HersfelöerTageblaü
Hersselöer Kreisblatt
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Nr. 118 Donnerstag, den 23 Mai 1929 79. Jahrgang
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Was die Gläubigerstaaten fordern.
_ Wie die Agentur Havas mitteilt, sind der von Sir Josuah Stanip ausgearbeitete, für die Regierungen be- stimmte Bericht und das Memorandum der Glänbigcr- deiegalionen am Mittwoch mittag Reichsbankprästdent Dr. Schacht übergeben worden. Auf der Grundlage dieses Memorandums, das sowohl die alliierten Vorbehalte enthält wie auch die Formeln, die diese Dr. Schacht zwecks Abfassung seiner Reserven vorschlagen, so heißt es in der Havasauslassung weiter, erklären sich die Gläubigermächte bereit, anzunehmen:
1. die D u r ch s ch n i t t sa n n u i t ki t von 2 0 5 0 Millio n cn M a rk, wie sie Uoung für die Reparationen und für die Schulden während der 37 ersten Jahre vorgcfchlageu habe;
2. die Bezahlung der Kriegsschulden während der letzten 22 Jahre;
3. außerdem würde den Belgiern hinsichtlich der während der deutschen Besetzung ausgegebenLn M a r k - dankn oten Genugtuung gewährt werben;
4. schließlich würden, unabhängig von der Kapttal- befchaffuug zur E r r i ch § u n g d e r B a n k f ü r i n t e r- n a t i o n a l e Zahlungen, diejenigen Staaten, denen dieses Institut Dienste leisten soll, namentlich Deutschland, Einzahlungen machen, und zwar als Beitrag für deren Funktionieren.
Man sehe, so heißt es in der Havasmeldung weiter, daß das von den Alliierten vorgeschlagene System hinsichtlich des bestimmten Wertes das gleiche sei wie das in dem Memorandum Uoung enthaltene, da es zwar innerhalb des Rahmens einer Durchschnittsannuität von 2050 Millionen Mark bleibe, aber genau die Schulden decke undeiuen. beständigenRestbetrag die Nevara- tivnen erübrige. Das Dokument der Gläubiger sehe jedoch vor, daß die Annuitäten nicht in einer regelmäßigen Folge von jährlich 25 Millionen Mark ansteigen, wie in dem Uoungschen System vorgesehen, sondern, daß praktisch gesehen die eine Annuität über, die andere unter der Typannuität liegen würde. Die rückständigen Schulden würden dabei nicht in beständiger Weise steigen. Nun müsse aber der Teil der Annuität, der den zu mobilisierenden Restbetrag darstelle, ein beständiger sein, damit auf diese Weise die Mobilisierung erleichtert werde. Deshalb, also um einen Ausgleich herzustellen, sehe das Memorandum der Gläubiger vor, daß im ersten Jahr (für das die Schulden bereits bezahlt seien) und für das dritte Jahr fin^^S£3S33@BmS339^^
Ämfe Meyers nach Quere.
E r will den „G r a f Z e p p e l i n" z u r ü ck f ü h r e n.
Dr. E ck e n e r teilte mit, daß er sich auf ein neues Telegramm aus Cuers von Kapitän Lehmann hin entschlossen habe, nun doch nach Cuers zu reisen, und zwar in Begleitung des Grafen Soden. Dr. Eckener wird also den „Graf Zeppelin" selbst nach Friedrichshafen zurückführen. Die Abfahrt des Luftschiffes dürfte frühestens am Freitag vormittag erfolgen.
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Dr. Eckener hat das Reisebüro der Hamburg-Amcrika- Linie ersucht, den Passagieren der abgebrochenen Amerika- fahrt den vollen Passagepreis von 2000 Dollar zurückzu- zahlen, sofern sie nicht ihre Buchung für eine spätere Fahrt aufrechterhalten wollen. Der Luftschiffbau Zeppelin erhielt aber von der Hamburg-Amcrika-Linie die Mitteilung, daß bei ihrer Niederlassung in Newyork bisher keine einzige Buchung der Teilnahme an der Fahrt des Luftschiffes rückgängig gemacht worden sei, daß vielmehr zwei weitere amerikanische Reisende in Newyork Plätze belegt hätten. L. ,, ..—_ _,
DeuM-östmeichWe Besprechungen über die Studentenorganisatilmen.
