HersfelöerTageblatt
Hersfelöer Kreisblatt
Mmtticher Anzeiger für den kreis Hersfelö mit bea Beilagen: AllastrierteS Anterhaltungsblatt / Nach Keiekabevö / Herb und Scholle / AlrtrrbaUllag saß Wissen Belebmag naö Kurzweil / Wiksschattlicke Usgesfrageu.
Nr. 135
Mittwoch, den 12. Juni 1929
79. ssabraaaa
Seiitslh-Wtislhe Besichtigungsfahrten König Juads. An den Stätten deutschen Gewerbefleißes.
Bei dem Festessen, das der Reichspräsident anläßlich des Empfangs von König F u a d von Ägypten gab, wechselten Gastgeber und Gast Trinksprüche, in denen in herzlichen Worten die Beziehungen zwischen Deutschland und Ägypten gefeiert wurden.
Insbesondere drückte der König seinen Dank aus für die Bemühungen, diedeutscheGelehrte ständig dem Studium und der Erforschung der mehrere Jahrtausende alten Geheimnisse der ägyptischen Kultur gewidmet haben. Der im Wiederausschwung begriffene deutsche Handel habe zu der geistigen Verbindung zwischen Ägypten und Deutschland ein willkommenes wirtschaftliches Band hinzugefügt.
König Fuad im Tempelhofer Flughafen.
König Fuad besichtigte Dienstag vormittag die Anlagen des Tempelhofer Flughafens. Zur Begrüßung hatten sich u. a. Reichsverkehrsminister Steger- Wald sowie Staatssekretär Gutbrod und der Dirigent der Luftfahrtabteilung im Reichsverkehrsministerium, Mini- sterialrat Brandenburg, eingefunden. Nach einer kurzen Begrüßung fand eine Führung durch die Anlagen des Flughafens statt. Der König wurde sowohl bei seiner An- wie bei seiner Abfahrt vom Publikum lebhaft begrüßt.
Frühstück beim Reichstagspräfidenten.
Am Mittag folgte König Fuad einer Einladung des Reichstagspräsidenten L ö b e zu einem Frühstück. An dem Frühstück nahmen teil u. a. Mitglieder der verschiedenen Reichstagsfraktionen und die Reichsminister Curtius, Severing, Stegerwald und Wirth.
Am Nachmittag besichtigte der König in Anwesenheit -ioe-s^««^^ L.e-u gU4*,-M LÄM^
Gedenkhalle einen Kranz niederlegte. Ferner fand em Tee und ein
Empfang in der staatlichen Porzellanmanufaktur statt. Ein Vertreter des preußischen Handelsministeriums begrüßte den König und überreichte ihm einen kostbaren Blumenkorb, ein seltenes altes Stück mit reicher Malerei und Goldornamenten, nach einem Entwurf von Schinkel.
Kampf um die Minderheiten
Rededuell Siresemann-Vliaud.
Briand weicht aus. ____
Der Völkerbundrat beschäftigte sich in seiner Dienstagssitzung abermals mit der Lösung des Minderheiten- problems. Die Sitzung war im wesentlichen ausgefüllt mit einem Rededuell zwischen Briand und Dr. Stresemann. Während Briand für den Beschluß des Dreierausschusses eintrat, der dahin geht, daß der Völkerbund nur von Fall zu Fall sich mit Minderheitenfragen beschäftigen sollte, kämpfte Dr. Stresemann dafür, diese Frage noch nicht zum Abschluß zu bringen, sondern zunächst zu vertagen. Dr. Stresemann nahm Veranlassung, die Beschlüsse des Dreierkomitees einer starken Kritik zu unterziehen und darauf hinzuweisen, daß alle deutschen Anregungen trotz wiederholten Eingreifens des deutschen Vertreters unberücksichtigt geblieben sind. Er kam nochmals auf die deutschen Anregungen zurück, die in der Sicherung der Minderheiten durch den Völkerbundrat und Einsetzung eines eigenen Organs zur Beobachtung der Lage der Minderheiten sowie der Hinzuziehung der bisher ausgeschlossenen, mit den Beschwerdeführern stammverwandten Staaten zu dem Dreierkomitee gipfeln. Unterstützt wurde Dr. Stresemann in der Ratssitzung lediglich durch den Vertreter Kanadas, so daß er den anderen Mächtevertretern gegenüber einen außerordentlich schweren
Stand hat.
Großes Aufsehen hat es in politischen Kreisen erregt, daß eine für Montag abend angesetzt gewesene Aussprache zwischen Briand und Stresemann plötzlich von dem französischen Außenminister abgesagt wurd^ mit der Begründung, daß er infolge für einen Besuch bei <—,-------- ,
Kreisen wird darauf hingewiesen, daß btefe Absage aber aus anderen Gründen erfolgt ist. Briand soll nämlich versuchen, einer Unterredung mit Stresemann so lange wie ..möglich auszuweichen, denn in dieser Unterredung 8 sollen im Anschluß an die Pariser Sachverständigenkonfe- grenz wichtige internationale Fragen erörtert werden.
