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HersfelöerTageblaü

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher MnZeiger für den Kreis Hersfelö mit des Aeklaaea: AlluSeiertes Anlerhallnngsblatt / Nach Feierabeuv / Herb unS Gcholle / Anlexhattarrg ««S Wissen Belehrung und Kurzweil / Mrifchaftlicke Tsgksfkagen.

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Nr. 117 Mittwoch, den 22 Mai 1929 7g. gobroang

Nur eine Geste?

Mit beträchtlichem Mißtrauen hört man auf der deut­schen Seite immer die Kunde von irgendwelchen Vor­schlägen der Gegenseite in Paris, die als Überschrift Entgegenkommen" tragen. In der Regel stellt es sich nämlich bei näherer Betrachtung heraus, daß dieses Ent­gegenkommen wettgemacht wird durch irgendeine Bestim­mung, einen neuen Vorschlag oder auch nur eine An­regung, die letzten Endes wieder auf die Eintreibung der ursprünglichen Forderung zurückkommt. In der deutschen Öffentlichkeit wird man wohl überhaupt erstaunt gewesen sein, daß Amerika gleichfalls noch einen Anteil an den deutschen Reparationszahlungen be­sitzt. Dieses Erstaunen ist vielleicht dadurch erklärlich, daß die amerikanischen Forderungen gegenüber den Riesen- summen der deutschen Jahreszahlungen verhältnismäßig gering erscheinen, weil sie nämlich nur etwa 55 Millionen jährlich betragen. Dies ist übrigens nicht etwa der Aus­gleich von Kriegsschäden, die Amerika erlitten zu haben behauptet, sondern es ist in der Hauptsache die Abtragung der Kosten, die den Vereinigten Staaten wohl mehr angeblich als wirklich aus ihrer Beteiligung an der Rheinlandbesetzung erwachsen sind. Ausdrücklich wird jetzt in Washington außerdem betont, daßdie ameri­kanische Regierung bereit sei, die ihr zustehenden prozen­tualen Reparationszahlungen über eine größere Zahl von Jahren verteilen zu lassen, als bisher vereinbart worden sei"; dadurch würde eine gewisse Her­absetzung der einzelnen Jahreszahlun­gen um etwa 10 Prozent zu erzielen sein. Das wären also etwa 5 Millionen pro Jahr. Gewiß ein Ent­gegenkommen, aber ein solches, das den Amerikanern nicht einen Pfennig kostet, weil die Gesamtsumme der Forde­rungen dieselbe bleibt, der Zinssatz für sie sogar noch auf 5 Prozent erhöht werden soll. Man denkt in Washington gar nicht daran, irgend etwas von den Gesamtforderungen nachzulassen, so angreifbar diese an und für sich sind.

Trotzdem ist diese Geste zu begrüßen. Sie scheint nämlich die Veranlassung zu sein, daß man in P a r i s wieder einmal flott geworden ist. Politisch, wie

N» «W* lich ihres Anteils an den künftigen deutschen Jahres­zahlungen gemacht werden, nun als zu hartnäckig, fast als übelwollend bezeichnet wurden. Wennsogar" Ameriika nachgibt, dann müssen doch dessen Schuldnerstaaten das gleiche tun! Aber man übersehe nicht: die Vereinigten Staaten wollen ihre Ansprüche an Deutschland jetzt erst binnen einer Frist von 37 Jahren getilgt sehen und vor­läufig ist noch nicht die Rede davon, daß eine wirkliche Herabsetzung dieser Ansprüche erfolgt oder gar jener, die von Amerika an seine Schuldner erhoben werden und deren Restabdeckung nach jenen 37 Jahren dem Youngschen Plane zufolge Deutschland allein obliegen wird. Immerhin hat dieser Plan nun doch wohl die schwersten Hindernisse überwunden und dürfte in kurzer Frist die einhellige Zustimmung der Pariser Delegierten finden. . _,

