Hinvenburg beim Trauertag.
Im Berliner Dom.
Am Freitag abend versammelte sich im Berliner Dom eine größere Gemeinde, um des Trauertaaes ;ur Wiederkehr der Unterzeichnung des Versailler Nwdens Vertrages zu gedenken.' Reichspräsident H'ndenburg besuchte dabei das Gotteshaus in Be gleitung des Staatssekretärs Meißner. Auch eine Reche von Vertretern der Reichs- und Staatsböbörden sonne mehrerer politischen Parteien warenerschienen Oberdomprediger D. Burghart, der Vizepräsident des evangelischen Oberkirchenrates, legte seiner Rede die Bibelworte des ,Apostels Paulus zugrunde: Wir haben allenthalben ~rubfat, aber wir ängstigen uns nicht' uns ist bange, aber, wir verzagen nicht; wir sind nieder^ gedruckt, aber wir kommen nicht um.
Aufbau der LeiWW der AvaMn- verfichenmg.
LohnsteuerüberschüssefürdieLeistungen.
. Der Reichstag hat ein Gesetz über den A u f b a u d e r Leistungen in der Invalidenversicherung beschlossen. Danach werden die Rentensteigerungsbeträge für die vor 1921 geleisteten Beiträge um durchschnitt- m Prozent erhöht. Auch können Hinterbliebene solcher Versicherten, die bereits vor bem 1. Januar 1912 verstorben oder die seit diesem Zeitpunkt dauernd invalide sind, nunmehr Hinterbliebenenfürsorge durch die Jnvalidenversiche- rung beanspruchen. Das Gesetz tritt am 1. Oktober 1929 in Kraft. Durch ein Änderungsgesetz zur sogenannten
Brunrng wurden gleichzeitig der Invalidenversicherung Lo h n st e u e r ü b e r s ch ü s s e für ihren Aufbau und die Erhaltung ihrer Leistungsfähigkeit in Aussicht gestellt.
Hilfe für öas ostdeutsche Handwerk.
Zur Steuerung der außerordentlichen Not.
Sm Vorjahre haben sich unter Führung der Frankfurter ostdeutschen Handelskammern zusammen- geschlossen, um gemeinsam die Forderung zu vertreten, die sie erachtet, um dem handwerklichen Mittelstand der deutschen Ostmark wieder eine gesicherte «^?^V^ Wirtschaftsleben zu schaffen. Die Kammern Ver- öffentlichen soeben das Programm, in dem es u. a. heißt: Es wird verlangt, daß Reich und Preußen durch dauernde größere Arbeit und L i e fer u n gs a uftr äge bei außerordentlichen Not des ostdeutschen Handwerks steuern Der Staat muß sofort dem ostdeutschen Handwerk Betriebt l r e d i t e in ausreichendem Umfang zu annehmbaren Be- dingungen und stärkere Hauszinssteuermittel als bisher zu, Nerfugung stellen. Zur Verbesserung des Verkehrs Wirt verlangt, daß die Grenzgebiete Anschluß an den großen Verkehr erhalten. Das Projekt des Elbe-Spree-Oderkanals ist mit größter Beschleunigung zu fördern. Da der Westen auf dem Gebiete der Förderung der Berufsbildung und Hand- werkstechmk weit voraus ist, wird es für notwendig be- ^e'chnet, daß Reich, Länder und Provinzen beut ostdeutschen Handwerk erheblicye Zuschusse zur Errichtung und zur laufenden Unterhaltung solcher Bildungsstätten gewähren
(Stockholm) im Wirtschaftsbericht der Commerz- und Privatbank A.-G. heißt es u. a.: Bezüglich der Gesamt- ansprüche an Deutschlands auswärtige Zahlungsfähigkeit bedeutet der Young-Plan dem Dawes-Plan gegenüber keine Erleichterung. Da es nunmehr feststeht, daß die Forderungen des Dawes-Planes weit über die wirkliche Leistungsfähigkeit Deutschlands gingen, ist es schwer zu übersehen, wie es möglich sein soll, den Young-Plan aufrechtzuerhalten. Der Young-Plan hat überhaupt mehr den Charakter eines politischen Kompromisses als eines Gutachtens von Sachverstän- d ig en über die rein wirtschaftliche Frage, welche Zahlungen von Deutschland an die Empfangsmächte möglich sind und unter welchen Bedingungen sie möglich sind. Auch wenn der Young-Plan angenommen wird, wird er voraussichtlich bald revidiert werden müssen, nicht auf Grund eines deutschen Widerstandes, sondern einfach deshalb, weil er mit den wirtschaftlichen Realitgten nicht in Einklang zu bringen ist. .., ^ ,
Die beiden Brüder
Roman von P. W, t l d -
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^ Bei ihrem Erwachen war der Mord geschehen. Da sie kein Erinnern an Einzelheiten hatte, quälte sie die furchtbare Schuld unsagbar. Sie wollte bekennen, doch wußte Vogel das stets zu verhindern, indem er sie von neuem mit Drohungen einschüchterte. Was sollte aus ihm werden, wenn sie ins Zuchthaus mußte? So folgte sie seinen Anweisungen bedingungslos, unterschlug die Wahrheit und war bereit, einen Meineid zu leisten.
