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HersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfelö mit den Stellagen: Allusteiertrs Aalerhaltaagsblatt / Stadt Feierabend / Herd and Scholle / Anierbalkuag naß WWo Belehrung und Kurzweil / Wirtschaftliche Taaestragen.

Nr. 132 (erste Mch

Sonnabend, den S. Juni 1929 79. Lehrgang

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Ende gut, alles gut?

Eine schwere Gewissensenffcheidung. — Weltausstellungen.

Dieser Wochen und Monate Qual war groß — das wird wohl etwas die Empfindung sein, mit der Dr. Schacht den Pariser Frühlingsstaub von seinen Schuhen schütteln wird, sobald die Unterzeichnung der Youngschen Konven­tion ihm das Abschiednehmen von den Konferenzgenossen erlaubt. Und vielleicht wird sich seiner Brust ein Stoß­seufzer der Erleichterung entringen, wenn er erst die Hauptstadt der Französischen Republik in seinem Rücken liegen weiß. Diese Erleichterung würde dann aber un­gleich mehr der persönlichen Lage unseres Reichsbankpräsi­denten zu gelten haben als dem Abschluß des Werkes, mit dessen Inhalt nun sein Name auf Jahrzehnte hinaus ver­bunden bleiben wird. Von ihm hat Dr. Schacht selber ge­sagt, daß wir keinen Anlaß hätten, uns seiner zu freuen, und daß niemand den neuen Zahlungsplan für durchführ­bar halte. Wenn er sich trotzdem entschlossen hat, seine Unterschrift zu geben, so geschah dies lediglich mit Rück­sicht darauf, daß wir fortan in der Lage sein würden, aus eigenem Willen und ohne Aufsicht und Kontrolle an einer Gesundung unserer Finanzen weiterzuarbeiten. Be­scheidener kann man wohl nicht auf das Ergebnis so mühe­voller und zugleich so lebenswichtiger Arbeiten zurück- blicken, wie sie hier in Paris geleistet worden sind, und auch wer es beklagt hätte, wenn die Sachverständigen schließlich mit dem offenen Eingeständnis ihrer Uneinig­keit auseinandergegangen wären, der wird gewiß weit da­von entfernt sein, über die trotz allem erzielte Einstimmig­keit dieser Vorschläge an die Regierungen so etwas wie Freude oder gar Genugtuung zu empfinden. Denn die Zahlungen, zu denen wir uns nun freiwillig verpflichten sollen, übersteigen ganz unzweifelhaft die Leistungsfähig­keit der deutschen Wirtschaft, obwohl sie im Augenblick und auch für die nächsten Jahre um etliche hundert Millionen hinter den Ziffern des Dawes-Planes zurückbleiben. Wenn wir sie, wie schon die bisher an die Gläubiger entrichteten Milliarden, nur mit Hilfe von Ausländsanleihen bereit­stellen können, statt von Überschüssen unseres Ausfuhr­handels, so wird die Aussicht auf ein rapides Ansteigen unserer Schulden- unb Zinsiml^-i ae»M vMmano HM« stimmen. Mso ablehnen, wie es die Rechtsparteien wollen, oder annehmen, im Vertrauen auf die Entwicklungsfähig­keit unserer Wirtschaft, auf den Fleiß und die Tüchtigkeit unserer werbenden Berufsstände, wie es von denjenigen befürwortet wird, die den demonstrativen Rücktritt Dr. Vöglers von seinem Amt als zweiter Sachverständiger des Deutschen Reiches nicht zu billigen vermochten? Eine schwere Gewissensentscheidung in der Tat. Die Franzosen und Belgier werden sich ihre Stellungnahme ungleich weniger zu überlegen brauchen.

