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HersfelöerTageblatt

hersfeSZer KreLsblatt

Mmtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfelü

mit dea Beilagen: Illustriertes Auterhaltungsblalt / Nach UekerabenS / Aerd uuS Scholle / Aulerhsttuug usv Willen

________ Belehrung »ab Kurzweil / Wirtschaftliche Tagesfrageu. ____

Nr. 138 (Erstes Statt) (Sonnabend den 15. Juni 1029 79. Jahrgang

Das politische Barometer.

Von der Hand in den Mund. — Muttersprache, Mutter­laut. — Verbrüderungsphrasen.

Wenn auch das Barometer im allgemeinen auf Schön- wetter stand — das politische Barometer zeigte eine andere Kurve. „Unbestimmt", ja „Regen und Sturm" herrschten vor und das finanzpolitische Barometer gar stand unter dem Einfluß einer tiefen Depression. Mehr als unerfreulich war der Ausgang, den die Auflegung der Reichsanlethe genommen hat, und das Märchen von dem Fuchs mit den sauren Trauben kommt in den Sinn, wenn der Reichs­finanzminister erklärt, er sei mit dem Resultat zufrieden, weil ihm jetzt wenigstens die Mittel zur Verfügung stünden, die von den Bankett der Reichskasse gepumpten Übergangskredite von 120 Millionen zurückzuzahlen. So wird denn vorläufig der Reichssäckelmeister weiter von der Hand in den Mund leben müssen und obendrein noch von der Sorge bedrückt sein, ob die Einnahmen des Reiches im laufenden Jahre wirklich die Ausgaben decken werden. Ob der Reichshaushalt, der im Reichstag jetzt durch­beraten wird, wirklich balanciert, so wie es die Spar- kommission der Regierungsparteien ausgerechnet hat? Bisher ist auch deren Beschluß mit auffallender, aber eiserner Konsequenz durchgeführt worden, über die im umgeänderten Etat festgelegten Ausgaben hinaus neue nicht zu bewilligen. Die Sünden früherer, allzu großer Be­willigungsfreudigkeit haben sich bereits bitter gerächt. Und vergeblich klopft man an das Finanzbarometer, ob nicht doch der Zeiger allmählich aus „Schönwetter" empor- klettert. Auf längere Zeit sind vielmehr diese Wetteraus- sichten überaus trübe und vor kurzem hat einer der maß­gebenden politischen Propheten sogar das Herannahen eines „Tiefs", nämlich einer Steuererhöhung, an­gekündigt.

Auch in Madrid stand nur das wirkliche Barometer auf hellen Sonnenschein, während das politische unverrückt aus „Veränderlich" stand. Und übler Regen, vereint mit der Kälte der Abneigung und dem Sturm schlecht gespielter Entrüstung, allerhand Hoffnungen auf eine dem wirklichen Geist der Völkerbundratssitzung entsprechende Regelung der MinderhMektMte rasch ersrierew -^llew Es juiD in Madrid ein paar große Schritte auf dem Wege gemacht worden, die mit dem Blut der Abstammung, mit der „Muttersprache, Mutterlaut" gegebenen natürlichen Rechte nationaler Minderheiten dem übertrieben nationalen Staatswillen zur Aufsaugung dieser Andersstämmigen zu opfern. Der deutsche Außenminister hat nicht einmal er­reichen können, daß bei der künftigen Behandlung von Fragen und Klagen der Minderheiten vor dem Völkerbund jener Staat — also hauptsächlich Deutschland — Mit­wirken darf, dessen Volksgenossen jenseits der Grenzen sich wegen der ihnen zugefügten Behandlung an den Völker­bund wenden. „Diese ekelhafte Flotte" hat man vor ein paar Jahrzehnten einmal in bestimmten deutschen Kreisen gesagt, als die Schaffung einer Wehrmacht auch zur See energisch propagiert wurde; entsprechend fühlt und — handelt man beim Völkerbund hinsichtlich der Minder­heiten, und das „berühmte" Selbstbestimmungsrecht der Völker, das z, B. für anderthalb Millionen Litauer einen eigenen Staat schuf, gilt für die uns entrissenen acht Mil­lionen deutscher Volksgenossen weniger denn je.

