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HersfelöerTageblatt

WWW Reisfelder Kreisblatt BSigffi

«k'^L'.L»»^,^, Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö ^m»-«»« >» »°°.r°.

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Beiehrnag vnb Kurzweil / Wirtschastliche ÄageSsrasea.

Nr. 142

Donnerstag, den 20. Juni 1929

79. Jahrgang

Fsoiienfrieden.

Viel schneller, als eigentlich zu erwarten war, ist der neue englische Ministerpräsident Macdonald außen­politisch aktiv geworden. Allerdings hat er dafür gleichzeitig bei der wichtigsten innenpolitischen Streitfrage, nämlich dem latenten Konflikt in der Bergwerksindustrie, eine Menge Pflöcke zurückstecken müssen: von einer Ver­staatlichung der Bergwerke ist keine Rede mehr. Insofern war es für Macdonald auch leicht, einen außenpolitischen Vorstoß schon jetzt zu machen, weil auch die Liberalen das unbedingt franzosenfreundliche. Verhalten des früheren Außenministers A. Chamberlain nicht billigten, besonders weil durch diese allzu große Intimität mit Frankreich eine deutliche Verstimmung zwischen England und den Ver­einigten Staaten eingetreten war.

Man muß ein wenig zurückdenken an das unliebsame Aufsehen, das das englisch-französische Marineabkommen überall in der Welt auslöste, um jetzt auch zwischen den Zeilen jener Reden lesen zu können, die von Macdonald selbst, ferner von seinem Außenminister Henderson, dem Nachfolger Chamberlains, und dem neuen amerikanischen Botschafter in London, dem uns Deutschen ja nur allzu gut bekanntenGeneral" Dawes gewechselt worden sind. Dawes ist ja für Macdonald kein Unbekannter, denn der englische Arbeiterführer war ja Ministerpräsident, als 1924 in London dieDawes-Konferenz" ftati;anb. Wovon er, wovon Henderson und Dawes sprachen, ist nur eines: Frieden auf Erden! Das würde weiter nicht auf- fallen und keinerlei Aufmerksamkeit erregen es gibt keine Staatsmänner seit Bestehen der Welt, die nicht immer und bei jeder Gelegenheit von der Erhaltung des Friedens reden! wenn nicht besonders Dawes ganz genaue Vorschläge über eine künftige Ab­rüstungskonferenz gemacht hätte, über Abrüstung allerdings nur zur See, und dabei macht Dawes die für jeden Engländer zwar schmerzliche, aber nicht mehr zu be­streitende Einschränkung, daß zwischen den beiden großen englischsprechenden Völkernheilig und unverletzlich" das Prinzip der F l o tte n g l e i ch h e it festgehalten werde. Der einzig mögliche Weg ist der, daß die Regierungen durch ihre' Flottensachverftändigen eine klare Definition ryrer Foroerungen «usarveiten lassen, saß es aber einem Komitee von Staatsmännern überlassen wird, eine end­gültige Festsetzung der Bedingungen eines Abrüstungs­übereinkommens zu entwerfen." Das konnte der neue amerikanische Botschafter natürlich nur mit Einverständnis seiner Regierung vorschlagen. Macdonald und Henderson gaben hierzu fast das Stichwort, sprachen allerdings vorsickstigerweise mehr von der Notwendigkeit einer all­gemeinen Abrüstung, die die Welt brauche und die herbe,- zuführen man allseitig von den Regierungen verlange. Aber man spricht doch eben im Verein mit dem amerikani­schen Botschafter wieder und wieder von Abrüstung. Und vergessen darf man doch schließlich auch nicht, daß die erste Allkündigung einer außenpolitischen Aktivität Macdonalds in der Meldung bestand, er werde eine Reise nach Washington machen.

In Paris wird man diese Kunde ebenso schmerzlich begrüßt haben wie die jüngste ostentativ-deutliche Unter­streichung des Proamerikanischen Kurses in London. Macdonald wird mit Frankreich gewiß kein Flotten- abkommen vereinbaren, das dieser größten Heeresmacht des Kontinents freie Hand ließe. Aber es ist doch eine Einschränkung zu machen, die auch wieder aus den Aus­führungen des Botschafters Dawes erhellt: Amerika hat nur ein Interesse an der Flottenabrüstung, denn zu Lande ist es so gut wie unangreifbar. Ganz fo idealistisch wie ihre schönen Worte klingen sind nämlich diese Staats­männer alle miteinander .acht.