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Sollte etwa der Starrsinn der Belgier, an dem der Einheitsbericht der Sachverständigen im letzten Augenblick noch gescheitert wäre, die Antwort sein auf die Mitteilung der deutschen Regierung, daß sie an der geplanten Welt­ausstellung in Brüssel teilzunehmen nicht in der Lage sei, weil ihr hinreichende Mittel für solche Zwecke nicht mehr zur Verfügung stünden? Man soll allerdings Zusammen­hänge nicht vermuten, wo andere Erklärungen nahe oder vielleicht sogar näher liegen. Aber daß eine sozusagen vor den Toren Deutschlands zu veranstaltende Schaustellung dieser Art nahezu eine Lächerlichkeit zu werden droht, wenn unsere Industrie, unser Handel, unsere Kunst und unsere Verkehrsleistungen sich von ihr fernhalten, das wird den. Belgiern sehr wohl keinen Augenblick zweifelhaft sein, und sie werden sich über unsere Absage um so mehr geärgert haben, als alle Nachrichten über die kürzlich er­öffnete deutsche Abteilung der Weltausstellung in Barcelona das dort gebotene Teilbild unserer Leistungen gar nicht hoch genug zu rühmen wissen. Aber man wird sich erinnern, daß auch diese Beteiligung schon nicht mehr in dem Umfang durchgeführt werden konnte, in dem sie ursprünglich geplant war, daß hier vielmehr der Reichstag einen dicken Strich durch die Rechnungen machte, die das Reichswirtschaftsministerium für diesen Zweck in Aussicht genommen hatte. Belgien legt mehr Wert darauf, von Deutschland noch rasch ein paar hundert Millionen extra zu erhalten, als auf baldige Wiederherstellung besserer freundnachbarlicher Beziehungen; von Eupen-Malmedy will es nicht zu reden erlauben, obgleich dessen Bevölke­rung soeben vor der ganzen Welt ein deutliches Zeugnis für ihre deutsche Gesinnung abgelegt hat. Und seinen Rückhalt an Frankreich will es um keinen Preis aufgeben, als wenn es überhaupt keine Verträge von Genf und von Locarno gäbe. So wird und muß der neue Friedensbau, den geschaffen zu haben die Pariser Sachverständigen­konferenz sich als unvergängliches Verdlenft anrechnen mag, Stückwerk bleiben und man wird ihr nicht als Lohn für ihre Bemühungen den Segen mit auf den Nachhause­weg geben können, daß Ende gut alles gut fet. Die Börse allenfalls darf für heute und morgen etwas zuversicht­lichere Kurse notieren, aber niemand werd zu behaupten wagen, daß dieser Glücksrausch andauern werde.

1 Telegramm des Papstes an den König von Hallen.

Rom. Nach dem Austausch der Ratifikationsurkunden zum Lateranvertrag zwischen Mussolini und dem Kardinal- staatssekretär Gafparri wurde als erstes durch das neue vati­kanische Telegraphenamt befördertes Telegramm eine Depesche des Papstes an den König von Italien gesandt, in der der Heilige Vater dem König, der Königm, der königlichen Familie, Italien und der ganzen Welt den apostolischen Segen erteilt. _____________

WrMiiW des öilhUkWMimchts

Sie der Asung-Man mierzeichnet wurde.

Nicht ohne störenden Zwischen fall.

Der Bericht der Reparationssachverständigen in Paris wurde nach einer kurzen Ansprache des Vorsitzenden, O w e n U o » n g , in der er mit wenigen Worten den Sachverständigen für ihre mühevolle Arbeit dankte, und nach einer kurzen Rede des Gouverneurs der Bank vor Frankreich, M o r r e a u, unterzeichnet. Der e n g l i s ch < Text erhält als erster die Unterschrift Belgiens, bei französische die Unterschrift Dr. Schachts und Go Heimrats K a st l. Der erste Vertreter Belgiens, Francgui der mit dem Zuge um 6 Uhr Paris verlassen hatte, hatte seine Unterschrift bereits vorher abgegeben. Dr. Schacht unterzeichnete genau um 5.51 Uhr.

Nach der Unterzeichnung ergriff noch einmal Sir Owen Doung in öffentlicher Sitzung das Wort. „D c r Bericht ist unterzeichnet," führte der Vorsitzende aus, wir dürfen uns beglückwünschen zu der glückliche« Beendigung unserer Arbeiten. Wir nehmen an, daß ei das beste Urteil zum Ausdruck bringt über die Frage. di< wir zu regeln hatten. Zum Schluß richtete der Vor­sitzende an den Ausschuß die Frage, ob noch irgend jemand E i n w ä n d e zu erheben habe. Da dies nicht der Fall war, erklärte er um 6.10 Uhr die Konferenz für geschlossen. j

Zwischenfall bei der Unterzeichnung.