- Schluchzend hatte Vogel die Aussage gemacht, nachher versank er in brütendes Schweigen. Er warf sich über die Leiche, klammerte sich an ste und beschwor sie, wieder zu erwachen.
Als er fortgeführt werden sollte, bekam er einen Tob- suKtsanfall.
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F In tiefer Bewegung stand Marga Freesen vor dem Untersuchungsrichter; mit bebender Stimme sagte dieser zu ihr:
„Welch frohe Botschaft, gnädige Frau! Ihr Gatte ist frei, und auch auf Michael Freesen ruht kein Verdacht mehr. Der Mörder ist gesunden."
L »Wer ist der Täter?" fragte sie atemlos.
M „Direktor Vogel."
A Da fuhr ste förmlich zurück.
U „Günthers Freund, dem er alles Vertrauen schenkte." * Doch Freude und Sehnsucht waren stärker als die Erschütterung über diese Nachricht. Es drängte sie zum Gatten.
Mebenssteunde und Knegshetzer.5
Macdonald über die Erhaltung des Friedens ^ Macdonald hielt in London eine Red^ über das internationale Friedensproblem folgendermaßen: Man verschwende zwar biet Zeit damit, doch werde er niemals zu einer Friedenskonferenz gehen, ohne alle Mittel zu ver- filchen, um ein Scheitern der Konferenz zu verhüten. Der Friedensverkunder habe eigentlich dasselbe Risiko zu übernehmen, wie der Kriegshetzer. Er habe auf das Risiko des Frieden s gesetzt. Die Nation, die sich für den F r i e - den entscheide, werde Frieden bekommen, genau wie in der Vergangenheit diejenigen, die für den Krieg gewesen waren, den Krieg bekommen hatten.
Regelung der Krissnunierstützung.
Die neuen Bestimmungen.
Der Reichsarbeitsminister hat nunmehr durch Erlaß Üont29.Junl 1939 die Krisenunterstützung neu geregelt. ^".^Usehnung an die Regelung, die vor dem Februarerlaß galt, zahlt der neue Erlaß wieder die Berufe einzeln aus deren Angehörige grundsätzlich oder durch Verfügungen der Landesarbeitsämter Krisenunterstützung erhalten können. Jan großen und ganzen ist bezüglich der zu- gelassenen Berufe keine Änderung eingetreten. Die Unter- stutzungshöchstdauer beträgt aber wie vor der Winter- rellelung wieder 39 Wochen, für Arbeitslose über 40 Jahre 52 Wochen. Arbeitslose unter 21 Jahren sind bis auf weiteres grundsätzlich von der Krisenunterstützung aus- geschlossen. _____________
polnische Drohung nach Danzig.
Die Kundgebung wegen Versailles.
Der diplomatische Vertreter der Republik Polen in Danzig hat in einer Note bei der Danziger Regierung ^?fp5?ch Segen die Trauerkundgebungen aus Anlaß der zehniahngen Wiederkehr der Unterzeichnung des Ver- amer Diktats eingelegt, weil sie angeblich den Danzig durch Versailles auferlegten Pflichten zuwiderlaufen und sich gegen Polen richteten. Wie man erfährt, wird der Senat der Freien Stadt Danzig zu dieser Note des Vertreters Polens in Danzig in einer Antwortnote Stellung nehmen. Der Wortlaut dieser Note soll alsbald bekannt- gegeben werden.
Oesterreichs Anschluß.
Kundgebung in Bielefeld.
In Bielefeld sprach Reichsinnenminister S e v e r i n g anläßlich eines deutsch-österreichischen Sportfestes über die Anschlußfrage. Der Minister führte u. a. aus: Beim Abschluß des sogenannten Friedensvertrages vor zehn Jahren haben sowohl Vertreter des Deutschen Reiches wie der Republik Österreich in Versailles gemeinsam um das Selbstbestimmungsrecht der Völker gekämpft. Das Recht der Selbstbestimmung, der Vereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reiche, sei aber nicht anerkannt worden. Über die Frage des AnMusses sollte der Völkerbund ent-
M- MMscMnd Revanche- E '
schlechten Gewissens
ist. Diese Denkweise ist die alte der Vorkriegszeit. Die Deutschen denken nicht daran, eine Verbindung ihrer heute national getrennten Völker dazu zu benutzen, um eine neue Kriegsfackel in Europa anzuzünden. Richt erneute Kriege, sondern Frieden wollen sie propagieren. Deshalb sollten sich unsere Nachbarn, die im Westen und die in der Tschechoslowakei, abgewöhnen, eine Politik zu betreiben, als ob der Zusammenschluß Unheil für die ganze Welt bedeuten würde. Die politischen Institutionen Deutschlands schicken sich an, den Ungleich auf wirtschaftlichem, wissenschaftlichem und kulturellem Gebiet zustande zu bringen.