Amerika unterzeichnet den ^oung-plan nicht.

Aber Ermäßigung der deutschen Verpflichtungen.

Präsident H o o v e r erklärte auf eine Anfrage, die Regierung der Vereinigten Staaten fei am Young-Plan nicht beteiligt und werde daher das hierauf bezügliche Abkommen der anderen Regierungen nicht unter­zeichnen. Die einzige Ermächtigung, die die Regierung vom Kongreß zu erbitten habe, fei die Zustimmung zu der Ermäßigung der deutschen vertraglichen Verpflich­tungen auf Grund der Entscheidung der Gemischten Kom­mission sowie bezüglich des kleinen Teiles der Besatzungs- kosten.

Diese Erklärung stellt das wichtige Einver­ständnis mit den A b st r i ch e n dar, die in Paris an den Amerika zufließenden Beträgen gemacht wurden.

Gebundene Selbstverwaltung.

| Die Neuregelung der Verwaltungs- zuständtgkeit von Reich und Ländern.

I Der zweite Unterausschuß des Verfassungsausschusses der r Länderkonferenz hat sein RefE über die Abgrenzung der Zu- ' ständigkeit zwischen Reich nadLändern vorgelegt. Reichs- ; minister a. D. Koch-Weser betonte dazu, daß die Vorschläge zum dezentralisierte:. Ein Heils staat hinführen. Zwischen die reichseigene Verwaltung und die Eigenverwaltung der Länder schiebt das Referat die Auftragsverwal- tung, die gber nach Möglichkeit in eine Form gekleidet ist,

Dr. Stresemann in Paris

Konferenz zu briit.

Aussprache zwischen Stresemann, Poincarö und Briand.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann ist am Mitt­woch in Paris zu der beabsichtigten Aussprache mit Poincaro und Briand eingetroffen. Zur Begrüßung auf dem Bahnhof hatten sich außer dem deutschen Botschafter v. Hoesch und den Mitgliedern der deutschen Botschaft auch der Kabinettschef des Außenministers Briand sowie der spanische Botschafter eingefunden. Auch die Staats­sekretäre v. Schubert und Pünder sind in Paris ein­getroffen. Dr. Stresemann begab sich mit dem deutschen Botschafter nach dem Botschaftsgebäude. Mittags fand am Quai d'Orsah ein von Außenminister Briand zu Ehren Dr. Stresemanns verunstaltetes Frühstück statt, an dem Vertreter der deutschen und der französischen Diplo­matie teilnahmen. Poincars selbst war d urch Amts­geschäfte verhindert, hatte jedoch seine Anwesenheit nach der Beendigung des Frühstücks zugesagt.

Nach dem Frühstück war eine Aussprache zwischen Stresemann, Poincarö und Briand vorgesehen. Natürlich zerbricht man sich in politischen Kreisen Frankreichs den Kopf darüber, worüber sich diese drei Staatsmänner unterhalten haben. Während ein Teil der Presse die Meinung vertritt, daß die Besprechung einen ganz allge­meinen Charakter trug, behaupten andere sonst gut unter­richtete französische Blätter, daß die Unterredung einen hochpolitischen Charakter hatte. Und zwar sollen bei dieser Aussprache zu dritt die kommende Dnplomatenkonferenz und die mit ihr zusammenhängenden politischen Fragen erörtert worden sein. In diesem Zusammenhänge ist es von besonderer Wichtigkeit, daß, wie jetzt bekannt wird, Dr. Stresemann bei seinen Besprechungen mit Briand den letzteren darauf hingewiesen hat, daß die An­nahme des Young-Planes und seine Inkraftsetzung für Deutschland nur dann einen Sinn haben wird, wenn mit dieser njWfdpJOSO^^-W politische verbunden würde. Stresemann soll weiterhin Briand darauf hingewiesen haben, daß Deutschland eine sofortige Räumung der besetzten Gebiete und die Lösung der Saarfrage auf der Konferenz zur Entscheidung bringen wolle.

daß man wohl von Karrgebundenen Selbstver­waltung" sprechen rann. Immerhin verlangt auch die Auf­tragsverwaltung die Abschaffung des Parlamen- r i s m u s' in den Ländern, denn es ist unmöglich, daß eine Landesregierung durch ein Mißtrauensvotum gestürzt werden kann, weil sie einen Auftrag der Reichsregierung ausgeführt hat.

