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HersfelöerTageblaü

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Nachlaß gtrvShrt. Mt Mt SchrMleitung orrant- »örtlich: Kranz Knnk L hrrsstlö.«- Krrnjprechrr Nr. 8

hersfel-er KreZZblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelü

WssatAch« Begaeoeeti« dmech Mt p«S btgeatn 1.50 «rlchs-Äsrk, -^schließlich VOellarlö, für tzrrofrlS 1.20 Krichr-Mar? bei freirr Zustellung, pt flbbolrr 1.00 Neich5-Mark. Druck und Verlag von Lotwig Kunk» VuchKruckrrei ln hersfelü, Mitglied d««vDZv.

mit den Beilagen: Allu8r!ertes Aaterhallnngsblaü / Nach Ueieeabenb / Her8 and Scholle / Unterhaltung ssö Wissen Beledrona end Kmzweil / Wtrtschastsiche UsBeMasen«

Nr. 120 sEkftes BW Gsnnabend, den 25. Mai 1929

79. Jahrgang

-Wir Wilden..."

Roßtaufcherpolitik. Auf Biegen und Brechen. Das Bürgerkriegsbeil.

Dis Ausstrahlungen des P f i n g st g e i st e s scheinen diesmaldie Hauptstadt der Welt", allwo die internatio­nale Sachverständigenkonferenz sich nun schon seit drei Monaten mit der Lösung der Quadratur oes Kreises ab- mubt, nicht erreicht zu haben. Denn das neueste Er- aebnis ihres angestrengten Nachdenkens, das sogar an den beiden Feiertagen in stundenlangen Zusammenkünften fortgesetzt wurde, weist so wenig Spuren göttlicher Ge- danken auf, daß es eher den Mächten der Hölle zur Last gelegt werden kann. Von Roßtäuscherpolitik sprechen selbst die maßvollsten, die verstündigungswilligsten Leute in Deutschland, von Taschenspielertricks, von unwürdigen Winkelzügen der alliierten Sachverständigen, die sich über die begründeten Vorbehalte, die selbstverständlichsten Ver­wahrungen der deutschen Delegierten kaltlächelnd hinweg­setzen, als brauchten sie sich um Lufterschütterungen von dieser Seite her überhaupt nicht zu kümmern. Herrn Vögler ist darüber der Geduldssaden gerissen, so wie er uns gerissen ist über Herrn Poincarö, der sich bemüßigt fand, in einer seiner berühmten Sonntagsreden die alte Leier von der deutschen Kriegsschuld wieder an- zustimmen, was schon einiges Wasser in den Wein der Freude über die französische Hilfeleistung für Dr. Eckener fallen ließ. Aber bei dem französischen Ministerpräsidenten hat man sich nachgerade daran gewöhnt, daß er nicht anders kann; er ist wohl auch nicht mehr jung genug, um es noch einmal mit anderen Walzen zu versuchen, zumal ihm der Ausfall der Gemeinderatswahlen i m E l s a ß gewiß allerhand Kummer bereitet haben wird. Aber bei den sogenannten Sachverständigen hätte man doch so viel schlechten Willen zur Auffindung eines wirklich durchführbaren und von Deutschland mit gutem Ge­wissen zu vertretenden Zahlungsmodus nicht mehr vor­ausgesetzt. Die Dinge stehen nun wieder auf Biegen oder Brechen und es ist gar nicht abzusehen, wie etwa die Politiker es anstellen könnten, mit ihrer Kunst und ihrer Friedensliebe wieder gutzumachen, was diese Männer der Wirtschaft in ihrer Engherzigkeit und in ihrem Unver- -'u, üor-^mtlweu^^elüuiiaMäb von ungefähr anzupasseu, verdorben haben.

Soll auch d^smal wieder, wie es den Anschein hat, die Unversöhnt? seit triumphieren, so weiß die deutsche Delegation sich jedenfalls frei von jeder Schuld an dem Scheitern der Konferenz. Der Sprung von dem Memo­randum Dr. Schachts herüber zu dem Bermittlungsvor- schlag des amerikanischen Konferenzleiters ist schon ohne­hin sehr vielen Deutschen als ein äußerstes Wagnis er­schienen; und die Bremer Handelskammer hat gewiß weitesten Kreisen in Deutschland aus dem Herzen ge­sprochen, als sie Dr. Vögler telegraphisch aufforderte, Vor­schläge nach Art der jetzt von den alliierten Sachverständi­gen ausgetüftelten entschlossen zurückzuweisen, da die An- nahme unerfüllbarer Forderungen mit den Grund­sätzen kaufmännischer Ehrlichkeit unverein­bar sei. Wenn nicht alles täuscht, werden die Owen Young und Morgan, die Stamp nnb Schacht bald unverrichteter Dinge nach Hause gehen können.

