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HersfelöerTageblatt

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StfiMMyX&X Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö

mit bea Beilagen: Illaskrierles Anterhaltungsblatt / Nach FelerabeaS / Aerd uaN Gcholle / Belebrang nud Karzwetl / Wirtschaftliche Taaestraaev.

Nr. 130

Donnerstag, den 6. Juni 1929

79. Jahrgang

Aufbruch in Paris.

Die Regelung der belgischen Markansprüche.

Ein Teil der Delegierten hatte schon seine Koffer gepackt, als kaum noch ein Zweifel war, daß es ^ einer Einigung auf der Pariser Konferenz kommen würde. Jetzt rüsten sich auch die anderen noch übriggebliebenen zur Abfahrt, da man auch das letzte Hindernis wenigstens aus dem Wege geräumt, wenn auch vorläufig noch nicht ganz aus der Welt geschafft hat. Es fehlen also in Paris selbst nur noch die offizielle Fertigstellung des Gesamt- Protokolls und die Unterschriften der Mitglieder dieser Sachverständigenkonferenz, die gar manches Mal zu scheitern drohte und auch gescheitert wäre, wenn die deutsche Delegation nicht immer durch weites Entgegen­kommen das auf einer Klippe festsitzende Schiff wieder flottgemacht hätte.

Ein solches Entgegenkommen bedeutet auch die Art, wie durch deutsches Zugreifen jenes letzte Hindernis weg­geräumt worden ist, nämlich die Frage der Markentschädi­gung an Belgien. Aus der ursprünglichen Ablehnung durch die deutsche Delegation wurde jetzt der Vorschlag, den vor einigen Tagen Dr. Schacht in einem Briese an den Präsidenten der Konferenz gemacht hat, worin jene Frage der Markentschädigung direkten Verhandlungen zwischen der Berliner und der Brüsseler Regierung über­lassen werden soll; diese Verhandlungen hätten sofort zu beginnen und müßten noch vor Inkrafttreten des Young- Planes abgeschlossen sein. Ferner wurde mitgeteilt, daß die deutsche Regierung für diesen Zweck bereits einen Sonderbevollmächtigten ernannt habe und daß man hoffe, die zurzeit bestehenden Mißverhältnisse" zu beseitigen. Diese Anregung ist nun angenommen worden und die Verhandlungen werden in Brüssel oder in Paris alsbald beginnen. Deutschland hat aber sein Entgegenkommen noch insofern fortgesetzt, als es den Belgiern die formelle Zusicherung gab, man werde deutscherseits keine Forde­rungen auf belgische Gegenzugeständnisse in territo­rialer Beziehung stellen. Das zielt ab auf die in letzter Zeit vielbesprochenen früheren Verhandlungen zwischen , Dr. Schacht und dem Belgier Francqui übrigens beide jetzt Delegierte auf der Pariser Konferenz wegen Lösung dieser Markentschädigungsfrage in einem für Belgien günstigen Sinne, aber freilich unter der Vor­bedingung, daß in dem Gebiete von E u p e n - M at­me d y, das uns durch den Versailler Vertrag auf Grund einerVolksabstimmung" merkwürdigster Art entrissen war, nun eine zweite, aber wirklich unabhängige Ab­stimmung der Bewohner darüber stattfinden sollte, ob sie zu Belgien oder wieder zurück zu Deutschland kommen wollen. Die letzten belgischen Wahlen haben bewiesen, daß sich dann sicherlich ein für Deutschland günstiges Resultat einer solchen Abstimmung ergeben hätte.