Pros. Hugelmann beim preußischen Kultusminister.
Um die Schwierigkeiten zu beheben, die sich in der Frage der Organisation der deutschen Studentenschaft ergeben haben, entsandte die Universität Wien den Universitätsprofessor und Vizepräsidenten des österreichischen Bundesrats Dr. Hugelmann nach Berlin. Prof. Hugelmann hatte mit den in dieser Frage maßgebenden Stellen, besonders mit dem preußischen K ul t u s m i n i st e r D r. B e ck e r eine Reihe von informatorischen Besprechungen, die einen eingehenden Gedankenaustausch ermöglichten. Zu Ehren des österreichischen Gastes gab der österreichische Gesandte ein Frühstück, an dem u. a. der preußische Kultuminister Dr. Becker, Reichsminister a. D. Dr. Schiffer, Staatssekretär Dr. Weißmann sowie verschiedene Referenten des preußischen Kultusministeriums und der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes teilnahmen.
sowie für die 17 letzten Jahre die Annuitäten niedriger sein würden als die Durchschnittsannuität von 2050. Die Annuitäten würden jedoch höher sein in den andern Jahren.
Außerdem sehe das alliierte Dokument vor, daß der Plan Uoung vom 1. April 1929 bis zum 31. März 1966 Geltung habe, und zwar hinsichtlich der Reparationen und der Schulden, während hinsichtlich der Schulden allein Deutschland erst nach diesem letztgenannten Zeitpunkte Zahlungen zu leisten haben würde.
Amerika tM nicht warten.
Die Londoner „Times" erfahren aus Washington, der amerikanische Schatzsekretär Mellon habe den französischen Botschafter Claudel ersucht, Poincaro mitzuteilen, daß die amerikanische Regierung so bald wie möglich über die Aussichten der Anerkennung der französischen Schul- denvereinbarung mit Amerika verständigt werden möchte. Es verlautet, daß Mellon dem Botschafter erklärte, wenn binnen angemessener Zeit eine Zusicherung nicht gegeben werden könnte, dann würde Die Regierung bereit sein, der gegenwärtig stattfindenden Sondersession des Kongresses die Annahme eines Gesetzes anzuempfehlen, das die Frist für die Zahlung Der rund 400 Millionen Dollar, für die Frankreich nach dem Krieg das in Europa zurückgelassene amerikanische Heeresgut fauste, verlängert. Eine solche Vertagung fei aber nur möglich, wenn Die Antwort Poincarös Die Annahme rechtfertigt, das; Die Einbringung der Schuldenanerkennung im Parlament noch in diesem Jahr erfolgt und Aussichten aus Annahme bietet.
Gerüchts um Dr. Vogler.
Tritt er zurück?
Bon angeblich unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß Dr. B ö g ! e r , der zweite deutsche Hauptdelegierte auf der iMM"H iWwi WMMW-» getreten sei.
Nach der einen Version soll er aus Gesundheitsgründen auf eine weitere Mitwirkung als Sachverständiger verzichtet und sich in ein Sanatorium begeben haben, nach einer anderen soll er der Reichsregierung vor mehreren Tagen schriftlich mitgeteilt haben, daß er es a b l e h n e n müßte, feine Unterschrift unter einen Schluß- berichtzufetzen,der das Deutsche Reich bei der endgültigen Reparationsregelung 31t Zahlungen über eine Frist von 37 Jahren hinaus verpflichtete.
Vom amtlicher Seite wird dem gegenüber erklärt, daß Generaldirektor Dr. Vogler nicht zurückgetreten sei.
9er polnische Schiedsrichter
heim deutsch-polnischen Schiedsgericht.
Einführung des Prof. Dr. Stelmachowski.