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Doch auch in außereuropäischen Ländern wollen sich die Segnungen des Friedens durchaus nicht einstellen. Der unglückliche Am an Ullah, früher Emir, zuletzt König von Afghanistan, hat es vorgezogen, außer Landes zu gefielt und zunächst einmal auf britisch-indischem Boden die weitere Entwicklung des Kampfes aller gegen alle, den sein stürmischer Reformeifer zur Folge gehabt hat, abzuwarten. Sein siegreicher Gegner, bis vor kurzem noch ein schlichter Räuberhauptmann von echt orientalischer Prägung, fühlt sich bereits als regelrechtes Werkzeug der himmlischen Gerechtigkeit, erläßt großartige Proklamationen ansein" Volk, das er einer herrlichen Zukunft entgegenzuführen verspricht, und wenn er weiter vom Glück begünstigt wird, so werden wir vielleicht noch in diesem Jahr seine bevollmächtigten Minister und Ge­sandten bei uns zu begrüßen die Ehre haben.

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Ebenso kann man nicht wissen, wer sich uns in abseh­barer Zeit als der sozusagen einzig kegrtrme Herrscher von Gottes Gnaden im R eich d er M itte prasentreren wird Ob es wieder nur die chinesischen Generale sind, die das Bürgerkriegsbeil gegeneinander ausgegraben haben, oder ob die bekannten fremden Machte, noch ein­mal ihr Glück in Schanghai und Hongkong, in Kanton und Nanking versuchen wollen, wer kann das wissen? Der tertius gaudens, der Dritte, der an diesem neuen Waffengang seine Freude haben mag, ist jedenfalls nicht in Ostasien selbst zu suchen, wo man weltbewegende Ent­scheidungen noch immer mit so primitiven Mitteln, wie es die Kriegserklärungen nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte geworden sind, herberzusuhren sucht. In Europa und drüben in Amerika ist, man mittlerweile bereits zu weniger geräuschvollen Kriegsmethoden über­gegangen. Hier kämpft man mit Zollmauern und un­lauterem Handelswettbewerb, mit Finanzsyndikaten und Industriespionage, mit Massenliquidatronen und Minder- heitsunterdrückungen und wenn das alles noch nicht ziehen will, dann veranstaltet man rasch wieder eine internationale Konferenz, damit auch noch das berühmte Weltgewissen, zur vorschriftsmäßigen Ruhe , komM.

Dsr Gianö

her Aeparaiionsverhanölrrngerk.

Keine Verständigung?

über den Stand der Reparationsverhandlungen taun folgendes mitgeteilt werden: Die deutschen DelegicRen haben die Besprechung, die der Klärung der Zahlen frage dienen soll, fortgesetzt. Aus Grund der von den Verfassern der Antwort der Gläubigermächte aus die deutsche« Vor­behalte gegebenen Erläuterungen handelt es sich um eine zusätzliche Erhöhung der Youngschen Zahlen von jährlich 53,8 M i l l i o n c n Mark. Angesichts dieser entscheidenden Meinungsverschiedenheit in der Zahlenfrage ist mit der Möglichkeit zu rechnen, baß entweder darüber getrennte Berichte erstattet Werben, oder daß überhaupt eine Verständigung nicht zu e r zielen sein wird. Im übrigen sind die Vertreter bet Gläubigerdclegativncn ausgefordert worden, sich zu den deutschen Vorbehalten zu äußern. Eine Antwort hierüber steht noch aus. J

Hoesch bei Briand.

Nochmaliger Dank für Frankreichs Zeppelinhilfe.

Der deutsche Botschafter von Hoesch hat den fran­zösischen Außennrinister Briand ausgesucht, um ihm-Mit­teilung zu machen von der glücklichen Heimkehr des Luft­schiffesGras Zeppelin" und ihm bei dieser Gelegenheit nochmals den Ausdruck des Dankes für die tatkräftige Hilfeleistung der französischen zuständigen Stellen zu er­neuern.

Der Botschafter hat ferner amtlich Kenntnis von dem Rücktritt des deutschen Delegierten im Sachverständige«- ausschuß, Dr. Albert Vögler, und von seiner Er­setzung durch Geheimrat K a st l gegeben.