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Nur an manchen Stellen stand das politische Baro­meter auf „Schönes" oder vielmehr „Festliches Wetter". Zum erstenmal ist mit König F u a d das Haupt eines Landes, das im Weltkriege zur Front unserer Gegner gehörte, nach Deutschland gekommen, und das ist in Berlin natürlich auch ganz gehörig gefeiert worden. Nicht mit dem Pomp, mit dem vor einem Jahre auf seiner Europareise der jetzige König a. D. Aman Ullah umgeben wurde und sich selbst umgab. Dem hat es wenig genutzt, daß er auch in London aufs prunkvollste gefeiert wurde; das hat ihm sowenig geholfen, daß dieselben Eng­länder dabei mithalfen, ihn vom Thron der Väter Hin- unterzustoßen. Machtinteressen entschieden auch hier wie überall trotz tönender Völkerbundstatuten und noch lauterer Verbrüderungsphrasen, die von den stechenden Sonnenstrahlen der Wirklichkeit rasch versengt zu werden pflegen. *

Und da gibt es immer noch deutsche Dichter, die er­klären: „Der Mensch ist gut!" Die Sensationsprozesse des Tages deuten eher auf das Gegenteil hm, gleichgültig, ob es sich dabei um die sogenannte Liebe, um das noch liebere Geld oder um den Milieuausschnitt mit dem Knaben­mord im Hintergründe handelt, Und wenn es in die Politik hineingeht, dann sprechen überhaupt nur nackte, rücksichtslos sich durchsetzende Interessen der Volker und der Menschen. Und seit Kain den Abel erschlug sind die Menschen höchstens anders, aber wirklich nicht besser geworden. Dr. Pr.

Opposition und Subvention.

Poincare an den Straßburger Theaterdirektor.

Bisher war dem Stadttheater von Straßburg wegen seines Jahresdefizits, das sich auf zwei Millionen belief, die staatliche Steuer erlassen. Der neue kom­munistische Bürgermeister Huber hatte bei der fran­zösischen Regierung brieflich diese Vergünstigung auch für die neue Spielzeit beantragt. Ministerpräsident Poincars hat dies abaelebnt und in seinem Antwortschreicheu M

Serttag zwischen Preußen nnd dein Won

Kirchenvertrag.

Der preußische

Was von Braun und Pacelli unterzeichnet wurde.

Der Staatsvertrag zwischen dem Freistaat Preußen und der römischen Kurie ist vom preußischen Ministerpräsi­denten Dr. Braun und dem päpstlichen Nuntius Pacelli unterzeichnet worden. Der Ministerpräsident dankte nach der Unterzeichnung des Vertrages dem apostolischen Nuntius und seinen Mitarbeitern für die große Mühe­waltung, die sie dem Vertragswerk gewidmet haben, und sprach auch den Herren aus der preußischen Seite seinen Dank aus. Er sprach die Hoffnung aus, daß das Parla­ment den Vertrag genehmigen werde und daß damit der Grundstein zu dauernden friedlichen Beziehungen zwischen dem Preußischen Staat und der Kirche gelegt sei. Der apostolische Nuntius dankte dem Ministerpräsidenten und erklärte, daß das Parlament, wenn es diesen Vertrag genehmige, eine historische Tat vollziehe, mit der dauernd der kirchliche Friede gesichert sei.

Der Vertrag besteht aus 14 Artikeln und einem Schlußprotokoll. Art. 1 besagt, daß der Preußische Staat der Freiheit des Bekenntnisses und der Ausübung der katholischen Religion den gesetzlichen Schutz gewährt. Auf Grund des neuen Vertrages erhält Preußen drei Erz­bistümer, während bisher nur eines bestand. Zu dem bestehenden Erzbistum in Köln wird das Fürstbistüm Breslau in ein Erzbistum verwandelt und darüber hinaus wird das neue Erzbistum Paderborn geschaffen.