In Gegenwart zahlreicher politischer Persönlichkeiten des Grenzlandes fand in B e u t h e n die Einführung des polnischen Schiedsrichters beim deutsch-polnischen Schiedsgericht für Oberschlesien Prof. Dr. Stelmachowski, statt. Von deutscher Seite waren u. a. anwesend Vizepräsident Dr. Fischer vom Oberpräsidium und Regierungsvizepräsident Müller von der Regierung in Oppeln. Auch das deutsche und das polnische Mitglied der Gemischten Kommission für Oberschlesien waren zugegen.
Als erster begrüßte der Präsident des deutsch- polnischen Schiedsgerichts, Dr. Kaeckenbeeck, den neuen Schiedsrichter. In seiner Ansprache wies er u. a. darauf hin, daß zurzeit beim Schiedsgericht nicht weniger als 137 Schadenersatzprozesse wegen behaupteter Verletzungen schweben, ferner 46 Staatsangehörigkeits-, Wohnrechts- und Optionsfälle sowie 81 Fälle verschiedener Art und 125 Verkehrskartenangelegenheiten.
Danach hieß Landesgerichtspräsident Schneider den neuen Schiedsrichter willkommen und gab in seiner Eigenschaft als deutscher Schiedsrichter dem Wunsche Ausdruck, das Schiedsgericht möge weiter das Recht finden, unbeirrt von den schwankenden Meinungen des Tages. Namens der Reichsregierung, der preußischen Staatsregierung und der Oberschlesischen Provinzial- behörde begrüßte Konsul Jlling den neuen polnischen Schiedsrichter.
Der polnische Staatsvertreter S 0 n ch 0 ck i wies auf die dem Schiedsgericht obliegende hohe Verantwortung hin und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Gerichtshof auch 'weiterhin zur Befriedung Oberschlesiens beitragen werde. Prof Dr. Stelmachowski dankte | für die Begrüßung und gab der Überzeugung Ausdruck, i daß es ihm gelingen werde, als unabhängiger Richter zur Verwirklichung der Aufgaben und Ideen beizutragen, für die das Genfer Abkommen das Schiedsgericht ins Leben gerufen habe.
GoZiMemokraiische Varieiiag.
Beginn am 25. Mai.
Der diesjährige sozialdemokratische Parteitag beginnt am Sonnabend in Magdeburg. Er wird einaeleitet mit
Tagungen des Parteivorstandes und des Parteiaus- schusses und mit Sitzungen von Fachgruppen. Die Eröffnung des Parteitages selbst erfolgt am Sonnabend abend. Am Montag nehmen die sachlichen Verhandlungen ihren Anfang.
Nach dem Bericht des Parteivorstandes und dem Bericht der Kontrollkommission spricht Reichstagsabgeordneter Dittmann über das Wehrprogramm der Partei. Zu diesem Programm sind aus allen Teilen des Reiches zahlreiche Änderungsanträge vorgelegt worden. Von Berlin wird u. a. Die Vertagung des Wehrprogramms beantragt. Den Bericht der Reichstagsfraktion erstattet Reichstagsabgeordneter Dr. B r e i t s ch e i d. Ferner sind Berichte über die Internationale von Artur C r i s p i e n, über die Frau in Politik und Wirtschaft von Frau I u ch a c z und über den Arbeitersport von Karl Schreck vorgesehen. Der Schluß bildet die Wahl des Parteivorstandes und die Erledigung der Anträge.
Mich und Länder.
Dr. Held über die Zuständigkeiten.
Der bayerische Ministerpräsident Dr. Held hat ein Referat zur Frage der Zuständigkeitsverteilung zwischen Reich und Ländern der Öffentlichkeit übergeben. Die Ausführungen betonen, daß für die Lösung der behandelten Probleme der Gedanke bestimmend sein müsse, auf welcher Verfassungsgrundlage die Einheit und Wohlfahrt des Reiches am besten verbürgt werden könne. Richt eine bayerische oder preußische Frage liege vor, sondern
eine deutsche Frage.