Während der Aussprache über die Frage ob ber Be-

MemWmg vnd ZniMchung.

Der Eindruck des Minderheitenberichts des Völkerbundrates.

In der VölkerbundraWitzüng in Madrid legteMaass^ sekretär ».Schubert den Standpunkt der deutschen Dele­gation zu dem Bericht der Kommission in der Frage der Minderheiten dar. Er ließ keinen Zweifel darüber, daß der Bericht für die deutsche Regierung eine Überraschung darstelle und in den wesentlichen Teilen eine tiefgehende Enttäuschung ausgelöst habe, dies vor allem aus dem Grunde, weil der Bericht vom Anfang bis zum Ende von einer negativen Ein­stellung zum Minderheitenproblem getragen sei. Die Garantiepflicht des Völkerbundes solle sich nach Ansicht der Mitglieder des Dreierkomitees darin erschöpfen, daß der Völkerbund in Aktion trete, wenn ein Ratsmitglied eine bestimmteBeschwerde eingebracht hat. Diese Auffassung wies der deutsche Vertreter als im Gegensatz stehend mit dem Wortlaut und dem Geist der Verträge selbst, des offiziellen Begleitbriefes Clemenceaus und der offiziellen Erklärung im Völkerbundrat bei Übernahme der Garantie mit allem Nachdruck zurück.

Er erklärte, daß Deutschland an der von Dr. Strese- mann auf der dritten Tagung dargelegten Auffassung festhalte, daß dem Völkerbund die Pflicht obliege, von sich aus sich dauernd davon zu über­zeugen, das? die vertraglichen Bestimmungen von den Staaten eingehalten werden. Er unterstrich die deutsche Auffassung, das? die allgemeine Garantiepflicht notwen­digerweise zur Einrichtung einer ständigenMinder- Heitenkommission führen müsse.

Die Stellungnahme zu einzelnen Fragen behrelt sich der deutsche Vertreter vor, brächte aber zum Schluß seine Auf­fassung zum Ausdruck, daß der vorliegende Bericht keine geeignete Diskussionsgrundlage darstelle. Er regte an, daß das Ratskomitee einen neuen Berrchi aufstellen möge. Die Aussprache wurde ohne Ergebnis abgeschlossen und auf Sonnabend vertagt.

Mehrheit für Panzerkreuzer A.

Der Marinehaushalt vom Haushalts- ausschuß angenommen.

Der Haushaltsausschuß des Reichstages nahm den gesamten Marinehaushalt ohne Änderung an. Der An­trag der Kommunisten auf Streichung der zweiten Rate des Panzerkreuzers wurde mit 15 gegen 13 Stimmen abgelehnt.

Reichswehrminister Dr. G r ö n e r erklärte, daß er sich Vorbehalte, im Plenum auf die grundsätzliche Frage der Notwendigkeit einer Marine und auf die Gesamtheit aller Wehrprogramme zurückzukommen. Alle diese Erörte­rungen seien aber letzten Endes rein theoretischer Natur, solange wir unter den militärischen Fesseln des Versailler Vertrages stünden. Die Erhaltung der Marine im Rah­men dieses Vertrages sei eine unbedingte Notwendigkeit. Dazu gehöre in allererster Linie der Ersatz des ver­alteten Schifssmaterials, den er nach Maßgabe der finanziellen Lage durchzuführen suchen werde. Der Minister wies weiter auf die besonders gründliche Aus­bildung hin, die für die Marine notwendig fei an­gesichts der hohen Anforderungen, die an die Marine gestellt würden. Die Auslandsreisen bezeichnete der Minister als notwendig. Ein nennenswertes Mehr an Geldmitteln sei dafür nicht erforderlich.