Was wir tun können, um den politischen Anschluß so bald wie möglich herbeizuführen, das werden wir tun. Der Mlulster brächte ein Hoch aus auf die künftige Großdeutsche Republik, die aus dem Deutschen Reich und aus Österreich bestehen soll.
W?
„Darf ich zu ihm?"
Unbewußt nahm sie das Entlassungsdokument aus Olbrichs Hand. Wie eine Träumende durchwanderte fit die weiten Flure des Gebäudes. Ein Echo war um sie, anders wie sonst, Heller, froher. Hoffnung, Befreiung!
Eine Tür wurde vor ihr geöffnet. Sie trat in den bekannten Raum.
„Günther." Sie breitete die Arme gegen ihn aus: „Du bist frei."
Golden erhellte ein lachender Sonnenstrahl das Dunkel.
M Ende.
Vom Büchermarkt.
„Soll ich laufen oder stemmen, soll ich werfen oder springen?,, — diese und andere den Sporttyp an. gehende Fragen beantwortet ein Aufsatz des Fret- burger Mediziners Prof. Dr. W Seiffert im Juliheft ;von Veihagen & Klasings Monatsheften. Auf die Schicksalsfrage unseres Volkes: „Einheitsstaat und Föderalismus" geht der Göttinger Historiker Prof. Dr. Paul Darmstaedter ein. Wege und Ziele der ^Volksbildungsarbeit im Grenzgebiet schildert Ministe- wialdirektor Paul Kaestner. Neben so ernsten, gehaltvollen Beiträgen fehlen die leichteren nicht. Viele Kunstblätter nach Werken moderner Meister in vollendeter Wiedergabe und eine Menge Bilder aus iötelen Gebieten des Kunstgewerbes schmücken das (Heft. Der Roman „Gewalt über ihnen" von Ernst iZahn wird fortgesetzt. Novellen von Ernst Wiechert mnd Theodor Plivier halten vereint mit ihm die Leser in Spannung. Welchen Sport soll ich treiben? Die Beantwortung dieser Frage hängt in bedeutendem iMatz von der Konstitution ab, worauf leider sehr häufig nicht genügend geachtet wird. Man kann nur dann Sporterfolge erzielen, wenn man so gewachsen ist, wie es der gewählte Sport verlangt.
Aus der Heimat- für diele Rubrik find sDHiellungen lokalen Unferelles aus dem beierkrelfe liess eroünlchf und meiden auf Wunsch bezahlt.
Kundgebung gegen dieKriegrsihuldlSge in der Stistsrnine.
Die von dem vorbereitenden Ausschuß angesetzte Veranstaltung in der Stiftsruine gestaltete sich zu einer mächtigen und sehr eindrucksvollen Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge. Nach Schluß des Haupt- gotteSdienstes füllte sich schnell die Stiftsruine mit Angehörigen aus allen Schichten der Bevölkerung, und pünktlich 11.15 Uhr setzte Herr Biehl mit seinem Mannerchor mit dem „Deutschen Volksgebet" von Janoske ein. Hierauf sprach Herr Haus Post macht, und wirkungsvoll den Vorspruch „Deutschland in Ketten". Der Männerchor sang dann „In dunkler Nacht" von Arndt, worauf Herr General von F l o t o w das Wort ergriff und ungefähr^folgendes ausführte:
Am 28 Juni d. Js. jährt sich zum 10 Male jener Tag, an dem der Friede von Versailles unterschrieben I wurde. Unter Androhung der Fortsetzung -es Krieges und unter Androhung der Fortsetzung -er Hungerblockade wurde das deutsche Volk zu einem Vertrage gezwungen, und zu seiner Rechtfertigung wurde uns Deutschen das Anerkenntnis abgepreßt, nicht nur, daß wir schuld an dem Ausbruch des Krieges seien, sondern, daß wir ihn absichtlich und bewußt herbeigeführt hätten. Wir haben weite Länderstrecken im Osten, im Westen und im Norden unseres Vaterlandes hergeben müssen, wir haben alle unsere Kolonien verloren, wir haben unser stolzes Heer, das nach ehrenvollem Kampfe mit reinem Herzen und mit reinen Händen zurückkehrte, zerschlagen müssen, wir haben unsere Kriegsflotte aus. liefern müssen. Man legte uns ganz ungeheure Sachleistungen auf, an Kohlen und Erzen, an Maschinen, an Jndustrieleistungen, an Jndustrieer. Zeugnissen aller Art, an Vieh und Saatgut. Man