Die ungefähr sechs Milliarden Papiermark, die an­geblich nach Abzug der deutschen Truppen aus Belgien dort unter der Bevölkerung zurückgelassen sein sollen^und die später gänzlich kontrollos, sogar bis 1924, von der belgischen Regierung eingelöst wurden, sollten 1925 an­läßlich jener Verhandlungen und unter der Vorbedingung, daß die Abstimmung stattfinden würde, mit 240 Mil­lionen Mark von der deutschen Regierung eingelöst werden. Frankreich ist es gewesen, das in diese schon sehr weitgehenden Verhandlungen eingriff, die Säche ver­öffentlichte und damit zum Scheitern brächte. Was Bel­gien jetzt verlangt und worin es wieder von Frankreich aufs eifrigste unterstützt wird, ist eine Zahlung von jähr­lich 25 Millionen Mark bis 1966, also 37 Jahre hindurch, was einen augenblicklichen Kapitalswert von 400 Mil­lionen ausmachen würde, also nicht nur beträchtlich mehr als die 1925 geforderte Summe, sondern erhöht noch durch das deutsche Zugeständnis, keinerlei Absichten auf Eupen-Malmedh vorzubringen. Und schließlich noch ganz außerordentlich beschwert durch die Vereinbarung, daß nur eine Einigung zwischen beiden Regierungen die Ent­scheidung darüber bringt, ob der Young-Plan überhaupt in Kraft tritt oder nicht. Die grundsätzliche Bereitwillig­keit der deutschen Regierung, die Verpflichtung zu einer Entschädigung anzuerkennen, soll übrigens bereits vor­liegen, während daran erinnert werden muß, daß einem ähnlichen Verlangen der rumänischen Regierung bei den Anleiheverhandlungen im vergangenen Jahre erfolgreich Widerstand geleistet werden konnte. Auch Polen ist mit derartigen Forderungen nicht durchgedrungen.

Wie hoch sich nun dieses deutsche Zugeständnis finan­ziell ausdrücken wird, wie hoch also die künftigen deutschen Gesamtjahreszahlungen werden, kann erst genau durch diese kommenden Verhandlungen entschieden werden; sest steht heute nur, daß Sonderzahlungen an Belgien er­folgen und daß dadurch die deutschen Verpflichtungen, wie sie der abgeänderte, aber endgültige Young-Plan fest­gesetzt hat, noch weiter erhöht werden.

Macdouaid übernimmt die

KahinetisHildung.

Neue Regierung in wenigen Tagen.

Macdonald, der in Windsor vom König in Audienz empfangen worden ist, hat den Auftrag zur Regie­rungsbildung übernommen. Bei seiner Ankunft im Schloß Windsor wurde er von dem Hofmarschall des

Freitag Unterzeichnung in Baris

Die einigen Sachverständigen.

Ende der Pariser Reparationskonferenz.

Das Gutachten der Pariser Sachverständigen wird voraussichtlich am Freitag unterzeichnet werden. Da die Verhandlungen der Sachverständigen sich bisher in zwang­loser Form abgespielt haben, darf man annehmen, daß auch der Akt der Unterzeichnung sich ohne besondere Formalitäten vollziehen wird. Am Mittwoch fand in Paris noch eine Reihe von Besprechungen und Sitzungen der Unterausschüsse der Sachverständigen statt, insbeson­dere über die Frage der Zentralbank für inter­nationale Zahlungen und über die Sachlieferungen.

Die belgische Frage ist jetzt geregelt. Es steht nun­mehr fest, daß auch die belgischen Sachverständigen den Bericht unterschreiben werden, nachdem der Brief Dr. Schachts an Owen Young den Weg geebnet hat. Die bel­gische Frage dürfte auch in irgendeiner Form in dem Sach­verständigenbericht Erwähnung finden. In dem Bericht wird anscheinend der Sachverständigenausschuß feststellen, daß auf Grund des erwähnten Briefes des Führers der deutschen Gruppe er die Berechtigung zu der Annahme entnähme, daß die belgische Markfrage geregelt sein werde, bevor der neue Zahlungsplan in Kraft trete.

Glückwünsche Hoovers und Sümsons an Owen D. Voung.

Präsident Hoover und Staatssekretär Stimson haben an Owen D. Young und seine amerikanischen Kollegen bei den Sachverständigenberatungen in Paris Telegramme

Königs empfangen und nach dem Kranrenzunmer gereftel, das er nach einer halben Stunde wieder verließ.