Was die Dotationen betrifft, die Preußen der katholischen Kirche zu leisten hat, so sind sie gegenüber früher um eine Million Mark erhöht worden. Die neue Dotation beträgt 2,8 Millionen Mark. Die evangelische Kirche erhält 5,3 Millionen Mark jährlich an Dotationen. Darüber hinaus zahl der Preußische Staat anPfarrer­be s o l d u n g e n für die katholische Kirche 21 Millionen Mark jährlich und an solche für die evangelische Zjxchr 50 Millionen Mark jährlich. Die Pfarrerbcsoldnng ist jedoch im Konkordat nicht enthalten, unterliegt also der Gesetzes­regelung durch Preußen, ebenso ist auch die Frage der Orden sowie die der Minderheiten in das Konkordat nicht hineingenommen worden.

Schließlich wird auch Berlin ein Bistum erhalten, weil hier gegenwärtig ungefähr eine halbe Million Katho­liken wohnt.

Weiter sind in dem Vertrag Vorschriften über die Vorbildung der Geistlichen niedergelegt. Eine wichtige Bestimmung des neuen Vertrages betrifft auch die Bischosswahl. Die bisher übliche Wahl durch das Kapitel und nachfolgende Ernennung durch den Heiligen Stuhl ist ein altes deutsches Partikularkirchenrecht, während in der übrigen Welt der Heilige Stuhl allein die Ernennung vollzieht. Auch die Reichsverfassung bestimmt, daß die Geistlichen durch die kirchlichen Behörden selbst eingesetzt werden. Die diesbezügliche Neuregelung für Preußen ist ein Kompromiß, dahingehend, daß 1. das Kapitel, 2. die Bischöfe je eine Liste aufstellen und 3. der Heilige Stuhl

den kommunistischen Bürgermeister erklärt: „Sie stundet den Wahlen mit einem kommunistischen Programm und in voller Übereinstimmung mit den Antono- misten aufgetreten. Sie können sich also nicht ohne ernste Nachteile an die französische Verwaltung wenden, um zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Fuhren Sie loyal das Experiment aus, das Ste Ihren Wählern versprochen haben. Versuchen Sie, ihnen zu zeigen, daß Sie die Regierung der Republik und Frankreich selbst g a r n i ch t b r a u ch e n. Die Wähler werden Sie nach Ihrem Werk beurteilen; Sie würden sie täuschen, wenn Sie jetzt auf einmal Ihre Opposition gegenüber dem Französischen Staat aufgeben wurden, um Vergünsti­gungen zu erhalten, die zu dem im Widerspruch stehen, was Sie bisher gesagt haben."

Die Liqmdationen deutschen Eigentums in Polen.

Tausend Fälle polnischer Willkür.

Der Völkerbundrat hatte in seiner vorletzten Sitzung noch einmal eine ziemlich umfangreiche Tagesordnung zu behandeln. Den wichtigsten Punkt bildete der deutsche Antrag auf Erörterung der L i q u i d a t i o n v o n e t w a 50 000 Hektar deutschen Grundbesitzes in Polen. Es handelt sich dabei um etwa tausend F ä l l e, in denen deutschen Eigentümern die Verleihung der polnischen Staatsangehörigkeit verweigert und mit der Verweigerung die Liquidierung ihres Grundbesitzes begründet wird. Nach eingehender Begründung des deutschen Standpunktes durch Relchsmmister Dr. Strefemann wurde die weitere Beratung auf die Schlußsitzung vertagt.

Einberufung des Preußischen Landtags.

Berlin. Der Preußische Landtag ist nunmehr endgültig zu seiner nächsten Plenarsitzuna für Dienstag, den 25. Juni, einberufen. Die umfangreiche Tagesordnung enthält nur kleinere Vorlagen. . . .. ... . ___

unter Würdigung dieser Listen eine Dreierliste aufstellt, aus der das Kapitel die Wahl vernimmt. Eine politische Klausel verlangt jedoch die Rückversicherung, daß Die Wahl der Staatsregierung auch genehm ist.

