiner Wirtschaft zu erfüllen. Gewiß wird man sich in Amsterdam sehr eingehend über den Uoung-Plan und alles, was damit zusammenhängt,

unterhalten; haben sich doch gerade die Amerikaner aus dem Grunde so energisch dafür eingesetzt, die Pariser Konferenz nicht ergebnislos auseinandergehen zu lassen, weil der neue Zahlungsplan schwere Hemmnisse der wirft schaftspolitischen Befriedung Europas beseitigen soll.

Tatsächlich hebt sich ja in ihren wirtschaftlichen Wir­kungen die gegenseitige zollpolitische Absperrung der einzelnen Staaten und Völker auch gegenseitig auf; aber leider steht auch die zweite Tatsache fest, daß sich gerade die wichtigsten Reparationsgläubiger Deutschlands be­sonders energisch absperren gegen die Aufnahme deutscher Waren.

Recht interessant ist es übrigens auch noch, daß man in Amsterdam eine Delegation chinesischer Wirt­schaftler erwartet, die Aufklärung geben soll über die derzeitige wirtschaftliche Lage in China und die dortigen Möglichkeiten für die Zukunft. Aus anderen Gründen freilich, aber doch mit derselben praktischen Wirkung wie in Rußland ist China infolge seiner inneren Wirren wirtschaftlich stark heruntergekommen, und die Weltgütererzeugung vermag nach den großen Verlusten, die sie infolge des Ausfalls Sowjetrußlands erlitten hat und immer noch erleidet, einen auch nur ähnlichen Ausfall des 400-Millionen-Volkes in China kaum noch zu ertragen. Aber gerade in China, wo sich die politischen Interessen­sphären drei oder vier verschiedener Völker kreuzen und überschneiden, ist es die Politik, die der Wirtschaft das

Geschäft verdirbt, ist der Geschäftsboykott zu einem be­liebten politischen Kampfmittel geworden. Immerhin schafft die dort nun gewonnene nationale Einigung die Voraussetzung für ein stärkeres Wiederaufleben aller

lussetzung für wirtschaftlichen Möglichkeiten.

Fast täglich kommt die Kunde neuer internationaler Kapitalsverflechtungen, spürt man immer stärker, daß das kapitalistische System trotz Sowjetrußlan! Höhepunkt noch lange nicht erreicht hat. Die haben dabei die Führung, sie, die eigen einzigen Sieger im Weltkrieg; in ihrer Haw folgedessen auch die Mittel, Handelspolitist rungen und Hemmnisse mit Erfolg anzugreisen. Das ist wohl die kommende zweite Etappe auf dem Wege, den man beschritt, als Young die Pariser Konferenz als Vor-

d seinen Amerikaner etlichen und d liegen in- "che Absper-

sitzender eröffnete.

Der Evangelische Bund

zum Konkordaisabschluß

j Schwerwiegende Einwendungen.

Der Evangelische Bund erläßt eine Kundgebung, in der es heißt:Der förmliche Vertrag zwischen der preußi­schen Staatsregierung und der römischen Kurie ist am 9. Juli vom Preußischen Landtage durch das katholische Zentum, die eng mit ihm vebündete Sozaldemokratie, die Demokraten und die Wirtschaftspartei in der entscheiden­den Abstimmung mit 243 gegen 172 Stimmen in dritter Lesung endgültig angenommen worden. Die erneut ge­forderte Gleichzeitigkeit eines Vertrags-

taMMlJO für ftbhvler von Lv-Wkg 6 »rovd-M.

79. Jahrgang

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Ueber Länder und Meere

Zwei Transozeanflugzeuge gelandet.

Pathfinder" undUntin Bowler".

Das FlugzeugPathsinder", das Montag in Old Orchard zu einem Transozeanflug nach Rom gestartet war, ist Dienstag abend bei der spanischen Stadt San­ta n d e r in der Nähe des Strandes gelandet. Man er­innert sich, daß fast genau an derselben Stelle vor kurzem auch das TransozeanflugzeugGelber Vogel", in dem sich drei Franzosen befanden, notlanden mußte. Die Pathfinder"-Flieger erklärten, daß sie wegen Benzin- mangels zur vorzeitigen Landung gezwungen waren.

Derpathfinder^ auf dem Weiterflug nach Rom.

Das Flugzeug hat nach einigen Stunden den wegen Brennstoffknappheit unterbrochenen Flug AmerikaRom wieder ausgenommen.