Das NstjMülkomitee der Arbeiterpartei, ist in London zusammengetreten. Die Besprechungen smo vorbereiten­der Art für die gemeinsame Berarung mit dem Voll­zugsrat der Unterhauskommission der Arbeiterpartei, auf der Ramsay Macdonald Beicht erstattet. Die Neubildung der Regierung wird nach der amtlichen Betrauung Mac- donals mit aller Beschleunigung durchgeführt und aller Voraussicht nach in wenigen Tagen beendet werden.

Das neugewählte Parlament tritt am 25. Juni zu. sammen, doch wird die erste Woche lediglich mit der Er­ledigung von Formalitäten ausgefüllt sein. Erst in der darauffolgenden Woche wird das Parlament mit einer Thronrede, die das Programm der neuen Regierung be- kanntgibt, formell eröffnet werden. Infolge des Regis. rungswechsels dürften die neuen Minister nicht vor Ab- lauf, einiger Wochen in der Lage sein, gesetzgeberische Vor­schläge zu unterbreiten. Deshalb wird sich das Parlament voraussichtlich Ende Juli vertagen und erst zu Beginn des HerlMss seine Arbeiten wieder aufnehmen.

Giresemanns Reise nach Madrid.

Reparationskonferenz im Haag?

Reichsaußenminister Dr. Strefemann hat seine Reise zur Völkerbundtagung nach Madrid angetreten. Die Reise geht über Paris, wo ein Aufenthalt von wenigen Stunden vorgesehen ist. Stresemann wird ihn zu einer Besprechung

Der Große Saal des Senatspalastes in Madrid, in dem die nächste Tagung des Völkerbundrates stattfindet.

mit den deutschen Sachverständigen und dem Botschafter Dr. v. Hoesch benutzen. In Madrid nimmt die deutsche Delegation im Hotel Palace Wohnung. Der Aufenthalt dort wird voraussichtlich bis zum 18. Juni dauern. In der Hauptstadt Spaniens wird der Termin für die politische Reparationskonferenz und deren Tagesordnung verein­bart werden. Als Konserenzort soll der Haag in Aussicht genommen sein.

Die Sitzung des Reichskabinetts.

Berlin. Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner Sitzung, die unter dem Vorsitz des Reichskanzlers stattfand, mit dem deutsch-estnischen Handels- und Schiffahrtsvertrag vom 7. Dezember 1928. Der Gesetzentwurf wird unverzüglich dem Reichsrat übermittelt werden, ^

gerichtet, in denen sie die herzlichsten Glückwünsche zur Erzielung einer Lösung des Reparationsproblems aus­sprechen, die zur Stabilisierung der Weltwirtschaft und zur Wiederherstellung des Vertrauens zwischen den Völkern in gewaltigem Maße beitragen werde.

Die Letzte KeÜe.

Die Ausarbeitung des Berichts der Reparationskonferenz.

Der Redaktionsausschuß der Reparationskonferenz ist Tag und Nacht eifrig damit beschäftigt, den Bericht abzuschließen, der den Regierungen zugeheu soll. Die Sonderausschüsse, von denen sich der eine mit der Rege­lung der Sachlieferungen, der andere mit der Organisation der Internationalen Bank beschäftigt, haben die Ausarbeitung der entsprechenden Texte, die nach Zu­stimmung des Redaktionsausschusses in den allgemeinen Bericht ausgenommen werden sollen, beendet. Man hofft, daß der endgültige Text des Gesamtberichtes Donnerstag abend vorliegen wird, und daß die Sachverständigen in der Lage sein werden, ihn am Freitag vormittag zu unterzeichnen.

Keine Veröffentlichung in deutscher Sprache?