Schon vorher hat Briand durch das offiziöse fran- / zösische Havasbureau für feine Zurückhaltung Vorarbeiten ' lassen. Denn in einer Havasdepesche war behauptet wor- ' " " ' spanischen Hauptstadt die Besprechung der Politik, die mit dem Völkerbund nicht un-
,e anderer Verpflichtungen keine Zeit
Stresemann habe. In unterrichteten
den, daß in der 1 internationalen*^-....-, ... .. -------
mittelbar zusammenhänge, unmöglich wäre, weil der englische Außenminister fehle. Briand soll zwar bereit fein,
Vertmdeiiheit
Der Fackelzug zu Ehren König Fuads vor dem Palais des Reichspräsidenten.
Den Tag beschloß ein
Diner des Reichskanzlers, an dem auch der Reichspräsident teilnahm.
Keine Ordensverleihungen.
Wie verlautet, haben sich die beteiligten Stellen des Deutschen Reiches und des ägyptischen Königshofes bereits vor der Ankunft König Fuads in Berlin dahin verständigt, daß aus Anlaß des Berliner Staatsbesuches Fuad keine Auszeichnungen vornehmen, also keinerlei Ordensverleihungen erfolgen sollen. Maßgebend für diese Verständigung sind die Erörterungen gewesen, die sich gelegentlich des vorjährigen Königsbesuches aus Afghanistan ergeben haben.
Dr. Stresemann an den ägyptischen Außenminister.
> Madrid. Reichsminister Dr. Stresemann hat dem ägyptischen Außenminister Dr. Hafcz Afist Bey, der König Fuad auf seiner Reise durch Deutschland begleitet, telegraphisch sein Bedauern darüber ausgesprochen, während des Besuchs des Königs nicht in Berlin anwesend sein zu können. Er hat gleichzeitig den ägyptischen Außenminister gebeten, dem König zu seinem Aufenthalt in Deutschland, der in so glücklicher Weise die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und Ägypten zum Ausdruck bringe, die besten Wünsche zu übermitteln.
pcy uver den Zeitpunn und den Ort der kommenden großen politischen Konferenz mit Stresemann zu verständigen, indessen soll er es ablehnen, irgendwelche Bindungen bezüglich der Tagesordnung für diese Zusammenkunft einzu- gehen. Er will es vor allem vermeiden, dieFrageder Rheinland r ä u m u n g anzuschneiden, die Frankreich erst dann behandelt haben möchte, wenn die von den französischen Politikern immer wieder geforderten Kontrollwünsche im Rheinland auch nach der Räumung geregelt worden sind.
Besprechung zwischen Sr. Stresemann und Briand.
Die weitere Behandlung der Minderheitenfrage.
Die angekündigte Besprechung zwischen Reichsaußenminister Dr. Stresemann und dem französischen Außenminister Briand hat Dienstag nachmittag von 3 bis 6 Uhr am Sitz der französischen Delegation statt- gefunden. Die beiden Staatsmänner begabeii sich daraus im gleichen Kraftwagen zur Sitzung des Ratskomitees. Man will wissen, daß die Besprechung auch der weiteren Behandlung der Minderheitenfrage gegolten habe.
®fae Rede des Botschafters von Koesch.
Künstlerischer Austausch zwischen Deutschland und Frankreich.
Anläßlich der Eröffnung der Ausstellung moderner deutscher Graphik in der Pariser Rationalbibliothdk gab Botschafter von Hoesch ein Frühstück. Der Botschafter hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, in der er betonte, daß der künstlerische Austausch zwischen Deutschland und Frankreich auf dem besten Wege sei, sich immer breiter zu entwickeln, da in beiden Ländern immer mehr der Gedanke sich durchsetze, daß der Austausch auf geistigem, künstlerischem und wissenschaftlichem Gebiete nicht nur das beste Mittel sei, sich gegenseitig kennenzulernen und zu schätzen, sondern auch unentbehrlich sei für eine gedeihliche Fortentwicklung der Wissenschaften, der Künste und der Wirtschaft in beiden Ländern.
In seiner Antwort betonte Minister Marraud, daß er die Ausstellung deutscher Graphik in der National- bibliothek aufs wärmste begrüße. Von der Entwicklung des gegenseitigen Austausches auf künstlerischem, wissenschaftlichem und wirtschaftlichem Gebiet erhoffe er für die Förderung des gegenseitigen Verständnisses und die Befruchtung der beiderseitigen Kulturen beste Wirkung.
Moderne Frauenfragen.
Von Dorothee Goebeler.