An zuständiger preußischer Stelle legt man Wert auf die Feststellung, daß der unterzeichnete Vertrag mit der Kurie kein „Konkordat", sondern ein Vertrag ist, da in den Begriff des Konkordats sämtliche möglichen Fragen zwischen Staat und Kirche gehören, ferner aber auch der Vertrag als solcher den Abmacbunaen viel näher in

kommen geeignet ist, die im Kirchengesetz vom 15. Oktober 1924 für die protestantische Kirche niedergelegt sind bzw. die etwa noch zu treffen wären. In dem Vertrag mit der katholischen Kirche, der mit dem Papst als dem Oberhaupt der Kirche (nicht mit dem Souverän des neugeschaffenen Kirchenstaates) geschlossen ist, sind nicht enthalten Ab­machungen über die Schule, über die Pfarrerbesoldung, über die Orden und über die Minderheiten.

Der Vertrag bedarf noch der Annahme durch die par­lamentarischen Körperschaften in Preußen und durch die Kurie in Rom.

Außerordentliche Generalsynode in Sicht.

Der Beschluß des Kirchensenats, sofort die Generalsynode einzuberufen, falls die preußische Staatsregierung dem Land­tag einseitig einen Staatsvertrag nur mit der katholischen Kirche vorlegen sollte, scheint schneller, als man vermutet hatte, verwirklicht zu werden. Die Mitglieder der General­synode haben von amtlicher Stelle eine Mitteilung erhalten, in der sie gebeten werden, sich für eine außerordentliche Tagung der Generalsynode bereit zu halten. Als Termin ist vorläufig der 22. Juni in Aussicht genommen. Von kirch­licher Seite wird hierzu bemerkt: Diese ernsthaften Vor­bereitungen für den Zusammentritt der obersteil gesetzgeben­den Körperschaft zeigen deutlicher als alle Kundgebungen, für wie ernst man aus protestantischer Seite die Lage hält.

Kriegsgefahr im Fernen Osten.

Einfall der Russen in die Mongolei?

Wie aus Peking berichtet wird, hat Rußland den ersten direkten Kriegsakt gegen China unternommen als Folge der kürzlichen chinesischen Heraus­forderungen in der Mandschurei, wo der Kamps um den Besitz der chinesischen Ostbahn geht. Sowjettruppen haben bereits die sibirische Grenze überschritten. Der Diktator der Mandschurei, Tschanghsüliang, hat einen dringenden Appell nach Nanking gesandt, in dem er Maß- nahmen zum Schutze seines Gebiets fordert. Die Regie­rung in Nanking erhielt auch Telegramme von chinesischen Konsuln in Rußland, wonach die chinesischen Konsulate von russischen Truppen umstellt sind.

Sollte die Mandschurei selbst angegriffen werden, so kann dies ein Eingreifen Japans zum Schutz seiner ausgedehnten Wirtschaftsinteressen in dieser Provinz zur Folge haben. Wenn es wirklich zu Feindseligkeiten kommt, so kann dadurch die gesamte internationale Lage im Fernen Osten in die ungewisse und gefährliche Lage zurück­geworfen werden, aus der sie herausgekommen zu sein schien.

Zwei schwere EMlosionskatasirophen.

Explosion im Trockendock von Brooklyn.

Im Trockendock von Brooklyn sind durch eine Ex­plosion drei Personen getötet, zwei schwer und fünf leichter verletzt worden. Die Explosion erfolgte beim Abkratzen eines Petrolcumdampfers und dürfte durch; eine schadhafte Preßluftleitung verursacht worden sein.,

Explosion in einer Zelluloidsabrik. ;

In der Zelluloidfabrik Gottesmann in Vösendorf bei Wien entstand durch eine in Brand geratene Filmrolle eine Explosion. Ein Arbeiter und eine Ar­beiterin wurden getötet. Die übrigen Arbeiter konnten sich retten.