Der Young-Plan soll, wie französische Blätter melden, in französischer und in englischer Sprache ver­öffentlicht werden. Diese Nachricht muß zum mindesten als verfrüht bezeichnet werden, wenn nicht als falsch. Die deutsche Delegation hat beantragt, daß auch ein offizieller deutscher Text hergestellt werde. Eine Entscheidung in dieser Frage ist von der Reparationskonferenz noch nicht getroffen worden.

Lord Ceeils Abrüsiungsre^e.

Auf Einladung des Komitees für internationale Aussprache hielt der englische Politiker Lord Robert Cecil im Reichstag zu Berlin einen Vortrag über die Abrüstung. Im Saal bemerkte man u. a. die Reichsminister Dr. Wirth und von G u ö r a r d , den preußischen Kultus­minister Dr. Becker, den früheren Reichskanzler Dr. Luther, den Reichstagspräsidenten L ö b e, den eng­lischen Botschafter und zahlreiche Parlamentarier.

Lord Cecil ging aus von der Notwendigkeit, die Herabminderung der Rüstungen auf dem Wege eines internationalen Abkommens durchzuführen. Nur dauernde und allgemeine Herabsetzung der Rüstungen habe einen ernsthaften Wert für den Frieden. Eine moralische Verpslichtung der größten europäischen; Staaten zur Abrüstung könne nicht angezweifelt werden.' Das Vorhandensein der großen Heere werde zur Be­drohung der internationalen Sicherheit und zur Schädi­gung des Kredits und des Vertrauens, auf das sich der moderne Handel stütze. Mißtrauen und Furcht seien die fruchtbarsten Quellen des Krieges. Ebenso groß wie das Übel einer unbeschränkten Aufrüstung seien die Vorteile einer Herabminderung der Rüstungen: Geldersparnis, Erfüllung der Vertragsverpflichtungen. Beschwichtigung des internationalen Mißtrauens und damit ein ent­schiedener Schritt auf dem Wege des Friedens. Zum Schluß verlangte der Redner zunächst ein Abkommen zur Abrüstung der Flotten.

.(M^stg des ArheiiM^lies.

Ader Verlangsamung des Aufstiegs.

Die Aufwärtsbewegung am Arbeitsmarkt hat sich nach dem Bericht der Reichsanstalt für die letzte Woche (27. Mai bis 1. Juni) noch in allen Bezirken fortgesetzt. Immerhin hat sich auch diesmal der Aufschwung weiter verlangsamt. Gegenwärtig dürfte (nach dem Stand vom 3. Juni) die Zahl der Arbeitslosen nach der Schätzung der Landesarbeitsämter nahe an 800 000 liegen. Mithin ist sie noch um 17 0 0 0 0 höher als zur gleichen Vor» j a h r s z e i t Konjunktureinflüsse und Saisonbewegurr- gen lassen sich hier nur schwer voneinander unterscheiden. Die Nachfrage aus der Landwirtschaft war noch stet , .

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KrimmalpsliZZi im KiLSDeug.

Ausgedehnte Werkspionage aufgedeckt.

Die Kriminalpolizei in Saarbrücken hat eine groß " ks p i onage, durch die eine Fabrik für und Kühlanlagen geschädigt worden ist, auf­gedeckt. Ein Ingenieur der Fabrik, der ein neues Fabri­kationsverfahren an eine Straßburger Konkurrenzfirma verraten hatte, wurde verhaftet. Bei einem Straßburger Helfer, der ebenfalls verhaftet wurde, fand man einen ^eu der Originalpläne. Die Vernehmungen förderten weiteres Material zutage, das darauf hindeutete, daß die Angelegenheit auch nach Dresden, Stuttgart und Chemnitz hinüberspielt. In Chemnitz wurde auf ^eranlassung der Saarbrücker Untersuchungskommission, die rm Flugzeug die genannten Städte ausgesucht hatte, eine dritte Verhaftung vorgenommen. Auch noch Oslo sollen Pläne geschafft worden fein. Die Kommission ist bereits nach dort unterwegs, ^^^.^^