Der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. Räder.

ricy-r m englischer, franzomcyer uno beutfctKt Sprache-

unterzelchnet werden soll, ereignete sich ein über­raschender Zwischenfall. Durch einen Schein­werfer geriet ein Vorhang in Brand. Der Saal fühlte sich mit Raltch und eine der großen Spiegelscheiben platzte infolge der Hitze von oben bis unten. Einem geistes­gegenwärtigen Sachverständigen gelang es, den Vorhang herunterMreißen und das Feuer mit einem Löfchapparat z« löschen. Die Sitzung mußte für kurze Zeit unterbrochen werden.

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Glückwunsch der Reichsregierung an Dr. Schacht.

Namens der Reichsregierung richtete der Reichs­kanzler nachstehendes Schreiben an Reichsbankpriisident Dr. Schacht: „Sehr verehrter Herr Reichsbankprasidentl Es ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis. Ihnen, sehr ver­ehrter Herr Reichsbankpräsident, Herrn Ka st l und Herrn Melchior, namens der Reichsreyierung für ihre auf­opfernde Arbeit im Interesse der endgültige« Liquidierung des Krieges und seiner Folge« unseren besten Dank auszusprechen. Ihre vom höchsten Verantwortungsgefühl gegenüber dem deutschen Volke getragenen Bemühungen mögen uns helfen, die poUt schrn Ziele zu erreichen, die neben der Verwirklichung der in Paris gefundenen Lösung erst eine wahre und dauernde Befriedung Europas gewährleisten. MU b^m Ausdruck meiner besonderen Wertschätzung Ihr sehr ergebe»«« gez. Müller."

erklärte, daß Die 15 000 Mann, die der Versailler Vertrag zulasse, zur Besetzung der Schiffe nicht ausreichen. Des­halb versuche man durch *eue Einrichtungen Mann­schaften zu sparen. ^^

j Aegyptens König in Deutschland.

Vorbereitungen für den Empfang.

Für den Empfang des Königs Fuad von Ägypten, der am 10. Juni in Berlin eintrifft, sind in der Reichshaupt­stadt bereits alle Vorbereitungen getroffen worden.

Die Reichsregierung stellt dem König einen aus mehreren Salon-, Speise- und Schlafwagen bestehenden Sonderzug, der den König und sein Gefolge bereits iu Genua aufnimmt, zur Verfügung. An der deutschen Grenze bei Singen erfolgt am Sonntag nachmittag die erste Begrüßung auf deutschem Boden durch das deutsche Ehrengeleit, das aus einem Generalmajor, einem Oberstleutnant und zwei Herren des Auswärtigen Amtes besteht. Montag früh trifft der Sonderzug auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin ein.

Reichspräsident v. Hindenburg wird in Begleitung des Reichskabinetts, der Spitzen der preußischen Behörden, der Stadt Berlin und der Vertreter der Berliner ägyptischen Kolonie den König begrüßen. Vor dem Bahnhof nehmen eine Ehrenkompagnie der Wachtruppe sowie eine Schwadron des Reiterregiments 4 Aufstellung, während

Der Speisesaal im Prinz-Albrecht-Palais, in dem König Fuad Wohnung nehmen wird.

vom Kronprinzenufer aus eine Batterie des Artillerieregiments Nr. 3 Salut feuert. Nach dem Abschreiten der Ehrenkompagnie geleitet der Reichspräsident den König zum Prinz - Albrecht- Palais. Die Einzugsstraße wird mit girlandenverzierum Fahnenmasten und Flaggen geschmückt.

Die Stadt Berlin

empfängt den König Fuad am 12. Juui. König Fuad wird an der Freitreppe vom Oberbürgermeister und den Spitzen der städtischen Behörden begrüßt und zunächst in den Stadt­verordnetensitzungssaal geleitet, wo die offiziellen Ansprachen erfolgen. Dann trägt sich der König in das Goldene Buch der Stadt Berlin ein. Im Anschluß hieran gibt die Stadt zu Ehren des Gastes ein Frühstück im Festsaal des Rathauses.

Funds Besuch in Hamburg.

Aus seiner Deutschlandreise wird der König Fuad am 17. d. Mls. in Hamburg eintreffen. Abends findet ihm 31 Ehren ein Bankett im Rathause statt. Am folgenden Tag erfolgt eine Hafenrundfahrt und die Besichtigung eines über seedampfers der Hamburg-Amerika-Linie. Dann reist de König nach Essen weiter.