Jetzt steht aber immer noch die Frage offen, wie sich die Gegenseite und nicht zuletzt die amerikanischen Delegier­ten selbst zu den bekannten deutschenVorbehalten stellen werden. Gerüchte wollen wissen, daß sich der deutsche Standpunkt hierbei nur teilweise durchgesetzt hat. Das zu hören, wäre keine Überraschung, weil wir in Paris durch irgendwelche Konzessionen der Gegenseite ja über­haupt nicht verwöhnt worden sind. Auch hierüber werden erst die nächsten Tage größere Klarheit bringen, aber schon jetzt ist wohl damit zu rechnen, daß bie Pariser Konferenz unmittelbar vor einer Einigung steht.

Die amerikanischen Zugeständnisse.

Wie zu den Verhandlungen in Paris mitgeteilt wird, betrug die Summe der rückständigen Besatzungskosten für Amerika 247,9 Millionen Dollar. Durch eine Verein­barung mit Belgien wurde diese Summe auf 233,1 Mil­lionen Dollar vermindert, die in jährlichen Raten von 55 Millionen Dollar zu tilgen waren, und zwar ohne Zinsen. Die Bedeutung der amerikanischen Geste liegt nicht so sehr in der absoluten Summe, die für das Ganze nicht allzusehr ins Gewicht fallen würde, sondern auf moralischem Gebiet, weil sich nun Amerika selbständig in die Frage der geld­lichen Abwicklung einschaltet.

Einigung über die Verteilung der Reparationen.

Paris. Die Agentur Havas berichtet über die am Dienstag gepflogenen Beratungen der Sachverständigen der Gläubigerniächte. Die Gläubigerdelegatroucn sind zu einer grundsätzlichen Einigung über die Frage der Verteilung ge­langt. Die Verständigung unter ihnen ist vollständig hin­sichtlich der Abfassung des zu prüfenden Textes,, abgesehen von einer sehr kleinen Anzahl von Punkten, die sich auf Unterschiede in der Abfassung beziehen. Diese Punkte werden Gegenstand einer neuen Beratung der Glaubigerdelegationen bilden.

pomeare spricht.

Frankreich und die Reparationen.

Bei einer Denkmalseinweihung in Douaumont hielt der französische Ministerpräsident eine feiner üblichen Reden, die trotz aller nun schon fast sagenhaft werdenden Verhandlungen zeigte, daß Poineare immer noch auf dem

Graf Zeppelin wieder startbereit

50000 Besucher

beimGras Zeppelin".

Die Motorschäden repariert.

Der Flugplatz von Toulon, auf dem das Luftschiff Graf Zeppelin" sorglich verankert liegt, war an den Pfingsttagen das Ziel vieler Tausender Schaulustiger. Man schätzt die Zahl derer, die den Zeppelin in Augen­schein nahmen, aus etwa 50 000 Personen. Der Zustrom der Besucher war so groß, daß die Automobile ine ^u- fahrtstrasien zum Flugplatz vollkommen verstopften. Em Infanterieregiment mußte zur Verstärkung des Ord­nungsdienstes eingesetzt werden.

Inzwischen ist man eifrig bemüht, bie Mowrschaden am Zeppelinluftschiff wieder auszubessern. Man ist schon so weit, daß bereits drei Motoren in das Luftschiff neu eingebaut werden konnten. Für die neuen Motoren sind bereits die Termine für die Laufproben festgesetzt, von deren Ausfall es abhängen wird, wann die Rückfahrt des Graf Zeppelin" nach Friedrichshafen angetreten werden kann. Man rechnet damit, daß am Donnerstag, spätestens am Freitag, das Luftschiff die Fahrt in seinen Heunat- Hafen wird antreten können.

Dr. Eckener, der sich gegenwärtig in Friedrich»hasen aufhält, wo er unter anderem Besprechungen mit den Vertretern der Maybach-Mowren-Werke hatte, gab Presse­vertretern gegenüber eine Schilderung über den

Verlauf der abgeb.ocheusu Amenkafahri.