Gesetzentwurf über Aenderungen in der Arbeitslosenversicherung.

Weiteres aus der Sitzung des Reichskabinetts.

Mühs-, kabiuetts stand im weiteren Verlauf der. Entwurf eines Gesetzes über Änderungen in der Arbeitslosenversicherung. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Zeitungsmeldungen, die von einer Beitrags­erhöhung sprechen, sind unrichtig.

Ferner wurde die Frage eines Ministerver- sorgungsgefetzes eingehend erörtert. Auf der Grundlage dieser Beratungen werden die erforderlichen gesetzgeberischen Maßnahmen in die Wege geleitet werden. i

Deutsch-französische Zusammenarbeit 1 ... am Bau einer drahtlosen Station für den Völkerbund.

Das Völkerbundsekretariat veröffentlicht folgende Mitteilung:

über die Kosten eines Baues einer für die Dienste des Völkerbundes bestimmten Station für drahtlose Tele- graphie hatte der Generalsekretär des Transitausschusses an verschiedene Gesellschaften eine informatorische An­frage gerichtet, um die von der letzten Völkerbund­versammlung verlangten ergänzenden Angaben zu er­halten. In Beantwortung dieser Anfrage hat der General­sekretär des Transitausschusses einen Vorschlag erhellten, der von der Allgemeinen Gesellschaft für drahtloseele- graphie in Paris und von der Berliner Gesellschaft Telefunken gemeinsam aufgestellt worden ist. Dlefer Vorschlag, dem eine genaue Beschreibung der für den Völkerbund bestimmten radiotelegraphischen und radio- tklephonischen Zentralstelle beigegeben ist, steht eine längere technische Zusammenarbeit der deutschen und der französischen radio-elektrischen Industrie vor. Eme der­artige Zusammenarbeit erschien diesen Gesellschaften an­gesichts des internationalen Charakters des Dienstes, der für den Völkerbund sichergestellt werden soll, zweckmäßig.

Hariung zu 13 Monaien Gefängnis verurteilt.

Der illegitime Sohn der Prinzessin Hermine."

Das Schöffengericht Köln verurteilte den Kaufmann H a r t u n g , der sich alsillegitimer Sohn der Gemahlin des früheren Kaisers" ausgegeben hatte, wegen fortge­setzten Betruges, Unterschlagung und unerlaubten Waf­fenbesitzes zu insgesamt 13 Monaten Gefängnis. Wegen seiner ehrlosen Gesinnung wurden ihm die Ehrenrechte auf drei Jahre aberkannt Der Staati,an- walt hatte ein Jahr sieben Monate Gefängnis und drei Jahre Ehrenrechtsverlust beantragt.

Studcutenkrawalle in Mexiko.

Mexiko. Wie nachträglich gemeldet wird, haben sich , die StudenWikrawalle, bei denen es zu schweren Zusammen,toßen zwischen Studenten und Polizei kam, nicht in Newyork, sondern in Mexiko ereignet. Die Unruhen sind infolge eines telegraphi­schen übermiitlungssehlers irrtümlicherweise aus Newyork gemeldet worden. ------ -------------

Aman Mahs Flücht nach Europa.

Englands Rolle.

Wie schnu kurz gemeldet wurde, hat der von seinem Gcgenkönig verdrängte König Aman Ullah das Gebiet Afghanistans verlassen und hat sich mit seiner Gemahlin über den britisch-indischen Ort Tschaman nach Bombay begeben. Er soll beabsichtigen, von Bombay aus seine Flucht fortzusetzen und sich nach Europa zu begeben.

Vor seiner Abreise nach Tschaman hatte Aman Ullah die Engländer um Aufenthaltserlaubnis auf indischem Gebiete gebeten. Diese Erlaubnis wurde ihm aber nur in bedingter Weise erteilt, da die Engländer, die keineswegs Freunde Aman Ullahs sind, bei längerem Aufenthalt in Indien offenbar feine dau­ernde Einflußnahme auf die afghanischen Verhältnisse be­fürchten. Wohl nicht mit Unrecht. Somit hat England einstweilen gesiegt, denn der ganze innere Kampf in Afghanistan ist ja im Grunde nichts anderes als ein Ringen zwischen Rußland und England um die Vorherrschaft, wobei die einzelnen Thronprätendenten nur vorgeschobene Puppen darstellen.