Die neuen Vorschläge bedeuten nach den Worten des Reichsministers a. D Koch-Weser, obwohl sie natürlich erst die Fundamente legen, einen ungeheuren Fortschritt, weil das alte deutsche Sehnen nach Einheit dadurch erfüllt werde und eine "Rationalisierung der Verwaltung erfolge, die namentlich auch eine Erleichterung für unsere Wirtschaft bedeutet.

Weder AgrarsoziMmus

noch Staatsmonopol.

Um die Rentabilität der Landwirtschaft.

In Köln trat der Beirat der rheinischen Zentrums­partei für Landwirtschaft, Garten- und Weinbau zu einer Tagung zusammen. Auf der Tagung hielt u. a. Reichsminister a.D. Dr. Hermes einen längeren Vortrag über das Rentabilitäts­programm der Spitzenverbände. Er führte u. a. aus: In dem vorgelegten landwirtschaftlichen Not­programm feien die Richtlinien festgelegt, die den Ret­tungsweg für die Landwirtschaft aufzeigen würden. Man könne jedoch der Reichsregierung nicht den Vorwurf ersparen, daß sie es an der nötigen Aktivität habe fehlen lassen.

Aus dem Agrarprogramm beleuchtete sodann der Redner die einzelnen Punkte. Er stellte zunächst die Notwendigkeit eines durchgreifenden Zollschutzes besonders'in den Vordergrund. Es gehe nicht an, daß ein gedrücktes Volk entgegen der Haltung der ganzen übrigen Welt die Fahne des F r e i h a n d e l s voran­tragen zu können glaube. Die Landwirtschaft verlange nicht den Abbau der steuerlichen und sozialen Belastung, doch wehre sie sich dagegen, daß diese Lasten einem Bauerntum auferlegt würden, dessen Ein­künfte es in keiner Weise gestatteten diese Summe zu zahlen. Die Wirtschaftspolitik des Staates müsse der Landwirtschaft die Möglichkeit geben rentabler zu arbeiten. Der Redner beschäftigte sich sodann eingehend mit den Zollsätzen beim Getreide^ Andere Länder schützten sich mit hohen Zollmauern M,t unseren autonomen Sätzen sei die Katastrophe nicht abzuwenden. Hier müsse eine zusätzliche Regelung ersetzen, die n der mengenmäßigen Erfassung der ausländischen Getreide­einfuhr zu erblicken sei. Dies bedeute weder A g r al­so z i a l i s m u s noch Befürwortung eines Sta a t s - monopols. Es solle erreicht werden, daß das Aus- landsgetreide derselben Belastung unterworfen wird wie das Inlandsgetreide. ,

Neben einer strengen Seuchenschutzgesetzgebung Jet

In dem französischen Ministerrat, der die Annahme des Doung-Planes beschloß, wird Briand ausführlich über die Madrider Tagung berichtet haben. Der Minister­rat soll übrigens nach wie vor an der Forderung der sogenannten Kontrollkommissionen, die nach der Räumung des Rheinlandes eingesetzt werden sollen, festhalten, so daß damit zu rechnen ist, daßPoincare und Briand den französi­schen Standpunkt auch Stresemann gegenüber vertreten haben werden. Deutschlands Stellung zu dieser For­derung ist bekannt: Die deutsche Regierung wird diesen französischen Vorschlag, "der eine Verewigung der Militär­kontrolle sein würde, nie akzeptieren.