Dr. Eckener führte hierbei u. a. aus, daß ein klares Bild über die Motorschäden erst gegeben werden könne, wenn die genaue Untersuchung der gebrochenen Teile vor­genommen sein wird. Er halte es jedoch schon jetzt nach Lage der Dinge für ausgeschlossen, daß Sabotage vorliege. n|toM«MM^^^ mA-^ij^^» in ^Tfuj^.iiM» .aie- Motoren durchschnittlich 2000 Betriebsstunden arbeiten könnten, sie aber in Wirklichkeit erst 600 hinter sich hätten. An eine

Überquerung des Ozeans könne erst gedacht werden, wenn die Ursache der Schäden > einwandfrei feststände. Man habe es hier ausschließlich | mit einer Motorenfrage zu tun, die in keinem Zusammen- |

alten abweisenden Standpunkt in bezug auf den Ausgleich mit Deutschland steht. Der Ministerpräsident sagte unter anderem:

Angenommen, daß die mitteleuropäischen Regierungen nicht absichtlich die Initiative und die Verantwortung für den Krieg übernommen hätten, so würden sie dennoch, da sie durch den gegen Belgien geführten Gewaltstreich diesem und Frank­reich unermeßlichen Schaden zugefügt haben, uns beiden rest­lose Wiedergutmachung schulden. Die gerechte Wiedergut­machung dieser Schäden wird keine Aufgabe sein, die Frank­reich zur Last fallen darf, ob es sich nun darum handelt, ferne verwüsteten Gebiete wieder aufzubauen oder die Pensionen für die geschädigten Zivil- und Militärpersonen zu bezahlen Die französischen Delegierten haben in keinem entscheidenden Augenblick die Aufgaben ihrer Kollegen hintertrieben oder erschwert. Sie haben lediglich Wert darauf gelegt, den Dawes-Plan nicht gegen ein weniger zuverlässiges und weniger ertragreiches Verfahren einzutauschen. Die- Re­gierung wünscht wegen der wirtschaftlichen Wiederaufrichtung der Welt, daß eine endgültige Regelung erfolgt, aber es wäre ungerecht und unzulässig, daß die Kosten hierfür von dem ge­marterten und verwüsteten Frankreich getragen wurden.

Man steht, es ist der alte Faden, der weitergesponnen wird. Es ist tatsächlich nicht leicht, einzusehen, wie unter solchen Umständen eine auf die Dauer erträgliche Emi- gung erzielt werden soll.

BürgermeistsrWahlsn Lm Elsaß.

Rossö wird gewählt und lehnt ab.

Der Gemeinderat in Kolmar hat den ehemaligen Abgeordneten R o s s e, der aus dem Kolmarer Prozeß bekanntgeworden ist, zum B.ü r g e r m e i st e r a e - wähl t. Da er nicht wählbar ist, erklärte Rossö, daß er für die Kundgebung danke, aber gleich wieder zurücktrete. Bei der daran folgenden zweiten Wahl wurde der frühere Lehrer Hertzog gewählt. In M ü h l h a u s e n wurde der bisherige sozialistische Bürgermeister Wicky mit allen bisherigen sozialistischen und radikalen B-DerrduMsn mit der Verwaltung der Stadt betraut.

Rationalßier in RumaMen.

Zehnjähriges Bestehen Groß-Rumäniens.

Die Nationalfeier anläßlich des zehnjährigen Be­stehens Groß-Rumäniens nahm in Karlsburg, wo sich mehr als 150 000 Personen eingefunden hatten, ihren Anfang. König Michael, die königliche Familie und bie Mitglieder des Regentschaftsrates trafen in Karlburg ein und wurden durch' den Ministerpräsidenten Mamu uird Mitglieder des Rege.ntschastsrates trafen imKarlsburg ein empfangen. In der Kathedrale fand ein Festgottesdienst statt, der durch Lautsprecher den draußen harrenden Masten übermittelt wurde. Bei der Ferer sprach Wurster­

hange mit dem Luftschiff selbst stände. Im Gegenteil sei es bemerkenswert, daß trotz der Panne das Schiff glatt zur Landung gebracht worden sei. Dr. Eckener wies weiter darauf hin, daß seltsamerweise

alle vier Motoren dieselben Schäden

gehabt hätten, nämlich Bruch eines Schwunggewichts an der Kurbelwelle. Dr. Eckener wandte sich schließlich gegen die aus fransöfifdier Quelle stammenden Berichte. daß das

Der Flugplatz von Toulon.