Dr. Held tritt für eine klare und feste Scheidung der Aufgaben und Zuständigkeiten zwischen Reich und Ländern ein und sagt, nicht die Quantität, sondern die Qualität der Zuständigkeit sei entscheidend. Gegenüber dem Gedanken, den Einheitsstaat durch Volksabstimmung herbei- zuführen, betont Dr. Held, daß eine so fundamentale Grundlage des Reiches wie sein bundesstaatlicher Charakter nicht zu jenen Elementen gehören dürfe, die auf diesem Wege geändert werden können.
Auf Dem verriete der Gesetzgebung wird Abgrenzung der Zuständigkeit und Sicherung der Abgrenzung gefordert. Der Reichsrai müsse gesetzgeberische Bedeutung bekommen. Den größten Raun- des Referats nimmt das Verwaltungsproblem ein, wobei die Reichsauftragsverwaltung abgelehnt wird mit der Begründung, daß sie die Länder unter die Kommandogewalt der Reichszentrale stellen würde.
Auf finanziellem Gebiet wird Scheidung der Steuerquellen und Überlassung der Einkommensteuer an die Länder zur selbständigen Ausschöpfung gesordert. Hinsichtlich der Außenpolitik bezeichnet Dr. Held eine stärkere Einschaltung der Länder auf dem Wege über den Reichsrat als wünschenswert, wenn auch die Außenpolitik als solche Sache des Reiches bleiben müsse.
Bsischaßer Gchmman 75 Jahre.
Allgemeine Ehrungen.
Reichspräsident v. Hindenburg, Reichskanzler Müller und Reichsaußenminifter Dr. Stresemann übersandten. dem amerikanischen Botschafter Schurman in Berlin, der das 75. Lebensjahr vollendete, herzliche Glückwunschschreiben mit Blumengebinden. Die Stadt Heidelberg hat ihrem Ehrenbürger Schurman eine in Pergament gebundene Mappe zugehen lassen, welche zwei seltene Ansichten Heidelbergs aus der Zeit der Romantik, zwei Originalfarbstiche von Johann Jakob Strüdte aus dem Jahre 1800, enthält. Reichspräsident v. Hindenburg hat dem Botschafter sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift übersandt.
Schurman bei der Kantgesellschaft.
Botschafter Schurman, Der u. a. zum Ehrenmitglied Der Kantgesellschaft ernannt worden war, hielt bei der Feier der Kantgesellschaft in Halle a. S. eine mit lebhaftem Beifall aufgenommene Ansprache. Er begrüßte die Gesellschaft im Namen Der amerikanischen Mitglieder und dankte für die Ernennung zum Ehrenmitglied. Eine kantische Schule habe es zwar in Den Vereinigten Staaten von Amerika nicht gegeben, aber schon um die Wende des achtzehnten Jahrhunderts herum seien dort mehrere von Kants Geist erfüllte Gesellschaften entstanden. Die Satzungen des Völkerbundes und der Kellogg-Ver- t r a g seien von kantischem Geist erfüllt. Als natürliche Folge des Kellogg-Vertrages werde jetzt schon die Möglich, keit der Herabsetzung der R ü st u ngen angesehen. Kant schon habe eingesehen, daß Der ewige Friede eine Aufgabe darstelle, Die nur stufenweise zu lösen fei. und deren Ziel dauernd näherrüHe. Der Botschafter schloß mit dem Wunsche, daß es Der Kamgesellschaft vergönnt sein möge, diese fortschreitende BeiHgung zu beschleunigen.
Absturz eines französischen Wafferstugzeuges.
Pa r i s. Havas berichtet aus Algier, daß ein Verkehrs- wasserflugzeilg aus bisher nicht ausgeklürten Gründen über d^e m Meer ab stürzte. Der Pilot konnte sich durch Schwimmen retten, die vier Passagiere, ein französischer Marinefliegeroffizier, seine Frau, ein Funrtelegraphist und ein Monteur, ertranken.