Sie rauSerWe Mvkselehre.

Argentinien gegen Vereinigte Staaten.

Die gegenwärtig in Madrid tagende Versammlung der Vereinigung der Völkerbundvereine beschäftigte sich Freitag mit den, Antrag der argentinischen Abord­nung über die Aufhebung des Artikels 21 des Völker- bundstaluts, der sich auf die Monroedoktrin bezieht.

Der argentinische Delegierte S i v o r i erklärte u. a.: Ereignisse, die nicht fern von uns liegen, zwingen uns, diese Doktrin als angriffsbereit gegen andere Staaten, annexionistisch und räuberisch zu bezeichnen. Das Eingreifen der Vereinigten Staaten in Nikaragua ver­folgte nur den Zweck, den Bau des neuen Kanals zu sichern. Sivori fügte hinzu: Nur diejenigen Länder, die durch ihre geographische Lage die Herrschaft der Vereinig­ten Staaten nicht zu fürchten haben, können die Ber- behaltung dieser Doktrin im Völkerbundstatut wollen. Die Versammlung beschloß, diesen Antrag dem Ständigen Auslwuü /ru übermeilLir.

Das Entstehen der sog. Monroedoktrin ist auf den fünften nordamerikanischen Präsidenten James Monroe (17581831) zurückzuführen. Unter seiner Prä Wentschaft entwickelten sich die Unionskriege, während Derer das Eingreifen europäischer Staaten in den innenamerika- nischen Zwist drohte. Die Monroelehre stellt fest, daß europäische Mächte auf amerikanischem Gebiet nichts zu suchen hätten, der Erwerb amerikanischen Gebiets ihnen verboten wäre, andererseits aber auch, daß die Vereinigten Staaten sich des Rechts begäben, in europäische Streitig­keiten eillzugreisen.

W i c Amerika dieses letzte Prinzip im Weltkrieg von 1914/18 rückhaltlos aufgab und Wie es dadurch den Aus­gang dieses Krieges beeinflußte, ist uns allen zur Genüge bekannt. Trotzdem versucht die Nordamerikanische Union noch immer, den e r st e n Teil jener Lehre als unerschütter­lich aufrechtzuerhalten und ihn namentlich gegen die schwächeren sog. lateinischen Nationen aus dem amerika­nischen Kontinent auszubeuten. Daß so etwas im schärfsten Gegensatz zu dem Völkerbundgedanken steht, ist offenbar. Und somit ist der Vorstoß von Argentinien wohl zu be­greifen. i

Mutige Studentenlrawalle in Aewtzork.

Studierende im Kampf mit Polizei und Feuerwehr.

Ein von den Studenten der Rechtsschule der New- yorker National University als Protest gegen die monat­lichen Prüfungen eingeleiteter Streik hat zu einem schweren Zusammenstoß zwischen dernonftrierenden Studenten und der Polizei geführt. Der Kampf artete in eine wahre Straßenschlacht aus; ein Student wurde getötet, 32 wurden verwundet. Die Polizei alarmierte die Feuer­wehr, die mit Schlauchleitungen gegen die Studenten vor- ging, während die Polizisten von ihren Schußwaffen und Äxten Gebrauch machten.

Gefahrücher Felssimz Ni Triberg.

Tribcrg. Infolge eines Felssturzes wurden am Riff- haldcuweg bei Triberg mehrere Tannen auf die Hochspan­nungsleitung geworfen, so daß Kurzschluß entstand und das trockene Gestrüpp Feuer fing. Den Feuerwehren gelang es, noch größere Gefahr zu beseitigen. Durch den Felssturz wurden Steine bis zu 20 Zentnern talwärts ge- schlendert, wobei größere Baumstämme wie Streichhölzer geknickt wurden und die Mauer eines Fabrikgebäudes durch­schlagen wurde. Kinder, die an der Absturzstelle spielten, blieben wie durch ein Wunder unverletzt.

LleSttMttHnmNWslMstroyhe in Japan .

Tokio. In der Provinz Fukushima ist infolge wvlkcn- bruchartiger Regen eine gewaltige Überschwemmung einge­treten. 12 Personen fanden den Tod. 5000 Häuser wurden überflutet, 38 Brücken zerstört. Auch die Eisenbahnstrecken wurden verschiedentlich beschädigt. Aus den Feldern wurde schwerer Schaden angerichtet. Der Gesamtschaden wird auf fünf Millionen Yen geschätzt. 17 Fischerboote werden vermißt.