Die Etappe Old OrchardSantander hat 31% Stun­den in Anspruch genommen. Die Flieger, deren Haltung nach Havas in ihrer ruhigen Selbstverständlichkeit den Eindruck vermittelte, daß die Ozeanüberquerung nunmehr eine Tatsache wird, die keine außergewöhnliche Bedeu­tung mehr beanspruchen kann, berichteten, daß während des Fluges der Wind nicht ungünstig, dagegen die Sicht derart schlecht war, daß das Flugzeug die Azoren über- flog, ohne daß die Besatzung die Inseln zu Gesicht bekam. Dreimal geriet das Flugzeug in schwere Böen, wobei die Schutzplattte über dem Benzinbehälter zum Teil ab­gerissen wurde. Die Landung in Spanien ging im wesent­lichen glatt vonstatten.

Wieder ausgetaucht ist auch das FlugzeugUntin Bowler", das sich auf dem Fluge von Chikago nach Berlin befindet und von dem man mehrere Tage nichts gehört hatte.

Das Flugzeug ist Dienstag am frühen Morgen auf eisbedecktem Wasser in der Nähe von Port Burwell

Die Flieger hatten

zwei Nächte und einen Tag auf einem einsamen Felsen etwa 40 Meilen südlich von Port Burwell verbracht, um das Fallen des Nebels abzuwarten.

Ein dreimotoriges Sowjetflugzeug in Berlin eingetroffen.

Das dreimotorige SowjetverkehrsflugzeugFlügel Sowjets", das in Moskau unter Führung des Sowjetflugzeugpiloten Gromew gestartet war, ist Mitt­woch im Tempelhofer Flughafen in Berlin gelandet. Zur Begrüßung der Flieger waren u. a. erschienen: der Botschafter Krestinski und Vertreter des Auswärtigen Amts und des Reichsverkehrsministeriums. Die Flieger werden sich einige Tage in Berlin aufhalten, um dann über Paris nach Rom und von dort über Wien und Warschau zurück nach Moskau zu fliegen.

der

Neuer Dauerflugweltrekord.

Die Flieger Mendell und Reinhart stellten in Kali­fornien mit dem DoppeldeckerAngelano" einen neuen Weltdauerflugrekord auf. Als" ~" ........'

künden in der Luft befanden, it

175 Stunden 59 Se­men sie 75 Gallonen

neuen Betriebsstoff und setzten ihren Flug fort. Sie er­klärten, daß sie den Rekord auf 200 Stunden hinauf­schrauben wollten.

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Ein holländisches Militärflugzeug in die Nordsee gestürzt.

Bei Huisduinen ist das holländische Militärflug­zeug 547 aus größter Höhe in die Nordsee abgestürzt, wo es sofort im Wasser versank. Beide Insassen, ein Leut­nant und ein Sergeant, fanden hierbei den Tod. Die Leiche des Sergeanten, der bei dem Aufprall auf dem Wasser einen Schädelbruch erlitt, ist geborgen worden.

Flugzeugunglück in Kanada.

Ein Schulflugzeug stieß in Montreal bei einem Übungsflug auf die Erde auf und fing Feuer, wobei der Lehrer und der Schüler den Tod fanden.

gkoloflDo. X

Das größte Flugschiff der Welt

Vor dem Probeflug.

Das FlugschiffDo. X" wird voraussichtlich schon Donnerstag vom Bodensee aus starten. Mit dem Ein­fliegen des neuen Luftriesen ist der Chefpilot Wagner betraut. Am Doppelsteuer soll Flugzeugführer Fath sitzen. So wichtig die Tüchtigkeit der Piloten für den Ausfall der Versuchsflüge auch ist, so besteht doch das voll­kommen Neue des Flugschiffes darin, daß es mit der Allein- verantwortunw des oder der Piloten brickit und an ihre

Das RiesenflugbootDo. X" mit Pilot Wagner.