Danktelegramm Stresemanns an primode^ivera

Reichsminister Dr. Stresemann richtete beim Verlassen Spaniens an den spanischen Ministerpräsidenten ein Telegramm, in welchem er den Dank der deutschen Dele­gation und seinen eigenen für die liebenswürdige Auf­merksamkeit und Gastfreundschaft aussprach. Das Tele­gramm schließt mit den Worten:Ich kehre nach Deutsch­land zurück in der Erinnerung an schöne Tage und in der Zuversicht auf eine weitere glänzende Zukunft Spaniens und die dauernde Freundschaft unserer beiden Länder."

Das Resultat der Besprechung.

Der französische Außenminister Briand gab den Pressevertretern folgende Erklärung, über die Besprechung mit Dr. Stresemann:Die heutigen Verhandlun­gen sind nur die Fortsetzung des Gedankenaustausches, den ich in Madrid mit Dr. Stresemann hatte. Vor dem Frühstück hatte ich mit Dr. Stresemann eine erste Unter­haltung, die dann mit P o i n c a r 6 fortgesetzt wurde. Wir haben die besten Bedingungen geprüft, unter denen die interessierten Regierungen die Verhandlungen über den Sachverständigenplan einleiten könnten. Dr. Strese­mann wird nach Berlin zurückkehren, um seine Regierung über unsere Unterhaltung zu unterrichten. Daraus wer­den die Unterhandlungen durch die Staatskanzleien fort­gesetzt werden, um sobald wie möglich OrtundZeit- Punkt für den Zusammentritt der Regierungskonferenz festzusetzen, d.h. diese Konferenz wird vom kommen­den Monat ab stattfinden können.

die Anpassung der Lebendviehzölle an die Fleisch; ölle zu fordern. Auch die Eier- und Ge- slügelwirtschaft bedarf des Schutzes. Die Reform der Arbeitslosenversicherung sei unbedingt notwendig. Zu einer Entschließung wird von der Zentrumsfraktion des Reichstages gefordert, alle Kräfte einzusetzen, daß unver­züglich noch vor der Ernte alle geeigneten Maß­nahmen ergriffen werden, um die Existenzgefährdung der Landwirtschaft in letzter Stunde abzuwenden. Besondere Hilfe wird für die bedrängten Bauern in den Grenz- landen verlangt.

Der landwirtschastliche

Einheiisverband marschiert.

Die Satzungen fertiggestellt.

Die von den Organisationen des ländlichen Ge­nossenschaftswesens zusammengesetzte Einigungs­kommission trat in Berlin erneut zusammen. Der Entwurf der Satzungen des genossenschaftlichen Ein­heitsverbandes wurde endgültig sertiggestellt. Es wurde weiterhin Übereinstimmung dahin erzielt, daß die R a t i o n a l i s i e r u n g s m a ß n a h m e n im Mit­tel- und Unterbau des ländlichen Genossenschaftswesens unabhängig von dem jeweiligen Stand der Verhand­lungen über die Konstituierung des Einheitsverbandes fortgesetzt werden.

In der Frage der Besetzung d e r Ä mt e r wurde vom Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft ein Vermittlungsvorschlag unterbreitet. Der Reichs- verband der deutschen landwirtschaftlichen Genossen­schaften und der Genossenschaftsverband des Reichsland­bundes behielten ihre endgültige Erklärung bis zur er­neuten Stellungnahme ihrer Verwaltungsorgane vor. Die übrigen Organisationen stimmten dem Ver­mittlungsvorschlag zu.

Fünfzehn Täte bei einem BÄNnngkück.

Zwei Tote b u ch st ä b l i ch enthauptet.

Beim Bau eines Eisenbahntunnels in der Nähe von Jgague in Columbien wurden infolge eines Einsturzes fünfzehn Personen getötet und fünfzehn ver­letzt. Unter den Toten befinden sich zwei italienische Ingenieure und zwei polnische Arbeiter; diese testieren wurden buchstäblich enthauptet.

Berlin. Im Laufe des Tages kursierten Gerüchte, daß der Reichspräsident, der sich bekanntlich zurzeit in Ostpreußen be­findet, daß Opfer eines Unfalles geworden sei. Von anderer Seite wurde behauptet, er sei erkrankt. Aus Grund direkter Erkundigungen kann demgegenüber amtlich festgestelli werden, daß der Herr Reichspräsident sich der b e st e n Gesundheit erfreut. _ i