verlangt von uns ganz unerhörte Geldzahlungen. Ein wehrlos gemachtes Volk wurde zum Sklaven er- ntedrigt. Alle diese Maßnahmen gründen die Gegner auf Deutschlands Schuld. Namhafte Deutsche, Staats. Männer und Geschichtsforscher, Reichstagsabgeordnete und Politiker der Rechts- und Linksparteien haben das über uns gefällte Kriegsschuldurteil abgelehnt. Die eigenen Archive und Forschungen im AuSland, im neutralen wie auch im feindlichen Ausland haben die Unschuld Deutschlands einwandfrei erwiesen. Nur einmal nach dem Wellk-iege hat das Deutsche Volk sich aufgerafft zu einem entschiedenen „Nein", daS es seinen Gegnern entgegengerufen hat. ES hat die Auslieferung der namhaft gemachten sogenannten Kriegsverbrecher verweigert, und das hat Eindruck gemacht. Nie wieder haben unsere Feinde es gewagt, auf diese Forderung zurückzukommen. Und noch einer Tat muß ich gedenken, einer großen Tat, der ersten Nach dem jammLLvollen Ende des Ktieges: Der Ver. senkung der aHSgelfefTffen deutschen Kriegsflotte durch Admiral v. Reuter und seine Mannschaft Wahr, ltch, diese Leute haben auf verlorenem Posten ge. standen, aber sie haben wiederhergestellt, was voll, ständig geschwunden war: Deutschlands Ehre. Seit dem Tage ist nichts mehr geschehen. Das deutsche Volk ergeht sich in glaubloser Untätigkeit, es ist froh, wenn es zufrieden gelassen wird. Und trotzdem hat unser greiser Reichspräsident in seinem Bekenntnis am Tannenberg-Denkmal den Deutschen den Weg ge. wiesen, den sie zu gehen haben, als er sprach:
„Die Anklage, daß Deutschland Schuld sei am größten aller Kriege, weisen wir, weist das Deutsche Volk in allen seinen Schichten einmütig zurück. Reines Herzens sind wir zur Verteidigung des Vaterlandes auSgezogen, mit reinen Händen hat unser Heer das Schwert geführt. Deutschland ist jederzeit bereit, dies vor unparteiischen Richtern zu beweisen."
Es ist also notwendig, daß etwas geschieht. Und so haben wir uns hier an Hersfelds heiliger Stätte versammelt, um als freie Bürger unseres deutschen Vaterlandes, dessen Ehre unsere Ehre, dessen Schande unsere Schande ist, Einspruch zu erheben gegen die Unwahrheit und Lüge von des Deutschen Volkes Schlud am Kriege. Der vorbereitende Ausschuß dieser Kundgebung hat diesen Entschluß in einer Ent- schließung geformt, die folgenden Wortlaut hat:
Entschließung.
Deutsche Frauen und Männer, die sich in HerS. fklds ehrwürdiger Stiftsruine versammelt haben, erheben Einspruch gegen das über das deutsche Volk gefällte Kriegsschuldurteil und das dem deutschen Volk abgepreßte Anerkenntnis dieser Schuld Sie erheben Einspruch gegen alle Berge- waltigungen eines weh, losen Volkes, die mit diesem Urteil und diefir Anerkennung als ein vermeintliches Recht begründet werden
"warten von öet Reichsregierung, daß sie sich einsetzt für die Beseitigung der Behauptungen von Deutschlands Schuld am Weltkriege, die im Widerspruch mit der Geschichtswahrheit stehen und für die Ehre des deutschen Volkes unerträglich sind,
1 aus dem Bericht der Alliierten eingesetzten Kommission und dessen Schlußfolgerungen.
2. aus der Einleitung und dem § 231 -es Friedensvertrages
3. aus dem Abschnitt 7 des Ultimatums und
4 aus der Mantelnote vom 16 Juni 1929.
Nachdem der Redner festgestellt hatte, daß dieser Entschließung einstimmig zugestimmt worden war. schloß er mit den Worten: Möchte dieser mannhafte Entschluß seine Früchte tragen. Der Kampf gegen die Lüge von Deutschlands Schuld am Kriege, derKampf für Befreiung aus den Fesseln von Versailles sei das heilige Vermächtnis der Gefallenen an uns. So geloben wir uns diesem Werk heute von neuem und beten zu dieser Feierstunde in inbrünstigem Flehen