Stelle die Schiffsbesatzung mit dem Kapitän als verant­wortlichen Schifssführer setzt. Denn die Besatzung besteht aus einem Kapitän, einem Offizier, zwei Piloten, einem Ingenieur, vier Maschinisten, einem Funker, einem Koch und einem Steward. _ ,

Der Luftriese, der von zwölf Motoren zu' je 52a Pferdestärken anaetrieben wird, der 40 Meter lang,

10 Meter hoch ist und eine Spannweite von 48 Metern hat, wird 16 000 Liter Benzin und 1500 Kilogramm Öl zum Antrieb der Motoren gebrauchen. Es soll mit dem Flugzeug, das eine Höchstgeschwindigkeit von 250 Kilo­metern in der Stunde und eine Reisegeschwindigkeit von 190 Stunden-Kilometern entwickeln wird, ein Maß von Sicherheit erreicht werden, wie es kein anderes bis­her bestehendes Flugzeug auch nur annähernd aufzu- weisen vermag. Italien soll bereits zweiDo. X" be­stellt haben, für Deutschland ist ein Flugboot in Auftrag gegeben.

Dr. Dornier, der Leiter der Werke, die das Flugzeug erbaut haben, betonte in einer Ansprache, daß dieser Typ noch lange nicht das Ozeanflugzeug darstelle. Mit diesem Flugzeug solle auch nicht der längst geplante Ozeanver­kehr eingerichtet werden, das selbstDo. X" nur eine Etappe bedeute. Auf Grund seiner zwei Jahrzehnte langen Erfahrungen sei er zu der Überzeugung gekom­men, daß die Vergrößerung der Abmessungen die Sicher­heit wesentlich erhöhe und die Wirtschaftlichkeit steigere. Bei dem neuen Flugschiff könnten die Piloten ihre ganze Aufmerksamkeit allein auf die Tätigkeit des Fliegens richten. Den technischen Teil übernehme ein Ingenieur. Er werde dabei unterstützt von einer Reihe von Spezialisten.

Zur Frage der Wirtschaftlichkeit verwies Dr. Dornier darauf, daß Heute ohne staatliche Beihilfe nir­gends Luftverkehr betrieben werden könne und daß die Flugzeuge ihre volle Verwendungsmöglichkeit erst dann erreichen würden, wenn sie wirtschaftlich seien. Heute fei so gut wie keine Wirtschaftlichkeit vorhanden, weil die Flugzeuge, sobald sie Strecken von mehr als 500 bis 600 Meilen zu überfliegen hätten, nur noch ihre Be­satzung und den Brennstoff zu transportieren vermögen. Hier eine Verbesserung zu schaffen, sei neben der Er­höhung der Sicherheit der zweite führende Gedanke bei dem Bau des Flugschiffes gewesen.

avSchlusses mit der evan

e n Kirche

wurde abgelehnt, und ihr lediglich die Vertröstung auf Einleitung von Verhandlungen zum Abschluß einer ent­sprechenden Vereinbarung gewährt. Der Evangelische Bund darf sich das ehrliche Zeugnis ausstellen, daß er bis zum letzten Augenblick in der Wahrung der

deutsch-protestantischen Interessen '

seine Pflicht im Dienste der evangelischen Kirche und Sache treu erfüllt hat. Auch ist seine Arbeit ganz gewiß nicht vergeblich gewesen, denn es darf doch mit einiger Be­friedigung festgestellt werden, daß der förmliche Vertrag anderen Verträgen, z. B. dem bayerischen Konkordat von 1925, gegenüber in seinen Forderungen wesentlich abge- " "' " ' 'ber doch blieben ihm gegenüber vom

schwächt erscheint. _____ ,

deutschen und evangelischen Standpunkt aus so sch w e r - wiegende Einwendungen bestehen, daß eine Zu­stimmung zu ihm trotzalledem unmöglich war.

Unveränderte ArbeLismarMage.

Zugänge und Abgänge gleichen sich aus.

Nach dem Bericht der Reichsanstalt hielten sich in der Zeit vom 1. bis 6. Juli Zugänge und Abgänge des Arbeitsmarktes ein gewisses Gleichgewicht. In Brandenburg, Niedersachsen und Nordmark hat sich die Arbeitslosigkeit leicht erhöht; in Schlesien, Westfalen und Bayern ging sie noch spürbar zurück; in den anderen Be­zirken hat sich der Stand, trotz lebhafter Fluktuation, kaum verändert.

Beginn der Verhandlungen mit den evangelischen Landeskirchen.

Berlin. Die Verhandlungen zwischen dem preußischen Staatsministerium und den evangelischen Landeskirchen wer­den, wie aus sicherer Quelle gemeldet wird, am Donnerstag, den 11. Juli, beginnen. i