Vom 17. bis zum 24. Juni tagt in Berlin der Kongreß des Weltbundes für Frauen- stimm recht und staatsbürgerliche Frauenarbeit. Nach fünfundzwanzig Jahren hält er wieder eine Sitzung in der deutschen Reichshauptstadt ab. Und wieder, wie 1904, werden von allen Seiten die Frauen herbeiströmen, ihn zu besuchen. So manche, die vor fünfundzwanzig Jahren als junge, blühende Frau voller „Hoffnungen und Entwürfe" neue Ideale, neue Pläne verfocht und vertrat, kommt heute, älter — aber spricht man bei Frauen vom Alter? — also sagen wir reifer geworden, wieder und steht, selbst eine andere, vor einem völlig andernFrauengeschlecht. Was in den ersten Anfängen nur Traum zu sein schien, was vielfach als Überspanntheit, als Utopie, wenn nicht verlacht, so doch belächelt wurde, es ist inzwischen Wirklichkeit geworden. Die Frau in der großen Masse, die damals noch sagte: „Ach, laßt mich mit Politik zufrieden!", der es höchst gleichgültig war, ob sie das Stimmrecht hatte oder nicht, die hat inzwischen nur zu bitter am eigenen Leibe erfahren müssen, wie sehr die Politik auch die Frau angeht; sie ist Staatsbürgerin geworden, und was das Stimmrecht bedeutet, macht ihr jede neue Wahl von neuem klar. Sehr viel bewußter ihrer Stellung im Staat und ihrer Pflichten in der Volksgemeinschaft ist die Frau heute als damals, die Frau im kleinsten Ort so gut wie die in der Weltstadt. Und so findet dieser neue Frauenkongreß auch in der gesamten Frauenwelt sein Echo.
Eine Versammlung aller geistig bedeutenden Frauen der Zeit wird es sein, die sich in Berlin zusammenfinden. Aus Deutschland senden Hamburg, Köln, Bochum, Leipzig, Dresden, Halle, Eisenach und noch viele andere Städte Vertreterinnen. Wir lesen neben Adele Schreiber- Krieger und Dorothee von Velsen, neben Klara Mende und Dr. Gertrud Bäumer die Namen Josephine Erkens, Dr. Ruth Weiland, Elfe Meyring, Anna von Gierke, Dr. Marie-Elisabeth Lüders und die noch vieler anderer bekannter Frauen. Aus Amerika, Holland, der Tschechoslowakei, aus Indien und aus Ägypten kommen kann, sie aße aufzähhen?.
Wichtigste Fragen werden in den Sitzungen der einzelnen Ausschüsse beraten. Miß Ruth Morgan aus New- York leitet den für Frieden und Völkerbund. Adele Schreiber-Krieger und Margarete Peters aus Halle beschäftigen sich in ihrem Ausschuß mit der Lage der unverheirateten Mutter und der ihres Kindes. In andern Abteilungen berat man die gleichen Arbeitsbedingungen für M ann und Frau, in einem weiteren die Familienzulagen, die der Staat den Kinderreichen geben soll, die gleiche Moral für Mann und Frau wird gefordert. Sittlichkeitsfragen werden im Ausschuß für weibliche Polizei beraien werden. Die Staatsangehörigkeit der Ehefrau wird einen weiteren beschäftigen. So tauchen tausend Fragen auf, die tief hineingreifen in das Leben der Frau, in das Leben der Völker aller Welt. Wer kann sich ihnen verschließen?
Als vor fünfundzwanzig Jahren der Frauenkongreß in Berlin tagte, waren noch kaum einmal die deutschen Frauen für die Notwendigkeit ihrer Erörterung durch Frauen gewonnen, heute kommen sogar die Frauen des Orients, um bei ihrer Beratung mitzuhelfen oder doch wenigstens dabei zu sein. In der Türkei, in Indien, in Ägypten, überall sind die Frauen erwacht und wollen heraus aus den Schleiern, die nicht nur ihr Gesicht, die auch ihre Seele verhüllen und sie abschließen vom Geschehen und Erleben der Welt.
Aber nicht nur die Frauen kommen, auch die Jugend ist lebendig und geschäftig und hat ihre Gruppen zusammengerufen, um an der Tagung teilzunehmen. Die Töchter stehen heute neben den Müttern und kümmern sich um das Geschick der Welt. Es geht dabei um ihre eigene Zukunft, das wissen sie alle. Sie stehen nicht mehr daneben als „junge Mädchen", die sich um die tieferen Seiten des Lebens nicht zu kümmern haben, deren Dasein ausgefüllt ist mit Tanz und Spiel, sie wissen auch schon, um was es geht und daß es um Letztes und Höchstes um ihr eignes Letztes und Höchstes, geht.
Diese Frauenwoche in Berlin wird der Welt zeigen, was die Frau für die Entwicklung der Völker bedeutet und daß diese ohne sie und ihr Mitwirken heute überhaupt nicht mehr zu denken ist.
Graf Julius Andraffy gestorben.
, Andrassh war ein Sohn des hervorragenden ungarrschen Staatsmannes Julius (Gyula) Andraffy. der in: Oktober 1879 mit Bismarck das Deutsch-Österreichische
Der wtzt verstorbene Graf, der ein Alter von 69 Jahren erreicht hat, stand seit mehr als vier ^caemen in der ungarischen Politik an führender Stelle.
Der schwierige Ozeanflug.
^^Reykiavik sJsland). Das schwedische Ozeanflugzeug „Sverlge, das von hier bereits abgeflogen war, ist wieder nach hier zurückgelehrt.