Luftschiff im Drömetal hilflos umhergeflogen sei. "Das Schift sei beim Tiefergehen allerdings in Fallböen geraten und durch Aufwinde wieder in die Höhe getrieben worden. Trotzdem konnte das Luftschiff über die Höhenzüge des Tales glatt hinweggebracht werden. Da Dr. Eckener den letzten intakt gebliebenen Motor schonen wollte, be­schloß er, bis zur Riviera die Fahrt mit dem Wind zu. "Hirijiiieqiill1 u>>» »urt e»na i.fn ...... t^i'Jihk liminii

An dem Flug von Toulon nach Friedrichshafen werden 15 Passagiere teilnehmen, ebenso sechs französische Marineoffiziere, die Dr. Eckener zu dem Flug einge. laden hat. Nur drei Passagiere, die sich zum Amerikaflug an Bord desGraf Zeppelin" befanden, werden die Rück­fahrt nach Friedrichshafen mit dem Luftschiff nicht antreten.

präsident M a n i U. Während ein großes Bankett für geladene Gäste stattfand, beteiligten sich vor der Kathedrale etwa 120 000 Personen an einem Volksessen.

Sie größte FalschspielerbaOe gesprengt.

Beute über eine Million Mark.

Der Berliner Kriminalpolizei ist es gelungen, den größten Falschspielerskandal, der seit Jahrzehnten in Deutschland nachgewiesen werden konnte, aufzuklären. Eine weitverzweigte Bande von Falschspielern, die ihr Unwesen in den vornehmsten Badeorten und auf dem Lande trieb, konnte gesprengt werden. Die beiden An­führer der Bande wurden während der Pfingstfeiertage nach einer Verfolgung durch Flugzeug in Hildesheim festgenommen.

Den Verbrechern, denen ihre Falschspielerei bis in das Jahr 1S08 zurück bewiesen werden konnte, sind im Laufe der Jahrzehnte Geldbeträge in Höhe von mehr a l s ei n e r M i l l i o n in die Hände gefallen. Gegen acht weitere Mitglieder der Bande ist Steckbrief und Haft­befehl erlassen worden.

Beamis des polnischen Knegsmmistermms verhaftet.

Die Ursache geheimgehalten.

Der Referent des polnischen Kriegsministeriums, Rittmeister Prad z inski, ist unter dem Verdacht des Amtsmißbrauchs verhaftet worden. Gleichzeitig mit Pardzinski wurde sein Schwager Kucharzewski, der im Kriegsministerium als Zivilbeamter beschäftigt ist, fest- gcnbmmen Die Einzelheiten der Affäre werden von den Behörden geheimgehalten, doch melden die Blätter, daß eine Reihe von Persönlichkeiten aus Militär- und Zivil­kreisen im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit ver- hört worden ist. J

Rykow über Rußland und Pc»en.

Der polnische Gesandte verläßt den Saal.

Wie aus Moskau' gemeldet wird, äußerte R h k o w auf dem Rätekongreß in seinem Bericht über Sowjetruß­lands Außenpolitik, daß die Sowjetunion in guten Be­ziehungen mit Polen leben wolle; wenn man sich aber mit Polen schlagen sollte, werde man sich redlich schlagen. Dieser Satz wurde von den Versammelten mit großem Beifall ausgenommen. Der anwesende polnische Gesandte Patek jedoch verließ zum Zeichen des Protestes die Diplomatenloge. In W a r s ch a u erklärt man, daß der der herausforderuden Rede RVkowK gespendete Beifall von der kriegerischen Stimmung der Russen zeuge.